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Corona-Faktencheck: Macht die Impfung unfruchtbar?


"Die Corona-Impfung macht erst recht krank" – stimmt das?

  • Melanie Rannow
Von Melanie Rannow

Aktualisiert am 05.02.2022Lesedauer: 4 Min.
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Corona-Impfung: Rund um die Impfstoffe gegen Covid-19 gibt es viele Unwahrheiten.
Corona-Impfung: Rund um die Impfstoffe gegen Covid-19 werden viele Unwahrheiten verbreitet. (Quelle: Daniel Karmann/dpa-bilder)
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Wer im Internet surft, schnappt krude Thesen über die Corona-Impfungen auf – etwa, dass sie krank machen oder zu Unfruchtbarkeit führen. Ein Blick auf seriöse Daten gibt Entwarnung.

Das Wichtigste im Überblick


  • "Die Impfstoffe können zu Unfruchtbarkeit führen"
  • "Die Corona-Impfung macht erst recht krank"
  • "mRNA-Impfstoffe können das Erbgut verändern"

Jede einzelne Impfung zählt auf dem Weg, die Pandemie in den Griff zu bekommen. Aktuell kann sich in Deutschland jeder Erwachsene gegen das Coronavirus impfen lassen. Doch manchmal wird entschlossen gegen die Spritze argumentiert. Drei Mythen rund um die Corona-Impfstoffe im Faktencheck:


Corona: Auf diese Impfreaktionen sollten Sie sich einstellen

Wie bei jeder anderen Impfung auch kann es nach der Verabreichung der Corona-Impfstoffe zu Impfreaktionen und anderen Nebenwirkungen kommen. Von diesen Beschwerden berichten Betroffene am häufigsten.
Die häufigste Impfreaktion sind Schmerzen und Rötungen an der Einstichstelle – auch als "Covid-Arm" bekannt.
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"Die Impfstoffe können zu Unfruchtbarkeit führen"

Das Gerücht, eine Corona-Impfung könne unfruchtbar machen, hält sich so hartnäckig, dass das Robert Koch-Institut (RKI) in einem Frage-und-Antwort-Stück darauf eingeht. Im Bereich "Impfung bei Schwangeren, Stillenden und bei Kinderwunsch" heißt es zu der vor allem im Internet verbreiteten Behauptung, die Impfung mache Frauen oder Männer unfruchtbar: "Diese Aussage ist falsch."

Das RKI zählt danach mehrere Punkte auf, die diese Worte untermauern: In den nicht-klinischen Studien vor Zulassung der Impfstoffe habe es keine Hinweise auf das Auftreten von Unfruchtbarkeit nach der Impfung gegeben. In der Zulassungsstudie des Herstellers Biontech seien zwölf Frauen unter den Geimpften und elf Frauen in der Gruppe mit Placebo-Gabe innerhalb des Nachbeobachtungszeitrums von zwei Monaten schwanger geworden.

Das RKI nennt zudem eine Studie aus Israel. Ausgewertet wurden Daten von 36 Paaren, die sich in einer Behandlung für eine künstliche Befruchtung befanden und in der Zeit impfen ließen. Bei Anzahl und Qualität der gewonnenen Eizellen sowie der untersuchten Spermienparameter habe es vor und nach der Impfung keinen Unterschied gegeben, teilt das Institut mit.

In einer aktuellen Studie aus Israel ging es ebenso um die weibliche Fruchtbarkeit im Zusammenhang mit der Corona-Impfung. Am Schiba-Krankenhaus bei Tel Aviv wurde bei 129 vollständig mit Biontech geimpften Frauen der Spiegel des Anti-Müller-Hormons überwacht. Dieses gibt Aufschluss darüber, wie viele Eizellen eine geschlechtsreife Frau produziert. Ergebnis war, dass die Impfung keinen Einfluss auf das Hormonlevel hatte.

Nach einer Studie der University of Miami müssen sich auch Männer im Zuge der Corona-Impfung keine Sorgen um ihre Zeugungsfähigkeit machen: Vor und nach Gabe von zwei Dosen eines mRNA-Impfstoffes waren die Spermien der untersuchten 45 Männer zwischen 18 und 50 Jahren gleich fit.

Wie ist diese Behauptung entstanden?

Wie konnte die Falschinformation, die Impfung mache Frauen unfruchtbar, überhaupt entstehen? Eine Antwort darauf geben Forscher der Universität Jena: Sie widerlegen eine im Internet verbreitete Behauptung, die nach der mRNA-Impfung vom Immunsystem gebildeten Antikörper richteten sich gegen Bestandteile der Plazenta. "Weder aus den bisherigen Erfahrungen mit Schwangeren, die an Covid-19 erkrankt sind, noch aus Sicht der Plazentaforschung lässt sich die Behauptung belegen", sagt Ekkehard Schleußner, Direktor der Klinik für Geburtsmedizin.

Durch die mRNA-Impfung wird eine Art Spike-Protein des Coronavirus gebildet. Das Virusprotein weist in einem winzigen Teil eine Ähnlichkeit mit dem Protein Syncytin-1 auf. Dieses ist während einer Schwangerschaft an der Bildung der Plazenta beteiligt. Die Ähnlichkeit beschränke sich jedoch lediglich auf eine Sequenz von fünf von 1.273 Aminosäuren im Spike-Protein beziehungsweise 538 Aminosäuren im Syncytin-1-Protein. Die Sequenzen seien noch nicht einmal identisch, da sie sich in der mittleren Aminosäure unterscheiden.

"Hier dürfte also der Mythos seinen Ursprung haben", schreibt die Uni Jena. Seit Jahren würden in der Therapie bestimmter Autoimmunkrankheiten jedoch Antikörper gegen ein Protein genutzt, das dem Syncytin-1-Protein sehr viel ähnlicher sei. Zahlreiche Experimente hätten gezeigt, dass dies keinerlei Einfluss auf die Plazentaentwicklung habe.

Zudem: Wenn schon die Impfung unfruchtbar machen würde, dann müsste es eine Corona-Infektion erst recht tun, betont die Uni Jena. Denn bei einer Infektion sei die potenzielle Antikörper-Bildung deutlich höher und auch unkalkulierbarer als bei einer Impfung.

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Es gebe keine besondere Ähnlichkeit zwischen dem Spike-Protein von SARS-CoV-2 und dem für die Bildung der Plazenta wichtigen Protein Syncytin-1, erklärt auch Virologe Lars Dölken von der Universität Würzburg gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Und das RKI ergänzt: "Nach dieser Logik müsste auch die Infektion mit Covid-19 unfruchtbar machen. Auch dies wurde jedoch weltweit nicht beobachtet."

Schwangere haben höheres Covid-Risiko

Schwangere sind besonders gefährdet, schwer an Covid-19 zu erkranken. Das zeigen Daten der "Cronos-Registerstudie", die den Zustand von Müttern und Babys untersucht, wenn sich die Mutter während der Schwangerschaft mit Covid-19 infiziert.

In den Empfehlungen der Stiko wird Frauen deshalb ab dem 2. Trimenon eine Corona-Impfung mit einem mRNA-Impfstoff empfohlen. Es gebe nur noch sehr wenige Gründe gegen eine Impfung von werdenden Müttern. Dazu zählt etwa eine bekannte Allergie gegen einen der Inhaltsstoffe.

"Die Corona-Impfung macht erst recht krank"

Es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass die Corona-Schutzimpfung das Immunsystem schwächt. Oft werden Impfreaktionen wie Fieber oder Müdigkeit als Schwäche des Immunsystems wahrgenommen. Aber genau das Gegenteil ist der Fall.

Impfreaktionen können zeigen, dass das Immunsystem aktiv arbeitet und Antikörper bildet, um den Geimpften vor einer möglichen Infektion oder einem schweren Krankheitsverlauf zu schützen.

"mRNA-Impfstoffe können das Erbgut verändern"

Dass eine mRNA-Impfung mit den Präparaten von Biontech/Pfizer oder Moderna zu Genveränderungen führt, ist laut Experten ausgeschlossen.

Bisherige Impfstoffe wie etwa gegen die Grippe beinhalten meist abgetötete oder geschwächte Viren oder Teile davon. Die Corona-Mittel von Biontech und Moderna funktionieren anders, nämlich erstmals über die sogenannte mRNA (das "m" steht für "messenger", "RNA" für "Ribonukleinsäure"). Dabei werden keine abgetöteten SARS-CoV-2-Erreger injiziert, sondern nur die Bauanleitung für einen Bestandteil des Virus – das Botenmolekül mRNA.

Auf dieser Grundlage stellen die Körperzellen Teile des Viren-Hüllproteins (Spike-Protein) selbst her. Gegen dieses wiederum entwickelt das Immunsystem nun bestimmte Faktoren, sodass es bei einem späteren Kontakt mit dem Coronavirus die Struktur des Proteins wiedererkennen und den Erreger gezielt abwehren kann.

RNA-Impfstoff kann nicht in DNA integriert werden

Die Informationen der RNA können dabei nicht in die menschliche DNA eingebaut werden. Das verhindert schon die unterschiedliche chemische Struktur der beiden Säuren. Zudem erreicht die mit der Impfung aufgenommene mRNA gar nicht die Zellkerne, in denen das Erbgut in Form von DNA lagert. Die Botenmoleküle wandern nur ins Zellplasma, wo sie abgelesen und dann rasch abgebaut werden – so schnell, dass es lange als ausgeschlossen galt, sie überhaupt therapeutisch nutzen zu können.

Zwar hatten US-Forscher herausgefunden, dass unter extremen Umständen bei einer Corona-Infektion womöglich kleine Erbgut-Schnipsel des Virus in die menschliche DNA gelangen könnten. Ihre Vorabveröffentlichung, die noch nicht von unabhängigen Forschern geprüft wurde, behandelt jedoch keine Impfstoffe. Dies passiere zudem in sehr seltenen Fällen – und habe keine Auswirkungen auf den Menschen.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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Verwendete Quellen
  • Nachrichtenagentur dpa
  • DeutschesGesundheitsPortal
  • Eigene Recherche
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Von Laura Stresing, Cem Özer, Sandra Simonsen
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