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Robo-Advisor: Per Vergleich zum richtigen Anlageberater

Robo-Advisor  

Hilfe vom Computer: Wenn ein Roboter Ihre Geldanlage steuert

05.06.2020, 15:38 Uhr
Robo-Advisor: Per Vergleich zum richtigen Anlageberater. Aktienkurse an der Boerse McPBBO *** Share prices on the stock exchange McPBBO McPBBO (Quelle: imago images)

Aktienkurse an der Boerse McPBBO *** Share prices on the stock exchange McPBBO McPBBO (Quelle: imago images)

Eine Maschine, die sich um Ihre Finanzen kümmert? Klingt futuristisch. Mit einem Robo-Advisor ist das jedoch möglich. Für wen diese Form des Investierens sinnvoll ist und warum, lesen Sie hier.

Roboter faszinieren die Menschen schon lange: In vielen Hollywood-Filmen kämpft die Menschheit entweder gegen sie – oder gemeinsam mit ihnen gegen Monster und abscheuliche Kreaturen. Auch in der Realität, fernab von Science-Fiction, begegnen sie uns immer wieder:

In der Industrie etwa helfen Roboter dabei Autos zusammenzuschrauben, Zuhause unterstützen sie als selbstfahrende Staubsauger beim Hausputz – und selbst bei der Altenpflege kommen sie inzwischen zum Einsatz. Was viele nicht wissen: Roboter haben auch ein Händchen für Geld, sie können Anlegern beim Investieren unter die Arme greifen.

Zugegeben, filmreife Roboter, die 20 Meter hoch sind oder gar aus Autos bestehen, sind diese so genannten Robo-Advisor nicht. Vielmehr handelt es sich um digitale, persönliche Anlageberater. Für wen Robo-Advisor geeignet sind, was sie kosten und welche Tücken sie haben, lesen Sie in diesem Überblick.

Was ist ein Robo-Advisor?

Ein Robo-Advisor ist eine Art digitaler Anlageberater, der individuell für Sie arbeitet. Der Name ist ein Kofferwort und setzt sich aus "Roboter" und "Advisor", englisch für Berater, zusammen. Das heißt: Ein Robo-Advisor legt für Sie Geld an – in Aktien, Fonds, ETFs oder Rohstoffe.

Doch wie funktioniert ein Robo-Advisor genau?

Damit ein Robo-Advisor weiß, in welche Anlageprodukte er Ihr Geld anlegen muss, müssen Sie ihm zu Beginn erst einmal mehrere Fragen beantworten.

Mögliche Fragen sind:

  • Legen Sie wert auf eine persönliche Beratung?
  • Wie lange möchten Sie anlegen?
  • Wie viel Geld könnten Sie maximal verlieren?
  • Würden Sie sich als risikofreudig einstufen?
  • Sind Ihnen Erträge wichtiger als ein hohes Risiko?
  • Wollen Sie regelmäßig eine kleine Summe oder einmalig eine größere Summe anlegen?

Kennt der Robo Ihre Antworten, errechnet er ihnen ein Portfolio, also eine Übersicht der Anlageprodukte, in das er Ihr Geld anlegt. Das können Rohstoffe wie Gold, Aktien oder auch Immobilien sein.

Was sind passive oder aktive Robo-Advisor?

Robo-Advisor lassen sich grundsätzlich in zwei Kategorien einteilen: Jene mit einer aktiven und solche mit einer passiven Verwaltung Ihres Geldes:

  • Aktiv: Dieser Robo-Advisor passt von sich aus regelmäßig das Portfolio an, um mögliche Kursgewinne auszunutzen. Das macht aktive Robos jedoch meist teurer, intransparenter und risikoanfälliger. Denn häufig weicht er von Ihrem ursprünglich errechneten Portfolio ab. Fragwürdig ist auch, ob Ihnen dieses Umschichten des Portfolios tatsächlich mehr Erträge, genannt Renditen, einbringt.
  • Passiv: Ein passiver Robo schichtet die Anlageobjekte in Ihrem Portfolio ebenfalls um, allerdings nur dann, wenn sich der Schwerpunkt stark geändert hat. Das kann etwa sein, wenn eine eine bestimmte Anlageobjekt, zum Beispiel, Aktien stark im Preis fallen oder steigen. In diesem Fall sorgt der passive Robo-Advisor mit dem Kauf oder Verkauf von Aktien dafür, dass die ursprünglich von Ihnen festgelegte Mischung Ihres Portfolios erhalten bleibt. Das Ausgleichen dieser Schwankungen nennt man auch "Rebalancing".

Welche Anbieter gibt es?

Die Auswahl an Robo-Advisorn ist groß und sie wächst stetig weiter. Als Marktführer in Deutschland gilt Scalable Capital, der allein mehr als zwei Milliarden Euro verwaltet. Andere bekannte Robo-Advisor sind Quirion, Fintego, Growney oder Whitebox. Weitere Anbieter sind etwa Fidelity, Liqid oder Solidvest.

Was kosten Robo-Advisor?

Wer sich in Sachen Geldanlage von einem Robo-Advisor beraten lässt, fährt zwar günstiger als bei der Beratung in der Bank oder bei einem klassischen Vermögensverwalter. Umsonst aber ist auch die maschinelle Anlageberatung nicht. Bei einem Robo-Advisor sollten Sie deshalb auf verschiedene Kosten achten. Die wichtigsten sind die folgenden:

Advisor-Gebühren: Diese Gebühren stellen den größten Kostenpunkt dar – und einen, den Sie sich sparen könnten (siehe unten). Denn dafür, dass der Robo sich um Ihre Geldanlage kümmert, verlangt er einen Aufpreis. Entscheiden Sie sich dennoch für einen Robo-Advisor, müssen Sie seine Dienste bezahlen. In der Regel bemisst sich die Beratungsgebühr anhand der Höhe Ihrer Anlagesumme. Bisweilen können diese Gebühren mehr als ein Prozent der Anlagesumme betragen – und Ihre Rendite auf Dauer beträchtlich schmälern.

Depotkosten: Wie bei einer herkömmlichen Anlage kommen Kosten für ein Wertpapierdepot auf Sie zu, das Sie sich als Art Bankkonto vorstellen können. Oft übernimmt das der Robo-Advisor für Sie. Die Depots kosten häufig nichts oder nur wenig.

Verwaltungsgebühren: Das sind die Kosten, die eine Fondsgesellschaft dafür erhebt, dass sie einen Fonds anbietet. Diese Kosten werden häufig in der Gesamtkostenquote ("Total Expense Ratio", kurz "TER") zusammengefasst. ETFs kosten im Gegensatz zu aktiven Fonds dabei viel weniger Geld. Hier muss nämlich kein Manager bezahlt werden, der auswählt, welche Produkte er kauft oder verkauft.

Für wen sind Robo-Advisor geeignet?

Robo-Advisors eignen sich vor allem für Leute, die sich bereits ein wenig mit dem Thema Geldanlage beschäftigt haben, aber noch nicht in allen Fragen firm sind – oder nicht die Muße haben, um sich regelmäßig mit Wertpapieren auseinanderzusetzen.

Grundsätzlich gilt: Ein Robo-Advisor ist günstiger als der Anlageberater einer Filialbank. Dieser nämlich verlangt oftmals eine hohe Provision, oder vermittelt Ihnen einen aktiv gemanagten Investmentfonds, der oft weitaus teurer ist als ein Investment in passive Indexfonds (ETFs), auf die viele Robo-Advisors bauen.

Dennoch kostet auch ein Robo-Advisor Geld. Zum Teil verlangen Robos mehr als ein Prozent Ihrer Anlagesumme. Deshalb empfiehlt es sich, dass Sie sich selbst – oder mit der Hilfe von Familie oder Freunden – um Ihre Geldanlage kümmern. Denn so können Sie sich diese Kosten sparen – und das gesparte Geld lieber für etwas Anderes ausgeben.

Kurz gesagt: Robo-Advisors sind für Sie geeignet, wenn Sie noch unsicher bei der Geldanlage sind – aber trotzdem nicht bei Null anfangen müssen, also eine umfassende, aber sehr teure, Bankberatung benötigen. Denn nur in diesem Fall können Sie auch das vom Robo vorgeschlagene Portfolio bewerten. Alle notwendigen Informationen rund um das Thema Geldanlage finden Sie auch bei t-online.de.

Wie vergleiche ich Robo-Advisor miteinander?

Wenn Sie zu dem Entschluss gekommen sind, Ihr Geld mittels eines Robo-Advisors anzulegen, sollten Sie unbedingt mehrere Anbieter miteinander vergleichen. Dabei kommt es auf verschiedene Kriterien an. Eine Übersicht:

  • Kosten: Der wichtigste Punkt. Achten Sie genau auf die Gebühren – und mögliche versteckte Kosten. Wenn Sie den Eindruck haben, dass die Webseite eines Robo-Advisors Ihnen nicht transparent alle Gebühren aufführt, lassen Sie lieber die Finger davon. Manche Anbieter locken auch mit Aktionen, die jedoch häufig nur für einen kurzen Zeitraum gelten. Danach sind die Gebühren deutlich höher als zuvor.
  • Auswahl: Achten Sie darauf, wie viele mögliche Anlagestrategien Ihnen der Robo-Advisor auf Grundlage Ihrer Antworten vorschlägt. Es gilt: Je größer die Auswahl, desto besser. Denn auf diese Weise bekommen Sie mehr Möglichkeiten, um das Anlagemodell zu wählen, das wirklich zu Ihrer Risikoneigung passt.
  • Mindestanlagebetrag/ Sparrate: Wichtig ist außerdem, wie viel Geld Sie mindestens auf einmal – oder wie viel Sie mithilfe eines Sparplans monatlich anlegen müssen. Die Höhe der notwendigen Einmalanlage variiert stark: Während Anbieter wie Quirion nur einen Startbetrag von mindestens 1.000 Euro verlangen, müssen Sie etwa bei Scalable auf einen Schlag 10.000 Euro investieren, um die Dienste des Robos in Anspruch nehmen zu können (siehe unten).
  • Verwaltung: Hier ist die Frage, ob ein Advisor Ihr Geld aktiv oder passiv verwaltet. Aktive Advisors schichten Ihren angelegten Betrag öfter um, sind deshalb jedoch intransparenter und meist auch teurer als passive Robos. (siehe oben).

Welche Risiken habe ich bei einem Robo-Advisor?

Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, bewertet die digitale Vermögensverwaltung kritisch: "Eine Technologie, die vollständig ohne persönliche Kommunikation auskommt, wird leicht als neutral, objektiv und interessenfrei dargestellt." Das seien sie jedoch bei weitem nicht: Denn Robo-Advisor verfolgen auch immer das Ziel, Ihnen bestimmte Anlageprodukte zu verkaufen.

Außerdem sind Roboter nicht allwissend – und können nur Prognosen über die künftige Marktsituation treffen. Sie sollten sich also nicht blind auf diese verlassen.

Die Frage der Haftung ist ebenfalls eine entscheidende: Zwar ist auch das Geld, das Sie über einen Robo-Advisor anlegen, bis zu einem Betrag von 100.000 Euro für Singles und 200.000 Euro für Lebenspartner im Rahmen der staatlichen Einlagensicherung nicht gefährdet. Geht die Bank, mit der der Robo zusammenarbeitet, insolvent, haben Sie also nichts zu befürchten.

Ob Sie jedoch Anspruch auf Schadensersatz haben, wenn ein Robo-Advisor Ihr Geld nicht im vereinbarten Sinne anlegt oder Sie unerwartete Kursverluste verzeichnen, ist juristisch noch umstritten. Manche Advisor schließen solch eine Haftung explizit aus. Sie sollten sich deshalb das Kleingedruckte in jedem Fall gut durchlesen und die Eingangsfragen für Ihr Portfolio wahrheitsgemäß beantworten.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • finanztip.de
  • extraetf.com
  • brokervergleich.de
  • finanzen.net
  • Mit Material der Nachrichtenagentur dpa
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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