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Nach Hacker-Eklat um Attila Hildmann: Twitter sperrt Anonymous Deutschland

Nach Eklat um Attila Hildmann  

Twitter sperrt Kanal von Anonymous Deutschland

14.09.2021, 16:41 Uhr
Nach Hacker-Eklat um Attila Hildmann: Twitter sperrt Anonymous Deutschland. Attila Hildmann (Archivbild): Anonymous Deutshcland hat Online-Kanäle vondes Verschwörungspredigers gekapert.  (Quelle: Christophe Gateau/dpa)

Attila Hildmann (Archivbild): Anonymous Deutschland hat Online-Kanäle des Verschwörungspredigers gekapert. (Quelle: Christophe Gateau/dpa)

Das Hacker-Kollektiv Anonymous Deutschland kam an brisante Daten über Attila Hildmann und kaperte im Zuge dessen auch Online-Auftritte des Verschwörungserzählers. Nun hat Twitter den Account der Hacker gesperrt.

Twitter hat den Account von Anonymous Deutschland auf seiner Plattform gesperrt: @AnonNewsDE. Die Sperrung erfolgte am Montagabend. Am Montagmorgen wurde bekannt, dass Anonymous Websites von Attila Hildmann übernommen hatte. Zudem plant das Hacker-Kollektiv, vertrauliche Daten von Hildmann an Medien und Behörden weiterzuleiten. Die ganze Geschichte lesen Sie hier

Einen Grund für die Sperrung nannte Twitter zunächst nicht. Auf der Twitter-Seite von @AnonNewsDE steht lediglich: "Twitter sperrt Accounts, die gegen die Twitter Regeln verstoßen". Viele Nutzer vermuteten darum, dass der Twitter-Account zu oft gemeldet und deswegen vom System autmatisch gesperrt wurde. Der Account hatte mehr als 98.000 Follower.

Twitter äußert sich zur Sperrung

Jedoch zeigte sich, dass Twitter tatsächlich aus eigenem Antrieb den Account gesperrt hatte. Auf Anfrage von t-online erklärte ein Sprecher von Twitter, dass das Konto dauerhaft gesperrt wurde, weil es gegen drei Richtlinien der Plattform verstoßen hat: die Richtlinie zur Verbreitung von gehacktem Material, die Richtlinie zu privaten Informationen und gegen die Richtlinie zu Plattformmanipulation und Spam.

"Es ist nicht erlaubt, private Informationen anderer Personen ohne deren Erlaubnis zu tweeten", so der Sprecher. "Dazu gehören auch Inhalte, die illegal erworben oder gehackt wurden. Sie dürfen auch nicht damit drohen, private Informationen preiszugeben, oder andere dazu auffordern, dies zu tun."

Auch warnt Twitter vor Links zur Website von Anonymous. Wer beispielsweise auf Twitter einen Link anklickt, der zum Artikel Anonymous über die Hildmann-Geschichte führt, erhält von Twitter die Warnung, dass der Link möglicherweise nicht sicher sei. 

 (Quelle: Screenshot) (Quelle: Screenshot)

#FreeAnonNewsDe trendet auf Twitter

Nach der Sperre trendet auf Twitter in Deutschland auch der Hashtag #FreeAnonNewsDe. Hier empören sich viele Nutzer darüber, dass der Kanal gesperrt wurde und fordern eine Reaktion von Twitter. Unter dem Hashtag Hildmann, der vor allem am Montag trendete, diskutierten Nutzer zudem auch darüber, ob die Aktion von Anonymous nicht Selbstjustiz und gerechtfertigt sei.

Auch Politiker wie der EU-Abgeordnete der Piratenpartei Patrick Breyer haben auf die Sperre reagiert. Breyer weist unter anderem auf den Mikroblogging-Dienst Mastodon hin. Dort sind die Beiträge von @AnonNewsDE auch noch einsehbar.

Anonymous selbst hatte die Sperrung auf seiner Website am Montag noch mit einer kurzen Nachricht kommentiert. Darin schreibt das Hacker-Kollektiv unter anderem, dass die Sperrung die Gruppe in seiner Arbeit nicht einschränke: "Wer glaubt, Anonymous sei jemals zum Schweigen zu bringen, der irrt. Sehr sogar", schreiben die Hacker. 

Mittlerweile haben sich die Mitgleider hinter dem @AnonNewsDE-Account auf der Anonymous-Seite gemeldet. In einem längeren Beitrag kritisieren sie unter anderem Twitter und zeigen sich über die Entscheidung irritiert. Auf die Stellungnahme von Twitter gibt es als Antwort: "Dann sollte Twitter sich die Tweets und die Artikel nochmal anschauen. Denn weder wurde gehacktes Material verbreitet, noch wurden private Informationen geleakt. Und das mit dem Spam ist eh Quatsch."

Hildmann-Vertrauter gab Daten weiter

Hintergrund des Ganzen ist die Übernahme von Hildmann-Websites und Telegramkanälen durch das Hacker-Kollektiv Anonymous Deutschland. Dem Bekennerschreiben der Gruppe zufolge soll ein ehemaliger Vertrauter Hildmanns die Zugriffsdaten zur Verfügung gestellt haben. Mehr dazu lesen Sie hier

Der Mann, der unter dem Namen Kai E. bekannt ist, soll in Hildmanns Umfeld als IT-Administrator gearbeitet haben. Ihm war es offenbar gelungen, den Eindruck zu erwecken, die Daten seien bei ihm sicher vor dem Zugriff der deutschen Strafverfolgungsbehörden. Deswegen habe Hildmann ihm die Logins und Internet-Domains freiwillig übergeben.

Laut Anonymous gäben die Daten einen tiefen Einblick in die Welt des Holocaust-Leugners Hildmann. In den kommenden Tagen würden Details veröffentlicht werden, damit die Presse und Strafverfolgungsbehörden sie auswerten könnten. So soll aus den erbeuteten E-Mails hervorgehen, welche Unternehmen nach der Radikalisierung Hildmanns sich von ihm distanziert und eine Zusammenarbeit mit dem einst erfolgreichen TV-Koch eingestellt haben und welche Firmen die Kooperation fortgesetzt haben. 

Hildmann bestätigte im Nachhinein die Übernahme seiner Kanäle in einer Sprachnachricht auf einem weiteren Telegram-Kanal, der ihm zugeordnet werden kann.

Hildmann wird in Deutschland gesucht

Anonymous Deutschland geht schon seit längerem gegen Attila Hildmann vor, beispielsweise mit der "Operation Tinfoil". In einem Interview mit t-online erklärten die Aktivisten im Juli 2020 ihre Motivation. Das Interview finden Sie hier

Die deutsche Justiz ermittelt zudem gegen Hildmann wegen des Verdachts der Volksverhetzung. Im Juli teilte die Berliner Staatsanwaltschaft mit, dass ein Ende der Ermittlungen nicht abzusehen sei. Es kämen auch neue Verdachtsfälle durch aktuelle Äußerungen im Internet hinzu, sagte eine Sprecherin der Berliner Staatsanwaltschaft. Es gebe keinen Stillstand in dem Ermittlungsverfahren.

Ein Haftbefehl gegen Hildmann kann nicht vollstreckt werden – er soll zuletzt in der Türkei gewesen sein. Der 40-Jährige hat laut Staatsanwaltschaft neben der deutschen auch die türkische Staatsbürgerschaft.

Früher als veganer Kochbuchautor und Fitness-Guru bekannt, nennt Hildmann sich inzwischen selbst "ultrarechts" und einen Verschwörungsprediger. Er trat bei Protesten gegen die Corona-Schutzmaßnahmen auf. Seine Äußerungen lösten Kritik und Entsetzen aus – etwa bei seinem Kochbuch-Verlag, der die verlegerische Zusammenarbeit schon vor Jahren einstellte.

Update 14.09.2021: Eine Stellungnahme von Twitter wurde ergänzt. Einige Passagen wurden angepasst und Tippfehler entfernt. Die Reaktion von @AnonNewsDE wurde ergänzt.

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