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Cyberattacken weltweit grĂ¶ĂŸte Gefahr fĂŒr Unternehmen

Von dpa
Aktualisiert am 18.01.2022Lesedauer: 3 Min.
Auch sehr gute IT-Sicherheitsvorkehrungen schĂŒtzen nicht hundertprozentig gegen Hackerangriffe.
Auch sehr gute IT-Sicherheitsvorkehrungen schĂŒtzen nicht hundertprozentig gegen Hackerangriffe. (Quelle: Nicolas Armer/dpa./dpa)
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MĂŒnchen/Berlin (dpa) - Manager und Sicherheitsfachleute weltweit sehen in Cyberangriffen die grĂ¶ĂŸte Gefahr fĂŒr Unternehmen.

Im am Dienstag veröffentlichten "Risikobarometer" des zur Allianz gehörenden Industrieversicherers AGCS liegen kriminelle Hacker mit ihren AktivitÀten auf Rang eins. Betriebsunterbrechungen, Naturkatastrophen und Pandemien folgen auf den PlÀtzen zwei bis vier.

Das Unternehmen hat im vergangenen Herbst insgesamt 2650 Fachleute in 89 LĂ€ndern befragt. Dazu zĂ€hlten ĂŒber 1200 FĂŒhrungskrĂ€fte großer Unternehmen mit mehr als 500 Millionen Dollar Jahresumsatz. An der Umfrage nahmen auch eigene Fachleute der Allianz teil. Bei den 351 Teilnehmern in Deutschland waren die ersten beiden PlĂ€tze vertauscht: Betriebsunterbrechung kam vor Cyberangriffen auf Platz eins.

GeschÀtzte sechs Billionen Dollar Schaden 2021

Die zwei Hauptgefahren Cyberangriffe und Betriebsunterbrechung hĂ€ngen jedoch in vielen FĂ€llen zusammen, wie AGCS-Manager Jens Krickhahn erlĂ€uterte. Sehr stark zugenommen hat in den vergangenen Jahren die Zahl der "Ransomware"-Attacken. Mit Hilfe von bösartiger VerschlĂŒsselungssoftware legen Hacker Computernetze lahm, um anschließend fĂŒr die Entsperrung hohe Summen zu erpressen.

Auch sehr gute IT-Sicherheitsvorkehrungen schĂŒtzen nicht hundertprozentig gegen Hackerangriffe: "Die Unternehmen stecken sehr viel Geld in die Weiterentwicklung der IT-Sicherheit, aber dennoch stellen wir fest, dass Angreifer durchkommen und Unternehmen zum Teil auch enorm schĂ€digen können", sagte Krickhahn.

Die EinschÀtzung der von der Allianz befragten Experten deckt sich mit anderen Analysen zum Thema CyberkriminalitÀt. So schÀtzt das in der IT-Branche hÀufig zitierte US-Unternehmen Cybersecurity Ventures, dass die durch CyberkriminalitÀt verursachten weltweiten SchÀden 2021 sechs Billionen Dollar erreicht haben. Bis 2025 könnte diese Summe demnach auf 10,5 Billionen Dollar steigen. Die immense Summe beinhaltet Datendiebstahl und -zerstörung, FinanzkriminalitÀt, ProduktivitÀtsverluste, Diebstahl geistigen Eigentums und andere Delikte ebenso wie die Kosten der Schadenbeseitigung.

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Mitte des Jahrzehnts wĂ€ren dies dann höhere Gewinne als im weltweiten Drogenhandel und eine höhere Summe als die Bruttoinlandsprodukte sĂ€mtlicher Staaten mit Ausnahme der USA und Chinas, heißt es in einer zum Jahreswechsel veröffentlichten EinschĂ€tzung des US-Unternehmens zu den Trends im kriminellen Cyberbusiness.

Im Visier der Hacker ist nach Ansicht von Eon-Vorstandschef Leonhard Birnbaum auch die Energiebranche. "Die Gefahr von Cyberattacken auf das System wird steigen", sagte Birnbaum beim "Handelsblatt"-Energie-Gipfel am Dienstag in Berlin. Er verfolge das Thema "mit großer Sorge". FĂŒr die Branche werde es eine Kernherausforderung, "dass wir unsere Systeme so aufstellen, dass sie zumindest nicht offene TĂŒren haben." Und sie sollten widerstandsfĂ€hig genug sein, um wiederhergestellt werden zu können. "Jeder muss davon ausgehen, man wird irgendwann gehackt."

"Kein Unternehmen und keine Behörde ist in der heutigen Zeit vor Cyberangriffen sicher", sagt Sebastian Artz, Bereichsleiter Cyber- und Informationssicherheit beim IT-Branchenverband Bitkom. "Deshalb ist es entscheidend, sich fĂŒr den Ernstfall zu wappnen und sich mit dem Thema Cybersicherheit proaktiv auseinanderzusetzen. Vor allem das Thema Ransomware wird in 2022 weiter Hochkonjunktur haben."

Es mangelt an Personal und Ressourcen

Denn unter den verschiedenen Formen der CyberkriminalitĂ€t ist Erpressung das am schnellsten wachsende Delikt. 2021 haben kriminelle Banden nach SchĂ€tzung von Cybersecurity Ventures auf diese Weise weltweit 20 Milliarden Dollar erlöst. Bitkom-Cyberexperte Artz sagt, gerade der Mittelstand sei in den Augen von Cyberkriminellen ein lukratives Ziel, "da man sich neben guten Erfolgsaussichten tendenziell auch unter dem Rader der Strafverfolgungsbehörden bewegt." Neben dem fehlenden VerstĂ€ndnis fĂŒr die eigene AttraktivitĂ€t als Unternehmen fĂŒr Cyberkriminelle mangele es an Personal und Ressourcen.

Eine Versicherung gegen Hackerangriffe kann in der Regel nur ein Unternehmen abschließen, das bereits umfangreiche IT-Sicherheitsvorkehrungen getroffen hat, denn ansonsten ist das Risiko fĂŒr den Versicherer zu groß. Auch die Versicherer hĂ€tten erkannt, "dass ein gewisses Niveau in puncto IT-Sicherheit im Unternehmen vorhanden sein muss, bevor eine Cyberversicherung ĂŒberhaupt abgeschlossen werden kann", sagt Sebastian Artz. "Somit gilt einmal mehr, das Thema Cybersicherheit verstĂ€rkt auf die Agenda zu setzen."

Auch die AGCS lehnt im Bereich Cyber nach wie vor viele VersicherungsantrĂ€ge von Unternehmen ab - nach Krickhahns Worten an die HĂ€lfte, auch wenn die Ablehnungsquote frĂŒher noch höher war.

Doch nicht nur Versicherungen sind gefragt. Bitkom-PrĂ€sident Achim Berg fordert von der neuen Bundesregierung bessere Vorbeugung gegen Cyberangriffe, inklusive "ausreichender finanzieller, materieller und personeller Ressourcen fĂŒr die Bundeswehr", wie der Verbandschef vergangene Woche verlangte. "Es ist lĂ€ngst kein Zukunftsszenario mehr, dass sich Staaten im Internet bekriegen. Staatlich gelenkte Hackerangriffe sind seit Jahren RealitĂ€t."

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