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Pflegebeauftragter warnt: "Es gibt Corona-Regeln, die zu streng sind"

Situation in Seniorenheimen  

Pflegebeauftragter warnt: "Es gibt Corona-Regeln, die zu streng sind"

05.12.2020, 13:20 Uhr | dpa

Pflegebeauftragter warnt: "Es gibt Corona-Regeln, die zu streng sind". Altenheim: Alten- und Pflegeheime wollen trotz Corona-Bedrohung ihren Bewohnern ein möglichst schönes  Weihnachtsfest schaffen. (Quelle: dpa/Frank Molter)

Altenheim: Alten- und Pflegeheime wollen trotz Corona-Bedrohung ihren Bewohnern ein möglichst schönes Weihnachtsfest schaffen. (Quelle: Frank Molter/dpa)

Im Rückblick waren sich viele einig: Die strenge Abschottung der Pflegeheime zu Beginn der Corona-Krise hat den Bewohnern viel abverlangt. Experten warnen vor einer neuen Isolierung.

Der Pflegebeauftragte der Bundesregierung hat vor zu harten Corona-Auflagen in Senioren- und Pflegeheimen gewarnt. "Es gibt sehr gute Konzepte. Es gibt zum Teil aber auch Regeln, die nach heutigem Wissensstand zu streng sind", sagte Andreas Westerfellhaus den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Selbst wenn es zu einem begrenzten Ausbruch kommt, darf eine Einrichtung nicht wieder reflexhaft für Besucher geschlossen werden."

Lockdown: Viele Bewohner leider unter der Isolation

Nach mehreren schweren Corona-Ausbrüchen waren Pflegeheime in Deutschland beim ersten Lockdown im Frühjahr stark abgeschottet worden. Dies hatte im Rückblick auch Kritik ausgelöst, weil viele Bewohner unter der Isolation litten. Aber auch jetzt bereiten das Infektionsgeschehen in Alten- und Pflegeheimen sowie die hohen Sterberaten unter alten Menschen wieder große Sorgen. "Die Lage bleibt weiter sehr angespannt", sagte RKI-Präsident Lothar Wieler.

Der Pflegebeauftragte hat nun zusammen mit dem RKI einen Leitfaden für Besuche in Alten- und Pflegeheimen entwickelt, der an die Einrichtungen verschickt werden soll. Darin findet sich dem Bericht nach auch die Empfehlung, Besuche rechtzeitig bei der Heimleitung anzukündigen und abzuklären, ob etwa ein Schnelltest sinnvoll ist.

"Das ist gerade in der Weihnachtszeit wichtig: Wenn 100 Angehörige von 70 Bewohnern um 17 Uhr am Heiligabend vor der Tür stehen, dann schaffen das die Pflegekräfte nicht. Fiebermessen, Personendaten aufnehmen, mit Maskenverweigerern reden oder sogar noch 15 Minuten pro Schnelltest einplanen – das geht nicht", so Westerfellhaus.

Pflegebeauftragter plädiert für pragmatische Lösungen

Er plädierte für pragmatische Lösungen. "Für kognitiv eingeschränkte Menschen können Menschen mit Masken irritierend sein", so der Pflegebeauftragte. "In solchen Fällen ist es in Ordnung, wenn man genügend Abstand hält und bei der Begrüßung kurz die Maske vom Gesicht nimmt, um sich erkennbar zu machen."

Einzelne Einrichtungen hätten auch Besuchsverbote für Kinder eingeführt. "Das ist wissenschaftlich nicht belegt." Man sollte zwar nicht mit vier Enkelkindern aus drei Haushalten zu Besuch kommen. "Aber wer sich in den Tagen vorher klug verhält, seine Kontakte noch mal reduziert, der sollte auch mit einem Kind in Begleitung kommen dürfen."

Es gebe zudem Heime, in denen aus Hygienegründen selbst Geburtstagsgeschenke erst einmal für einige Zeit im Keller gelagert würden. "Das ist nach heutigem Wissen über Infektionsrisiken unnötig." Wer einem Pflegebedürftigen zu Weihnachten Geschenke oder Blumenschmuck mitbringen wolle, sollte das tun dürfen. Wünschenswert sei es auch, dass Verwandte ihre Angehörigen in deren Zimmer besuchen könnten – und nicht in Gruppenräumen treffen müssten.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa-AFX

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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