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Corona-Pandemie | Studie: Haben die Masken gar nichts gebracht?


Wirbel um neue Meta-Studie
Haben die Masken gar nichts gebracht?


Aktualisiert am 02.02.2023Lesedauer: 4 Min.
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Eine Frau mit Maske in der S-Bahn (Archivbild): War die Maskenpflicht wirklich nötig? (Quelle: Michael Weber/imago-images-bilder)

Jahrelang begleitete der Mund-Nasen-Schutz uns in den öffentlichen Verkehrsmitteln oder auch beim Einkaufen. War er wirklich nötig?

Sehr bald nach dem Aufkommen von Corona waren Masken aus dem Straßenbild nicht mehr wegzudenken. In unterschiedlichen Phasen der Pandemie waren sie an verschiedenen Orten Pflicht, nun wurde die Auflage bundesweit mit Ausnahme von Kliniken, Pflegeheimen und Arztpraxen abgeschafft.

Zum gleichen Zeitpunkt erschien jetzt eine große internationale Studie, die den generellen Nutzen von Masken zu widerlegen scheint. Waren sie eventuell gar nicht nötig? Was die Studie aussagt.

Am Montag veröffentlichte das internationale Expertennetzwerk "Cochrane Collaboration" eine Meta-Studie mit dem etwas sperrigen Titel "Physikalische Interventionen zur Unterbrechung oder Verringerung der Ausbreitung von Atemwegsviren"" (im Original: "Physical interventions to interrupt or reduce the spread of respiratory viruses"). Kern der Untersuchung: Was bringen der Mund-Nasen-Schutz oder auch die Handhygiene, um die Ausbreitung von Atemwegsviren zu unterbinden oder zu verlangsamen?

Ein Satz sorgt vor allem in "Querdenker"-Kreisen, die oft zu den Maskenverweigerern zählten, für Aufsehen und triumphierende Kommentare: "Verglichen mit dem Tragen keiner Maske […] macht das Tragen einer Maske möglicherweise wenig bis gar keinen Unterschied darin, wie viele Menschen an einer grippeähnlichen Erkrankung/Covid-ähnlichen Erkrankung erkrankt sind."

Und an anderer Stelle heißt es: "Das Tragen von Masken in der Öffentlichkeit macht wahrscheinlich wenig oder gar keinen Unterschied zum Ausgang einer grippeähnlichen Erkrankung /Covid-19-ähnlichen Erkrankung." Doch die Autoren weisen selbst auf die eingeschränkte Aussagefähigkeit ihrer Ergebnisse hin.

Was ist Cochrane?

Die Cochrane-Gesellschaft ist ein unabhängiges internationales Netzwerk von Wissenschaftlern, Ärzten und anderen Fachleuten aus dem Gesundheitswesen. Ihre Grundlage bildet die evidenzbasierte Medizin, sie stützt sich also ausschließlich auf wissenschaftliche Belege und Beweise. In der medizinischen Forschung gelten die Arbeiten, die in der Cochrane Library veröffentlicht werden, als Goldstandard.

Wie ist die Studie aufgebaut?

Die Wissenschaftler rund um den kanadischen Infektiologen John Conly werteten in einer Meta-Analyse 78 Studien aus verschiedenen Ländern aus. Untersucht wurden Studien zu verschiedenen epidemischen oder pandemischen Ereignissen von Atemwegsinfektionen wie der Schweinegrippe, unterschiedlichen anderen Grippewellen und der Corona-Pandemie. Beide Viren haben den gleichen Übertragungsweg: die Atemwege.

Für die Untersuchung standen Daten von 610.000 Teilnehmern zur Verfügung. Auf dieser Basis wurde analysiert, welchen Effekt Masken und Handhygiene in verschiedenen Umgebungen wie Kliniken, Pflegeheimen, Schulen oder eben auch in der Öffentlichkeit hatten.

Die Ergebnisse

Nach der Auswertung ergab sich das Bild, dass im Vergleich zum Tragen keiner Maske das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes (medizinische oder FFP2-Maske) wahrscheinlich keinen Unterschied in der Hinsicht mache, wie viele Menschen sich mit Grippe oder Covid-19 anstecken. Doch die Autoren schränken selbst ein: "Es besteht Unsicherheit über die Auswirkungen von Gesichtsmasken." Eindeutige Schlussfolgerungen lassen sich nach ihrer eigenen Aussage nicht ziehen, die Ergebnisse sind nicht ausreichend belastbar.

Die Knackpunkte

Die Forscher selbst verweisen unter anderem auf folgende Einschränkungen:

  • Mängel im Studiendesign (also der Aufbau der Studien, die zu den entsprechenden Forschungsergebnissen führten, die nun in die Meta-Analyse einflossen).
  • Eine unzureichende Aussagekraft einiger Studien, insbesondere dann, wenn ein Zeitraum untersucht wurde, in dem eine geringe Viruszirkulation herrschte.
  • Schwer überprüfbar bleibt auch die sogenannte Adhärenz, also ob die Studienteilnehmer ihre Masken wirklich regelmäßig und korrekt trugen. Ob eine Maske tatsächlich korrekt getragen wurde, bleibt offen und lässt sich nicht überwachen oder prüfen. Aber dieser Umstand spielt eine entscheidende Rolle in der Infektionsverhinderung.

Die Reaktionen

In verschiedenen Medien wurde die Studie als Beleg für eine verfehlte Corona-Politik angeführt. Von einer Ohrfeige für die Politik war die Rede, die Wissenschaft habe sich geirrt. In Schwurbler-Kreisen werden die Ergebnisse als Beleg dafür gefeiert, dass die Anti-Corona-Maßnahmen nicht das Ziel verfolgt hätten, das Virus zu kontrollieren, sondern die Menschen. Der gesundheitspolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, Martin Sichert, verkündet: "Die Maskenpflicht gab es also nur, weil Politik und Medien maskenverliebt waren – wider besseres Wissen."

Was sagen Experten?

Im ZDF erklärte der Arzt und Medizinjournalist Christoph Specht: "Die Maske schützt, das ist überhaupt keine Frage – unter entsprechenden Bedingungen." Entscheidend sei, dass sie richtig getragen werde. "Das beginnt schon mit der richtigen Größe", so Specht. Und vor allem: Die Maske müsse dort getragen werden, "wo die Virusübertragung auch wirklich stattfindet – also gerade im privaten Bereich". Denn da hätten sich die meisten Menschen angesteckt. "Dann kann die Maske wirklich Infektionen verhindern." Doch gerade dort wurde der Mund-Nasen-Schutz in der Regel nicht getragen.

Der Direktor am Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation, Eberhard Bodenschatz, erklärte im "Tagesspiegel": "Aus meiner Sicht ist die Studie nicht aussagekräftig und lässt die Schlussfolgerung, die gezogen wurde, nicht zu." Er hat die Wirkung von Masken erforscht und kommt zu dem Schluss: "Physikalisch ist es erwiesen, dass Masken vor Infektionen schützen, daran gibt es überhaupt keinen Zweifel."

Tatsächlich hatten verschiedene andere Studien den Nutzen von Masken belegt. Allerdings bleibt auch ein Manko für die Epidemiologen: Welche Maßnahme wie wirkungsvoll zur Eindämmung des Coronavirus war (Maskenpflicht, Lockdowns, 2G, 3G usw.), lässt sich nur schwer ermitteln, da viele Instrumente gleichzeitig oder sehr zeitnah hintereinander angewandt wurden. Hier ist noch mehr Forschungsarbeit nötig.

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