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IFA 2018: Diese Tretroller starten richtig durch

IFA 2018 elektrisiert  

Diese Tretroller starten richtig durch

Von Laura Stresing

01.09.2018, 13:00 Uhr
IFA 2018: Diese Tretroller starten richtig durch. Die SoFlow-Roller können theoretisch bis zu 37 km/h schnell fahren. (Quelle: t-online.de/Laura Stresing)

Die SoFlow-Roller können theoretisch bis zu 37 km/h schnell fahren. (Quelle: Laura Stresing/t-online.de)

In den USA sind sie bereits ein Hit: Elektrisch betriebene Tretroller und Skateboards sollen hippe Großstädter von A nach B bringen. Doch erst einmal ist der Gesetzgeber gefragt. In Deutschland wären die meisten Geräte nämlich illegal – noch.

Geschäftsleute im Anzug, die auf einem Tretroller zur Arbeit düsen – in Deutschland kann man sich das heute nur schwer vorstellen. Auf der IFA hingegen begegnen dem Besucher gleich mehrere Firmen, die überzeugt sind: Das ist die Zukunft. Vom Hoverboard, über elektrische Einräder und Tretroller bis hin zum hippen E-Skateboard – die Auswahl an elektrisch betriebenen Kleinstfahrzeugen wächst.

Leider gibt es ein Problem: In Deutschland ist fast keines dieser Gefährte im Straßenverkehr zugelassen. "Momentan verkaufen wir die Geräte noch mit dem Hinweis, dass man sie nur auf dem Privatgelände fahren darf", sagt Michael Kern des E-Scooter-Herstellers "Denver Electronics". Trotz dieser Einschränkung sei der Verkauf der Elektro-Tretroller vor allem im Online-Handel sehr gut angelaufen, auch in Deutschland.

Deutschland will Tretroller mit Fahrersitz

Die Nachfrage ist also da. Das bestätigt auch Manuel Hug, Gründer der Firma SoFlow aus der Schweiz. Er verkauft seine elektrischen Tretroller und Skateboards bereits in alle Welt, vor allem nach China und in die USA. Innerhalb der EU werde das Geschäft aber durch die von Land zu Land verschiedenen Vorgaben ausgebremst.Die SoFlow-Roller können theoretisch bis zu 37 km/h schnell fahren. (Quelle: t-online.de/Laura Stresing)Die SoFlow-Roller können theoretisch bis zu 37 km/h schnell fahren. (Quelle: Laura Stresing/t-online.de)

In seiner Schweizer Heimat konnte Hug seine elektrischen Tretroller problemlos auf die Straße bringen. In anderen Ländern wie etwa in Deutschland seien die Behörden deutlich strenger und verlangen vom Hersteller Modifikationen, beispielsweise einen aufmontierten Fahrersitz, bevor sie eine Genehmigung erteilen. "Dann macht das ganze Produkt natürlich keinen Sinn mehr", klagt der SoFlow-Gründer. 

Wie so ein modifizierter Tretroller aussieht, kann man am Stand von Segway sehen. Die Firma ist bekannt für die bei Touristen beliebten Stehroller. Mit seiner Ninebot-Serie setzt Segway nun den Durchbruch der flippigeren Modelle für Alltagsnutzer – und scheut nicht davor zurück, einen Sitz auf einen Tretroller zu montieren, wenn es der Markt erfordert.Den Roller von Segway gibt es auch mit installiertem Sitz. (Quelle: Laura Stresing)Den Roller von Segway gibt es auch mit installiertem Sitz. (Quelle: Laura Stresing)

EU arbeitet bereits an neuen Vorgaben

Doch all das könnte sich schon bald erübrigen. Die EU arbeite bereits an neuen Vorgaben für die "Personal Light Electric Vehicles" oder PLEVs, wie die Fahrgeräte im Brüsseler Bürokratensprech genannt werden, berichtet Hug. Die Anforderungen der Prüfstellen an die neue Fahrzeugklasse seien bereits seit ein paar Wochen bekannt, sagt Hug. Jetzt müssen die Fahrzeuge daran angepasst werden. "Pünktlich zum Weihnachtsgeschäft wollen wir die ersten EU-konformen Geräte herausbringen", kündigt der SoFlow-Gründer an.

Keine Frage: Gelten erst einmal EU-weite Standards, dürfte das dem Markt für elektrische Kleinstfahrzeuge einen deutlichen Schub verpassen. In den USA sind die handlichen "E-Scooter" bereits ein Hit – allerdings auch nicht ganz unumstritten. Leihanbieter wie "Lime" oder "Bird" haben die elektrifizierten Tretroller in Großstädten wie New York oder San Francisco populär gemacht. Ihr Erfolg hat die Stadtverwaltungen geradezu überrumpelt. Achtlos abgestellte Fahrzeuge sorgten bald für Ärger – ähnlich wie bei den Leihradanbietern.

E-Scooter als Lösung für Verkehrsprobleme

Gleichzeitig sehen Experten in den Kleinstfahrzeugen eine Lösung für drängende Verkehrsprobleme, gerade in staugeplagten Städten wie New York, wo das öffentliche Nahverkehrsnetz große Lücken aufweist. Die Menschen nutzen die E-Scooter, um die berühmte "letzte Meile" zurückzulegen, also die Strecken zwischen Haustür, U-Bahnstation und dem eigentlichen Ziel. Die faltbaren Elektro-Flitzer sind ideal dafür, denn sie sind schnell, komfortabel und platzsparend. Auch die Nachfrage nach elektrischen Skateboards wie dem "Louboard" sei inzwischen riesig in den USA, sagt Hug. Dabei wurde die Idee anfangs noch belächelt.Das elektrische Skateboard Louboard von SoFlow lässt sich mit einer Fernbedienung fahren. (Quelle: t-online.de/Laura Stresing)Das elektrische Skateboard Louboard von SoFlow lässt sich mit einer Fernbedienung fahren. (Quelle: Laura Stresing/t-online.de)

Die Menschen mussten sich wohl erst von der Vorstellung lösen, dass es sich bei den Gefährten um Freizeit- oder Sportgeräte handelt. "Es geht in erster Linie um Mobilität", erklärt Hug. Außer der Form hätten seine Produkte nichts mehr mit einem klassischen Tretroller oder Skateboard gemeinsam.

Skaten per Fernbedienung

Um mit einem elektrischen Skateboard zu fahren, braucht man nicht viel Übung, versichert Hug. Denn anders als beim klassischen Skaten, bleibt man mit beiden Beinen auf dem Board stehen. Man muss nicht einmal antreten: Über eine Fernbedienung, die man während der Fahrt in der Hand hält, lässt sich die Geschwindigkeit regulieren. Das neueste Premium-Modell, das Louboard 3.0, kommt auf bis zu 35 Stundenkilometer (km/h) und kostet knapp 1.000 Euro.

Noch leichter geht es mit den SoFlow-Rollern. Man steigt auf, tritt einmal an, drückt gleichzeitig den Geschwindigkeitsregler nach vorne und los geht’s. Links am Lenker befindet sich die Bremse. Theoretisch können die Gefährte bis zu 37 km/h schnell werden. Der Gesetzgeber wird die Höchstgeschwindigkeit aber voraussichtlich auf 20 km/h beschränken. Eine Batterieladung reiche, je nach Modell, für zehn bis 35 Kilometer, sagt Hug. 

Um die volle Geschwindigkeit der Tretroller auskosten zu können, braucht man eine freie, gerade Strecke. In engen Kurven wird es mit dem E-Scooter schwierig. Auch zum Wenden braucht man eine große Fläche oder muss absteigen und schieben. Allzu weite Wege möchte man mit einem solchen Gerät im Gepäck nicht zurücklegen. Das leichteste Modell von SoFlow wiegt immerhin knapp sieben Kilo. Und sie sind nicht billig: Zwischen 300 und 600 Euro kostet ein elektrischer Tretroller von SoFlow. Ein Skateboard gibt es schon ab 249 Euro.

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Im Straßenverkehr sollte man sich mit so einem Ding besser nicht erwischen lassen. Für das Fahren eines Kraftfahrzeugs ohne Zulassung und Versicherungsschutz drohen in Deutschland saftige Strafen. "Und sind wir mal ehrlich: Auf der Straße haben die Dinger wirklich nichts zu suchen", sagt Kern von Denver Electronics über die E-Tretroller. Eine Freigabe für Fuß- und Radwege könne er sich aber gut vorstellen. Jetzt liegt es am Gesetzgeber, die Sache ins Rollen zu bringen.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherchen

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