Online-Flirts mit Folgen

Polizei warnt vor "Sexpressung"

04.02.2019, 13:04 Uhr | dpa

Eine Webcam: Um gar nicht erst Opfer einer Erpressung zu werden, sollte man keine intimen Aufnahmen von sich im Internet verbreiten und Kameras abkleben. (Quelle: Sven Hoppe/dpa)

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Telefonsex war früher. Der Online-Flirt von heute findet via Videochat statt. Doch das kann kostspielige Folgen haben – zumindest, wenn sich das Gegenüber als Erpresser entpuppt.

Auf einer Dating-Plattform kommt man sich näher, gewinnt Vertrauen und im Videochat geht es heiß her. Doch wenn dann eine E-Mail oder Facebook-Nachricht mit der Forderung einer Geldsumme eintrifft, weicht das erotische Knistern schnell blankem Entsetzen.

Die Polizei in Nordrhein-Westfalen hat erneut eindringlich vor einer digitalen Masche von Erpressern gewarnt, bei der den Empfängern mit der Veröffentlichung von Sexvideos gedroht wird. Die Unbekannten behaupten, die Betroffenen per Videochat nackt – oft bei der Selbstbefriedigung – gefilmt zu haben. Nur die Zahlung von mehreren Hundert oder Tausend Euro könne die Veröffentlichung verhindern.

Typische Phishing-E-Mails und woran man sie erkennt

Frau schaut verwirrt auf ihren Laptop. (Quelle: fizkes/Thinkstock by Getty-Images)

Häufig nutzen Täter Namen und Logos bekannter Unternehmen und verschicken beispielsweise gefälschte Rechnungen mit einer Schadsoftware im E-Mail-Anhang. Solche Spam-Wellen erreichen auch Telekom-Kunden. (Quelle: Andrea Warnecke/dpa/tmn)

Ein anderer beliebter Trick betrifft vor allem Bankkunden oder Nutzer eines Online-Zahlungsdienstes. Unter einem Vorwand wird der Nutzer auf eine manipulierte Seite gelotst. Dort soll er angeblich seine Kunden- oder Bankdaten aktualisieren. In Wahrheit liefert er die Log-in-Informationen damit den Betrügern aus, die nun das Konto plündern können. (Quelle: Leo/imago images)

Hier ein Beispiel zu PayPal: Die Einführung der europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) wird als Vorwand genutzt, um den Nutzer in die Falle zu locken. Nur auf den ersten Blick sieht die E-Mail echt aus. Die Rechtschreibfehler sollten jedoch ein Warnsignal sein. (Quelle: Rüdiger Wölk/imago images)

Identitätsdiebe und Spammer haben es "nur" auf die Log-in-Daten zum E-Mail-Konto abgesehen. Dazu verschicken sie zum Beispiel E-Mails mit der Behauptung, das E-Mail-Postfach sei voll. Der Nutzer soll sich auf einer Fake-Webseite einloggen, um mehr Speicherplatz freizuschalten. Fällt das Opfer darauf herein, können die Täter die Kontrolle über sein E-Mail-Konto übernehmen. (Quelle: Rüdiger Wölk/imago images)

Hier eine Phishing-E-Mail, die auf Netflix-Kunden abzielt. Man wird darin aufgefordert, die Zahlungsmethode zu aktualisieren. Doch der Link führt auf eine betrügerische Webseite. Der Absender dieser Mail lautet "netflix@support.de". Die Domain beweist: Das ist ganz klar ein Fake! (Quelle: Screenshot/t-online.de)

"Diese Nachricht stammt von einem vertrauenswürdigen Absender", behauptet der Absender dieser angeblichen PayPal-E-Mail dreist. Das E-Mail-Programm sieht das anders und ordnet die Nachricht korrekt als "Junk" ein. Auch hier sehen wir eine "@support"-Adresse im Absender. Außerdem fehlt der E-Mail ein ordentliches Impressum oder das übliche PayPal-Logo. (Quelle: Screenshot/t-online.de)

Diese Rechnungsfälschung im Namen der Telekom ist recht gut gemacht. Die Absender sprechen den Empfänger sogar mit dem korrekten Namen an. Dennoch schlägt der Spam-Filter des E-Mail-Programms Alarm. Zu Recht: Die Buchungsnummer und der Zahlungsbetrag sind frei erfunden. Der Empfänger dieser E-Mail ist nicht einmal Festnetzkunde bei der Telekom. Auch das Word-Dokument im Anhang ist verdächtig: Die Telekom verschickt nur PDF-Dateien. Die Datei beinhaltet vermutlich Malware. (Quelle: Screenshot/t-online.de)

Auch Paketdienste wie DHL werden für Phishing-Versuche missbraucht. Diese Betrugsmail tarnt sich als Nachricht zur Sendungsverfolgung. Der Empfänger wird mit Namen angesprochen. Die Aufforderung, die Kosten für das Paket zu übernehmen, erzeugt zusätzlichen Druck. Man möchte natürlich wissen, was dahinter steckt. Trotzdem sollten Nutzer ihre Neugier zügeln und nicht auf den Link klicken. Er könnte zu einer infizierten Seite führen. (Quelle: Screenshot/t-online.de)

So sieht übrigens eine echte Paketankündigung von DHL aus. Zur Nachverfolgung wird eine Sendungsnummer genannt, die man auf der DHL-Webseite eingeben kann. Die E-Mail enthält mehrere Links zum Kundenservice. Fahren Sie mit der Maus über einen Link, um die URL der Zieladresse zu überprüfen. Wenn sie Ihnen suspekt vorkommt, klicken Sie nicht darauf, sondern geben die DHL-Webseite händisch in die Adresszeile ein. (Quelle: Screenshot/t-online.de)

Und so sieht es aus, wenn ein Paket erneut zugestellt wird. Auch hier ist der Unterschied zur Spam-Variante gewaltig. Man beachte vor allem das ausführliche Impressum. (Quelle: Screenshot/t-online.de)

Meistens ist die Erpressung reiner Bluff

Die Masche wird "Sexpressung" oder "Sextortion" (von "extortion" – "Erpressung") genannt. Dabei gibt es zwei unterschiedliche Methoden, die seit vergangenem Jahr kursieren: Bei der "Pornmail"-Masche behaupten die Erpresser, den Computer gehackt, Spionage-Software wie einen Trojaner installiert und den Besitzer beim Konsum von Pornofilmen mit dessen eigener Kamera gefilmt zu haben.

Bislang ist dies reiner Bluff und es existieren gar keine Aufzeichnungen. Dem Landeskriminalamt NRW und auch anderen Polizeibehörden ist zumindest kein Fall bekannt, in dem die Versender dieser Tausenden von Spam-Mails ihre Drohung wahr gemacht hätten. Viele Empfänger zahlen trotzdem, weil sie es nicht darauf ankommen lassen wollen.

Anders sieht es bei der Lockvogelmasche im Videochat aus. In diesen Fällen können die Erpresser tatsächlich mit "Kostproben" aufwarten. Es sei ein leichtes und koste nur einen Knopfdruck, die intimen Aufnahmen über die Kontaktlisten an den Freundes- und Kollegenkreis des Erpressten zu schicken, heißt es dann. Und vereinzelt sei dies Realität geworden. "Es sind Fälle bekannt, bei denen tatsächlich kompromittierende Aufnahmen gestreut wurden", warnt das LKA.

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Die Täter sind schwer auffindbar

"Für die Betroffenen ist das verheerend", hatte der Kölner Oberstaatsanwalt Markus Hartmann bereits berichtet. In höchster Not habe sich ein älterer Mann bei den Strafverfolgern gemeldet. "Er hatte schon den Familienrat zusammengerufen, um seiner Ehefrau zu beichten, dass demnächst Videos von ihm im Netz kursieren."

Den Tätern ist nicht so leicht auf die Spur zu kommen: "Sie bedienen sich anonymisierter Transaktionen ins Ausland, etwa via Western Union oder verlangen Kryptowährungen wie Bitcoin. Serverstandorte und Geldforderungen, sofern sie nachvollzogen werden können, deuten auf ein Agieren aus dem Ausland hin", berichtet ein Sprecher des Landeskriminalamts NRW.

Ein leichter Trick schützt vor Erpressung

Die Polizei rät, im Ernstfall Beweise wie Chatverläufe zu sichern, oder auch Screenshots anzufertigen und Anzeige zu erstatten. Um sich erst gar nicht in eine solche Situation zu bringen, helfe ein einfacher Kniff: Das Abkleben der Kameralinse von Laptop oder PC – und der Verzicht auf freizügiges Verhalten, auch wenn das Gegenüber im Videochat es noch so verführerisch vormacht.


Die Bochumer Polizei veröffentlichte vor wenigen Tagen – aus gegebenem Anlass – einen deutlichen Appell: "Bitte stellen Sie sich bei intimen Handlungen nicht vor eine Webcam, bitte machen sie keine Nacktfotos von sich und versenden diese vor allem nicht an andere Personen. Unsere Welt ist schon lange digital und sie verzeiht im Zweifelsfall nicht, wenn man leichtsinnige und unüberlegte Dinge tut – lebenslang!"

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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