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WhatsApp-Kettenbriefe: Heimliche Installation der Corona-App?

WhatsApp-Kettenbrief  

Nein, die Corona-App wurde nicht heimlich installiert

26.05.2020, 13:26 Uhr | str, t-online

WhatsApp-Kettenbriefe: Heimliche Installation der Corona-App?. Ein Mann benutzt die Tracing-App SwissCovid auf seinem Smartphone: Eine ähnliche App zur Kontaktnachverfolgung soll es auch in Deutschland geben.  (Quelle: dpa/Laurent Gillieron)

Ein Mann benutzt die Tracing-App SwissCovid auf seinem Smartphone: Eine ähnliche App zur Kontaktnachverfolgung soll es auch in Deutschland geben. (Quelle: Laurent Gillieron/dpa)

Auf den wochenlangen Streit um die Umsetzung einer deutschen Corona-Warn-App im März folgte im April auf einmal wochenlange Stille. Was ist aus den Plänen geworden? Auf WhatsApp kursiert jetzt ein Kettenbrief, in dem behauptet wird, die App sei bereits still und heimlich auf dem Handy installiert worden. Wir erklären, wie es zu dem Missverständnis kommen konnte. 

In der Schweiz steht die Corona-App offenbar kurz vor der Vollendung: Das Nachbarland testet derzeit eine Smartphone-Anwendung namens SwissCovid, die Nutzer warnen soll, wenn sie Kontakt mit einer infizierten Person hatten. Auch in Deutschland knüpfen sich große Hoffnungen an eine solche App, denn sie könnte dabei helfen, die Coronavirus-Epidemie langfristig in den Griff zu bekommen.

Wurde die App heimlich installiert?

Im Prinzip kommt eine Contact-Tracing-App gänzlich ohne die Speicherung von Standortdaten und anderen sensiblen Informationen aus. Es findet kein Nutzertracking statt. Dennoch argwöhnen manche Nutzer, dass der Staat durch die digitale Erfassung der Kontakte einen massiven Eingriff in die Privatsphäre der Bürger plane. In weitergeleiteten Nachrichten warnen sie ihre Freunde vor dem vermeintlichen Überwachungsinstrument. 

Laut dem Portal "Verbraucherschutz.com" kursiert beispielsweise auf WhatsApp ein Kettenbrief, in dem behauptet wird, dass die Corona-Warn-App bereits still und heimlich auf dem Smartphone installiert worden sei – ohne Zutun des Nutzers. 

Das ist die Nachricht im Wortlaut: 

Heute Nacht wurde still und heimlich die Corona App auf unser aller Smartphones installiert. ? Wer es nicht glaubt, bitteschön:E
instellungen > Google > Benachrichtigung zu möglichen Kontakt zu COVID 19 Infizierten.D
ie App kann nicht deaktiviert werden.W
illkommen in der totalen Überwachung.T
ipp: Bluetooth aus, Standort aus.D

abei handelt es sich um ein Missverständnis: Fakt ist, dass Apple und Google per Update eine Programmierschnittstelle aktiviert haben, an die Corona-Warn-Apps anknüpfen können. Es handelt sich um keine einsatzfähige App, sondern lediglich um eine neue Bluetooth-Funktion, die sich erst im Zusammenhang mit einer App aktivieren oder deaktivieren lässt. Solange es also keine App gibt, ist die Funktion inaktiv und kann dementsprechend auch nicht vom Nutzer deaktiviert werden. W

as passiert, wenn die App veröffentlicht wird?D

ie entsprechende Contact-Tracing-App ist für Deutschland noch gar nicht verfügbar und wird frühestens im Juni erwartet. Sobald sie verfügbar ist, müssen Nutzer sie selbständig aus dem App Store herunterladen, installieren und aktivieren. Vorher werden über die neue Bluetooth-Funktion keine Daten erhoben oder gespeichert.

Die Installation und Nutzung der Corona-App wird freiwillig sein, das hat die Bundesregierung mehrfach versichert. Auch rechtlich kann niemand dazu verpflichtet werden, die App zu nutzen. Die Funktionen lassen sich jederzeit deaktivieren und die gesammelten Daten löschen, so sieht es das Konzept vor. 

 (Quelle: t-online/Statista) (Quelle: t-online/Statista)

Wie funktioniert das Contact-Tracing ohne Tracking? 

In einer Tracing-App wird weder gespeichert, mit wem der Nutzer Kontakt hatte, noch wo der Kontakt stattgefunden hat. Die privatsphärefreundliche Umsetzung war eine der Grundvoraussetzungen und zentrale Forderung für die Entwicklung der Contact-Tracing-App. 

Statt persönlichen Informationen zu ihren Besitzern tauschen die Geräte nur sogenannte Schlüssel aus. Per Bluetooth-Technologie wird auf dem Smartphone erfasst, welche Geräte sich wie lange in unmittelbarer Nähe zueinander befunden haben.

Stellt sich im Nachhinein heraus, dass einer der Besitzer mit dem Coronavirus infiziert war, wird das in der App vermerkt und eine Push-Mitteilung an die Nutzer geschickt, die sich durch den Kontakt angesteckt haben könnten. Bei der Bewertung des Risikos spielen sowohl der Abstand als auch die Dauer des Kontakts eine Rolle. Beides kann durch die Bluetooth-Technologie gemessen werden, ohne dass die Identität der Geräte-Träger übermittelt wird. 

Mehr zur Funktionsweise des Contact-Tracings hier.  

Welche Rolle spielt das Update von Google und Apple?

Mit ihrem Update legen Google und Apple einen wichtigen Grundstein für das Contact-Tracing. Das Prinzip der Kontaktermittlung via Bluetooth funktioniert nämlich nur dank eines gemeinsam entwickelten Standards, der den dezentralen und datenschutzfreundlichen Datenaustausch zwischen Android-Smartphones und iPhones überhaupt erst ermöglicht. Die verschiedenen Apps der staatlichen Gesundheitsbehörden können an diese Programmierschnittstellen anknüpfen. Pro Land soll es nur eine offizielle App geben. 

In Deutschland dauert die Entwicklung der Corona-Warn-App aber länger als gedacht – unter anderem deshalb, weil es anfangs einen Richtungsstreit unter den Entwicklern gab. Dieser ist nun beigelegt, man hat sich auf eine einheitliche Lösung geeinigt.

Die Telekom und der IT-Konzern SAP wurden von der Bundesregierung mit der Entwicklung der App betraut. Die ersten Details zum Konzept wurden bereits im Netz veröffentlicht. Auch jeder weitere Zwischenschritt soll öffentlich dokumentiert werden. Verläuft alles nach Plan, könnte die App im Juni an den Start gehen. 

Warum hören wir seit Wochen nichts mehr von der App?

Die Transparenzbemühungen reichen aber offenbar nicht aus, um Gerüchte oder auch berechtigte Sorgen der Nutzer auszuräumen. Ein Problem ist, dass sich die technischen Dokumentationen überwiegend an ein Fachpublikum richten. Darüber hinaus gibt es wenige neue Informationen zum Status der App. Nach dem anfänglichen Chaos, das für viel Kritik gesorgt hatte, halten sich die Macher zurück mit öffentlichen Versprechen. 

Das ist einerseits nachvollziehbar, denn wer schweigt, erspart sich manchen Ärger. Andererseits zeigt sich jetzt, dass ein zu langes Schweigen auch Risiken birgt: Die Stille wird von anderen durch irreführende Gerüchte gefüllt und das Misstrauen wächst. Das sind keine günstigen Startvoraussetzungen für eine App, die nur funktionieren kann, wenn sie von vielen genutzt wird. 

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