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Wie Forscher den nÀchsten Pandemie-Erreger beobachten

Von afp
Aktualisiert am 01.05.2021Lesedauer: 3 Min.
Untersuchung im Labor: JĂ€hrlich haben fĂŒnf neue Krankheiten das Potential zur Pandemie.
Untersuchung im Labor: JĂ€hrlich haben fĂŒnf neue Krankheiten das Potential zur Pandemie. (Quelle: Future Image/imago-images-bilder)
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Seit Jahren ist in Teilen Afrikas und im Nahen Osten ein besorgniserregendes Virus zu finden. Wie Corona ist auch Mers auf den Menschen ĂŒbertragbar – doch es ist viel tödlicher.

Nelson Kipchirchir macht einen Nasenabstrich. Doch er testet keinen Menschen, sondern ein Kamel, und auch nicht auf SARS-CoV-2, sondern auf den Erreger der Atemwegserkrankung Mers. Damit der kenianische Tierarzt den Teststab im NasenflĂŒgel des verĂ€ngstigten Dromedars drehen kann, mĂŒssen drei MĂ€nner das 300 Kilogramm schwere Tier festhalten. Doch die Untersuchung ist unumgĂ€nglich fĂŒr die Forschung am Mers-Syndrom, das von einem anderen Coronavirus ausgelöst wird und viel tödlicher ist als Covid-19. Der Mers-Erreger könnte die nĂ€chste globale Pandemie auslösen.

Erste Schlagzeilen schon 2012

Die Atemwegserkrankung Middle East Respiratory Syndrome, kurz Mers, hatte 2012 fĂŒr Schlagzeilen gesorgt. Mehr als 850 Menschen starben daran. Kipchirchir und seine Kollegen befĂŒrchten, dass der Erreger, der seit einiger Zeit unter Kamelen und in geringerem Maße auch unter ihren Besitzern zirkuliert, mutieren und von den Hirtengemeinden auf die allgemeine Bevölkerung ĂŒberspringen könnte.

"Die Probenentnahmen sind schwierig, weil man nie weiß, was passiert", sagt Kipchirchir in der Kapiti-Ebene im SĂŒden Kenias. Ein Kamel sei unberechenbar. "Wenn man einen Fehler macht, kann es einen treten oder beißen." An diesem nebligen Morgen bekommt ein KamelfĂŒhrer einen heftigen Tritt von einem der Tiere, die auf der riesigen Kapiti-Ranch mit 13.000 Hektar untersucht werden.

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Todesrate von 35 Prozent

Hier in Kapiti, einer Forschungsstation des International Livestock Research Institute (Ilri) mit Hauptsitz in Nairobi, untersuchen Wissenschaftler Wildtiere, Vieh und Schafe. 2013 begann das Ilri mit der Forschung an Kamelen in Kenia. Ein Jahr zuvor war Mers in Saudi-Arabien ausgebrochen. Das von einem Coronavirus ausgelöste Syndrom hat eine Todesrate von rund 35 Prozent bei den Infizierten.

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FledermĂ€use, Schuppentiere, GeflĂŒgel als mögliche Quelle fĂŒr Krankheiten: Die Covid-19-Pandemie, die in 16 Monaten mehr als 3,15 Millionen Menschen weltweit getötet hat, schĂ€rfte den Blick auf die sogenannten Zoonosen, also von Tieren ĂŒbertragene Krankheiten. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) machen sie rund 60 Prozent der Infektionskrankheiten beim Menschen aus.

Mers: Ebenfalls auf Menschen ĂŒbertragbar

Auch Mers kann von Wirbeltieren auf Menschen ĂŒbertragen werden und sprang wahrscheinlich zunĂ€chst von FledermĂ€usen auf Kamele ĂŒber. Beim Menschen verursacht es mit Fieber, Husten und Atembeschwerden Ă€hnliche Symptome wie Covid-19.

Das wissenschaftliche Beratergremium der Vereinten Nationen fĂŒr BiodiversitĂ€t (Ipbes) warnte 2020, Pandemien könnten hĂ€ufiger und tödlicher werden, wenn Menschen, Vieh und Wildtiere aufgrund von Umweltzerstörung und Klimawandel mehr Kontakt miteinander hĂ€tten. Bis zu 850.000 Viren können demnach potenziell auch Menschen befallen. Jedes Jahr könnten fĂŒnf neue Krankheiten ausbrechen, von denen jede das Potenzial zur Pandemie hĂ€tte.

"Es gibt ein neu erwachtes Interesse an allem, was mit Viren und zoonotischen Krankheiten zu tun hat, wegen der ganzen Covid-Problematik", sagt Eric Fevre, Spezialist fĂŒr Infektionskrankheiten beim Ilri. In Kenia gibt es mit etwa drei Millionen Kamelen eine der grĂ¶ĂŸten Populationen weltweit. In trockenen Gebieten werden sie aufgrund hĂ€ufigerer DĂŒrren immer beliebter.

"Ein Kamel ist sehr wichtig", sagt Isaac Mohamed, einer der Hirten in Kapiti. "Es kann bei einer DĂŒrre nicht sterben und bis zu 30 Tage ohne Wasser auskommen." Gleichzeitig wĂ€chst die Nachfrage nach Kamelmilch und Kamelfleisch.

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Virus verÀndert sich stÀndig

2014 fand eine Studie bei 46 Prozent der untersuchten Kamele und fĂŒnf Prozent der KamelfĂŒhrer und Schlachthofmitarbeiter Mers-Antikörper. "Das Mers, das wir gegenwĂ€rtig in Kenia haben, ist nicht einfach auf den Menschen ĂŒbertragbar" – im Vergleich zu der Variante in Saudi-Arabien, sagt die Biologin Alice Kiyong'a. Doch das Virus verĂ€ndere sich stĂ€ndig, betont Fevre: "Es ist genau wie bei Covid."

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dĂŒrfen nicht verwendet werden, um eigenstĂ€ndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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Von Christiane Braunsdorf
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