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Rechenzentren in Deutschland auf Wachstumskurs

Von dpa
Aktualisiert am 15.02.2022Lesedauer: 4 Min.
Der Energiebedarf der Rechenzentren macht 0,6 Prozent des gesamten Energieverbrauchs in Deutschland im Jahr 2020 aus.
Der Energiebedarf der Rechenzentren macht 0,6 Prozent des gesamten Energieverbrauchs in Deutschland im Jahr 2020 aus. (Quelle: Britta Pedersen/dpa./dpa)
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Berlin (dpa) - Ein Stromverbrauch von 16 Milliarden Kilowattstunden im Jahr ist so groß, dass sich kaum jemand darunter etwas vorstellen kann.

Diese gewaltige Summe kommt zusammen, wenn man den Energieverbrauch aller Rechenzentren in Deutschland addiert. Zum Vergleich: Ein durchschnittlicher Zwei-Personen-Haushalt in Deutschland kommt im Jahr gerade mal auf 3000 Kilowattstunden.

Im großen Maßstab fĂ€llt der Energiebedarf der Betreiber der deutschen Rechenzentren allerdings nicht besonders hoch aus. Der Stromverbrauch aller Anlagen zusammengenommen macht nĂ€mlich gerade einmal 0,6 Prozent des gesamten Energieverbrauchs in Deutschland im Jahr 2020 aus. Das hat das renommierte Berliner Borderstep Institut im Auftrag des Digitalverbandes Bitkom errechnet.

Strombedarf nur aus Deutschland ermittelt

Der Strombedarf fĂŒr das Cloudcomputing insgesamt fĂ€llt allerdings höher aus. In der Studie sind nĂ€mlich nur Anlagen aus Deutschland berĂŒcksichtigt worden. Server in den USA, Irland und anderen Standorten, die beispielsweise bei sozialen Netzwerken wie Facebook eine große Rolle spielen, blieben bei den Berechnungen außen vor.

Aber auch ohne einen Blick ĂŒber die Landesgrenzen hinweg fallen die Zahlen beeindruckend aus: Gemessen an der maximalen Stromaufnahme der installierten Hardware wuchs die KapazitĂ€t von 2010 bis 2020 um 84 Prozent. Der tatsĂ€chliche Stromverbrauch legte ebenfalls zu, aber nicht im gleichen Tempo, weil die Energieeffizienz der Anlagen besser geworden ist. Aus der am Dienstag vorgestellten Studie geht aber auch hervor, dass der Stromhunger der Rechenzentren noch nicht gestillt ist, weil der Bedarf bis 2030 weiter steigen wird. Und damit kommt die Politik ins Spiel.

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Die Ampel-Parteien haben in ihrem Koalitionsvertrag den Rechenzentren einen eigenen Absatz gewidmet: "Wir werden Rechenzentren in Deutschland auf ökologische Nachhaltigkeit und Klimaschutz ausrichten, u.a. durch Nutzung der AbwĂ€rme. Neue Rechenzentren sind ab 2027 klimaneutral zu betreiben", heißt es auf Seite 18.

Hohe Eigenmotivation

Bitkom-HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer Bernhard Rohleder kann sich prinzipiell der Forderung der Berliner Regierungskoalition anschließen, sieht aber die Betreiber lĂ€ngst auf dem richtigen Weg: "Die Unternehmen sind hellwach, und das nicht erst seit dem Regierungswechsel", sagte der Branchenvertreter am Dienstag.

Die Firmen hĂ€tten eine hohe Eigenmotivation, in Zukunft energieeffizienter zu arbeiten, betonte Rohleder. "Das liegt einfach daran, dass die Energiekosten eine so enorme Bedeutung haben." Rund die HĂ€lfte der Kosten seien Ausgaben fĂŒr die Energie. Das ausgerufene Ziel der KlimaneutralitĂ€t könne nur gelingen, wenn ausreichend Strom aus regenerativen Quellen verfĂŒgbar sei.

Auch bei der Forderung der Koalition nach einer Nutzung der AbwĂ€rme sieht der Bitkom noch Handlungsbedarf der Politik. Eine Umfrage des Borderstep Instituts bei den Betreibern der Rechenzentren ergab, dass die meisten verstĂ€rkt AbwĂ€rme nutzen wollen. Allerdings finden 56 Prozent der befragten Betreiber keine Abnehmer, denn ihre AbwĂ€rme ist den Versorgern nicht heiß genug. "Vorhandene (Ă€ltere) FernwĂ€rmenetze sind oft ungeeignet, WĂ€rme auf niedrigem Temperaturniveau aus Rechenzentren aufzunehmen", heißt es in der Studie. Eine Förderung mĂŒsse eine Modernisierung der WĂ€rmenetze beinhalten und dabei Erzeuger und Nutzer der AbwĂ€rme zusammenbringen.

Kopfschmerzen ĂŒber hohe Strompreise

Am meisten Kopfschmerzen bereiten den Betreibern der rund 3000 Rechenzentren aber die hohen Strompreise und die aus ihrer Sicht unnötig komplizierten Genehmigungsprozesse in Deutschland. Es gebe klar einen Bedarf fĂŒr klimafreundliche Rechenzentren mit einem hohen Datenschutzniveau. "Die Frage, die wir uns stellen ist: Entsteht dieser Markt in Deutschland oder entsteht er außerhalb Deutschlands?", sagte Bitkom-Vertreter Rohleder. Ein starker Ausbau in Deutschland gelinge nur dann, wenn die Genehmigungsprozesse deutlich beschleunigt und auch digitalisiert wĂŒrden.

Bei der Infrastruktur kommt es den Betreibern der Studie zufolge vor allem auf zuverlĂ€ssige Stromversorgung und eine gute Anbindung an Internetknoten an. Stabile Stromversorgung gibt es quasi ĂŒberall. Deshalb kann sich hier kein Standort von einem anderen in Deutschland absetzen. Bei der Anbindung an das Netz der Netze gibt es aber deutliche Unterschiede.

Frankfurt baut Position aus

Davon profitiert vor allem die Region Frankfurt/Rhein-Main, die der Studie zufolge ihre Top-Position in Deutschland und Europa ausbauen wird: Die KapazitĂ€ten dort sollen sich demnach bis 2025 voraussichtlich verdoppeln. "Die Region Frankfurt/Rhein-Main gehört neben London zu den Top-Rechenzentrumsstandorten in Europa. Durch den DE-CIX, einen der grĂ¶ĂŸten Internetknoten der Welt, aufgrund der zentralen Lage in Deutschland und Europa und auch wegen des Brexits wĂ€chst der Standort weiter."

Position zwei in Deutschland nimmt inzwischen Berlin ein, wo unter anderem Google nach einem Standort oder einem Partner fĂŒr ein Rechenzentrum sucht. Danach folgen MĂŒnchen, Hamburg, Köln-DĂŒsseldorf und Leipzig-Dresden mit einem steigenden Bedarf. Nur in Stuttgart und NĂŒrnberg stagniert die Nachfrage.

Mit dem Ausbau der KapazitĂ€ten steigt auch die Bedeutung der Anlagen fĂŒr den Arbeitsmarkt. "Die deutschen Rechenzentren sind wichtige Arbeitgeber. Aktuell beschĂ€ftigen sie rund 130.000 ArbeitskrĂ€fte in Vollzeit, weitere 80.000 ArbeitsplĂ€tze sind direkt von ihnen abhĂ€ngig", sagte Rohleder. Auch im Umfeld von Rechenzentren wĂŒrden ArbeitsplĂ€tze durch die Ansiedlung anderer Unternehmen entstehen. In der Studie geben 60 Prozent der befragten Rechenzentrumsbetreiber an, in den nĂ€chsten zwei Jahren Investitionen zur Erweiterung ihrer Standorte tĂ€tigen zu wollen.

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