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Apple und Eve – Thread im Test: Das Smart-Home-Netzwerk der Zukunft

Thread-Netzwerk mit Apple und Eve  

Das Smart-Home-Netzwerk der Zukunft ausprobiert

Von Jan Mölleken

27.03.2021, 12:49 Uhr
Apple und Eve – Thread im Test: Das Smart-Home-Netzwerk der Zukunft. Ein Wetterstation von Eve: Das Gerät nutzt die neue Thread-Technologie. (Quelle: Eve)

Ein Wetterstation von Eve: Das Gerät nutzt die neue Thread-Technologie. (Quelle: Eve)

Mit Thread steht eine neue Technologie in den Startlöchern, die den bisherigen Flickenteppich in der Smart-Home-Landschaft ausbügeln könnte. Zudem bietet sie viele Vorteile. Wir haben erste kompatible Geräte ausprobiert.

Das Internet of Things (IoT) ist mittlerweile in fast allen Umfeldern der Gesellschaft angekommen. Auch im eigenen Zuhause gibt es immer mehr Gerätschaften, die über eine eigene IP-Adresse verfügen und über Funk mit anderen Geräten oder sogar mit dem Internet kommunizieren können. Die Art, wie sie das tun, ist höchst unterschiedlich: Die wenigsten Geräte werden heute mit einem Netzwerkkabel mit dem Router verbunden. Sie setzen statt dessen auf einen der zahlreichen Funkstandards: Am bekanntesten sind WLAN oder Bluetooth, doch es gibt noch einige weitere.

Für viele Smart Home-Geräte eignen sich diese aber kaum: Sie verbrauchen vergleichsweise viel Strom und sind auf hohen Datendurchsatz und ständigen Kontakt ausgelegt. Für kleine Sensoren, die etwa prüfen, ob das Fenster offen oder geschlossen ist, die melden, wenn sie Wasser erkennen, für smarte Leuchten und etliche andere Geräte braucht es das aber nicht.

Stattdessen setzen Hersteller hier oft auf sparsame Funkstandards wie ZigBee, Z-Wave und andere. Der Nachteil hier: Der heimische Router oder das Smartphone verstehen diese nicht – deshalb braucht es noch immer eine eigene Bridge, die als Übersetzer ins normale Heim-Netzwerk dient. Teilweise versuchen zwar Smartspeaker wie Amazons Echo diese Rolle zu übernehmen – eine echte Lösung für das Standard-Wirrwarr zu Hause ist das aber noch immer nicht. Hier könnte Thread aber wichtiger Teil einer übergreifenden Lösung sein.

Was ist Thread und was sind die Vorteile?

Thread ist der Name einer Funk-Netzwerk-Technologie, die für IoT entwickelt wurde. Mittlerweile sprechen in der Thread-Gruppe schon jetzt die meisten wichtigen Partner miteinander, darunter Apple, Amazon, Google, Ikea, LG, Samsung, Signify und viele mehr. Mittelfristig soll die Technologie Bestandteil eines einheitlichen Smart Home Standards werden: CHIP. Das Akronym steht für "Connected Home over IP" – und ist ein Ansatz alle Geräte via IP-Protokoll miteinander zu verbinden.

Dieses Logo steht auf Geräten, die Thread unterstützen (Quelle: Thread-Group)Dieses Logo steht auf Geräten, die Thread unterstützen (Quelle: Thread-Group)

Je nach Bedarf des jeweiligen Geräts soll dabei dann entweder WLAN, Bluetooth oder eben Thread zum Einsatz kommen. Neben der Zigbee-Alliance sind hier auch Amazon, Apple und Google beteiligt – und damit die wichtigsten Parteien in diesem Feld. Noch ist der Standard aber nicht verabschiedet.

Aber zurück zu Thread: Das System funkt im 2,4-GHz-Band, also dem gleichen Frequenzbereich wie etwa Bluetooth oder Zigbee. Es basiert auf IPv6, dem selben Adressstandard der auch in weiten Teilen des Internets Verwendung findet und ist als sogenanntes Mesh-Netzwerk ausgelegt. Diese sehr technisch klingenden Beschreibungen bedeuten vor allem zwei Dinge: Erstens lassen sich Thread-Geräte so sehr einfach in bestehende Netzwerke einbinden, da hier bereits in der selben "Sprache" gesprochen wird,

Das dürfte Heimanwendern aber eher egal sein. Der zweite Punkt ist hier wichtiger: Thread ist ein Mesh-Netzwerk: Das bedeutet, dass einzelne Geräte im Netzwerk Signale nicht nur empfangen, sondern auch durchleiten können.

Typischerweise gehen Befehle, etwa an smarte Glühbirnen, immer von der Bridge aus. Ist eine Birne zu weit von der Bridge entfernt, kann sie das Signal nicht empfangen, Nutzer müssen ggf. Repeater oder weitere Bridges verbauen. Bei Thread ist jedes Gerät auch ein Knoten des Netzes und kann entsprechende Befehle weiterleiten. Das Netzwerk organisiert sich dabei selbst – fällt also ein Übertragungspunkt aus, organisiert sich Thread einen anderen Weg zu den einzelnen Geräten.

Darüber hinaus ist Thread, anders als Bluetooth oder WLAN, von vorn herein für IoT ausgelegt: Das heißt, es ist sehr sparsam, sodass auch batteriebetriebenen Sensoren etwa nicht so schnell der Strom ausgeht.

Thread im Alltagstest: Apple und Eve

Tatsächlich kann man Thread schon heute ausprobieren – noch ist die Auswahl der Geräte aber begrenzt. Vorreiter ist hier das deutsche Smart Home Unternehmen Eve, das derzeit der weltweit größte Anbieter an Thread-kompatiblen Smart-Home-Geräten ist. Gleichzeitig lässt sich derzeit nur Apples HomePod Mini als Thread-Edge-Router einsetzen – er stellt also bei Bedarf die Verbindung ins Internet her. Google steht mit kompatiblen Geräten aber bereits in den Startlöchern. Unseren Testbericht zum HomePod Mini lesen Sie hier.

Für unseren Test haben wir drei Produkte von Eve (den Tür-/Fensterkontakt, schaltbare Steckdose und die ganz neue Wetterstation) sowie eine smarte Leuchte von Nanoleaf zusammen mit einem Home Pod Mini getestet.

Die Einrichtung klappt Apple-typisch einfach, da alle Geräte Home-Kit-kompatibel sind. Hier muss lediglich ein QR-Code mit der Home-App eingescannt werden, der Rest  läuft automatisch. Das Aufspannen des Mesh-Netzwerkes passiert im Hintergrund. Über die Apple-Home-App erfährt man nicht einmal, ob die Geräte sich klassisch per Bluetooth oder per Thread-Netzwerk mit dem Home Pod Mini verbinden. Allerdings dürfte das den meisten Anwendern auch egal sein, solange es funktioniert.

Eve-App: Thread-Netzwerk in der Nahansicht

Wer es dennoch genauer wissen möchte, kann in der Eve-App nachschauen. Unter "Einstellungen" findet man hier seit Kurzem den Eintrag "Thread-Netzwerk". Hier lässt sich genau nachvollziehen, welches Gerät ins Thread-Netzwerk eingebunden ist und welches Gerät mit welchem Verbindung hält. Denn die meisten Thread-Geräte dienen im Netzwelt selbst als Repeater. Sodass ein weit entfernter Fenstersensor etwa gar keine direkte Verbindung zum Home Pod Mini benötigt, sondern nur zum nächsten Mitglied des Thread-Netzwerks.

Fällt ein Gerät im Netzwerk aus, sortieren sich die Geräte automatisch um. In unserem Test ließ sich das sehr gut mit der Nanoleaf Essentials A19 Glühbirne (20 Euro) testen, die in eine normale Deckenlampenfassung eingeschraubt war – und regelmäßig über den Lichtschalter vom Stromkreis getrennt wurde. 

Auffällig an den über Thread betriebenen Geräten war, wie unauffällig zuverlässig sie ihren Dienst verrichten. So kommt es bei Home-Kit-Geräten, die sonst ausschließlich über Bluetooth gesteuert werden, hin und wieder schon zu kleineren Verzögerungen oder Aussetzern bei der Übertragung. Die Thread-Geräte waren im Test immer über den HomePod Mini zu erreichen.

Ebenfalls auffällig: Thread ist schnell. Ein Schaltbefehl auf dem Handy wird laut Angaben in weniger als 100 Millisekunden ausgeführt. Das Relais in der  schaltbaren Steckdose Eve Energy (40 Euro) klickt nahezu zeitgleich mit dem Fingertipp auf dem Handy. Bei anderen Übertragungsmethoden kann das Schalten eines smarten Geräts spürbar länger dauern.

Auch passive Sensoren profitieren

Bei passiven Sensoren wie etwa dem Fenstersensor Eve Door & Window (ab 37 Euro) oder der gerade erst neu vorgestellten Outdoor-Wetterstation Eve Weather (ab 70 Euro) ist Tempo weniger wichtig als Stabilität und Reichweite.

Gerade diese Geräte profitieren vom Thread-Netzwerk. da es die Reichweite für den Einsatz deutlich erhöht und damit auch den Sensor an der Kellertür oder die Wetter-Station im Garten möglich macht – die andernfalls vielleicht zu weit weg vom Smart-Home-Router gewesen wären.

In unserem Test gefiel die neue Wetterstation Eve Weather durchaus gut: Das Gerät ist elegant und hochwertig verarbeitet, und ist für den Außenbetrieb ausgelegt. Im Gegensatz zur alten Wetterstation von Eve hat die neue ein Display, sodass der Sensor auch ganz klassisch als Außenthermometer funktioniert, auf das man durchs Fenster schauen kann, ohne dass man das Smartphone zücken oder Siri fragen müsste.

Eve Weather in Homekit: Eher schmale Informationsansicht (Quelle: Jan Mölleken)Eve Weather in Homekit: Eher schmale Informationsansicht (Quelle: Jan Mölleken)

Neben der Temperatur werden auch Luftfeuchtigkeit und ein Wettertrend, basierend auf dem Luftdruck angezeigt. Auch die Datenanzeige unter Apples Home-App ist eher sparsam. Wer die genauen Daten einsehen möchte, muss dafür allerdings die Eve-App öffnen.

Eve-App: Hier können die Wetterdaten genau eingesehen werden (Quelle: Jan Mölleken)Eve-App: Hier können die Wetterdaten genau eingesehen werden (Quelle: Jan Mölleken)

Hier kann man sich auch die Trends in allen bisher aufgezeichneten Daten anschauen – automatisch wird alle zehn Minuten je ein Wert für Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Luftdruck gespeichert. Wie bei Homekit üblich, werden keinerlei Daten auf einer externen Cloud gespeichert. Alles landet nur auf iPhone oder iPad.

Schick und zukunftssicher – aber kostspielig

Die neuen beziehungsweise aktualisierten Eve-Produkte mit Thread-Unterstützung zeigen mal wieder, wie gut Smart Home umgesetzt sein kann, aber auch, welche Beschränkungen das – noch zumindest – mit sich bringt.

Schneller, unkomplizierter und vor allem sicherer kann man Smart Home allerdings derzeit wohl  nicht umsetzen als es Eve mit dem Home Pod mini und Apple Homekit macht.

Aber genau hier liegt derzeit – neben den insgesamt vergleichsweise hohen Preisen – die Kehrseite: Aktuell lassen sich die Geräte nur mit iPhone oder iPad bedienen. Ohne Thread funktionieren sie zwar auch ohne Home Pod mini über Bluetooth – aber Android-Nutzer bleiben hier außen vor.

Immerhin gibt es hier einen Hoffnungsschimmer, wie Lars Felber von Eve t-online erklärt: "Thread ist unsere Eintrittskarte für CHIP. Und CHIP verspricht, dass sich Geräte nicht länger über eine Cloud-zu-Cloud-Architektur mit den Steuerzentralen von Google und Amazon verbinden müssen, sondern dies auch lokal und über das Internetprotokoll IP tun können. Dieser lokale, Cloud-freie Betrieb auf einer großen, sicheren und die Privatsphäre wahrenden Plattform war das K.O.-Kriterium, aufgrund dessen für uns immer nur Homekit in Frage kam – bis jetzt. Wie und wann genau diese CHIP-Vision Wirklichkeit wird, lässt sich erst nach der Veröffentlichung einer Spezifikation des Protokolls sagen – aber daran wird bei CHIP mit Hochdruck gearbeitet und wir erwarten noch in diesem Jahr Näheres."

Tatsächlich bietet Google mit dem neuen Nest Hub ab dem 30. März eine Smart-Home-Zentrale an, die ebenfalls bereits Thread-fähig ist. Möglich also, dass Nutzer die Nest-Geräte – vielleicht sogar noch spät in diesem Jahr – auch jenseits der Apple-Sphäre nutzen können. Klar ist aber: Mit CHIP könnte die weit verästelte IoT-Welt endlich enger zusammen rücken – und das ist eine gute Nachricht für alle.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche

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