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"Das Coronavirus erreicht jetzt die Wirtschaft"

Von afp, str

Aktualisiert am 13.02.2020Lesedauer: 4 Min.
Ein Arbeiter beim Aufbau des Mobile World Congress (MWC) in Barcelona: Die Smartphone-Branche muss eilig umdisponieren.
Ein Arbeiter beim Aufbau des Mobile World Congress (MWC) in Barcelona: Die Smartphone-Branche muss eilig umdisponieren. (Quelle: Nacho Doce/Reuters-bilder)
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Die kurzfristige Absage des Mobile World Congress (MWC) in Barcelona hat die Smartphone-Branche kalt erwischt. Mehrere Monate der Vorbereitung sind jetzt umsonst. Auf die Veranstalter kommen hohe Geldforderungen zu. Und damit fangen die Probleme erst an.

Die kurzfristige Absage der weltgrößten Mobilfunkmesse MWC in Barcelona wegen des Coronavirus verursacht hohe Kosten und ist von Branchenvertretern mit Bedauern aufgenommen worden. Die Stornokosten lägen bei etwa 100 Millionen Euro, heißt es in Veranstalterkreisen. Darin sind Verluste für beteiligte Unternehmen einschließlich Hotels und anderer betroffener Firmen in der Gastgeberstadt noch nicht enthalten. "Die Region Barcelona wird die Absage am härtesten treffen", sagt Eric Matthes vom Nokia-Handyhersteller HMD Global.


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Die GSM Association hatte am Mittwochabend bekanntgegeben, dass der Mobile World Congress (MWC) in diesem Jahr wegen der Gesundheitsgefahren nicht wie geplant vom 24. bis 27. Februar stattfinden werde. Die Messe in Barcelona ist mit üblicherweise mehr als 100.000 Besuchern und rund 2.800 Ausstellern aus aller Welt eine der wichtigsten Branchenschauen.

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Darum ist der MWC so wichtig

"Für die Smartphone-Branche ist der MWC die internationale Leitmesse und die gesamte Branche trifft sich dort", sagt Franko Fischer, Leiter der DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) beim französischen Smartphone-Hersteller Wiko. "Wir machen ganz konkret Geschäftsabschlüsse, stellen Neuprodukte vor, informieren uns über den Markt und erhalten so einen Überblick, wie sich die Branche weiterentwickelt."

Auch der Hersteller der Nokia-Handys HMD Global bedauert, in diesem Jahr auf diese Gelegenheit verzichten zu müssen. "Wir müssen jetzt komplett umplanen", sagt Matthes, der die Geschäfte der Handymarke Nokia in Deutschland, Österreich und der Schweiz leitet. Mehrere Monate der Vorbereitung seien umsonst.

Livestream oder eigenes Event?

Wiko sieht sich bei der Neuplanung gegenüber den Top-Marken im Vorteil: "Anders als Großkonzerne können wir zum Glück relativ flexibel reagieren, unseren Zeitplan einhalten und der Schaden hält sich in Grenzen", sagt Fischer. "Aufgrund unseres engen Netzwerks in die Branche werden wir die Meetings entweder vorziehen oder nachholen, teils persönlich, teils per E-Mail oder Videocall."

Matthes findet die Absage des MWC vor allem aus PR-Gründen bedauerlich. Die Messe war in den Vorjahren stets ein Garant für internationale Aufmerksamkeit. Nun stehen die Smartphone-Hersteller vor der Entscheidung, ob sie ihre Pressekonferenzen trotzdem abhalten. Sony etwa will seine neuen Produkte einfach in einem Livestream vorstellen.

Andere Firmen werden eigene Events planen, teilweise mit viel Aufwand. Das kostet natürlich. "Da wird es in den kommenden Wochen noch viele Diskussionen ums Geld geben", sagt Matthes. Die Stände in Barcelona seien schließlich schon bezahlt. "Da steht schon die Hälfte der Messe", so Matthes. Einen Teil der Ausgaben werden die Unternehmen wohl abschreiben müssen.

Die Suche nach dem idealen Zeitpunkt

Hinzu kommen mögliche Terminkonflikte: Die Hersteller laufen Gefahr, ihre Produktpräsentationen im Schatten eines größeren Konkurrenten abhalten zu müssen. Auf dem Mobile World Congress ist das kein großes Problem. Schließlich sind die Wege vergleichsweise kurz. Doch wenn fünf verschiedene Hersteller in fünf verschiedene Städte einladen, werden die Redaktionen einigen Absagen müssen.

Sowohl Fischer als auch Matthes sind optimistisch, dass ihre Unternehmen die Folgen des MWC-Ausfalls verkraften können und dass die Produktneuheiten auch ohne die Messe "Schlagzeilen machen werden". Doch die Gesundheitskrise in China bleibt ein Branchenthema. "Das Coronavirus erreicht jetzt die echte Wirtschaft", sagt Fischer. Und auch Matthes findet: "Die Krise ist auf einmal näher gerückt."

Die Coronavirus-Krise bringt die Produktion in Gefahr

Mehrere Städte, in denen wichtige Zulieferer der Tech-Branche beheimatet sind, stehen unter Quarantäne. Immer mehr Airlines stellen ihre Verbindungen nach China ein. Dadurch geraten die Produktions- und Lieferketten aus dem Takt. Während die Absage des MWC vor allem ein medialer Verlust darstellt, fürchten sich die Hersteller viel mehr vor Verzögerungen in der Produktion. "Der MWC-Ausfall ist nur ein kleiner Stein in einem großen Konstrukt", sagt Matthes. Wenn die Krise weiter andauert, könnte es für die Smartphone-Branche "kritisch" werden.

Und nicht nur für die. Auch im Mobilfunkwesen fehlt der internationale Austausch. "Gerade in diesem Jahr wäre der Mobile World Congress besonders wichtig gewesen", kommentiert der Präsident des deutschen Branchenverbands Bitkom, Achim Berg, die Absage. "Weltweit steht der Aufbau der 5G-Netze an. Technologie und Markt sind extrem stark in Bewegung, es geht um Milliardeninvestitionen. Für dieses Thema fehlt nun die wichtigste Plattform."

"Epidemie der Angst"

Unverständnis über die Absage äußerte die katalanische Gesundheitsministerin Alba Verges. "Die Epidemie, die es hier gibt, ist eine Epidemie der Angst", sagte sie AFP. Es gebe "keinen gesundheitlichen Grund, um irgendeine Veranstaltung in Barcelona abzusagen".

Örtliche Hoteliers wiesen darauf hin, dass die Messewoche für sie eine der wichtigsten des Jahres sei und es keine Chance gebe, so kurzfristige Absagen aufzufangen. Von wirtschaftlich "sehr wichtigen Tagen" sprachen auch Vertreter der Unterhaltungsbranche Barcelonas sowie des Taxigewerbes. Der in der Stadt tätige Wirtschaftswissenschaftler Angel Barbero nannte die Absage "ein Desaster".

Die GSMA reagierte mit ihrer Entscheidung auf den Rückzug wichtiger Unternehmen: In den vergangenen Tagen hatten die Telekommunikationskonzerne Vodafone, Nokia, Deutsche Telekom, die britische BT und die japanische Rakuten bekanntgegeben, sie würden in diesem Jahr nicht an der Messe teilnehmen, um der Ausbreitung des Coronavirus keinen Vorschub zu leisten.

Bislang wurden in Spanien nur zwei Fälle von Infektionen registriert. Unter den Besuchern sind nach Angaben der Veranstalter allerdings normalerweise 5.000 bis 6.000 Teilnehmer aus China, wo das Coronavirus erstmals festgestellt wurde und mit mehr als 44.000 bekannten Infektionen am weitesten verbreitet ist.

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Von Alexander Roth-Grigori
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