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Wie Intervallfasten funktioniert

dpa, Anja Sokolow

Aktualisiert am 29.12.2020Lesedauer: 4 Min.
Intervallfasten: Bei dieser DiÀt wird nur zu bestimmten Zeiten gegessen.
Intervallfasten: Bei dieser DiÀt wird nur zu bestimmten Zeiten gegessen. (Quelle: TuTheLens/getty-images-bilder)
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Statt Kalorien zÀhlen einfach auf die Uhr schauen: In Deutschland boomt seit einigen Jahren das sogenannte Intervallfasten. Bei dieser Abnehmmethode geht es nicht darum, was man isst, sondern wann man isst.

Beim Brunchen greift Anna Engler gerne zu Eiern und Speck. Da können es auch schon mal zehn Streifen Bacon sein. "Ich bin ein absoluter Genussmensch", sagt die 32-jÀhrige Berlinerin. Sie verzichtet auf keine ihrer Lieblingsspeisen und nimmt trotzdem stetig ab. Seit Februar nun schon 14 Kilo. Ihre Methode: Intervallfasten.

"Sie mĂŒssen keine Kalorien zĂ€hlen, sondern Stunden"

Statt wie beim klassischen Heilfasten mehrere Tage nichts zu essen, wird beim Intervallfasten zwischendurch pausiert. "Sie mĂŒssen keine Kalorien zĂ€hlen, sondern Stunden. Statt 'Friss die HĂ€lfte' gilt: 'Friss die HĂ€lfte der Zeit!'", bringt Autor und Arzt Eckart von Hirschhausen das Prinzip auf den Punkt. Er habe zehn Kilo verloren.

Intervallfasten, auch intermittierendes Fasten genannt, boomt seit Jahren. Auf etlichen Internetblogs berichten Fastende von ihren Erfolgen. In Facebook-Gruppen tauschen Zehntausende Mitglieder Tipps und Tricks aus und motivieren sich mit Vorher-Nachher-Bildern. Experten zufolge entspricht die Methode der Natur des Menschen: Schließlich standen JĂ€gern und Sammlern auch nicht tĂ€glich drei Mahlzeiten zur VerfĂŒgung.

Der Verzicht auf den Verzicht sei einer der wichtigsten GrĂŒnde fĂŒr den Boom, sagt der Berliner Naturheilkundler Andreas Michalsen. "Es ist keine wirkliche DiĂ€t, sondern nur eine zeitliche Versetzung von Essen, ansonsten gibt es ja keine Vorschriften", so der CharitĂ©-Professor und Chefarzt im Immanuel-Krankenhaus, wo jĂ€hrlich etwa 1.500 Fastende betreut werden – sowohl Heilfastende, die mehrere Tage hintereinander nichts essen, als auch Intervallfastende.

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Die 8:16-Methode ist eine der beliebtesten

Anna Engler fastet nach der 8:16-Methode: An acht Stunden pro Tag esse sie, die restlichen 16 Stunden gebe es nur kalorienfreie GetrĂ€nke wie Tee oder Wasser. Auch schwarzer Kaffee sei erlaubt. Auf das FrĂŒhstĂŒck verzichtet sie. "Das habe ich sowieso schon immer gehasst und mich hinterher immer mĂŒde gefĂŒhlt", sagt sie.

Ein Brunch mit Freunden dĂŒrfe schon mal sein. Ihre Essenszeit plane sie flexibel. Wenn ein Abendessen bis in die Nacht dauere, gebe es die erste Mahlzeit am Folgetag eben erst am Nachmittag. Sie fastet nur an vier Tagen pro Woche. Sonst isst die studierte Wirtschaftsingenieurin, ohne auf die Uhr zu schauen. Die 8:16-Methode ist eine der beliebtesten.

Andere fasten nach der 5:2-Methode. Sie essen fĂŒnf Tage pro Woche lang normal und nehmen an den anderen zwei Tagen jeweils nur bis zu 500 Kilokalorien zu sich. Als schwieriger gilt das "reine" Intervallfasten: einen Tag essen, einen Tag verzichten.

Auch die Zellregeneration werde angeregt

Warum die Pfunde schwinden, erklĂ€rt Annette SchĂŒrmann vom Deutschen Institut fĂŒr ErnĂ€hrungsforschung Potsdam-RehbrĂŒcke. Sie forscht seit Jahren an MĂ€usen. Deren Stoffwechsel ist zwar weniger komplex, aber dem des Menschen Ă€hnlich. "MĂ€use, die stĂ€ndig essen, verbrennen nur Kohlenhydrate." Eine Fastenperiode sorge dafĂŒr, dass der Körper vom Kohlenhydrat- auf den Fettstoffwechsel schalte.

"Das heißt, dass damit wirklich Fette verbrannt werden und die Pölsterchen reduziert werden", so SchĂŒrmann. Zudem sammelten sich in der Leber nicht so viele giftige Zwischenprodukte an. MĂ€use reagierten wieder empfindlich auf das Hormon Insulin, was Diabetes 2 verhindern könne.

Auch die Zellregeneration werde angeregt, heißt es. "Wenn wir fasten, geben wir dem Körper Zeit, seinen Reparaturmodus in den Zellen und Genen einzuschalten", sagt Michalsen mit Blick auf die Autophagie, einen Prozess der MĂŒllentsorgung in Körperzellen. "Es gibt eine unglaubliche FĂŒlle von extremst beeindruckender Forschung an Tieren." So deuteten Studien auf einen Schutzeffekt gegen Demenz, SchlaganfĂ€lle, Herzinfarkte und Krebs hin.

ErnÀhrungsgesellschaft kritisiert Intervallfasten

Ob das auch beim Menschen so sei, wisse man nicht. "Es fehlen die großen Studien am Menschen. Aber der Fakt, dass das Drehen an der Uhr etwas bewirkt, ist belegt", so der Arzt. Er empfiehlt Patienten, Intervallfasten fĂŒr sich auszuprobieren und einen passenden Rhythmus zu finden. Er habe jĂ€hrlich etwa zu 500 Patienten Kontakt, die dies praktizieren. "90 Prozent finden das toll. Sie verlieren Gewicht. Ihr Blutdruck verbessert sich. Zehn Prozent tut es nicht gut. Diesen Patienten sage ich: Bitte lassen Sie es", so Michalsen, der selbst im Intervall fastet.

Dagegen hĂ€lt die Deutsche Gesellschaft fĂŒr ErnĂ€hrung (DGE) Intervallfasten nicht fĂŒr geeignet, das Gewicht langfristig zu regulieren. Es fehlten konkrete Empfehlungen zur Lebensmittelwahl, so die BegrĂŒndung. "Das Intervallfasten als kategorisch schlecht anzusehen, finde ich nicht so sinnvoll", entgegnet SchĂŒrmann. Sie empfiehlt einen Kompromiss: "NatĂŒrlich sollte man sich in den Essensphasen an die Richtlinien der DGE halten und ausreichend Kohlenhydrate, Protein und wenig Fett, viel Obst und GemĂŒse konsumieren."

Intervallfasten ist kompatibel mit dem Alltag

Anna Englerin der Kantine ihres Arbeitsplatzes: Der 32-JĂ€hrigen gelang es durch sogenanntes "Intervallfasten" innerhalb von sechs Monaten 14 Kilo abzunehmen.
Anna Englerin der Kantine ihres Arbeitsplatzes: Der 32-JĂ€hrigen gelang es durch sogenanntes "Intervallfasten" innerhalb von sechs Monaten 14 Kilo abzunehmen. (Quelle: Arne Immanuel BĂ€nsch/dpa-bilder)

FĂŒr Anna Engler ist das Intervallfasten der beste Weg. "Ich habe keinen Jo-Jo-Effekt wie bei DiĂ€ten", sagt sie. "Ich fĂŒhle mich viel fitter und beweglicher." Sie gehe wieder Joggen und mache Yoga, frĂŒher habe der Bauch dabei gestört. Ihr Ziel sei es, wieder auf 68 Kilo zu kommen und KleidergrĂ¶ĂŸe 38 tragen zu können. "Es fehlen nur noch sechs Kilo", so die 1,68-Meter-Frau. Erreiche sie das Ziel, wolle sie ein bis zwei Tage pro Woche fasten, um das Gewicht zu halten.

Wird Intervallfasten das Heilfasten verdrĂ€ngen? "Beide AnsĂ€tze sind komplementĂ€r", sagt Françoise Wilhelmi de Toledo vom Vorstand der Ärztegesellschaft Heilfasten & ErnĂ€hrung (ÄGHE). Ihr Kollege Michalsen meint, Heilfasten sei eine Herausforderung, bedĂŒrfe der Vorbereitung und Begleitung. Intervallfasten sei im Gegensatz dazu "hoch alltagskompatibel".

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dĂŒrfen nicht verwendet werden, um eigenstĂ€ndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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