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Entwickeln wir durch Corona einen Waschzwang?

Von dpa
Aktualisiert am 15.10.2020Lesedauer: 3 Min.
Am 15.
Am 15. Oktober ist der internationale HĂ€nde-Waschtag. Nicht in Corona-Zeiten kommt es darauf an, die HĂ€nde regelmĂ€ĂŸig und grĂŒndlich zu reinigen. (Quelle: Rolf Vennenbernd/dpa./dpa)
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Zweimal Happy Birthday singen, dann sind die HĂ€nde grĂŒndlich eingeseift. Das ist nicht nur zu Corona-Zeiten wichtig. Doch was macht es mit uns, wenn wir in Zeiten der Pandemie stĂ€ndig unsere HĂ€nde waschen?

HĂ€nde nass machen, rundherum fĂŒr mindestens 20 Sekunden einseifen, grĂŒndlich abwaschen, sorgfĂ€ltig abtrocknen. Dieses Ritual vollziehen wir viele Male am Tag – zurzeit besonders intensiv.


Anleitung zum grĂŒndlichen HĂ€ndewaschen

HĂ€ndewaschen
HĂ€ndewaschen
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Studie zum HĂ€ndewaschen

Es gab Zeiten, da hatte HĂ€ndewaschen etwas beilĂ€ufiges, dem man nicht viel Beachtung schenkte. Doch seit sich das Coronavirus weltweit verbreitet, werden wir stĂ€ndig an die richtige Handhygiene erinnert: auf Aufklebern in öffentlichen Toiletten, in Arztpraxen, Ämtern, Bussen, Bahnen, Schulen und Kitas.

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GefĂŒhlt wĂ€scht man inzwischen stĂ€ndig die HĂ€nde – auf jeden Fall tun viele es hĂ€ufiger, wie die Psychologin Stefanie Biehl und ihr Team von der UniversitĂ€t Regensburg in einer Studie herausgefunden haben. Darin sagten die meisten der 280 Befragten ab 18 Jahren auch, dass sie ihre HĂ€nde vor allem dann waschen, wenn sie Kontakt zu anderen Menschen oder zu GegenstĂ€nden wie TĂŒrklinken oder Aufzugknöpfen hatten.

Bewusstsein ĂŒber Erreger hat zugenommen

"70 Prozent gaben außerdem an, dass sie ihre HĂ€nde einfach so hĂ€ufiger gewaschen haben, weil sie das GefĂŒhl hatten, sie mĂŒssten es tun", sagte Biehl. Die Ergebnisse der Studie sind zwar nicht reprĂ€sentativ, zeigen nach Ansicht von Biehl aber, dass es ein stĂ€rkeres Bewusstsein fĂŒr die Übertragung von Krankheitserregern ĂŒber die HĂ€nde gibt.

Aber dieses Bewusstsein lĂ€sst der Bundeszentrale fĂŒr gesundheitliche AufklĂ€rung (BZgA) momentan etwas nach. Im "Covid-19 Snapshot Monitoring" ("Cosmo") der UniversitĂ€t Erfurt, an dem die BZgA beteiligt ist, gaben zu Anfang der Pandemie 87 Prozent der Befragten an, ihre HĂ€nde immer oder hĂ€ufig 20 Sekunden lang zu waschen. Im MĂ€rz stieg der Anteil sogar auf 96 Prozent und sank dann in der darauffolgenden Zeit ab. Anfang Oktober lag er bei 81 Prozent.

"Die Befragungsdaten deuten also darauf hin, dass die Aufmerksamkeit fĂŒr die Bedeutung des HĂ€ndewaschens zunĂ€chst deutlich gestiegen ist, im Verlauf der Coronavirus-Pandemie jedoch an Bedeutung verloren hat", sagt BZgA-Leiterin Heidrun Thaiss. Dennoch sehe sie gute Chancen, dass grĂŒndliche HĂ€ndehygiene auch nach der Corona-Pandemie in unserem Alltag als selbstverstĂ€ndlich empfunden werde.

Wie wichtig diese ist, darauf weist seit 2008 jedes Jahr am 15. Oktober der Welttag des HĂ€ndewaschens (Global Handwashing Day) hin. Die Initiative Global Handwashing Partnership verweist darauf, dass grĂŒndliches HĂ€ndewaschen mit Seife Viren und Bakterien abtöten könne, die Durchfall oder Atemwegserkrankungen auslösen.

Zunahme bei Zwangserkrankungen?

Doch was macht das mit uns, wenn wir in Pandemiezeiten stĂ€ndig unsere HĂ€nde waschen? Entwickeln dadurch mehr Menschen einen Waschzwang? Dass nun viele Menschen zwanghaft ihre HĂ€nde waschen werden, hĂ€lt Biehl fĂŒr unwahrscheinlich.

"Das ist eine sehr komplexe Erkrankung, bei der viele Faktoren eine Rolle spielen, unter anderem auch genetische", sagt die Expertin. "Wir hatten in der therapeutischen Praxis den Eindruck, dass der Leidensdruck bei Zwangserkrankten nicht sehr viel grĂ¶ĂŸer geworden zu sein scheint."

StÀndiges Waschen kann Ekzeme auslösen

Was sich allerdings schnell bemerkbar macht: Die HĂ€nde leiden unter dem vielen HĂ€ndewaschen – besonders wenn man klassische Seife und zu warmes Wasser verwende, sagt der Dermatologie-Professor Erwin Schultz vom Klinikum NĂŒrnberg. "Die Lipide werden aus der Haut herausgelöst." Dadurch könne es zu Ekzemen kommen: die Haut jucke, werde schuppig und rissig.

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Eine typische Berufskrankheit bei Ärztinnen und Ärzten, Pflegepersonal und Friseurinnen und Friseuren, die Folgen haben könne. "Die Haut ist dann geschĂ€digt und ihre Barrierefunktion geschwĂ€cht", erlĂ€utert Schultz. Dadurch steige das Risiko von Kontaktallergien.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dĂŒrfen nicht verwendet werden, um eigenstĂ€ndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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Von Christiane Braunsdorf
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  • Sandra Simonsen
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