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Wenn der Griff zum Medizinschrank gefährlich wird

dpa-tmn, Wolfgang Jung

Aktualisiert am 10.10.2017Lesedauer: 2 Min.
Bei der Selbstmedikation kann auch einiges schief gehen.
Bei der Selbstmedikation kann auch einiges schief gehen. (Quelle: Lisa5201/Thinkstock by Getty-Images-bilder)
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Menschen therapieren sich zunehmend selbst. Fehlanwendungen können aber den Erfolg erheblich beeinträchtigen. Experten sehen die Eigenbehandlung von Beschwerden mit gemischten Gefühlen.

Im heranrückenden Herbst mit seinem nasskalten Wetter werden Millionen Deutsche wieder zu ihrem eigenen Arzt. Ob Erkältung oder Kopfschmerzen: Statt einen Mediziner zu fragen, greifen viele lieber selbst in den Arzneischrank – Risiken und Nebenwirkungen inklusive. Allein in Baden-Württemberg nimmt ein Viertel der Befragten einer Forsa-Studie zufolge bei Beschwerden mindestens einmal im Monat rezeptfreie Medikamente.

Selbstmedikation birgt Gefahren

Experten sehen dies mit gemischten Gefühlen. "Selbstmedikation ohne Beratung oder eine blinde Bestellung in anderen Vertriebskanälen kann gefährlich werden", meint etwa Josef Kammermeier, Vizevorsitzender des Bayerischen Apothekerverbands (BAV). Apothekern komme hier eine Rolle als "Filter" zu. "Wir trennen vermeintliche Wundermittel und Quacksalberei von verantwortungsvoller Arzneimittelanwendung."

Kritisch sei, wenn Schmerz chronisch zu werden drohe. "Spätestens dann sollte man sich helfen lassen. Schmerz verändert das Wesen des Menschen und hat Einfluss auf Familie und Beruf", Oberärztin Stefanie Förderreuther von der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München.

Das Geschäft mit rezeptfreien Mitteln boomt

Schätzungen zufolge gibt jeder Deutsche jährlich knapp 50 Euro für Selbstmedikation aus. Gut ein Drittel der Mittel, die über den Ladentisch der Apotheke gehen, sind demnach rezeptfrei. Längst haben Pharmakonzerne den Trend zur Selbstversorgung gegen Schnupfen, Husten, Heiserkeit erkannt. Das Geschäft mit schmerzlindernden Mitteln, die rezeptfrei und ohne fachlichen Rat gehandelt werden, boomt. Die Tendenz ist steigend, denn die demografische Entwicklung und das zunehmende Übergewicht in den Wohlstandsländern sorgen bei den Gesundheitssystemen für immer höhere Kosten.

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Aus Sicht von Krankenkassen könne es durchaus attraktiv sein, mehr Aufgaben auf Apotheker zu übertragen, ist Kammermeier vom Apothekerverband überzeugt. "Die Bedeutung der Selbstmedikation ist gestiegen, seit die meisten rezeptfreien Arzneimittel aus der Apotheke nicht mehr von den Krankenkassen erstattet, sondern von den Patienten selbst bezahlt werden müssen." Rezeptfrei bedeute aber nicht harmlos. "Jedes Medikament hat erwünschte und unerwünschte Wirkungen."

Auch rezeptfreie Medikamente können den Körper belasten

Dass auch rezeptfreie Mittel den Körper belasten können, wissen der Forsa-Studie zufolge die meisten Befragten. Nur acht Prozent werfen bei einem neuen Medikament keinen Blick auf den Beipackzettel. Für mehr Informationen über Wirkung, Inhalt und Nebenwirkungen vertrauen die Befragten ihrem Arzt (23 Prozent) oder Apotheker (42 Prozent).

Selbstmedikation spielt zum Beispiel bei Kopfschmerzen eine große Rolle. "Viele scheren alle Arten dieser Beschwerden über einen Kamm, aber Spannungskopfschmerz ist etwas völlig anderes als Migräne", betont Oberärztin Förderreuther. Bei häufigem Kopfschmerz sei der Gang zum Arzt unumgänglich. "Das verhindert, dass der Schmerz chronisch wird. Es gibt auch gute Möglichkeiten der Vorbeugung. Insgesamt kann dies die Lebensqualität erheblich verbessern."

Auch Kammermeier betont, dass Kopfschmerzbehandlung per Selbstmedikation nur kurze Zeit durchgeführt werden sollte. "Hier können auch Bewegung, ein kalter Waschlappen, Flüssigkeit, eine Druckmassage oder Pfefferminzöl helfen", sagt der BAV-Vizechef. Dem Patienten sollten die Grenzen der Selbstmedikation klar aufgezeigt werden.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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Von Geraldine Nagel
Von Andrea Goesch
Forsa
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