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Fake News per Post: Corona-Gegner verharmlosen Pandemie über Flugblätter

Fake News per Post  

Zwang zur Impfung? Fakten-Check der Corona-Flugblätter

25.10.2020, 11:03 Uhr | dpa

Fake News per Post: Corona-Gegner verharmlosen Pandemie über Flugblätter. Corona-Flugblatt: Gegner der Corona-Maßnahmen machen nicht mehr nur in sozialen Medien mobil. (Quelle: dpa/Sebastian Fischer)

Corona-Flugblatt: Gegner der Corona-Maßnahmen machen nicht mehr nur in sozialen Medien mobil. (Quelle: Sebastian Fischer/dpa)

Gegner der Corona-Maßnahmen verbreiten falsche oder veraltete Informationen zum Coronavirus nicht mehr nur in sozialen Medien. Auch Flyer in Briefkästen nehmen zu. Doch sie beinhalten höchst fragwürdige Informationen.

Das Internet schwappt über in die Briefkästen: Deutschlandweit tauchen vermehrt zweifelhafte Flyer auf, auf denen die aktuelle Entwicklung der Corona-Pandemie verharmlost wird. Es gibt Dutzende Versionen und Motive, die Flugblätter tragen Titel wie "Zwang zur Impfung droht" oder "Corona Fakten". Doch manche Aussagen darauf sind mit Vorsicht zu genießen – sie sind schlicht falsch.

Behauptung: "Der Anstieg der positiven Fälle entsteht nur, weil zu viel getestet wird", heißt es auf einem Infoblatt mit dem Titel "Positiv ist nicht krank".

Bewertung: Falsch.

Fakten: Derzeit beobachtet das Robert Koch-Institut (RKI) einen beschleunigten Anstieg der Corona-Übertragungen in Deutschland. Tatsächlich sind die aktuellen Werte nur bedingt mit den Zahlen aus dem Frühjahr vergleichbar, weil mittlerweile mehr getestet wird - seit Spätsommer allerdings auf etwa gleichbleibendem Niveau. Seit Mitte August pendelt die wöchentliche Anzahl der Tests um etwa 1,1 bis 1,2 Millionen. Gleichzeitig wächst die Zahl der Corona-Fälle stetig.

Ein Beispiel: In der Woche vom 17. bis 23. August waren von 1,09 Millionen Tests gut 9200 positiv. Sieben Wochen später (5. bis 11. Oktober) wurden 1,17 Millionen Resultate übermittelt, davon mehr als 29.000 positive. Während die Anzahl der Tests um etwa 6,7 Prozent höher lag, stieg die Zahl der Corona-Fälle um 214 Prozent.

Behauptung: Aufgrund der "politisch veränderten Gesetzeslage" im Infektionsschutzgesetz sei eine Corona-Zwangsimpfung möglich, heißt es auf einem Flyer mit dem Titel "Zwang zur Impfung droht".

Bewertung: Falsch. Solche Pläne hat die Bundesregierung nicht.

Fakten: Immer und immer wieder hat die Bundesregierung betont, dass keine Pflichtimpfung gegen das Coronavirus eingeführt werden soll. "Es wird zu einer freiwilligen Impfung kommen", sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) etwa Mitte September. Ziel sei es, eine ausreichend hohe Impfquote zu erreichen. Dafür wurden Millionen an Impfdosen gesichert.

Auch nach den diesjährigen Änderungen des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) durch den Bundestag findet sich keine konkrete Corona-Impfpflicht in dem Gesetz. Grundsätzlich wären nach dem IfSG verpflichtende Impfungen sowieso schon seit rund 20 Jahren möglich – allerdings nur "für bedrohte Teile der Bevölkerung" und nach Zustimmung von Bund und Ländern.

Im Frühjahr gab es Pläne von Gesundheitsminister Spahn, nach denen Menschen mit überstandenen Corona-Infektionen über sogenannte Immunitätsnachweise Ausnahmen von Alltagsbeschränkungen bekommen könnten. Manche Kritiker sahen darin eine Impfpflicht durch die Hintertür: Ihrer Meinung nach könnten Menschen, die keinen solchen Nachweis haben, so zu einer Impfung gedrängt werden.

Allerdings lehnte Ende September der Deutsche Ethikrat, der in dieser Sache entscheiden sollte, die Einführung eines solchen Nachweises klar ab, weil es "erhebliche Unsicherheiten" über die Immunität nach einer überstandenen Infektion gebe.

Behauptung: Der Anteil positiver Ergebnisse im Verhältnis zur Gesamtzahl der Corona-Abstriche bleibt seit Wochen gleich. Das sollen Grafiken etwa auf den Flyern "Positiv ist nicht krank" und "Corona Fakten" beweisen.

Bewertung: Veraltete Daten.

Fakten: Die Grafiken sind veraltet und damit irreführend. Auf dem Zettel "Positiv ist nicht krank" enden zum Beispiel die Angaben zum Anteil positiver Tests an allen Abstrichen Mitte September. Zum damaligen Zeitpunkt lag der Anteil der Positiv-Ergebnisse bei 100.000 Tests tatsächlich über einen längeren Zeitraum zwischen 600 und 1000 wöchentlich – also bei 0,6 bis 1 Prozent.

Seitdem aber hat sich das Infektionsgeschehen massiv beschleunigt. Nur vier Wochen später (5. bis 11. Oktober) lag diese Zahl nach RKI-Angaben schon bei fast 2.500 von 100.000. Diese neuere Entwicklung übermitteln die Flugblätter nicht mehr. Zuletzt war die Positivenrate sogar auf rund 3,6 Prozent gestiegen.

Behauptung: Das aktuelle Corona-Geschehen gehe "weltweit ohne erkennbaren Anstieg der Toten" einher – unter anderem auch in Deutschland. Das steht auf dem Flyer "Positiv ist nicht krank".

Bewertung: Die Daten sind überholt.

Fakten: Die Grafiken auf dem Infoblatt enden auch hier spätestens am 11. September. Dem RKI zufolge starben vor diesem Datum tatsächlich vergleichsweise wenige Menschen an oder mit dem Coronavirus. In Juli, August und dem Großteil des Septembers lag die gemeldete Todeszahl nicht höher als 14 pro Tag, häufig sogar im unteren einstelligen Bereich. Doch seit Oktober steigen die Zahlen wieder, an einzelnen Tagen lagen sie bei mehr als 40. Solchen Trends versuchen Bund und Länder frühzeitig mit verschärften Corona-Regeln Einhalt zu gebieten.

Dass die Todeszahlen und die Fälle intensivmedizinischer Betreuung lange Zeit nicht in gleichem Maße stiegen wie die Positivergebnisse, lag vor allem am Alter der Getesteten. Nach 50 Jahren im Frühjahr sank der Mittelwert der erfassten Corona-Infizierten bis Mitte August auf 32 Jahre. Seitdem wächst er wieder an – zuletzt auf 39 Jahre.

Covid-19-Erkrankungen nehmen aktuell unter älteren Menschen wieder zu. Damit gibt es auch wieder mehr schwere Verläufe. Während im Sommer täglich jeweils weniger als 300 Covid-Patienten auf die Intensivstation mussten, werden seit Ende September wieder mehr Betten belegt. Nach Angaben der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) wurden am 22. Oktober 1030 Corona-Infizierte intensivmedizinisch betreut.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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