Nachrichten
Wir sind t-online

Mehr als 150 Journalistinnen und Journalisten berichten rund um die Uhr fĂŒr Sie ĂŒber das Geschehen in Deutschland und der Welt.

Wie Kinder den Umgang mit Feuer lernen

t-online, Nicola Wilbrand-Donzelli

Aktualisiert am 09.05.2016Lesedauer: 5 Min.
Kinder sollten zur ihrer eigenen Sicherheit möglichst frĂŒh den Umgang mit Feuer lernen.
Kinder sollten zur ihrer eigenen Sicherheit möglichst frĂŒh den Umgang mit Feuer lernen. (Quelle: /Thinkstock by Getty-Images-bilder)
Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Schlagzeilen
AlleAlle anzeigen

Symbolbild fĂŒr einen TextKahn widerspricht LewandowskiSymbolbild fĂŒr einen TextAffenpocken: Zweiter Herd gemeldetF1 live: So lĂ€uft das 3. Training in BarcelonaSymbolbild fĂŒr einen Text13 Deutsche auf Mallorca festgesetztSymbolbild fĂŒr einen TextKajak-Unfall: Deutscher ertrinkt in TirolSymbolbild fĂŒr einen TextTornado: Schwerverletzte in PaderbornSymbolbild fĂŒr einen TextMusk spottet nach MissbrauchsvorwurfSymbolbild fĂŒr einen TextBerichte: BVB will Ex-Schalke-TrainerSymbolbild fĂŒr einen TextRoyal Family nahm ukrainische GeflĂŒchtete aufSymbolbild fĂŒr einen TextSo viele WhatsApps haben Sie verschicktSymbolbild fĂŒr einen Watson TeaserYoutuber-Trennung: Ihr Neuer schwĂ€rmte ĂŒber Ehe

Kinder sind von Feuer fasziniert. Weil es immer wieder zu verheerenden BrandunfĂ€llen kommt, sollten sie frĂŒhzeitig den Umgang mit dem gefĂ€hrlichen Element erlernen.

Schon die Kleinsten sind fasziniert, wenn es knistert und knackt, wenn gelb-orange Flammen eines Lagerfeuers empor zĂŒngeln oder wenn das Kerzenlicht flackert. Doch viele Eltern haben Bedenken, wenn ihr Nachwuchs mit Feuer hantiert und verbieten deshalb den Umgang mit Streichhölzern, Feuerzeugen oder Kerzen.

Verbote erhöhen den Reiz des Feuers

Damit wird jedoch hĂ€ufig das Gegenteil erreicht. Gerade das Verbot macht nĂ€mlich die Kinder neugierig und verleitet zum heiklen Spiel mit dem Feuer. Zu tief sitzt bei vielen Erwachsenen noch die "Finger-weg-PĂ€dagogik" frĂŒherer Jahre, wo beim Thema Feuer und Kinder sofort das Bild des lichterloh brennenden Paulinchen aus dem Struwwelpeter prĂ€sent ist oder Großmutters Spruch "Messer, Schere, Gabel, Licht sind fĂŒr kleine Kinder nicht."

MĂŒtter und VĂ€ter sollten trotzdem versuchen ihre Ängste zu ĂŒberwinden und lernen, dass UnfĂ€lle mit Feuer sich am besten vermeiden lassen, wenn ihre Kinder den Umgang mit dem flammenden Element ĂŒben.

Jedes zehnte Brandopfer ist ein Kind

Dass Feuer trotz antiquierter pĂ€dagogischer SprĂŒche jedoch genauso ernst genommen werden muss wie eh und je, lĂ€sst sich an den regelmĂ€ĂŸig erfassten Brandopferzahlen ablesen. Hier zeigt sich alljĂ€hrlich, dass außer Kontrolle geratene Feuer schnell zu einem zerstörerischen und tödlichen Inferno werden können.

ANZEIGEN
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Meistgelesen
Deutschland hat sich in eine gefÀhrliche Lage manövriert
Wladimir Putin 2012 im Kanzleramt in Berlin.


So gibt es nach Angaben des statistischen Bundesamtes jĂ€hrlich circa 500 Brandtote in Deutschland, wovon der Anteil der Kinder etwa bei zehn Prozent Kinder liegt. Die Bundesarbeitsgemeinschaft "Mehr Sicherheit fĂŒr Kinder e.V." berichtet weiter, dass sich zusĂ€tzlich etwa 6000 Kinder pro Jahr durch VerbrĂŒhungen und Verbrennungen schwere Verletzungen zuziehen. Gerade kleinere Kinder wĂŒrden hĂ€ufig Opfer dieser UnfĂ€lle.

Brandschutzerziehung ist so wichtig wie Verkehrserziehung

Der FeuerkĂŒnstler, Fotograf und Autor Kain Karawahn möchte diese Bilanz senken, indem er fĂŒr einen offensiveren Umgang mit Feuer plĂ€diert, ohne dabei jedoch die flammende Gefahr zu verharmlosen. Gerade eine Vermeidungsstrategie verhindere, dass Kinder Erfahrungen sammeln könnten und sei deshalb erst Recht brandgefĂ€hrlich.

In seiner BroschĂŒre "Faszination Feuer", die von der Unfallkasse Berlin und der Aktion "Das sichere Haus" herausgegeben wurde, zeigt er, dass schon Kindergartenkinder ohne Risiko mit Feuer vertraut werden können. Das Motto dabei: "Lasst die Kinder Feuer machen - doch damit herumspielen ohne Regeln ist tabu!"

FĂŒr Kain Karawahn ist Brandschutzerziehung genauso wichtig wie Verkehrserziehung: "UnfĂ€lle lassen sich nur vermeiden, wenn Kinder lernen mit Feuer umzugehen. Das ist wie im Straßenverkehr. Da ĂŒben Eltern doch auch das richtige Verhalten."

Bei seiner "FeuerpĂ€dagogik" will der Experte vor allem das VerantwortungsgefĂŒhl der Kinder "entzĂŒnden" und mit gezielten "Trainingseinheiten" Feuer so weit wie möglich beherrschbar und kalkulierbar machen. Dies praktiziert der FeuerpĂ€dagoge seit fast dreißig Jahren erfolgreich bei Workshops und Bildungsprojekten in KindergĂ€rten, Grundschulen und weiterfĂŒhrenden Schulen.

"Feuertraining" fĂŒr die Kleinsten bewirkt große Nachhaltigkeit

Auch bei Feuerwehren gehört Brandschutzerziehung fĂŒr Kinder aller Altersklassen selbstverstĂ€ndlich in das Dienstleistungsprogramm. Begonnen wird mit der "FeueraufklĂ€rung" ebenfalls schon bei den ganz Kleinen, denn in diesen jungen Jahren, so die Meinung vieler Fachleute, wĂŒrden sich bestimmte Verhaltensweisen und eine respektvolle Einstellung zu Feuer am besten etablieren.

In fast allen deutschen StĂ€dten besuchen deshalb speziell geschulte Feuerwehrmitarbeiter regelmĂ€ĂŸig KindergĂ€rten und zeigen, dass Feuer etwas Schönes aber auch sehr GefĂ€hrliches sein kann. Dabei wird nicht nur das Entfachen, sondern auch das Löschen eines Feuers geĂŒbt.

Die Kinder erfahren außerdem, dass nicht nur Papier und Holz gut brennen, sondern auch Anoraks oder Haare sehr schnell Feuer fangen können. Auch fĂŒr Erzieher, Lehrer und Eltern bieten die Feuerwehren solche Fortbildungen an, die sie dann an die Kinder weitergeben geben können.

Eine Kerze anzuzĂŒnden ist ein komplexer Vorgang

Die bekannteste StandardĂŒbung ist das AnzĂŒnden einer Kerze. So einfach und selbstverstĂ€ndlich dies fĂŒr Erwachsene erscheint, so komplex ist der Ablauf fĂŒr Kinder. Denn sie mĂŒssen auf sehr viele Details und Handgriffe achten.

Auch die Kinder der Kita "Hotzenplotz" trainieren dies jeden Tag, wenn sie beim Morgenkreis zusammen sitzen, um den Tag zu besprechen. Heute ist die vierjÀhrige Sofia dran: Vor ihr ein Backblech, darauf eine Kerze im Kerzenleuchter und daneben ein Glas Wasser. "Das habe ich gestern auch mit Papa gemacht", erzÀhlt Sofia, "denn ich darf dann bald die Kerzen auf dem Adventskranz anmachen."

Dann geht es los. Sofia hĂ€lt sich konzentriert an alles Gelernte: Sie krempelt zuerst die Ärmel hoch, dann schiebt sie mit einem Haarreifen ihre Locken zurĂŒck. Jetzt darf sie endlich das Streichholz anzĂŒnden. Dabei muss das KĂ€stchen hochkant auf dem Boden liegen, damit man besser mit dem Hölzchen ĂŒber die raue ZĂŒndflĂ€che streifen kann.

Die Bewegung muss vom Körper weggehen und das Streichholz muss möglichst weit unten angefasst werden, damit die Brennstrecke lang ist. Drei AnlĂ€ufe sind nötig, bis Sofias Streichholz angezĂŒndet ist. "Jetzt nach oben halten, sonst wird die Flamme zu groß und brennt zu schnell ab", ruft die Erzieherin.

Erst an der Kerze kippt Sofia das Hölzchen zum Docht, bis dieser brennt und hÀlt das Holz dann schnell wieder in die Senkrechte. Jetzt nur noch von der Seite auspusten und schnell zum Löschen ins Wasserglas, bis es zischt. "Geschafft" ruft Sofia stolz und alle Kinder klatschen.

Das Feuer nie aus den Augen lassen

In die Kategorie "Fortgeschrittene" gehört zum Beispiel ein großes Lagerfeuer, der Favorit vieler Kinder. Doch auch hier können schon die Kleinsten lernen mitzuhelfen - immer unter Beobachtung von Erwachsenen.

Die wichtigste Regel: "Die Kinder mĂŒssen wissen: FĂŒr ein Feuer, das ich gemacht habe, bin ich verantwortlich. Ich darf es deshalb niemals allein lassen. Es ist mein Freund. Ich muss es hĂŒten." So erklĂ€rt Kain-Karawahn bei seinen Workshops die FĂŒrsorgepflicht, die die Kinder fĂŒr das selbst entfachte Feuer ĂŒbernehmen. Doch schon bevor die Flammen lodern, muss einiges beachtet werden. Die jungen Feuermacher lernen, dass schon die Auswahl der Materialien entscheidend ist, um Gefahren auszuschließen.

Kain Karawahn zeigt deshalb, dass die gesammelten Stöcke erst sortiert werden mĂŒssen. FĂŒr die deckende Schicht der "Holzpyramide" eignen sich nur krĂ€ftige Exemplare. Im Inneren können zum AnzĂŒnden BlĂ€tter, Papier oder Reisig verwendet werden. Sie dĂŒrfen jedoch nie oben liegen, denn ein Windstoß könnte die brennenden Leichtgewichte auf die Umstehenden wehen.

Außerdem sollten sich in einem Abstand von circa drei Metern rund um die Feuerstelle keine schnell entzĂŒndbaren Materialien wie etwa Getreide, trockene BlĂ€tter oder BĂ€ume befinden. Und auch Wasser oder Sand zum Löschen mĂŒssen immer bereit stehen.

Was das Feuer einmal hat, gibt es nicht mehr her

Die Krönung eines jeden Lagerfeuers ist fĂŒr Kinder Stockbrot, Kartoffeln oder WĂŒrstchen zu "grillen". Dabei fĂ€llt natĂŒrlich nicht selten etwas in die Glut. Die Leckereien zu "retten“, ist jedoch bei Feuerlehrer Kain Karawahn ein absolutes Tabu. "Versucht nie etwas wieder heraus zu fischen. Was das Feuer einmal hat, gibt es nicht mehr her!“ So eindringlich ermahnt der PĂ€dagoge dann seine SchĂŒler. Denn er möchte, dass die Kinder trotz des Spaßes nie leichtsinnig werden und sich immer die zerstörerische Natur von Feuer bewusst machen.

Loading...
Loading...
Loading...

Kerzen anzĂŒnden und Lagerfeuer vorbereiten sind nur zwei Lektionen in einem großen Katalog der Brandschutzerziehung. Damit Kinder aller Altersstufen einen verantwortungsvollen Umgang mit den feurigen Element entwickeln und Gefahren richtig einschĂ€tzen lernen, sollten sich auch Eltern mit weiteren Brandschutz-Maßnahmen vertraut machen, um sie ihrem Nachwuchs dann zu vermitteln. Wir haben zehn Tipps zusammengestellt.

Weitere Artikel

Schicksal
Spiel mit dem Feuer raubte Sebastian einen Teil seiner Kindheit
Verbrennungen: Der achtjÀhrige Sebastian hat schwerste Verbrennungen erlitten.

Kindersicherheit
Interaktive Grafik zeigt die grĂ¶ĂŸten Gefahren in Ihrem Haus
Unsere interaktive Grafik zeigt, wo im Haus Gefahren fĂŒr Kinder lauern - einfach auf das Bild klicken.


Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dĂŒrfen nicht verwendet werden, um eigenstĂ€ndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...

ShoppingANZEIGEN

Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Von Christiane Braunsdorf
Deutschland
Beliebte Themen

t-online - Nachrichten fĂŒr Deutschland
t-online folgen
FacebookTwitterInstagram

Das Unternehmen
Ströer Digital PublishingJobs & KarrierePresseWerbenKontaktImpressumDatenschutzhinweiseDatenschutzhinweise (PUR)Jugendschutz



Telekom
Telekom Produkte & Services
KundencenterFreemailSicherheitspaketVertragsverlÀngerung FestnetzVertragsverlÀngerung MobilfunkHilfeFrag Magenta


TelekomCo2 Neutrale Website