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Twitter: Was die roten Symbole bei Twitter bedeuten

Appell für konsequenten Lockdown  

Was die roten Symbole bei Twitter bedeuten

05.04.2021, 17:50 Uhr
Twitter: Was die roten Symbole bei Twitter bedeuten. Viele Twitter-Profile haben einen roten Punkt: Das bedeutet, dass sie die "NoCovid"-Initiative unterstützen. (Quelle: Screenshot)

Viele Twitter-Profile haben einen roten Punkt: Das bedeutet, dass sie die "NoCovid"-Initiative unterstützen. (Quelle: Screenshot)

Twitter sieht rot: Zahlreiche Nutzer haben am Osterwochenende einen sofortigen konsequenten Lockdown gefordert. Ein roter Punkt oder Hintergrund im Profil sollen bei der Aktion #LebenRetten den Ernst der Lage in der Corona-Pandemie deutlich machen. 

Nach dem Osterwochenende wächst der Druck auf die Regierungen von Bund und Ländern, mehr gegen de Ausbreitung des Coronavirus zu unternehmen. Auf Twitter haben zahlreiche Nutzerinnen und Nutzer ihr Profil rot eingefärbt, um damit ihre Unterstützung für die sofortige Umsetzung einer "NoCovid"-Strategie zu signalisieren. 

Gemeinsam fordern sie unter dem Hashtag #LebenRetten einen "echten harten Lockdown", der auch die Betriebe, Kitas und Schulen umfasst und etwa sechs Wochen dauern soll – beziehungsweise solange, bis eine ausreichend niedrige Inzidenz erreicht ist. Anschließend könne eine "NoCovid"-Strategie nach dem Vorbild von Ländern wie Australien und Neuseeland verfolgt werden. Dort konnten die Fall- und Todeszahlen dank einer konsequenten Test- und Tracing-Strategie sowie strikten Einreise- und Quarantäneauflagen in der Corona-Pandemie auf einem durchweg niedrigen Niveau gehalten werden.

"Grüne Zonen" und "NoCovid" als Exit-Strategie

Die Initiative geht nach Auskunft der Politikwissenschaftlerin Elvira Rosert von einem zivilgesellschaftlichen Aktionsbündnis namens "Grüne Zonen" aus, dem sie zwar nicht angehöre, das sie aber ausdrücklich unterstütze. Rosert selbst war bereits an der Ausarbeitung einer umfassenden "NoCovid"-Strategie für Deutschland und Europa beteiligt.

In dem Konzept schlagen die Expertinnen und Experten unter anderem vor, dass Regionen mit einer niedrigen Corona-Inzidenz zur "Grünen Zone" erklärt werden sollen, in denen Alltag und Wirtschaftsleben wieder weitgehend ohne Beschränkungen aufgenommen werden können. Das Aktionsbündnis knüpft an diese Idee an. Dazu haben sich verschiedene Initiativen miteinander vernetzt, um für eine wissenschaftsgestützte Exit-Strategie aus der Pandemie zu werben. "Wir kommen aus der Mitte der Gesellschaft und sind mit der aktuellen Politik nicht einverstanden", ist auf der Webseite www.gruenezonen.de zu lesen. 

"Meine Hoffnung ist, dass die Aktion in der Öffentlichkeit außerhalb von Twitter Widerhall finden kann, die Schwierigkeiten hat, in der Pandemie ihre Unzufriedenheit mit den politischen Entscheidungen zum Ausdruck zu bringen", sagt Rosert über die rot gefärbten Twitter-Profile.

Die Farbe Rot sei für die Protestaktion gut gewählt, findet sie. "Sie steht für vieles, was in der aktuellen Situation zutrifft: Die Infektionslage, die im 'No-Covid'-Konzept einer roten Zone entspricht; die Alarmstufe, die schnelles Handeln erfordert; die Wut vieler Menschen über die ausweglos scheinende Situation; das Stoppzeichen, das der Politik signalisieren soll, dass ein Kurswechsel notwendig ist; und nicht zuletzt auch für den Schutz des Lebens, der zum Beispiel auch in internationalen Schutzzeichen wie dem Roten Kreuz zum Ausdruck kommt."

Auch Jan Böhmermann fordert: "Lockdown jetzt"

Auch Ute Teichert, die Vorsitzende des Bundesverbandes der Ärztinnen und Ärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes unterstützt die Aktion mit einem rot gefärbten Twitter-Profil. Der Comedian Jan Böhmermann twitterte am Sonntag ebenfalls eine rote Tafel mit der Aufschrift "Leben retten. Lockdown jetzt."

Laut einer Pressemitteilung des Aktionsbündnisses "Grüne Zonen" hätten sich der Aktion #LebenRetten tausende Nutzer "innerhalb weniger Stunden" angeschlossen. Die Gruppe der Lockdown-Befürworter wird offenbar immer größer und meldet sich immer vehementer zu Wort. Bereits Ende März war eine Online-Petition gestartet, die ebenfalls einen "strikten Lockdown gegen die 3. Welle" forderte. Mehr als 80.000 Menschen haben die Forderung unterzeichnet. 

"Die Mehrheit der Bevölkerung ist für die dringend notwendigen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie. Aber statt zu handeln wird in der Politik gewartet, nachgedacht und gezögert. Eine klare Zielsetzung ist nicht zu erkennen", schreibt das Aktionsbündnis "Grüne Zonen" in seiner Pressemitteilung. 

Merkel droht den Ländern mit Kompetenzentzug

Am Ostermontag beherrschte zudem das Hashtag #DoItKanzlerin – sinngemäß also: "Tun Sie es, Frau Kanzlerin!" – die deutschen Twitter-Trends. Damit beziehen sich die Nutzerinnen und Nutzer auf den Auftritt von Bundeskanzlerin Angela Merkel in der ARD-Sendung "Anne Will". Darin hatte Merkel angedeutet, dass sie "nicht zusehen werde" wie die Fallzahlen weiter steigen. Zur Not könnte die Bundesregierung den Ländern strengere Vorgaben zur Pandemiebekämpfung machen. Es wäre ein radikaler Schritt für die Kanzlerin – aber offenbar einer, den viele in der Bevölkerung unterstützen würden. In der Vergangenheit waren bundesweit einheitliche Maßnahmen regelmäßig am Widerstand einzelner Länderchefs und -chefinnen gescheitert.  

Verschiedene Expertinnen und Experten wie etwa die Virologen Melanie Brinkmann und Christian Drosten hatten sich zuletzt zunehmend frustriert über das Pandemiemanagement der Politik gezeigt. Ratschläge der Wissenschaft seien wiederholt ignoriert und der richtige Moment zum Handeln wiederholt verpasst worden. 

In der Pandemiebekämpfung kommt es nicht nur darauf an, welche Maßnahmen eingeführt werden, sondern auch wann. Je eher das exponentielle Wachstum gestoppt wird, desto mehr Schaden kann durch verhältnismäßig geringe Eingriffe verhindert werden. Bei einer hohen Inzidenz hingegen wird eine größere und längere Kraftanstrengung nötig, um die Zahlen zu senken. 

Seit dem letzten Bund-Länder-Treffen im März, bei dem zunächst eine "Osterruhe" vereinbart und dann wieder zurückgenommen worden war, ist jedoch nichts passiert, das auf ein Sinken der Zahlen hoffen lässt. Das nächste Bund-Länder-Treffen ist für den 12. April anberaumt. Das nächste Maßnahmenpaket würde dann voraussichtlich erst am 19. April in Kraft treten. Modellrechnungen zeigen, dass die dritte Welle durch ein Hinauszögern notwendiger Maßnahmen nicht nur höher ausfällt, sondern auch deutlich länger dauert, mehr Opfer fordert und größere Folgeschäden verursacht.

Verwendete Quellen:

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