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Mark Zuckerberg: Erlaubt Facebook künftig wieder Holocaust-Leugnung?


Wie Mark Zuckerberg Facebook für immer ruiniert

Eine Kolumne von Nicole Diekmann

Aktualisiert am 28.07.2022Lesedauer: 4 Min.
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Mark Zuckerberg: Offenbar empfindet der Facebook-Chef die Leugnung des Holocausts nicht als schädigend.
Mark Zuckerberg: Der Meta-Chef sah die Leugnung des Holocausts früher als zulässig auf seiner Plattform an. (Quelle: imago)
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Meta will Corona-Fake-News nicht mehr löschen – angeblich der Meinungsfreiheit wegen. Die führte Zuckerberg in der Vergangenheit auch bei Holocaust-Leugnern an.

Es schien, als wären sie im Silicon Valley endlich erwachsen geworden. Als wäre Mark Zuckerberg morgens aufgewacht und hätte realisiert: "Ich bin ja gar nicht mehr 19 und habe gerade in meiner Studentenbude Facebook entwickelt. Facebook ist ja gar keine Seite mehr, über die sich ein paar College-Kumpels und Cheerleader miteinander digital vernetzen und sich gegenseitig lustige Nachrichten schicken. Ich habe ja eine Verantwortung. Wann genau ist denn das passiert? Egal, ich mach das jetzt richtig."

So oder ähnlich könnte es sich Anfang 2021 abgespielt haben. Da entschloss sich Facebooks Mutterkonzern Meta, Falschinformationen auf Facebook und Instagram im Zusammenhang mit Covid-19 zu löschen. Nicht wirklich früh. Mit Blick auf die bis dato äußerst gleichgültige Haltung Metas gegenüber allen gesellschaftlichen Funken bis hin zu Bränden, die man weltweit mitgelenkt hatte, aber ein Quantensprung.

Die Fernsehjournalistin Nicole Diekmann kennt man als seriöse Politik-Berichterstatterin. Ganz anders, nämlich schlagfertig und lustig, erlebt man sie auf Twitter – wo sie über 120.000 Fans hat. Dort filetiert sie politische und gesellschaftliche Aufreger rund ums Internet. Ihr Buch "Die Shitstorm-Republik" ist überall erhältlich, ihr neues Blog findet man hier.

Nicht Wenige werteten diese Haltung als Einsicht in die globale Verantwortung der Tech-Riesen. Lange gehalten hat sie offenbar nicht: Das Meta-Management hat sich jetzt an das sogenannte Oversight Board, ein unabhängiges Aufsichtsgremium innerhalb des Konzerns, gewendet. Es bittet um Rat darum, das strikte Löschen von Falschbehauptungen („Masken bringen nichts“, "Die Impfung kann Autismus auslösen", „Das Trinken einer bestimmten Chemikalie bekämpft das Virus effektiv“) zu ersetzen. Durch Warnhinweise etwa, mit denen Meta solchen gefährlichen Unsinn versehen könnte. Mit anderen Worten: Facebook und Instagram möchten wieder Lügen verbreiten dürfen und begründen dies mit dem in den USA viel weiter als bei uns gefassten Begriff der Meinungsfreiheit.

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Die vermeintliche Einsicht hielt bei Meta nicht lange an

In vielen Ländern kehre man dank hoher Impfquoten zur Normalität zurück, das Virus habe an Schrecken verloren, schreibt Facebooks Beauftragter für "Global Affairs", also eine Art Außenminister, Nick Clegg in einem Blogpost. Und weiter: Allerdings nicht überall. Deshalb müsse man nicht mehr löschen, sondern solle sich weniger harte Maßnahmen überlegen.

Übersetzt heißt das: Sind bestimmte Desinformationen nicht mehr für allzu viele Menschen gefährlich, lässt man sie bei Facebook und Instagram wieder zu. Metas Haltung zu Fake News ist eine Frage der Zahlen.

Das ist sie tatsächlich, aber in anderer Hinsicht: Es läuft nicht mehr so gut. Das Meta-Imperium, das seit der Gründung von Facebook nichts anderes kannte als steten Aufstieg, kontinuierliches Wachstum und ungebremste Marktherrschaft, macht eine völlig neue Erfahrung. In Palo Alto, dem Hauptsitz des Weltherrschers über die sozialen Netzwerke, reibt man sich erstaunt die Augen.

Erstmals verzeichnete Facebook im ersten Quartal 2022 einen Nutzerrückgang. Jetzt, ein Quartal später, muss Meta erstmals einen Umsatzrückgang verzeichnen. Der Mechanismus, nach dem das Meta-Management agiert, ist in seiner Durchsichtigkeit bestürzend: Gehen die Zahlen runter, sinkt auch die Moral.

Dabei wäre interessant zu erfahren, warum die Nutzerzahlen zurückgehen. Liegt es tatsächlich daran, wie man in der Meta-Spitze ja offensichtlich vermutet, dass man Beiträge löscht? Oder ist nicht vielmehr der Grund für sinkendes Interesse, dass der Kampf gegen Fake News, Hate Speech und Verdummung trotz aller Bemühungen nicht so recht funktioniert und Tag für Tag, rund um die Uhr aus allen Ecken des Social Web Dreck, Siff und Schwefel dringen?

Nimmt man Meta womöglich auch einfach nicht mehr ab, dass es sich wirklich darum bemüht, dieser Probleme Herr zu werden? Vielleicht aber, auch das ist eine mögliche Erklärung, ist Facebook auch einfach uncool geworden. Eine Plattform, auf der inzwischen sogar Oma und Opa unterwegs sind, verliert zwangsläufig an Sex-Appeal.

Selbst der letzte Funken Hoffnung ist nun erstickt

Welche Erklärung nun zutrifft, ist letzten Endes egal. Selbst diejenigen, die noch einen Funken Hoffnung hatten, werden nun enttäuscht durch den Vorstoß Cleggs, ganz unabhängig davon, ob seine Vorschläge umgesetzt werden. Wer einmal behauptet hat, Lügen aktiv und nachhaltig zu unterbinden, und sich dann nicht lange daran hält, dem glaubt man nicht. Der Ruf ist jetzt komplett ruiniert. Und das ist die wirklich schlechte Nachricht.

Wenn Meta ausschließlich auf den Profit schaut und sofort alles über Bord wirft, geht dieser zurück, dann wird Meta es weiter eskalieren lassen auf seinen Seiten. Das ist in Zeiten von Putins Angriffskrieg gegen die Ukraine und der einschlägig bekannten, erfolgreichen russischen Propaganda in den sozialen Netzwerken gefährlicher denn je.

Von einer möglichen Rückkehr Donald Trumps ins Weiße Haus gar nicht zu reden. Dass Facebook ihn wieder zulässt auf seinen Plattformen – davon sollte man nun fest ausgehen. Zumal Facebook ihn nach dem Sturm aufs Kapitol am 6. Januar 2021 nur zögerlich verbannt hatte.

Womöglich ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis der Konzern die Leugnung des Holocaust wieder zulässt. Nach sehr langem Hadern und Jahren des öffentlichen Drucks hatte Zuckerberg dies dann doch verboten. Ihm sei klar geworden, so der Meta-Chef, dass seine Plattformen nicht unschuldig seien am weltweit zunehmenden Antisemitismus. Ich würde meine Hand nicht ins Feuer dafür legen, dass es dabei bleibt. Facebook brennt für Gewinne, dafür zündelt es im Zweifel auch mit.

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Verwendete Quellen
  • Eigene Recherche
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