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Was die roten Symbole bei Twitter bedeuten

Von Laura Stresing

Aktualisiert am 05.04.2021Lesedauer: 4 Min.
Viele Twitter-Profile haben einen roten Punkt: Das bedeutet, dass sie die "NoCovid"-Initiative unterstĂŒtzen.
Viele Twitter-Profile haben einen roten Punkt: Das bedeutet, dass sie die "NoCovid"-Initiative unterstĂŒtzen. (Quelle: Screenshot)
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Twitter sieht rot: Zahlreiche Nutzer haben am Osterwochenende einen sofortigen konsequenten Lockdown gefordert. Ein roter Punkt oder Hintergrund im Profil sollen bei der Aktion #LebenRetten den Ernst der Lage in der Corona-Pandemie deutlich machen.

Nach dem Osterwochenende wĂ€chst der Druck auf die Regierungen von Bund und LĂ€ndern, mehr gegen de Ausbreitung des Coronavirus zu unternehmen. Auf Twitter haben zahlreiche Nutzerinnen und Nutzer ihr Profil rot eingefĂ€rbt, um damit ihre UnterstĂŒtzung fĂŒr die sofortige Umsetzung einer "NoCovid"-Strategie zu signalisieren.

Gemeinsam fordern sie unter dem Hashtag #LebenRetten einen "echten harten Lockdown", der auch die Betriebe, Kitas und Schulen umfasst und etwa sechs Wochen dauern soll – beziehungsweise solange, bis eine ausreichend niedrige Inzidenz erreicht ist. Anschließend könne eine "NoCovid"-Strategie nach dem Vorbild von LĂ€ndern wie Australien und Neuseeland verfolgt werden. Dort konnten die Fall- und Todeszahlen dank einer konsequenten Test- und Tracing-Strategie sowie strikten Einreise- und QuarantĂ€neauflagen in der Corona-Pandemie auf einem durchweg niedrigen Niveau gehalten werden.

"GrĂŒne Zonen" und "NoCovid" als Exit-Strategie

Die Initiative geht nach Auskunft der Politikwissenschaftlerin Elvira Rosert von einem zivilgesellschaftlichen AktionsbĂŒndnis namens "GrĂŒne Zonen" aus, dem sie zwar nicht angehöre, das sie aber ausdrĂŒcklich unterstĂŒtze. Rosert selbst war bereits an der Ausarbeitung einer umfassenden "NoCovid"-Strategie fĂŒr Deutschland und Europa beteiligt.

In dem Konzept schlagen die Expertinnen und Experten unter anderem vor, dass Regionen mit einer niedrigen Corona-Inzidenz zur "GrĂŒnen Zone" erklĂ€rt werden sollen, in denen Alltag und Wirtschaftsleben wieder weitgehend ohne BeschrĂ€nkungen aufgenommen werden können. Das AktionsbĂŒndnis knĂŒpft an diese Idee an. Dazu haben sich verschiedene Initiativen miteinander vernetzt, um fĂŒr eine wissenschaftsgestĂŒtzte Exit-Strategie aus der Pandemie zu werben. "Wir kommen aus der Mitte der Gesellschaft und sind mit der aktuellen Politik nicht einverstanden", ist auf der Webseite www.gruenezonen.de zu lesen.

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"Meine Hoffnung ist, dass die Aktion in der Öffentlichkeit außerhalb von Twitter Widerhall finden kann, die Schwierigkeiten hat, in der Pandemie ihre Unzufriedenheit mit den politischen Entscheidungen zum Ausdruck zu bringen", sagt Rosert ĂŒber die rot gefĂ€rbten Twitter-Profile.

Die Farbe Rot sei fĂŒr die Protestaktion gut gewĂ€hlt, findet sie. "Sie steht fĂŒr vieles, was in der aktuellen Situation zutrifft: Die Infektionslage, die im 'No-Covid'-Konzept einer roten Zone entspricht; die Alarmstufe, die schnelles Handeln erfordert; die Wut vieler Menschen ĂŒber die ausweglos scheinende Situation; das Stoppzeichen, das der Politik signalisieren soll, dass ein Kurswechsel notwendig ist; und nicht zuletzt auch fĂŒr den Schutz des Lebens, der zum Beispiel auch in internationalen Schutzzeichen wie dem Roten Kreuz zum Ausdruck kommt."

Auch Jan Böhmermann fordert: "Lockdown jetzt"

Auch Ute Teichert, die Vorsitzende des Bundesverbandes der Ärztinnen und Ärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes unterstĂŒtzt die Aktion mit einem rot gefĂ€rbten Twitter-Profil. Der Comedian Jan Böhmermann twitterte am Sonntag ebenfalls eine rote Tafel mit der Aufschrift "Leben retten. Lockdown jetzt."

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Laut einer Pressemitteilung des AktionsbĂŒndnisses "GrĂŒne Zonen" hĂ€tten sich der Aktion #LebenRetten tausende Nutzer "innerhalb weniger Stunden" angeschlossen. Die Gruppe der Lockdown-BefĂŒrworter wird offenbar immer grĂ¶ĂŸer und meldet sich immer vehementer zu Wort. Bereits Ende MĂ€rz war eine Online-Petition gestartet, die ebenfalls einen "strikten Lockdown gegen die 3. Welle" forderte. Mehr als 80.000 Menschen haben die Forderung unterzeichnet.

"Die Mehrheit der Bevölkerung ist fĂŒr die dringend notwendigen Maßnahmen zur EindĂ€mmung der Pandemie. Aber statt zu handeln wird in der Politik gewartet, nachgedacht und gezögert. Eine klare Zielsetzung ist nicht zu erkennen", schreibt das AktionsbĂŒndnis "GrĂŒne Zonen" in seiner Pressemitteilung.

Merkel droht den LĂ€ndern mit Kompetenzentzug

Am Ostermontag beherrschte zudem das Hashtag #DoItKanzlerin – sinngemĂ€ĂŸ also: "Tun Sie es, Frau Kanzlerin!" – die deutschen Twitter-Trends. Damit beziehen sich die Nutzerinnen und Nutzer auf den Auftritt von Bundeskanzlerin Angela Merkel in der ARD-Sendung "Anne Will". Darin hatte Merkel angedeutet, dass sie "nicht zusehen werde" wie die Fallzahlen weiter steigen. Zur Not könnte die Bundesregierung den LĂ€ndern strengere Vorgaben zur PandemiebekĂ€mpfung machen. Es wĂ€re ein radikaler Schritt fĂŒr die Kanzlerin – aber offenbar einer, den viele in der Bevölkerung unterstĂŒtzen wĂŒrden. In der Vergangenheit waren bundesweit einheitliche Maßnahmen regelmĂ€ĂŸig am Widerstand einzelner LĂ€nderchefs und -chefinnen gescheitert.

Verschiedene Expertinnen und Experten wie etwa die Virologen Melanie Brinkmann und Christian Drosten hatten sich zuletzt zunehmend frustriert ĂŒber das Pandemiemanagement der Politik gezeigt. RatschlĂ€ge der Wissenschaft seien wiederholt ignoriert und der richtige Moment zum Handeln wiederholt verpasst worden.

In der PandemiebekĂ€mpfung kommt es nicht nur darauf an, welche Maßnahmen eingefĂŒhrt werden, sondern auch wann. Je eher das exponentielle Wachstum gestoppt wird, desto mehr Schaden kann durch verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig geringe Eingriffe verhindert werden. Bei einer hohen Inzidenz hingegen wird eine grĂ¶ĂŸere und lĂ€ngere Kraftanstrengung nötig, um die Zahlen zu senken.

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Seit dem letzten Bund-LĂ€nder-Treffen im MĂ€rz, bei dem zunĂ€chst eine "Osterruhe" vereinbart und dann wieder zurĂŒckgenommen worden war, ist jedoch nichts passiert, das auf ein Sinken der Zahlen hoffen lĂ€sst. Das nĂ€chste Bund-LĂ€nder-Treffen ist fĂŒr den 12. April anberaumt. Das nĂ€chste Maßnahmenpaket wĂŒrde dann voraussichtlich erst am 19. April in Kraft treten. Modellrechnungen zeigen, dass die dritte Welle durch ein Hinauszögern notwendiger Maßnahmen nicht nur höher ausfĂ€llt, sondern auch deutlich lĂ€nger dauert, mehr Opfer fordert und grĂ¶ĂŸere FolgeschĂ€den verursacht.

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