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So machte China im Internet Corona-Propaganda

  • Lars Wienand
Von Lars Wienand

Aktualisiert am 13.06.2020Lesedauer: 3 Min.
Propaganda f├╝r China: Twitter hat mehr als 20.000 Twitter-Konten geschlossen, die in staatlicher Mission Stimmung in der Corona-Krise gemacht haben sollen.
Propaganda f├╝r China: Twitter hat mehr als 20.000 Twitter-Konten geschlossen, die in staatlicher Mission Stimmung in der Corona-Krise gemacht haben sollen. (Quelle: Montage: t-online.de)
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Chinas Regierung l├Ąsst Trolle auf westliche Netzwerke los: Wissenschaftler gehen davon aus, dass chinesische Stellen mit Tausenden Accounts in der Corona-Krise Propaganda gemacht haben. Gepostet wird zu Pekinger B├╝rozeiten.

Die kommunistische F├╝hrung in China setzt offenbar verst├Ąrkt auf westliche soziale Netzwerke. Twitter hat 23.000 Accounts gesperrt, die das Unternehmen Kampagnen des chinesischen Staats zugeordnet hat. Zwei Forschungseinrichtungen haben die Daten analysiert und kommen zum Schluss: China versucht zunehmend, mit Fake-Accounts die Stimmung zu beeinflussen.


Fotoshow: Wo das Virus aktuell am schlimmsten w├╝tet

Nur wenige Touristen in den sonst ├╝berf├╝llten Stra├čen von Dubrovnik: Lange Zeit blieb der S├╝dosten Europas weitestgehend von der Pandemie verschont. Doch seit kurzem melden die Staaten der Balkanregion wieder stark steigende Infektionszahlen (Stand Anfang Juli 2020). In Kroatien ist die Zahl der infizierten Personen vergangene Woche im Vergleich zur Vorwoche um ├╝ber 230 Prozent angestiegen. ├ťber 3.000 Menschen sind in dem beliebten Urlaubsland mit dem Coronavirus infiziert.
Menschen warten vor einer Klinik in Belgrad: Auch in Serbien schie├čen die Infiziertenzahlen wieder in die H├Âhe. Anfang Juli sind die Zahlen im Vergleich zur Vorwoche um 125 Prozent gestiegen. F├╝r die Hauptstadt Belgrad, wo die meisten neuen Infektionen gemeldet wurden, hat die serbische Regierung sch├Ąrfere Corona-Ma├čnahmen verh├Ąngt. Auch das Nachbarland Griechenland hat reagiert und seine Grenzen f├╝r serbische Reisende geschlossen.
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Von den Konten wurden fast 350.000 Nachrichten abgeschickt. Diese Tweets und die dazugeh├Ârigen Accounts hat Twitter dem "Internet Observatory" der Universit├Ąt Stanford und der Denkfabrik "Australian Strategic Policy Institute" (ASPI) zur Analyse zur Verf├╝gung gestellt. ASPI wurde von der australischen Regierung gegr├╝ndet und wird zum Teil vom Verteidigungsministerium finanziert.

Keine Follower, wenig Infos

Ein gro├čer Teil der Accounts hatte keine Follower und wenig Infos: "Es wurde minimaler Aufwand betrieben, die Accounts echt aussehen zu lassen", so die ASPI-Forscher. Masse und Schnelligkeit ging offenbar ├╝ber Qualit├Ąt, Tweets seien auch voller Fehler gewesen, ├ťbersetzungen ins Englisch offenbar durch Programme gelaufen.

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Einige wenige Accounts mit vielen Followern waren auch Konten, die gehackt oder gekauft worden sein k├Ânnten: So war einer der gr├Â├čten Accounts mit einer h├╝bschen Chinesin im Profilbild vorher vorgeblich von einem Mann in Bangladesch betrieben worden, berichtet ASPI. Das zeige, dass den Betreibern Vertrauen, F├Ąhigkeit und Glaubw├╝rdigkeit gefehlt habe, selbst h├Âherwertige Accounts aufzubauen.

Auch Erdogan-Fans erwischt
Twitter hat neben den chinesischen auch t├╝rkische und russische Konten gesperrt. Bei rund 1.000 russischen Konten sei es vor allem um Kampagnen gegen Oppositionspolitiker Alexei Nawalny gegangen. In der T├╝rkei stie├č Twitter auf gehackte Konten und Fake-Accounts, die aus dem Umfeld der AKP-Jugend heraus f├╝r AKP-Politik und Pr├Ąsident Erdogan Stimmung machten. 7.340 Konten wurden gesperrt.

Und: Zwar gaben viele der Accounts Standorte in den USA an ÔÇô manche sogar in Deutschland ÔÇô es war aber verr├Ąterisch, wann sie vor allem aktiv waren: Am meisten werktags zwischen 8 und 17 Uhr Pekinger Zeit. F├╝r seine B├╝rger hat China Twitter blockiert, wenn sie nicht zu technischen Tricks greifen.

Erst Hongkong, dann Corona

Zum Teil waren die Accounts schon 2017 angelegt worden. Im August 2019 hatte Twitter schon einmal 936 Accounts gesperrt, die in chinesischem Auftrag in Hong Kong Stimmung gemacht haben sollen.

Die nun gesperrten Accounts wurden richtig aktiv im Herbst 2019 zu Protesten in Hongkong. Demonstranten wurden etwa als Kakerlaken dargestellt. Nach einem kurzen heftigen Strohfeuer zur Wahl in Taiwan begann Ende Januar das Propaganda-Twittern rund ums Coronavirus.

Die Forscher aus Stanford stellten fest, wie die Strategie sich w├Ąhrend der Corona-Krise ├Ąnderte: Erst Verharmlosen und Kritikern Dramatisieren vorwerfen, dann, als es nichts mehr zu verharmlosen gab, Chinas entschlossenes Handeln loben. Mit der Zuspitzung der Lage in Europa und in den USA wurde China als Vorbild hingestellt, von dem die USA h├Ątten lernen sollen, statt "politisch voreingenommen" China zu verurteilen. In Tweets wurde Chinas Hilfe in anderen L├Ąndern gepriesen und der EU Versagen vorgeworfen.

Kooperation mit serbischen Helfern?

Eine fr├╝here Analyse des Digital Forensic Centers war bereits zu dem Verdacht gekommen, dass es in Serbien eine koordinierte Kampagne mit Fake-Accounts gegeben hatte: Serbisch-chinesische Freundschaft wurde gepriesen, die EU verdammt. Auch der Account der chinesischen Botschaft in Italien soll k├╝nstliche Unterst├╝tzung bekommen haben. Hilfslieferungen aus China stellten sich zum Teil als untauglich heraus.

Ausgerichtet haben die nun gesperrten Propaganda-Accounts nach Einsch├Ątzung der Experten aus Stanford und vom ASPI wenig: "Organisches Engagement mit der Kampagne erscheint sehr niedrig", so die ASPI-Forscher. Entsprechende Beobachtungen wollen sie auch auf Facebook gemacht haben, ohne dort wie bei Twitter Datens├Ątze dazu haben.

Die Nachrichten erreichten also kaum Nutzer au├čerhalb des Netzwerks der betroffenen Accounts. Allerdings waren von dort genutzte Hashtags zeitweise in den Twitter-Trends, offenbar weil auch Retweets bei entsprechenden Anbietern von Netzwerken gekauft worden waren.

Russische Taktiken kopiert

Die Autoren von ASPI sehen Anzeichen, dass Chinas Kommunistische Partei sich Taktiken und Auswirkungen russischer Desinformation abschaut. Dass es jetzt wenig Effekt hatte, bedeutet demnach wenig: "Die Online-Experimente machen es dem Propaganda-Apparat m├Âglich, seine Bem├╝hungen neu zu justieren, um Publikum auf westlichen Plattformen zu beeinflussen."

Chinas Au├čenministerium kritisierte am Freitag Twitters Entscheidung. China sei "das gr├Â├čte Opfer von Desinformation", so eine Sprecherin zur Agentur Reuters. Twitter solle Accounts schlie├čen, die organisaiert und koordiniert China in Misskredit bringen w├╝rden.

Die ASPI-Wissenschaftler sehen auch Anzeichen, dass China trotz Sperrung seine Bem├╝hungen fortsetzt. Die Australier schreiben von "signifikantem Aufwand an Zeit, Arbeit und Budget." Aktuell sehen sie eine Kampagne in den USA: Der Tod George Floyds und die Proteste werden demnach in den Accounts zum Anlass f├╝r eine Warnung an die Bev├Âlkerung von Hong Kong genommen: Den USA sei nicht zu trauen, weil Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Freiheit dort "drei gro├če L├╝gen" seien.

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