Sie sind hier: Home > Digital > Smartphone >

Wenn das perfekte Foto das Leben kostet

Tödliche Selfies in Südostasien  

Wenn das perfekte Foto das Leben kostet

29.12.2018, 18:34 Uhr | Nick Kaiser, dpa

Sri Lanka: Deutsche Touristin stürzt beim Selfie-Machen in den Tod (Quelle: spot on news)
Deutsche Touristin stürzt beim Selfie-Machen in den Tod

Tragische Nachrichten aus dem Urlaubsparadies Sri Lanka. Eine deutsche Touristin ist am Sonntagmorgen beim Selfie-Machen in den Tod gestürzt.

Sri Lanka: Deutsche Touristin stürzt beim Selfie-Machen in den Tod. (Quelle: Sat.1)


Mehr als 30 Inder sterben jedes Jahr beim Selfie-Machen. Daran ändern auch Verbotszonen nichts. Und im Top-Urlaubsziel Sri Lanka begeben sich auch immer mehr Touristen vor exotischer Kulissen in Lebensgefahr.

Traumstrände, Natur, wilde Elefanten – Sri Lankas Charme zieht Touristen an. Darunter eine 35-jährige Deutsche, die vor wenigen Wochen den Horton-Plains-Nationalpark im zentralen Hochland des Inselstaates besuchte. An einer mehr als 1.000 Meter hohen Klippe, die "World's End" (Ende der Welt) genannt wird, wollte sie ein Selfie machen - und stürzte in den Tod.

Indien, Mumbai: Ein Mann macht ein Selfie vor einer Welle die über die Promenade spritzt.  (Quelle: AP/dpa/Rafiq Maqbool)Indien, Mumbai: Ein Mann macht ein Selfie vor einer Welle die über die Promenade spritzt. (Quelle: Rafiq Maqbool/AP/dpa)

Der weltweit bekannte Reiseführer "Lonely Planet" hat Sri Lanka zum Top-Reiseziel im kommenden Jahr erklärt – Deutschland landete auf Platz zwei. Eine tolle Nachricht für das Land im Indischen Ozean, das neun Jahre nach dem Ende eines jahrzehntelangen Bürgerkrieges die Einnahmen aus dem Tourismus gut gebrauchen kann. Umso wichtiger, dass sich Tragödien wie die der deutschen Touristin nicht häufen.

Mit ihrer Vorliebe, sich selbst vor schönen Kulissen zu fotografieren, begeben sich Touristen aber nicht selten in Gefahr – in Sri Lanka zum Beispiel auf den pittoresken Bahnstrecken durch den Dschungel des Landesinneren. "Die Zahl der Ausländer, die aus fahrenden Zügen auf das Trittbrett steigen, um Selfies zu machen, nimmt zu", erzählt der Sicherheitschef von Sri Lankas Bahngesellschaft, Anura Premaratna. "Unsere Schaffner müssen ihnen ständig sagen, dass sie im Wagen bleiben sollen."

450 Todesfälle auf den Zugstrecken

In diesem Jahr hat es ihm zufolge schon 450 Todesfälle auf den Zugstrecken Sri Lankas gegeben - wie viele davon bei Selfies passierten, sei statistisch nicht erfasst. Ein vergangenes Jahr beschlossenes Selfie-Verbot auf Bahnschienen werde bislang nicht durchgesetzt.

 (Quelle: statista.de) (Quelle: statista.de)

Der große Nachbar Indien ist aber mit Abstand das Land mit den meisten Selfie-Toten, wie zwei Studien ergeben haben. Forscher der indischen Universitätskrankenhaus-Kette "AIIMS" berichteten vor wenigen Monaten, es habe zwischen Oktober 2011 und November 2017 weltweit 259 Todesfälle beim Selbstfotografieren gegeben - etwa die Hälfte davon in Indien.

2016 hatten Wissenschaftler des Instituts für Informationstechnologie (IIT) in Delhi und der US-amerikanischen Carnegie Mellon University eine Studie mit ähnlichen Ergebnissen präsentiert. Mit weitem Abstand folgen demnach hinter Indien Länder wie Pakistan, Russland und die USA. Seit März 2014 seien 139 Inder beim Selfie-Machen gestorben, sechs davon außerhalb Indiens, erklärt Ponnurangam Kumaraguru, einer der Autoren der IIT-Studie. Hinzu kämen fünf Ausländer in Indien.

Menschen fotografieren sich am Bandra Fort Band Stand, einem berühmten Touristenort am Arabischen Meer, unweit eines Verbotsschildes, das darauf hinweist, sich von der Wasserkante fern zu halten.  (Quelle: dpa/Divyakant Solanki/EPA)Menschen fotografieren sich am Bandra Fort Band Stand, einem berühmten Touristenort am Arabischen Meer, unweit eines Verbotsschildes, das darauf hinweist, sich von der Wasserkante fern zu halten. (Quelle: Divyakant Solanki/EPA/dpa)

Auch die Fahrt auf der Rolltreppe wird fotografiert

Ein Grund für die hohen Zahlen mag Indiens Bevölkerungszahl von 1,3 Milliarden Menschen sein. Eindeutig ist das Selbstfotografieren auf dem Subkontinent aber auch weiter verbreitet als in manch anderen Ecken der Welt. Leute mit ausgestrecktem Arm und auf sich selbst gerichtetem Handy sieht man in indischen Städten überall: in Restaurants, Einkaufszentren, U-Bahnen, Flugzeugen, oder einfach auf der Straße. Selbst eine Fahrt auf einer Rolltreppe ist für manche offensichtlich denkwürdig genug, fotografisch festgehalten zu werden.

Ein Phänomen, das wohl die meisten Indien-Besucher kennen, ist es, dass Inder gerne auf Ausländer zugehen, um mit ihnen Selfies aufzunehmen - manchmal, ohne vorher zu fragen. Ein junges Paar aus der Schweiz wurde vergangenes Jahr im bei Touristen beliebten Ort Fatehpur Sikri von einer Gruppe indischer Jugendlicher zusammengeschlagen - Berichten zufolge, weil sie ein gemeinsames Selfie abgelehnt hatten.

Ein indischer Tourist macht auf einem Stein stehend ein Selfie an einem Wasserfall. (Quelle: dpa/Harish Tyagi/EPA)Ein indischer Tourist macht auf einem Stein stehend ein Selfie an einem Wasserfall. (Quelle: Harish Tyagi/EPA/dpa)

Fremdenführer erzählen, sie müssten Touristen inzwischen vor aggressiven Selfie-Anfragen schützen. Fotos - vorzugsweise mit jungen, weißen Frauen - mit der Kennung #selfiewithforeigner (Selfie mit Ausländer) machen unter Indern in sozialen Medien die Runden.

Ein gewisser Hang zur Selbstdarstellung

Kumaraguru, Co-Autor der IIT-Studie über Selfie-Todesfälle, führt den Selfie-Wahn darauf zurück, dass viele Inder erst seit kurzem Zugang zu internetfähigen Handys haben. Billig-Smartphones und mobile Internetdaten für wenig Geld machten dies möglich. "Und jedes neue Handy wird in Werbungen vor allem als Kamera vermarktet", sagt er. Außerdem hänge es damit zusammen, dass zwei Drittel der Bevölkerung jünger als 35 Jahre sind. Ein gewisser Hang der jungen Inder zur Selbstdarstellung spiele wohl auch eine Rolle.

Den Studien zufolge sind es vor allem junge Männer, die riskante Selfies machen - etwa an Klippen, auf den Dächern hoher Gebäude oder am Rande von Gewässern. Ertrinken ist demnach eine häufige Todesursache. In der indischen Unterhaltungs- und Finanzmetropole Mumbai und im bei Urlaubern beliebten Küstenbundesstaat Goa gibt es inzwischen Orte, an denen Selfies verboten sind. An einer neuen Brücke in Delhi soll eine Ecke für Selfies eingerichtet werden, nachdem Menschen sich aus fahrenden Autos lehnten und auf der Brücke herumkletterten, um besonders gute Fotos zu schießen.

Zwei indische Jungen machen ein Selfie vor dem Bahngleis, auf dem es zuvor zur teilweisen Entgleisung eines Personenzuges kam. Mehr als 30 Inder sterben jedes Jahr beim Selfie-Machen. (Quelle: AP/dpa/Rafiq Maqbool)Zwei indische Jungen machen ein Selfie vor dem Bahngleis, auf dem es zuvor zur teilweisen Entgleisung eines Personenzuges kam. Mehr als 30 Inder sterben jedes Jahr beim Selfie-Machen. (Quelle: Rafiq Maqbool/AP/dpa)

Die "No-Selfie Zones" in Mumbai und Goa zeigten kaum Wirkung, zumal sie nicht ausgeschildert seien, sagt Kumaraguru. Der IT-Professor und Experte für soziale Medien meint, eine bessere Lösung zu haben: Zusammen mit Kollegen hat er eine App namens Saftie entwickelt, die eine Datenbank mit rund 7000 Orten weltweit enthält, an denen es gefährlich sein kann, ein Selfie zu machen. Außerdem kann die App durch die Handy-Kamera erkennen, ob man beim Selfie-Schießen einem Abgrund oder Gewässer zu nahe steht.


Noch hat Saftie nicht sehr viele Nutzer. Kumaraguru hofft aber, dass Internetunternehmen wie Google oder Snapchat die Technologie in ihre Anwendungen integrieren. "Es geht hier darum, Leben zu retten", meint er.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
Die neuen Teufel Sound-Superhelden zu Top-Preisen
Heimkino, Portable, Kopfhörer und mehr
Klingelbonprix.deOTTOCECILStreet OneLIDLBabistadouglas.deBAUR
Mehr zum Thema
Sie sind hier: Home > Digital > Smartphone > Handy & Smartphone

shopping-portal
Das Unternehmen
  • Ströer Digital Publishing GmbH
  • Unternehmen
  • Jobs & Karriere
  • Presse
Weiteres
Netzwerk & Partner
  • Stayfriends
  • Erotik
  • Routenplaner
  • Horoskope
  • billiger.de
  • t-online.de Browser
  • Das Örtliche
  • DasTelefonbuch
  • Erotic Lounge
  • giga.de
  • desired.de
  • kino.de
  • Statista
Telekom Tarife
  • DSL
  • Telefonieren
  • Magenta TV
  • Mobilfunk-Tarife
  • Datentarife
  • Prepaid-Tarife
  • Magenta EINS
Telekom Produkte
  • Kundencenter
  • Magenta SmartHome
  • Magenta Sport
  • Freemail
  • Telekom Mail
  • Sicherheitspaket
  • Vertragsverlängerung Festnetz
  • Vertragsverlängerung Mobilfunk
  • Hilfe
© Ströer Digital Publishing GmbH 2019