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Welche Verkehrsmittel profitieren in der Krise?

dpa, Matthias Arnold

Aktualisiert am 06.07.2020Lesedauer: 4 Min.
E-Tretroller stehen am Potsdamer Platz: Schon vor der Krise war der Markt neuer Verkehrsanbieter hart umkämpft. Mit Corona hat sich der Wettbewerb noch einmal verschärft.
E-Tretroller stehen am Potsdamer Platz: Schon vor der Krise war der Markt neuer Verkehrsanbieter hart umkämpft. Mit Corona hat sich der Wettbewerb noch einmal verschärft. (Quelle: Jens Kalaene/dpa-bilder)
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E-Roller, Leihraddienste oder Carsharing: Schon vor Corona war der Markt neuer Verkehrsanbieter hart umk√§mpft. Nun hat sich der Wettbewerb noch einmal versch√§rft. Wer k√ľnftig profitiert, h√§ngt auch von Entscheidungen der Kommunen ab.

Plötzlich war alles ganz entspannt: Kein Gedränge mehr in U-Bahnen und Bussen, kein Stau auf dem Weg zur Arbeit, keine Touristen, die auf E-Tretrollern die ohnehin schon engen Fahrradwege blockierten. Die Corona-Krise hat die Art der Fortbewegung auf den Kopf gestellt.

Viele Menschen arbeiteten pl√∂tzlich zu Hause. Raus gingen sie nur noch zum Einkaufen. Stra√üen, B√ľrgersteige und Radwege blieben weitgehend leer.

Regul√§rer Trubel kehrt zur√ľck

Was besonders Gro√üstadtbewohner trotz aller Belastungen auch als angenehm empfunden haben d√ľrften, stellte Anbieter von Verkehrsdiensten vor erhebliche Probleme. Der √Ėffentliche Nahverkehr (√ĖPNV) fuhr trotz leerer Fahrzeuge weiter ‚Äď und damit massive Verluste ein. E-Tretroller, die vorher zu Dutzenden an jeder Ecke standen, verschwanden von den Stra√üen. Und selbst Carsharing-Dienste und Leihrad-Anbieter verzeichneten zumindest zu Beginn der Krise einen Nachfrager√ľckgang.

"Das sind allerdings nur Momentaufnahmen. Was sich von den Veränderungen langfristig einpendelt, steht auf einem anderen Blatt", sagt Andreas Nienhaus, Verkehrsexperte bei der Beratungsfirma Oliver Wyman.

Allm√§hlich kehren die Nutzer zur√ľck. Busse, Bahnen und Stra√üen werden voller. Die Anbieter von Tretrollern, Fahrr√§dern und Leihautos berichten einheitlich von wieder steigenden Nutzerzahlen. Doch auf dem hart umk√§mpften Markt der Mobilit√§tsdienste ‚Äď da sind sich viele Experten einig ‚Äď wird es Ver√§nderungen geben, Gewinner und Verlierer.

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Fahrräder als beliebte Fortbewegungsmittel

Zu Ersteren geh√∂rt das Fahrrad. Die Zweiradindustrie vermeldet f√ľr Mai die h√∂chsten Verkaufszahlen ihrer Geschichte innerhalb eines Monats. Angesichts des sich fortsetzenden Verkaufsbooms liegt es nahe, dass auch der Leihradmarkt profitieren d√ľrfte: "Unsere Neuregistrierungen sind in eingen St√§dten durch die Decke gegangen", best√§tigt Mareike Rauchhaus, Sprecherin des Leihradanbieters Nextbike. "Wir erreichen neue Nutzergruppen, die das Fahrrad vielleicht ohne Krise gar nicht auf dem Schirm gehabt h√§tten."

Jashar Seyfi, Deutschlandchef beim E-Tretroller- und Fahrradanbieter Lime, sagt: "Es war interessant, zu sehen, wie schnell unser Fahrradgeschäft wieder angezogen hat und wie viel stärker das Fahrrad inzwischen wieder im Vergleich zu Vor-Corona-Zeiten ist." Das E-Tretroller-Geschäft entwickle sich hingegen ein wenig langsamer.

Auch bei Swapfiets, bei denen R√§der √ľber ein Abo-Modell √ľber mehrere Wochen und Monate ausgeliehen werden k√∂nnen, berichtet Gesch√§ftsf√ľhrer Marc van Pappelendam: "Corona wirkt wie ein Katalysator. Wir haben unsere Kundenzahlen in unseren M√§rkten Deutschland, D√§nemark, Belgien und Holland innerhalb der letzten 12 Monate auf inzwischen 200.000 verdoppelt."

Die Kommunen h√§tten den Trend erkannt: "Gro√üe St√§dte investieren derzeit massiv und schaffen eine deutlich bessere Fahrradinfrastruktur", sagt van Pappelendam und verweist auf Pop-Up-Fahrradwege wie in Berlin oder K√∂ln. "Manche √ľberlegen, Autos gleich ganz aus Stadtzentren zu verbannen ‚Äď etwa Paris."

Das Auto als Sieger in der Krise?

Doch besonders in Deutschland ist der Kampf um die Stra√üe noch lange nicht entschieden. "Die Industrie selbst geht davon aus, dass das Auto ein St√ľck weit der Gewinner der Krise sein wird", sagt Verkehrsexperte Nienhaus. Auch wenn die Zulassungszahlen von Neuwagen in ganz Europa massiv eingebrochen sind, muss das auf Dauer nicht so bleiben. "Es gibt F√∂rderprogramme, die in Deutschland sehr prominent diskutiert wurden. Und kaufe ich erstmal ein Auto, dann bin ich in den n√§chsten f√ľnf bis zehn Jahren an ein Verkehrsmittel gebunden."

Car-Sharing-Anbieter wie das zu VW geh√∂rende Unternehmen WeShare treten daher selbstbewusst auf. "Wir sehen, dass das Thema Car-Sharing zu den Corona-Krisengewinnern geh√∂rt", sagte k√ľrzlich Hauptgesch√§ftsf√ľhrer Philipp Reth. Inzwischen l√§gen die Auslastungswerte der per App buchbaren Autos sogar √ľber den Werten von vor der Corona-Krise.

Ver√§ndert habe sich allerdings das Fahrverhalten der Kunden: K√ľrzere Wege zur Arbeit fielen weg. Daf√ľr w√ľrden die Fahrzeuge l√§nger gebucht und etwa f√ľr den Wocheneinkauf genutzt, sagte Reth. Ab Sommer will das Unternehmen in Berlin deshalb ein Abomodell testen.

Schwerer Start f√ľr E-Roller

Auch Lime plant diesen Schritt f√ľr seine Fahrr√§der und E-Tretroller. Die Scooter sind seit mehr als einem Jahr in Deutschland zugelassen, und der Markt war seit jeher schwer umk√§mpft. Der harte Wettbewerb hat sich aus Sicht von Branchenexperte Nienhaus in der Corona-Krise noch einmal versch√§rft. Die meisten Tretroller-Anbieter in Deutschland mussten ihren Dienst w√§hrend der Krise vollst√§ndig einstellen.

Vor allem kleinere Anbieter in der zweiten Reihe seien bei den j√ľngsten Finanzierungsrunden leer ausgegangen, sagt Nienhaus. Und selbst finanzstarke Anbieter wie Uber haben sich komplett zur√ľckgezogen und ihre Flotten an die Konkurrenz verkauft. W√§hrend gr√∂√üere Unternehmen wie Lime, Tier oder Bird gut durch die Krise gekommen sind, d√ľrften mittelfristig viele kleinere verschwinden.

√ĖPNV konnte der Krise nicht stand halten

Doch der eindeutige Verlierer der Krise ist der √Ėffentliche Nahverkehr. Um rund 90 Prozent sind die Fahrgastzahlen vielerorts eingebrochen. Die Branche sch√§tzt die eigenen Verluste auf rund f√ľnf Milliarden Euro. F√ľr Nienhaus ist auch das ein Grund, warum das Auto in den Innenst√§dten bald wieder pr√§senter sein k√∂nnte. "Man erkennt gerade, dass diese ganzen Mobilit√§tskonzepte nicht die Menschenmassen auffangen k√∂nnen, die durch den Einbruch im √ĖPNV gerade frei werden", sagt er. "Viele steigen deshalb immer noch aufs Auto um."

Wollten die St√§dte einen Verkehrsinfarkt vermeiden, seien sie gut beraten, die Infrastruktur zugunsten der √ľbrigen Verkehrsangebote umzugestalten. Pop-up-Radwege, soll das im Klartext hei√üen, d√ľrfen nach der Krise nicht wieder verschwinden.

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