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  • Elon Musk vor Twitter-Übernahme? Plattform ist kein Spielzeug fĂŒr MilliardĂ€re!


Meinung
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Er sollte Twitter nicht bekommen

  • Jan Moelleken
Von Jan Mölleken

Aktualisiert am 15.04.2022Lesedauer: 3 Min.
Tesla-GrĂŒnder Elon Musk: Der MilliardĂ€r plant Twitter zu kaufen und von der Börse zu nehmen.
Tesla-GrĂŒnder Elon Musk: Der MilliardĂ€r plant Twitter zu kaufen und von der Börse zu nehmen. (Quelle: Political-Moments/imago-images-bilder)
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MultimilliardĂ€r und Tech-Zampano Elon Musk will Twitter kaufen. Warum? Vermutlich einfach, weil er es kann – und weil es in seine kommunikative Agenda passt. Gut wĂ€re das höchstens fĂŒr ihn selbst.

Elon Musk ist unterhaltsam, das muss man ihm lassen. Selbst als mittlerweile reichster Mensch der Erde – die Zeitschrift Forbes schĂ€tzte sein Vermögen jĂŒngst auf 219 Milliarden US-Dollar – verzichtet er auf die typische Gravitas im Auftreten, die den wirklich MĂ€chtigen meist zu eigen ist.

Statt dezent und langweilig im Hintergrund zu wirken und gerĂ€uschlos die großen Hebel der Macht zu bewegen, setzt Musk lieber auf exzentrische Shows, gezielte Sticheleien gegen Gegner – und jede Menge platte Scherze.

Dass die Tesla-Modelle ursprĂŒnglich "S", "E" und "X" heißen sollten, ist kein Zufall. Nach einer juristischen Drohung von Ford gegen die Modellbezeichnung "E" entschied Musk sich stattdessen fĂŒr "3". Der Kalauer ĂŒberlebte fast unbeschadet:

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Als Musk 2018 twitterte, dass er erwĂ€ge, alle Tesla-Aktien aufzukaufen und das Unternehmen von der Börse zu nehmen (ein Tweet, der ihm großen Ärger mit der Börsenaufsicht einbrachte), steckte in der vorgeschlagenen Summe von 420 US-Dollar pro Aktie auch eine Anspielung auf seinen Cannabis-Konsum – denn im US-amerikanischen Raum ist die Zahl 420 ein gĂ€ngiger Code dafĂŒr. Den gleichen PennĂ€ler-Witz erlaubte sich Musk ĂŒbrigens jetzt wieder: Der vorgelegte Preis pro Twitteraktie liegt bei 54,20 Dollar.

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PennÀler-Scherze statt Superreichen-Gebaren

Es sind solche Scherze, die Elon Musk bei seinen Fans so beliebt machen: Er mag der reichste Mensch der Welt sein, aber wer solch platte Witze reißt, der ist doch irgendwie einer von uns.

Was sprĂ€che also dagegen, ihm tatsĂ€chlich die Hoheit ĂŒber Twitter, eines der wichtigsten sozialen Netzwerke, in die HĂ€nde zu legen? Vermutlich bereits sein eigenes Gebaren auf der Plattform.

Denn bei alledem darf man auch nicht die weniger rĂŒhmlichen Tweets vergessen, die Musk in den vergangenen Jahren abgesetzt hat. Dem 80-jĂ€hrigen US-Senator Bernie Sanders schrieb er "Ich vergesse immer, dass du noch lebst", den kanadischen Premier verglich er mit Hitler, die Liste ließe sich seitenweise fortsetzen. Musk, so scheint es, liebt die Provokation – und die gelingt auf Twitter eben am besten.

Und jetzt will er sein Lieblingsspielzeug Twitter ganz fĂŒr sich: Ein bloßer Platz im Verwaltungsrat war ihm nicht genug, er will die volle Kontrolle. Sollte der Deal tatsĂ€chlich klappen, gĂ€be es niemanden, der ihm bei Twitter mehr reinreden oder im Zweifel das Wort verbieten könnte.

In der Vergangenheit hatte sich der MilliardĂ€r immer wieder fĂŒr rigorose Meinungsfreiheit auf der Plattform ausgesprochen. In den Unterlagen zum geplanten Kauf schreibt er, dass Twitter eine Plattform fĂŒr freie Rede sein könne, dafĂŒr aber von der Börse genommen – und in seine HĂ€nde gelegt – werden mĂŒsse.

Mehr Meinungsfreiheit? Aber die gibt es bei Twitter doch

Aber wovon spricht er da? FĂŒr mehr Meinungsfreiheit und gegen Zensur? WĂŒsste man nicht, worum es geht, man könnte meinen, Musk will hier ein russisches Staatsmedium zurĂŒck auf den rechten Weg fĂŒhren. Bezogen auf Twitter klingt das alles dann doch mehr nach Donald Trump und dessen Weg nach rechts außen.

Kein Wunder, dass die ÜbernahmeankĂŒndigung in der Trump-Blase bereits begeistert gefeiert und die Forderung immer lauter wird, dessen dauerhaft gesperrten Account wieder zu reaktivieren.

All das sollten sich die AktionĂ€re von Twitter vor Augen fĂŒhren – denn jetzt sind nur noch sie es, die eine Übernahme durch Elon Musk verhindern können. Und wer Twitter fĂŒhrt, ist nicht egal.

Twitter ist wichtig – es ist nicht egal, wer es fĂŒhrt

Twitter ist lĂ€ngst kein belangloser Ort fĂŒr knappes GeplĂ€nkel mehr: Hier wachsen in kĂŒrzester Zeit kleine Rufe fĂŒr den guten Zweck zur dröhnenden Stimme des Volkes, hier brauen sich Shitstorms zusammen, die Regierungen stĂŒrzen und Existenzen vernichten können – ganz gleich ob zu Recht oder zu Unrecht.

NatĂŒrlich braucht es hier Meinungsfreiheit statt Zensur, aber eben auch Grenzen, dort wo eine Meinung etwa mutwillig verleumdet und Gesetze verletzt werden. Deshalb ist eine besonnene FĂŒhrung mindestens genauso wichtig, um die Wirkmacht der Plattform zu erhalten und vor Missbrauch zu schĂŒtzen. Wohin es fĂŒhrt, wenn diese immense Macht rĂŒcksichtslos und ausschließlich in den Dienst der eigenen (Unternehmens-)Interessen gestellt wird, kann man an den zahllosen FlĂ€chenbrĂ€nden ablesen, die Facebook in den vergangenen Jahren entfacht hat.

Elon Musk mag ein genialer GeschÀftsmann und VisionÀr sein, aber er ist auch Egozentriker, ein Clown, ein Provokateur. Der besonnene, verbindende und weise agierende Unternehmenslenker, den wir heute in den sozialen Medien dringender denn je brauchen, ist er ganz sicher nicht.

Es wÀre ein Fehler, diese Aufgabe dem reichsten Twitter-Troll der Welt zu geben.

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Von Steve Haak, Jan Mölleken
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