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Selbst wenn Trump verliert – seine Lieblingswaffe bleibt ihm

Von Nicole Diekmann

Aktualisiert am 30.10.2020Lesedauer: 3 Min.
Ein Laptop mit Donald Trump und Twitter-Logo im Hintergrund: Wenn Trump die Wahl verliert, hat er immer noch Twitter.
Ein Laptop mit Donald Trump und Twitter-Logo im Hintergrund: Wenn Trump die Wahl verliert, hat er immer noch Twitter. (Quelle: Jaap Arriens/ZUMA Press/imago-images-bilder)
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Donald Trump könnte das Weiße Haus verlieren. Seinen Twitter-Account aber behält er. Für den verrohten Ton und die Polarisierung ist deshalb fast egal, wer die US-Wahl gewinnt.

"Donald Trump ist der Präsident. Nicht irgendein verrückter Onkel."

Keine Sorge, ICH bin auch keine verrückte Tante und schreibe hier wilde Sätze ohne Sinn und Verstand auf. Diese Klarstellung über den US-Regierungschefs stammt nicht von mir, sondern von der TV-Journalistin Savannah Guthrie. Mit diesen Worten erklärte sie die Rolle von Donald Trump keinem Geringeren als Trump selbst in einer Fernsehsendung.

Dass eine TV-Moderatorin einen Regierungschef wegen seines Twitterverhaltens zur Ordnung ruft, ja ihn mit einem "verrückten Onkel" vergleicht, klingt selbst verrückt. Doch Donald Trump agiert auf der Plattform tatsächlich so unberechenbar und seinem Amt unangemessen, dass der Vergleich der Journalistin fast schon angemessen wirkt. Der Spuk wäre bei einer Wahlniederlage Trumps vorbei, glauben Sie? Nicht so schnell.

Wenn Trump das WeiĂźe Haus verliert, bleibt ihm Twitter

Denn sollte Trump die Wahl verlieren und das Weiße Haus verlassen müssen, verliert er zwar auch die Macht über den Twitter-Account namens "POTUS" (Akronym für "President of the United States"). Seinen eigenen aber, mit derzeit unglaublichen 80 Millionen Followern, behält er. Und sein Temperament und seinen Hang zu TIRADEN, SALVEN VON TWEETS, ABGEFEUERT WIE AUF SPEED UND IN WÜTENDEN GROSSBUCHSTABEN.

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Die Fernsehjournalistin Nicole Diekmann kennt man als seriöse Politik-Berichterstatterin. Ganz anders, nämlich schlagfertig und lustig, erlebt man sie auf Twitter – wo sie bereits Zehntausende Fans hat. In ihrer Kolumne auf t-online.de filetiert sie politische und gesellschaftliche Aufreger rund ums Internet.

Ebenso problematisch ist, dass er seine enorme Twitter-Reichweite gern auch an andere verleiht. Ein solcher Fall war auch der Anlass für Guthries Zurechtweisung: Trump hat mindestens zwei Tweets von QAnon retweetet, also weiterverbreitet. Die Verschwörungsgruppe ist ein Quell für teilweise rechtsextremistische Mythen. Demnach ließen zum Beispiel Trumps Vorgänger Barack Obama und dessen damaliger Vize und Trumps jetziger Herausforderer Joe Biden 2011 nicht den Al-Qaida-Chef Osama bin Laden töten, sondern ein Double. Trump will Biden besiegen und retweetete diese Behauptung.

Halten wir für einen Moment inne und versuchen uns vorzustellen, Angela Merkel hätte einen Twitter-Account und würde darüber etwa Zusammenfassungen der Aussagen eines Attila Hildmann unters Volk retweeten. Es wäre eine völlig neue Ausgangslage für sehr Vieles in diesem Land, würde die Bundeskanzlerin twittern. Also, würde sie twittern wie Trump. Sie twittert ja gar nicht.

Trumps Ton ist alles andere als staatsmännisch

Trump hingegen hat sich dort in den vergangenen Jahren ausgetobt. So nannte er im Juli 2019 vier afro-amerikanische Kongressabgeordnete "progressive demokratische Kongressfrauen, die ursprünglich aus Ländern kamen, deren Regierungen eine vollständige und totale Katastrophe sind” und forderte sie auf, "in ihre Heimatländer" zurückzugehen. (Die mutmaßlich gemeinten Demokratinnen sind zum Großteil in den USA geboren und alle Amerikanerinnen.)

Seinen Parteifreund Mitt Romney nannte er einen "aufgeblasenen Arsch", den Londoner Bürgermeister Sadiq Khan einen "Komplettversager", der einen "furchtbaren Job" mache und der ihn an "unseren sehr dummen und inkompetenten" Bürgermeister von New York erinnere, Bill de Blasio. “Menschlicher Abschaum”, “Dreckskerl”, “dumm” – Trump ist sich für nichts zu schade.

Aber Trump nutzt Twitter nicht nur für das Verbreiten von Hass und wilden Verschwörungsmythen – nein, er nutzt es auch für die eigenen Unwahrheiten. Die "Washington Post" listet seit Jahren akribisch die Lügen Trumps auf, und hat damit gut und regelmäßig zu tun. Stand August 2020 waren es 20.000. Auch auf Twitter lügt Trump, klar. Das Medium ist wie dafür gemacht. So schnell, so unübersichtlich und so ohne Kontext – da bleibt immer etwas hängen, egal ob richtig oder falsch. Mehr als einmal behauptete Trump dort, durch Briefwahl würde Wahlfälschung betrieben. Getrieben wohl von der Angst, dass vor allem Anhängerinnen und Anhänger der Demokraten das in Zeiten von Corona ungefährlichere Wählen von zu Hause aus favorisieren.

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Trumps Waffe Twitter bleibt ihm erhalten

Da wurde es selbst dem sonst eher nicht zum Eingreifen neigenden Twitter zu bunt. Twitter griff nicht nur ein, sondern sogar ein bisschen durch und versah einige von Trumps Tweets mit Hinweisen auf Faktenchecks zum Thema "Briefwahl". (Fast schon unnötig zu erwähnen, dass Trump anschließend gegen Twitter wütete. Auf Twitter.)

Trump hat einen Ton und Stil auch im Netz geadelt, der bisher nicht mit dem WeiĂźen Haus in Verbindung gebracht wurde. Dieser Ton ist gesetzt. Und er, sowie die Verrohung, an der Trump maĂźgeblich mitgewirkt hat, werden bleiben.

US-Präsident ist Trump demnächst vielleicht nicht mehr. Doch er bleibt der, der er ist: Und, um mal Trumps Kriegsrhetorik zu benutzen: Er bleibt auch im Besitz seiner Lieblingswaffe, mit der er Menschen verbal niederzustrecken versucht, die ihm nicht passen. Twitter. Dann ist er jemand mit zig Millionen Followern, dem wirklich alles egal sein kann, was Räson betrifft: Auf Twitter fragte jemand direkt bei Trumps Nichte Mary Trump nach, ob sie Savannah Guthries Aussage widersprechen würde, Trump sei "ja nicht jemandes verrückter Onkel":

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Mary Trumps vielsagende Antwort: "Eigentlich…"

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