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Corona-Pandemie: Diese Krankheiten könnten zunehmen – neben Covid-19

Spätfolgen der Pandemie  

Diese Krankheiten könnten zunehmen – neben Covid-19

15.11.2020, 17:30 Uhr
Corona-Pandemie: Diese Krankheiten könnten zunehmen – neben Covid-19. Arztbesuch: Viele Menschen haben aus Angst vor einer Corona-Infektion im Jahr 2020 Vorsorgetermine ausfallen lassen. (Quelle: Getty Images/Portra)

Arztbesuch: Viele Menschen haben aus Angst vor einer Corona-Infektion im Jahr 2020 Vorsorgetermine ausfallen lassen. (Quelle: Portra/Getty Images)

Die Corona-Pandemie wird weltweit nicht nur zu weiteren Covid-Erkrankungen führen. Auch andere ernste Krankheiten dürften zunehmen. Vor diesen gesundheitlichen Folgen warnen Experten.

Stress, Herzkrankheiten, Krebs: Welche indirekten Folgen für die Gesundheit könnte die Corona-Krise haben? Noch lässt sich das Ausmaß von verschobenen Operationen und verzögerten Diagnosen aufgrund der Pandemie nicht beziffern. Doch es mehren sich die Hinweise, dass einige Krankheiten stark zunehmen könnten.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Mediziner beobachten seit Beginn der Corona-Pandemie, dass sich deutlich weniger Patienten mit akutem Behandlungsbedarf ins Krankenhaus einweisen lassen oder einen Notarzt verständigen. Insbesondere die Zahl der Krankenhauseinweisungen wegen Schlaganfall oder Herzinfarkt ist zurückgegangen. Grund dafür könnte die Angst der Menschen sein, sich im Krankenhaus mit dem Coronavirus anzustecken.

Professor Dr. Peter Berlit, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), warnte kürzlich im Interview mit t-online, dass die Zahl der Schlaganfälle in Deutschland ansteigen könnte. Der Grund: Patienten könnten die Vorsorge vernachlässigen und Schlaganfall-Warnsymptome nicht so ernst nehmen, wie sie es sollten. 

Schon jetzt würden deutlich weniger Patienten mit leichten Schlaganfällen in die Kliniken kommen. Doch auch solche sogenannten transitorischen ischämischen Attacken (TIA) können lebensbedrohlich sein, wenn sie nicht rechtzeitig behandelt werden. Etwa jeder zehnte Patient stirbt an den Folgen eines Schlaganfalls.

Krebs

Auch viele Krebserkrankungen könnten durch die Pandemie zunehmen. Wissenschaftler und Ärzte warnten bereits zu Beginn der Corona-Krise vor einer "Bugwelle an zu spät diagnostizierten Krebsfällen". Bislang mussten Krebs-Patienten im Regelfall keine bedrohlichen Versorgungsengpässe befürchten, doch Einschränkungen durch die Krisensituation seien spürbar, teilten das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) und die Deutsche Krebshilfe mit.

Rückstaus bei OPs, verzögerte Therapien und späte Krebsdiagnosen seien die Folgen. Insbesondere das Aufschieben von Diagnostikterminen ist bei Krebserkrankungen gefährlich – denn die Prognose bei Tumoren im fortgeschrittenen Stadium verschlechtert sich erheblich.


Schon vor Corona rechneten die Experten mit einem Anstieg bei Krebs. Laut Prognose der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird sich die Zahl bis 2040 fast verdoppeln. Laut dem Weltkrebsreport der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) erkrankten 2018 weltweit 18,1 Millionen Menschen an Krebs, 9,6 Millionen starben. 2040 dürften demnach 29 bis 37 Millionen Menschen neu erkranken. Gründe seien die wachsende und älter werdende Weltbevölkerung, aber auch Faktoren, die den Lebensstil betreffen.

Ob auch die Zahl der krebsbedingter Todesfälle durch die Corona-Pandemie steigt, bleibt offen. Verlässliche Daten dazu liegen noch nicht vor.

Depressive Stimmung: Die Corona-Pandemie wirkt sich auch stark auf die psychische Gesundheit aus. (Quelle: Getty Images/kieferpix)Depressive Stimmung: Die Corona-Pandemie wirkt sich auch stark auf die psychische Gesundheit aus. (Quelle: kieferpix/Getty Images)

Häusliche Gewalt

Der Lockdown zu Beginn der Corona-Pandemie im Frühling bedeutete für die meisten Menschen einen tiefen Einschnitt: Quarantäne, geschlossene Schulen, Homeoffice, Kurzarbeit – viele Familien verbrachten plötzlich sehr viel mehr Zeit zu Hause als sonst üblich. Das kann eine Chance sein – aber auch eine Gefahr für jene Familien und Paare, die schon vor Beginn der Pandemie von körperlicher, seelischer oder sexueller Gewalt geprägt waren.


Seit dem Beginn der Corona-Krise wurden in einigen Bundesländern mehr Fälle von häuslicher Gewalt gemeldet. Vor allem Frauen und Kinder haben verstärkt Gewalt erfahren. Das hat eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur bei den zuständigen Ministerien und Behörden der Länder im Juli ergeben. Ein gesichertes Gesamtbild für Deutschland wird es laut dem Bundesfamilienministerium im November geben.

Psychische Erkrankungen

Angst vor Ansteckung, finanzielle Sorgen und Zukunftsängste: Die Corona-Pandemie stellt nicht nur ein Risiko für die körperliche Gesundheit dar, sondern könnte auch schwerwiegende Folgen für die Psyche haben. Experten zufolge ist mit einem Anstieg von Angststörungen, Depressionen und Traumafolgestörungen zu rechnen.

Während es für eine Bewertung der psychischen Langzeiteffekte noch zu früh sei, zeigten erste Erhebungen bereits, dass insbesondere Depressionen zugenommen hatten. So berichtete die Psychologin Berta Ausín von der Universität von Madrid von einer Verdoppelung der Zahl von Menschen mit depressiven Symptomen während der ersten 100 Tage der Pandemie in Spanien.

Für Deutschland stehen solche Daten bislang noch aus. Krankmeldungen aufgrund psychischer Diagnosen haben aber nachweislich zugenommen.

Verwendete Quellen:
  • Ärzteblatt
  • Deutsche Krebshilfe
  • Nachrichtenagentur dpa
  • Eigene Recherche
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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