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Coronavirus-Schnelltests für zu Hause: Die Risiken und Nebenwirkungen

Infiziert mit SARS-CoV-2?  

Corona-Schnelltests mit Risiken und Nebenwirkungen

20.04.2020, 18:44 Uhr
Coronavirus in Deutschland: So viel wurde zuletzt getestet

Etwa 128.000 Menschen in Deutschland sind bereits nachweislich mit dem Coronavirus infiziert. Doch die Kapazitäten, um so viel testen zu können, kommen nicht von ungefähr. (Quelle: t-online.de)


Anschauliche Animation: Wie viele Tests täglich in Deutschland durchgeführt werden und wie viele Labore beteiligt sind. (Quelle: t-online.de)


Leichte Anwendung zu Hause, Ergebnis nach wenigen Minuten: Etliche Hersteller bieten Antikörpertests auf eine Infektion mit dem Coronavirus an. Doch Experten warnen davor, sich auf solche Schnelltests zu verlassen.

Sie sind ein Hoffnungsschimmer für die schrittweise Rückkehr zur Normalität in der Corona-Epidemie: Sogenannte Schnelltests auf das Coronavirus SARS-CoV-2, die Betroffene selbst vornehmen können. Die mittlerweile von etlichen Herstellern im Netz oder in Apotheken angebotenen Antikörpertests versprechen dem Nutzer, innerhalb weniger Minuten eine fast 100 Prozent verlässliche Antwort darauf zu bekommen, ob er bereits eine Erkrankung mit Covid-19 durchgemacht hat.

Schnelle Sicherheit für 30 bis 60 Euro? Das klingt für viele erst einmal gut. Denn wer von Covid-19 genesen ist, könnte nicht nur sorgenfrei Freunde und Familie treffen, sondern auch wieder an die Arbeit zurückkehren. Das ist auch und vor allem dort wichtig, wo Infizierte ein großes Risiko für andere wären: etwa in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen, Schulen. 

Schnelltest auf Covid-19 birgt hohe Risiken

Doch die Schnelltests haben mehrere Tücken. Zum einen schlagen sie im Gegensatz zu dem üblichen und als "Goldstandard" geltenden PCR-Test nicht bei den Viren selbst an, sondern reagieren auf Antikörper. Das Immunsystem baut die körpereigene Abwehr bei einer Infektion allerdings erst nach und nach auf. Experten gehen davon aus, dass die Antikörper auf SARS-CoV-2 erst eine bis mehrere Wochen nach Einsetzen der Symptome nachweisbar sind – also dann, wenn die Erkrankung schon fortgeschritten oder gar überstanden ist. In einem früheren Stadium der Infektion zeigen solche Schnelltests somit kein positives Ergebnis.

Menschen, die sich mit SARS-CoV-2 bereits angesteckt haben, könnten sich also infolge eines negativ ausgefallenen Schnelltests in der falschen Sicherheit wiegen, nicht infiziert zu sein – mit gefährlichen Folgen für sie selbst und ihre Umwelt. 

Kreuzreaktionen mit anderen Coronaviren möglich

Experten sehen zudem das Risiko, dass solche Antikörpertests auch nach einer vorhergehenden Infektion mit einem anderen Coronavirus als SARS-CoV-2 positiv ausfallen könnten. Nahezu alle Antikörpertests könnten "falsch positive Signale" liefern, wenn der Patient kürzlich mit einem Erkältungs-Coronavirus infiziert war, mahnte etwa der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité in seinem NDR-Podcast. 

Ein weiteres Problem: Die Hersteller können solche Tests derzeit noch selbst zertifizieren. Eine unabhängige Überprüfung der Antikörpertests sei laut einer EU-Verordnung nicht notwendig, warnt das Paul-Ehrlich-Institut. "Nachweislich gibt es hier auch Fälschungen", heißt es von dem Bundesinstitut. Laut Recherchen von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" stammt offenbar ein Großteil der hierzulande verkauften Schnelltests aus China. Über Shops im Internet oder den Großhandel vertreiben Firmen in Deutschland diese Tests – teilweise ohne zu kennzeichnen, wo sie hergestellt wurden. 

Heinsberg-Studie bestätigt Mängel von Antikörpertests

Dass Schnelltest-Verfahren alles andere als verlässlich sind, zeigen auch die kürzlich veröffentlichten Erkenntnisse des Virologen Hendrik Streeck vom Universitätsklinikum Bonn. Streeck und sein Team führen derzeit im nordrhein-westfälischen Landkreis Heinsberg die erste für Deutschland repräsentative Bevölkerungsstudie zu Covid-19 durch, die "Covid-19 Case Cluster-Study".

Mehr über die Heinsberg-Studie lesen Sie hier.

Im Zuge ihrer Analysen untersuchten die Forscher auch, wie zuverlässig Antikörpertests im Vergleich zum üblichen PCR-Test sind. Dafür testeten sie insgesamt 49 Personen – davon 39 zufällig ausgewählte und zehn zuvor schon als positiv bestätigte Probanden – sowohl mit der PCR-Methode als auch mittels eines Schnelltests auf Antikörper im Blut. Eine wiederholte PCR-Testung lieferte bei 22 von ihnen ein positives Ergebnis. Im Gegensatz dazu erkannte der Schnelltest nur acht der Positiven korrekt, also gut ein Drittel. Von den 27 Personen, die laut PCR-Test nicht infiziert waren, erkannte der Schnelltest 24 korrekt.

Die Schlussfolgerung ist für Streecks Team ganz klar. "Angesichts der geringen Sensitivität empfehlen wir, sich nicht auf einen Antikörper-basierten Schnelltest für Maßnahmen des öffentlichen Gesundheitswesens wie etwa Gemeindevorsorgeuntersuchungen zu verlassen", schreiben die Wissenschaftler in ihrer Veröffentlichung. Auch nach Einschätzung des Robert Koch-Instituts sind solche Tests für die Akutdiagnostik derzeit nicht relevant. 

Verwendete Quellen:

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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