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Ursprung der Coronavirus-Pandemie: Woher stammt die Infektion wirklich?

Immer mehr Theorien entkräftet  

Was wir über den Ursprung des Coronavirus wirklich wissen

21.04.2020, 18:08 Uhr
Dieses Tier könnte das Coronavirus übertragen haben

Pangoline – auch Schuppentiere genannt – gehören zu den am häufigsten illegal gehandelten Säugetieren der Welt. Und trotzdem sind sie vielen Menschen unbekannt. Das ändert sich jetzt. (Quelle: t-online.de)

Illegaler Handel: Auch wenn die Herkunft des Virus noch nicht sicher ist, offenbart die Suche nach dem Ursprung ein großes Problem. (Quelle: t-online.de)


Ein Wildtiermarkt in Wuhan oder doch ein chinesisches Hochsicherheitslabor? Weiterhin ist unklar, wo das Coronavirus seinen Anfang nahm. Forscher finden allerdings immer mehr Belege, die Verschwörungstheorien entkräften.

Vier Monate breitet sich das neuartige Coronavirus nun schon rund um den Kontinent aus. Genauso lange bemühen sich Forscher weltweit nun schon, dem Ursprung des Erregers auf die Spur zu kommen.

Wildtiermarkt? Chinesisches Hochsicherheitslabor? Auch wenn es zahlreiche Spuren, Hinweise und noch mehr Verschwörungstheorien gibt, bleibt doch weiter ungeklärt, wo die Corona-Epidemie tatsächlich ihren Anfang nahm. Als wahrscheinlich gilt der Huanan Fisch- und Wildtiermarkt in Wuhan.

Fledermaus als ursprünglicher Wirt des Coronavirus

Nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist eine Fledermausart mit großer Wahrscheinlichkeit das ursprüngliche Wirtstier von SARS-CoV-2. Ob der hochinfektiöse Erreger der Lungenerkrankung Covid-19 von den Tieren aus direkt auf den Menschen überging oder seinen Weg über einen tierischen Zwischenwirt wie etwa eine Schlange oder ein Gürteltier nahm, ist noch nicht gesichert.

Fischmarkt in Peking: Forscher sehen in Wildtiermärkten Zuchtbecken für Keime. (Quelle: Reuters/Claro Cortes)Fischmarkt in Peking: Forscher sehen in Wildtiermärkten Zuchtbecken für Keime. (Quelle: Claro Cortes/Reuters)

Eine im Fachblatt "Lancet" publizierte Studie chinesischer Forscher kam jedoch im Januar zu dem Ergebnis, dass von den ersten gemeldeten 41 Infizierten immerhin 14 zuvor nicht mit dem Markt in Berührung gekommen waren.

Das schürte, zusammen mit anderen Fakten, Gerüchte um einen anderen Ausgangspunkt des Coronavirus: Wie US-Medien berichteten, gebe es nahe des Marktes in Wuhan noch andere Orte, wo Fledermäuse in direkten Kontakt mit dem Menschen kommen können: Zum einen werden sie als Labortiere im Wuhan-Institut für Virologie (WIV) gehalten – ein Hochsicherheitslabor, das allerdings nicht im Zentrum der Stadt liegt. Zum anderen kam das Zentrum für Seuchenkontrolle und -prävention (WHCDC) von Wuhan ins Gespräch, das nicht weit vom Huanan-Markt entfernt ist.

Verschwörungstheorien: SARS-CoV-2 als designte Biowaffe?

Rasch kursierten im Netz Theorien, laut denen das neue Virus nicht zufällig entstanden, sondern gezielt als biologische Waffe im WIV-Labor herangezüchtet worden sei. Eine andere Vermutung, wie sie etwa der "Washington Post"-Journalist David Ignatius in einem Meinungsbeitrag äußerte, gehen von einer ungewollten Panne in dem Labor aus.

Demnach könnte das Coronavirus in einem Labortier mutiert und dann versehentlich auf einen Mitarbeiter des Forschungsinstituts übergesprungen sein, der es dann unter andere Menschen trug.

Nachdem US-Präsident Donald Trump immer wieder mit Begriffen wie dem "Wuhan-Virus" oder dem "chinesischen Virus" China zum Schuldigen für die Epidemie erklärt hatte, reagierte die Pekinger Führung ihrerseits mit einer haltlosen Verschwörungstheorie: Es sei nicht auszuschließen, dass der Erreger während eines Militärsportfests im Herbst 2019 durch US-amerikanische Soldaten nach Wuhan gelangt sei. Hierfür gibt es allerdings keinerlei Belege.

Genanalysen sprechen gegen Zuchtlabor-Theorie

Auch die These vom Zuchtlabor betrachten die meisten Wissenschaftler aus mehreren Gründen als nicht haltbar. Einerseits liegt das Forschungsinstitut WIV rund zwölf Kilometer vom Huanan-Markt entfernt – der Weg zum Markt wäre also recht weit. Zudem sprechen auch genetische Analysen des neuartigen Coronavirus eher dagegen, dass der Erreger gezielt designt worden ist.

So erbrachte etwa eine Mitte März im Fachblatt "Nature Medicine" veröffentlichte Studie starke Belege gegen einen menschengemachten Ursprung von SARS-CoV-2. Die beteiligten Forscher analysierten Genomdaten des Virus.

In ihrer Auswertung schreiben die Studienautoren: "Es ist unwahrscheinlich, dass SARS-CoV-2 durch Labormanipulation eines verwandten SARS-CoV-ähnlichen Coronavirus entstanden ist." Die genetischen Daten würden zweifelsfrei zeigen, dass SARS-CoV-2 nicht von einem im Labor verwendeten Grundgerüst eines bereits existierenden Coronavirus abgeleitet sei, so das Wissenschaftler-Team.

Wann passte sich Covid-19-Erreger an Menschen an?

Stattdessen halten die Forscher zwei Szenarien für wahrscheinlich: Entweder mutierte das Virus schon in einem tierischen Wirt so, dass es beim Sprung auf den Menschen dessen Zellen problemlos kapern konnte und von Anfang an eine Ansteckung von Mensch zu Mensch möglich war.

Oder, so das zweite Szenario der Forscher, das Virus ging erst vom Tier auf den Menschen über und passte sich erst im menschlichen Körper durch Mutationen optimal an den neuen Wirt an. In diesem Fall wären die Infektionsketten beim Menschen anfangs kurz, das Virus wäre dann erst nach und nach durch die zunehmende Anpassung an den menschlichen Organismus zum effizient sich ausbreitenden Erreger geworden.

"Wichtig ist, dass diese Analyse den Nachweis erbringt, dass SARS-CoV-2 weder ein Laborkonstrukt noch ein gezielt manipuliertes Virus ist", resümieren die Forscher in ihrer Untersuchung. Es gebe keine Belege für derartige genetische Manipulationen.

Krokodil als Frischware: Ein Mann bereitet ein Tier auf einem Markt in Guangzhou für den Verkauf vor.  (Quelle: Reuters/Alex Lee)Krokodil als Frischware: Ein Mann bereitet ein Tier auf einem Markt in Guangzhou für den Verkauf vor. (Quelle: Alex Lee/Reuters)

Der Wildtiermarkt als Zuchtbecken 

Der Fischmarkt gilt Forschern auch deshalb als der wahrscheinlichere Ausgangspunkt der Corona-Epidemie, weil auch die 2003 in China ausgebrochene Epidemie mit dem SARS-Coronavirus offenbar von einem chinesischen Markt ausgegangen war, auf dem Wildtiere verkauft wurden.

Der Welt-Tiergesundheitsorganisation OIE zufolge sind 60 Prozent der Infektionskrankheiten beim Menschen zoonotisch, haben ihren Ursprung also im Tierreich. Dazu gehören altbekannte Keime wie etwa HIV, Tuberkulose, Tollwut sowie neuere Erreger wie Ebola und Influenza. Gerade Säugetiere tragen oft nachweislich Erreger in sich, die zoonotisch sind, also vom Tier auf den Menschen überspringen können.

Auf dem Fischmarkt in Wuhan kamen unterschiedliche Wildtiere wie Fledermäuse, Waschbären, Wölfe und Schlangen durch die Haltung auf engstem Raum samt ihrer Sekrete und Ausscheidungen untereinander sowie mit dem Menschen in engen Kontakt.

Woher auch immer das Virus kommen mag – dass der Wildtierhandel den Übergang von Keimen von Tier auf Mensch deutlich erleichtert, liegt auf der Hand.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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