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Wie gefährdet sind private Daten bei Facebook?

Von Laura Stresing

Aktualisiert am 20.03.2018Lesedauer: 5 Min.
Manipulationsvorw√ľrfe: Ein neuer Skandal bringt Facebook und Cambridge Analytica in Erkl√§rungsnot. (Quelle: t-online)
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Eine Firma soll illegal Facebook-Daten abgegriffen haben, um den US-Pr√§sidenten im Wahlkampf zu unterst√ľtzen. Wie gingen die Macher vor und was sagt der Fall √ľber politische Meinungsbildung im digitalen Zeitalter? t-online.de gibt die wichtigsten Fragen und Antworten.

Die Geschichte klingt nach einem besorgniserregenden Skandal: Eine von Trumps Wahlkampfteam beauftragte Firma soll Facebook-Daten missbraucht haben, um daraus psychologische Profile zu erstellen und Wähler gezielt zu beeinflussen.

In einigen Berichten, die sich auf die Aussagen eines Whistleblowers st√ľtzen, wird der Firma ‚ÄěCambridge Analytica‚Äú sogar eine wichtige Rolle bei Trumps Wahlsieg und bei der Brexit-Entscheidung nachgesagt. Hat tats√§chlich eine digitale ‚ÄěWunderwaffe‚Äú dem US-Pr√§sidenten ins Amt verholfen und EU-Skeptikern in die H√§nde gespielt?

Was wird ‚ÄěCambridge Analytica‚Äú vorgeworfen?

Es geht um zumindest unsaubere Praktiken in der Entwicklung von Social Media-gest√ľtzten Wahlkampfstrategien. Publik gemacht hat sie Facebook selbst ‚Äď allerdings erst, nachdem der Whistleblower Christopher Wylie bereits gegen√ľber der "New York Times" und dem britischen Guardian ausgepackt hatte.

Den Journalisten erzählte der Datenanalyst, wie sein ehemaliger Arbeitgeber Cambridge Analytica Facebook-Daten verwendete, um daraus Modelle zu entwickeln, die eine zielgenaue Wähleransprache ermöglichen sollten. Das allein ist noch nichts Neues.

Neu ist allerdings, dass Trumps Kampagnenfirma diese Daten womöglich illegal und unter Vorspielung falscher Tatsachen beschaffen ließ. Laut "New York Times" sollen etwa 50 Millionen Nutzerprofile in Wylies Datenauswertung eingeflossen sein.

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Wie kamen Trumps Wahlkampfhelfer an so viele Daten?

Zu verdanken ist dieses ‚ÄěDatenleck‚Äú vor allem Facebooks Nachl√§ssigkeit im Umgang mit den Apps von Drittanbietern. Die Daten wurden n√§mlich von einer Firma namens Global Science Research (GSR) unter dem Deckmantel der Wissenschaft erhoben.

Deren App ‚Äěthisisyourdigitallife‚Äú gab sich als Pers√∂nlichkeitstest aus: Nutzer sollten dazu Fragen beantworten und Zugriff auf ihr Facebook-Profil gew√§hren. Durch ein Schlupfloch in Facebooks fr√ľheren Datenschutzbestimmungen erhielt der Entwickler aber nicht nur Zugriff auf die Daten der rund 270.000 Nutzer der App, sondern auch auf die von deren Facebook-Freunden.

Facebook ließ den Entwickler auch deshalb gewähren, weil der Wissenschaftler Alexandr Kogan von der Universität Cambridge dem Projekt scheinbare Legitimität verlieh. Später soll er die Daten widerrechtlich mit Cambridge Analytica geteilt haben. Nach Angaben der Firma seien die Datensätze gelöscht worden, als man von ihrer Herkunft erfahren habe. Wylies Darstellung widerspricht dieser Aussage.

Cambridge Analytica streitet außerdem ab, dass die Daten in Trumps Wahlkampf irgendeine Rolle spielten. Das könnte sogar stimmen. Schließlich wurden die Daten vor 2015 gesammelt und damit lange vor Trumps Kandidatur.

Wie wurden die Daten eingesetzt?

Im Grunde diente der ‚Äěgeklaute‚Äú Datensatz nur als Trainingsmaterial. Darauf deuten interne Dokumente hin, aus denen der "Guardian" zitiert. Darin preist Cambridge Analytica sein Endprodukt als den "Gold Standard" an, was die Erstellung von Pers√∂nlichkeitsprofilen aus Facebook-Informationen angeht.

Ob das stimmt, ist v√∂llig offen. Die Wirkung der von Cambridge Analytica durchgef√ľhrten Social Media-Kampagnen auf die Wahl in den USA oder das Brexit-Referendum in Gro√übritannien sind bisher kaum mehr als Tatsachenbehauptungen und nicht von unabh√§ngiger Stelle nachgewiesen.

Der Republikanische Pr√§sidentschaftskandidat Ted Cruz soll die Firma sogar gefeuert haben, weil sie in seiner Kampagne keine Erfolge vorweisen konnte. (Das k√∂nnte nat√ľrlich auch am Kandidaten gelegen haben. Umgekehrt gilt das aber auch, wenn man Donald Trumps Erfolg erkl√§ren will.)

Klar ist nur: Die Werbeversprechen, die Trumps Wahlkampfteam offenbar ein Budget von satten sechs Millionen US-Dollar aus den Taschen lockten, lassen bei Forschern, Datensch√ľtzern und Medien die Alarmglocken schrillen. Die Vorstellung, dass eine Firma tats√§chlich die eine Software haben sollte, die Wahlverhalten vorhersagen und beeinflussen kann, l√∂st Entsetzen aus.

K√∂nnte es durch Facebook-Daten gest√ľtzte Wahlmanipulationen auch in Deutschland geben?

In den USA geh√∂ren Werbekampagnen auf Facebook nicht erst seit der Wahl 2016 zum politischen Alltag. Und Cambridge Analytica hat die Vermessung des W√§hlers nicht erfunden. Tats√§chlich sandte Facebook 2016 selbst Beraterteams aus, um den Parteien zu erkl√§ren, wie sie einen Wahlkampf auf der Basis von speziell f√ľr diesen Zweck erstellten Nutzerprofilen gestalten k√∂nnen.

Au√üerdem muss man wissen, dass die Parteien in den USA auch Zugriff auf viele weitere Datenbanken haben, unter anderem die Melderegister, bei denen sich die W√§hler vor der Wahl registrieren m√ľssen ‚Äď inklusive Parteizugeh√∂rigkeit. Das macht die Arbeit von Analysefirmen wie Cambridge Analytica nat√ľrlich deutlich leichter. In Deutschland gilt ein sehr viel strengerer Datenschutz. Hier w√§ren Profilauswertungen zu politischen Zwecken nicht so ohne weiteres m√∂glich.

Facebooks "Datenleck" war ein offenes Geheimnis

Auch Barack Obamas Wahlkampfteam hatte schon bei der anstehenden Wiederwahl 2012 Facebooks laxe Datenschutzpolitik ausgenutzt, um potenzielle W√§hler √ľber das soziale Netzwerk zu mobilisieren. Damals waren ebenfalls Daten √ľber eine Facebook-App gesammelt worden ‚Äď nur wurde damals der Zweck der App, n√§mlich die Wiederwahl Obamas, zumindest den Erstanwendern gegen√ľber nicht verschleiert.

Doch der App-Trick w√ľrde heute selbst in den USA nicht mehr funktionieren. Facebook hat zwischen 2014 und 2015 den Zugriff der App-Anbieter auf Nutzerdaten deutlich eingeschr√§nkt. Davor war es ein offenes Geheimnis, wie viele wertvolle Daten man als Entwickler einer App abgreifen konnte ‚Äď selbst, wenn diese nur eine Handvoll Nutzer findet.

Schließlich hat der durchschnittliche Facebook-Nutzer zwischen 200 und 300 Bekanntschaften, die alle mit in der Datenabfrage landen. Erteilte ein Nutzer Zugriff auf sein Konto, gab er damit auch alles preis, was seine Freunde mit ihm teilten: Ausbildung und Arbeitsplatz, Geburtstage, Likes, Orte, Fotos, Beziehungsstatus, Postings und Kommentare und so weiter.

Eine Weitergabe an Dritte oder die Nutzung f√ľr Werbezwecke war zwar verboten. Die Entwickler sollten die Daten lediglich nutzen, um ihre App zu verbessern. Aber Wylies Bericht zeigt, wie wenig Kontrolle Facebook hier aus√ľbte.

Datensch√ľtzer hatten das lange angeprangert. Als Facebook schlie√ülich reagierte und die Zugriffsrechte massiv einschr√§nkte, war das sicherlich auch aus Eigeninteresse: Der Konzern will seine Daten sch√ľtzen, denn der exklusive Zugriff sichert ihm das Gesch√§ftsmodell f√ľr die Zukunft.

Was hat Facebook vor?

Profilbildung ist Facebooks Kerngesch√§ft. Damit lockt die Plattform Anzeigenkunden. Daf√ľr sammelt es all diese Daten: Um daraus m√∂glichst pr√§zise Pers√∂nlichkeitsprofile f√ľr das sogenannte "Microtargeting" zu schustern und diese zu vermarkten. Und auch Facebooks Methoden werden immer ausgefeilter - und skrupelloser.

Im letzten Jahr l√∂ste das Netzwerk einen Sturm der Entr√ľstung aus, weil es Werbetreibenden sogar erlaubt hatte, mit ihren Anzeigen gezielt Jugendliche anzusprechen, die durch ihr Facebook-Verhalten in eine bestimmte Kategorie gefallen waren. Laut Facebook f√ľhlten sie sich diese Teenager "unsicher", "wertlos" und brauchten etwas, das ihr Selbstvertrauen st√§rke. Das Unternehmen liefert seinen Anzeigenkunden quasi eine Kurzanleitung, wie sich aus menschlichem Leid Kapital schlagen l√§sst.

Solche Verfahren nutzen ganz offensichtlich nicht mehr nur demografische Daten oder die Informationen, die Nutzer freiwillig angeben, wie etwa Interessen. Die Unternehmen lassen zunehmend auch Dinge wie sexuelle Neigungen, Verhalten und Charakterz√ľge von ihren Algorithmen berechnen und vorhersagen.

Datenanalyst Wylie findet f√ľr solche Methoden drastische Worte: Es sei bei Cambridge Analytica darum gegangen, das Wissen √ľber den W√§hler auszunutzen, um seine ‚Äěinneren D√§monen‚Äú zu wecken, sagte er dem Guardian.

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Wie k√∂nnen sich Nutzer gegen die Daten-Schn√ľffelei sch√ľtzen?

Interessanterweise versuchen Forscher den Konzern nicht etwa zu mehr Datenschutz zu dr√§ngen. Sie wollen vielmehr das Gegenteil erreichen: Facebook soll mehr Informationen √ľber seine Nutzer herausr√ľcken und der Wissenschaft zur Verf√ľgung stellen.

So will man mehr Transparenz schaffen. Die Hoffnung: Wenn die Nutzer verstehen, wie das soziale Netzwerk funktioniert, k√∂nnen sie sich emanzipieren. Manipulationsversuche w√ľrden durchschaut werden.

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Das ist ein sehr aufkl√§rerischer und optimistischer Gedanke. F√ľrs erste sind die Nutzer aber auf sich allein gestellt. Die Devise hei√üt: Wachsam sein, sparsam mit pers√∂nlichen Daten umgehen, regelm√§√üig die Datenschutzeinstellungen im Profil √ľberpr√ľfen und so eng begrenzen wie nur m√∂glich. Oder vielleicht ganz auf Facebook verzichten.

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