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Ja, die Redaktion hat f√ľr diesen Ratgeberartikel alle relevanten Fakten recherchiert. Eine Beeinflussung durch Dritte findet nicht statt.

Wann Sie auf Bitcoins Steuern zahlen m√ľssen ‚Äď und wann nicht

  • Nele Behrens
Von Nele Behrens

Aktualisiert am 15.05.2022Lesedauer: 6 Min.
Physischer Bitcoin auf Dollarnoten: Das Finanzamt erkennt Kryptowährungen wie Bitcoins nicht als Währung an. Das hat Auswirkungen auf den Steuersatz.
Physischer Bitcoin auf Dollarnoten: Das Finanzamt erkennt Kryptowährungen wie Bitcoins nicht als Währung an. Das hat Auswirkungen auf den Steuersatz. (Quelle: Aviation Stock/imago-images-bilder)
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Neumillion√§r durch Bitcoin: Die Kryptow√§hrung schreibt Erfolgsgeschichte. Doch wie viele Steuern m√ľssen Sie auf Ihren neuen Reichtum zahlen? t-online erkl√§rt das Steuerrecht um Bitcoin und Co.

Das Wichtigste im √úberblick


  • Muss ich auf Bitcoins Steuern zahlen?
  • Wann muss ich keine Steuern bezahlen?
  • Wie versteuere ich Bitcoins?
  • Woher wei√ü das Finanzamt von meinen Kryptow√§hrungen?
  • Gibt es bald eine eigene Krypto-Steuer?

Wer in Kryptow√§hrungen investiert, braucht starke Nerven und Geduld. Daf√ľr lockt die Chance auf hohe Gewinne. Wenn Sie im M√§rz 2020 einen Bitcoin gekauft h√§tten, h√§tten Sie diesen im April 2021 mit einem Gewinn von 40.000 Euro verkaufen k√∂nnen ‚Äď das ist f√ľr viele Deutsche ein Bruttojahresgehalt.

√úber solche Gewinne freut sich jeder Anleger ‚Äď doch schnell dr√§ngt sich auch die Frage auf: Welchen Anteil will der Staat davon haben? Denn auch wenn das Finanzamt Bitcoin und Co. nicht als W√§hrung anerkennt, schaut es bei Ihren Gewinnen aus solchen Gesch√§ften genau hin.

t-online erkl√§rt, wann Sie Gewinne aus Ihren Krypto-Investments versteuern m√ľssen, wie Sie selbst Verluste aus Kryptow√§hrungen steuerlich geltend machen ‚Äď und so etwas abfedern.

Muss ich auf Bitcoins Steuern zahlen?

Ja, auch auf Kryptow√§hrungen wie Bitcoin oder Ethereum m√ľssen Sie Steuern bezahlen ‚Äď allerdings nur unter bestimmten Umst√§nden. Denn die BaFin stuft Bitcoin und andere Kryptow√§hrungen nicht als gesetzliches Zahlungsmittel ein.

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"Der Knackpunkt ist, dass Kryptow√§hrungen kein gesetzliches Zahlungsmittel sind, sondern als Rechnungseinheiten gelten", erkl√§rt Hartmut Schwab, Pr√§sident der Bundessteuerberaterkammer, auf Anfrage von t-online. "Diese sind mit Devisen vergleichbar, daher gelten f√ľr den Kauf und Verkauf von Kryptow√§hrungen durch Banken dieselben Grunds√§tze wie f√ľr Fremdw√§hrungsgesch√§fte."

Aktuell fallen Kryptowährungen wie Bitcoins steuerrechtlich unter die Kategorie eines privaten Veräußerungsgeschäfts, damit gilt der § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG. Gewinne aus dem Handel mit Kryptowährungen gelten daher als Veräußerungsgewinne und werden damit ähnlich behandelt wie die Gewinne aus dem Verkauf von Immobilien, seltenen Kunstwerken oder Oldtimern, bei denen Steuern nur unter bestimmten Umständen anfallen.

Langes Halten lohnt sich

Das Finanzamt interessiert sich f√ľr Gewinne aus Bitcoins und Co., wenn:

  • Sie Ihre Coins nach weniger als einem Jahr nach dem Erwerb verkaufen
  • und wenn Ihr Gewinn die Freigrenze von 600 Euro √ľberschreitet.

Wichtig: Bei privaten Ver√§u√üerungsgesch√§ften gibt es eine Freigrenze von 600 Euro. √úbersteigt Ihr Ver√§u√üerungsgewinn diese Freigrenze, m√ľssen Sie die gesamte Summe versteuern. Es ist also nicht zu verwechseln mit dem Freibetrag von 801 Euro bei Aktiengesch√§ften.

Dazu kommt: Die Freigrenze summiert alle Verk√§ufe, die unter die Kategorie privater Ver√§u√üerungsgesch√§fte fallen. Haben Sie also bereits einen Oldtimer verkauft, ist Ihr Freibetrag schon aufgebraucht ‚Äď und Ihre Bitcoins sind damit steuerpflichtig.

Hier lohnt es sich also, genau zu pr√ľfen, wie viele Bitcoins Sie verkaufen. Denn: Solange Sie Bitcoins in Ihrem Wallet ‚Äď also Ihrem digitalen Portemonnaie ‚Äď halten, m√ľssen Sie diese auch nicht versteuern. Diese steuerlichen Grunds√§tze z√§hlen f√ľr alle Kryptow√§hrungen ‚Äď es ist also egal, ob Sie Bitcoin, Ethereum (mehr dazu hier) oder Cardano kaufen oder verkaufen.

Wann muss ich keine Steuern bezahlen?

Da Bitcoins nicht genauso versteuert werden wie etwa Gewinne aus Aktien, kann es sein, dass Ihre Gewinne aus Kryptow√§hrungen komplett steuerfrei sind. Und zwar in diesem Fall: Wenn Sie Ihre Coins √ľber ein Jahr lang halten und anschlie√üend mit Gewinn verkaufen, m√ľssen Sie diesen nicht versteuern.

Aber Vorsicht: Wenn Sie zwischendurch mit den Bitcoins etwas gekauft haben oder diese zwischenzeitlich in eine andere Kryptow√§hrung umgetauscht haben, gilt diese Regel nicht f√ľr Sie.

  • Beispiel: Wer im M√§rz 2020 einen Bitcoin f√ľr 4.300 Euro gekauft hat, konnte diesen im April 2021 f√ľr 44.700 Euro verkaufen ‚Äď und der Gewinn von 40.400 Euro war steuerfrei. Das galt aber nur, wenn Sie Ihre Bitcoins in der Zwischenzeit nicht genutzt haben.

"Beim Tausch einer Kryptowährung in eine andere innerhalb eines Jahres nach Anschaffung handelt es sich um ein privates Veräußerungsgeschäft", sagt Hartmut Schwab, Präsident der Bundessteuerberaterkammer. Als Wert des Geschäftes gelte dabei der aktuelle Währungswert an der Börse.

In diesem Fall haben Sie mit Ihren Bitcoins Eink√ľnfte generiert und die Spekulationsfrist erh√∂ht sich auf zehn Jahre, erkl√§rt Steuerberater Christoph Juhn im Interview mit "Finanzfluss". Verkaufen Sie in dieser Zeit Ihre Kryptow√§hrungen, sind Ihre Gewinne erneut steuerpflichtig. In Fachkreisen sei diese Regelung aber durchaus umstritten.

Steuern auf Lending und Staking

Dasselbe gilt auch, wenn Sie das sogenannte Staking betreiben, etwa bei W√§hrungen wie Cardano, oder Ihre Kryptow√§hrungen gegen Zinszahlungen verleihen (Lending). Auch in diesem Fall generieren Sie mit Ihrem "sonstigen Wirtschaftsgut" ‚Äď Ihren Coins ‚Äď Eink√ľnfte. Diese Gewinne m√ľssen Sie ebenfalls versteuern. Allerdings gilt hier eine andere Freigrenze als beim Verkauf der Kryptow√§hrungen.

Die Zinsen durch das Verleihen Ihrer Coins oder durch das Staking, das Zur√ľckhalten von Kryptow√§hrungen um Belohnungen zu erhalten, gelten als "Eink√ľnfte aus Leistungen im Sinne des ¬ß 22 Nr. 3 EStG". Hier gilt eine Freigrenze von 256 Euro im Jahr, alle Gewinne aus Staking oder Lending, die diese Summe √ľberschreiten, m√ľssen Sie versteuern.

Das ändert sich aber bald. Beim ersten Blockchain-Roundtable der FDP gab das Bundesfinanzministerium Ende April 2022 bekannt, dass im finalen Entwurf des neuen Kryptosteuergesetzes diese Haltefristverlängerung nicht vorkommt. Wer also seine Kryptowährungen, wie etwa Cardano, stakt, muss diese anschließend nicht mehr zehn Jahre halten.

Wie versteuere ich Bitcoins?

Die Gewinne oder Verluste Ihrer Kryptow√§hrungen m√ľssen Sie bei der Steuererkl√§rung unter der Ablage SO ‚Äď f√ľr sonstige Eink√ľnfte ‚Äď eintragen. Halten Sie nur Bitcoins oder haben diese erst nach einer Haltedauer von einem Jahr verkauft, sind Sie nicht verpflichtet, diese in der Steuererkl√§rung anzugeben.

Der Steuersatz bei Kryptow√§hrungen liegt deutlich h√∂her als bei Kapitalertr√§gen, etwa aus Aktiengesch√§ften. Die Spekulationssteuer liegt in Deutschland bei 25 Prozent ‚Äď bei Bitcoins und Co. zieht der Staat dagegen Ihren regul√§ren Steuersatz heran. Das bedeutet: Auf Ihre Bitcoin-Gewinne m√ľssen Sie gegebenenfalls auch noch den Solidarit√§tszuschlag und die Kirchensteuer zahlen.

Bei der Steuererkl√§rung m√ľssen Sie zuerst nur die Summe Ihres Gewinns durch den Verkauf von Kryptow√§hrungen angeben. Ihr steuerpflichtiger Ver√§u√üerungsgewinn ergibt sich aus der Differenz zwischen dem Kaufpreis Ihrer Coins, etwa Bitcoins, und Ihrem Verkaufswert. Wenn das Finanzamt anschlie√üend weitere Daten zum Kauf und Verkauf haben m√∂chte, m√ľssen Sie diese Daten nachreichen.

Dokumentation der Käufe und Verkäufe

Daf√ľr lohnt es sich, eine Tabelle mit Ihren K√§ufen und Verk√§ufen anzulegen ‚Äď besonders wenn Sie mehr als einen Coin besitzen oder h√§ufiger Kryptow√§hrungen kaufen. Bei der Steuererkl√§rung k√∂nnen Sie dann auf zwei Methoden zur√ľckgreifen, um Ihre Verk√§ufe zu versteuern.

Die FIFO-Methode:

Bei der FIFO-Methode ‚Äď First in first out ‚Äď verkaufen Sie zuerst die Coins, die Sie auch zuerst gekauft haben.

  • Beispiel: Sie haben am 5. M√§rz 2020 zwei Bitcoins gekauft und am 10. M√§rz 2020 zwei Bitcoins. Wenn Sie nun am 15. April 2021 drei Bitcoins verkaufen wollen, verrechnen Sie diese mit den zwei Bitcoins vom 5. M√§rz sowie einem Bitcoin vom 10. M√§rz.

Die LIFO-Methode:

Bei der LIFO-Methode ‚Äď Last in first out ‚Äď ist es genau andersherum: Hier verkaufen Sie zuerst die Coins oder Bruchst√ľcke von diesen, die Sie zuletzt gekauft haben. Da Kryptow√§hrungen aber erst nach einer Haltedauer von einem Jahr steuerfrei sind, empfiehlt sich bei der Steuerkl√§rung die FIFO-Methode.

Wichtig: Haben Sie sich bei der Steuererkl√§rung f√ľr eine Methode entschieden, m√ľssen Sie alle Gewinne aus Kryptogesch√§ften so versteuern.

Kann ich meine Bitcoin-Verluste von der Steuer absetzen?

Ja, Sie können Ihre Bitcoin-Verluste von der Steuer absetzen. Allerdings gilt hier derselbe Grundsatz wie bei Verlusten aus Kapitalgeschäften. Auch hier können Sie beispielsweise nur Verluste aus Aktien mit Gewinnen aus Aktien verrechnen.

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Bitcoin-Verluste k√∂nnen Sie also nur mit Gewinnen verrechnen, die ebenfalls als privates Ver√§u√üerungsgesch√§ft gelten ‚Äď etwa mit dem Verkauf eines Grundst√ľckes, von Fremdw√§hrungsdevisen, Kunstwerken oder Kryptow√§hrungen.

Haben Sie in diesem Jahr keinen Gewinn mit solchen G√ľtern gemacht, k√∂nnen Sie den Verlust auch ohne eine Begrenzung auf die kommenden Jahre √ľbertragen. Wenn Sie anschlie√üend Gewinne mit Bitcoins und Co. machen, mindert der Verlust der Vorjahre Ihre Steuerlast auf den Bitcoin-Gewinn.

Woher weiß das Finanzamt von meinen Kryptowährungen?

Aktuell ist es f√ľr das Finanzamt noch sehr schwer nachzuvollziehen, welcher B√ľrger Kryptow√§hrungen h√§lt und handelt. Die gr√∂√üten Kryptob√∂rsen haben ihren Sitz nicht in Deutschland, sondern in den USA oder Malta (eine √úbersicht finden Sie hier).

Die Daten sind daher nicht direkt f√ľr das Finanzamt zug√§nglich. "Da es bislang noch keine Meldepflichten f√ľr Kryptow√§hrungen gibt, tauschen die Mitgliedstaaten die Finanzinformationen nicht einheitlich aus", sagt Bundessteuerberaterkammer-Pr√§sident Schwab.

Doch das k√∂nnte sich bald √§ndern. "Die EU und die OECD arbeiten mit Hochdruck an Konzepten, um die Eink√ľnfte aus Kryptow√§hrungen zu erfassen und zu besteuern", so Schwab. Die Ziele dieser Bem√ľhungen seien klar: Kryptow√§hrungen und elektronisches Geld sollen in Zukunft meldepflichtig sein. Zudem sollen europ√§ische Kryptob√∂rsen und Anbieter von Wallets dazu verpflichtet werden, ihre Kunden zu identifizieren und verd√§chtige Sachverhalte zu melden.

Gibt es bald eine eigene Krypto-Steuer?

Der Paragraph, unter den Kryptow√§hrungen aktuell fallen, ist nicht f√ľr die Anwendungsf√§lle der Kryptow√§hrungen ausgelegt. Aktuell ist die genaue Dokumentation f√ľr Kunden wie auch f√ľr das Finanzamt umst√§ndlich und schwer nachvollziehbar ‚Äď besonders wenn die W√§hrungen untereinander gewechselt werden.

Auch Richter des Finanzgerichts N√ľrnberg √§u√üerten in einem aktuellen Fall Zweifel, ob der Verkauf von Kryptow√§hrungen tats√§chlich unter den Bereich der privaten Ver√§u√üerungsgesch√§fte f√§llt. Die Besteuerung von Bitcoins k√∂nnte sich in Zukunft also tats√§chlich √§ndern ‚Äď besonders wenn Anleger es immer h√§ufiger als zus√§tzliche Anlagem√∂glichkeit nutzen.

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