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Corona-Impfung | Nebenwirkung: So lassen sich Hirnvenenthrombosen behandeln

Nebenwirkung nach Corona-Impfung  

Forscher behandeln erfolgreich Patienten mit Hirnvenenthrombose

04.05.2021, 17:25 Uhr
Corona-Impfung | Nebenwirkung: So lassen sich Hirnvenenthrombosen behandeln. Gehirnscan (Symbolbild): Forschern ist es gelungen, mehr über die Ursachen einer Hirnvenenthrombose zu erfahren. (Quelle: Getty Images/gorodenkoff)

Gehirnscan (Symbolbild): Forschern ist es gelungen, mehr über die Ursachen einer Hirnvenenthrombose zu erfahren. (Quelle: gorodenkoff/Getty Images)

Die Fälle von Hirnvenenthrombosen nach Impfungen mit Astrazeneca haben für viel Unsicherheit gesorgt. Nun erklären deutsche Mediziner, wie die Therapie solcher Impfreaktionen gelingen kann.

Seit Mitte März 2021 sind in Deutschland und anderen Ländern nach Corona-Impfungen mit dem Mittel von Astrazeneca mehrere Fälle von Hirnvenenthrombosen (Sinusvenenthrombosen) aufgetreten. Inzwischen steht fest, dass der Vektorvirenimpfstoff der Auslöser für die seltene Nebenwirkung sein kann.

Diese hat zur Folge, dass die Zahl der Blutplättchen (Thrombozyten) im Blut der Betroffenen abnimmt und wird daher auch Vakzin-induzierte thrombotische Thrombozytopenie (VITT) genannt.

Was ist eine Hirnvenenthrombose?
Verstopfen Venen im Gehirn, sprechen Mediziner von einer Hirnvenenthrombose oder auch der Sinusvenenthrombose. Vom Gehirn aus transportieren große venöse Blutgefäße, die Sinusvenen, sauerstoffarmes Blut in Richtung Herz. Entsteht hier ein Blutgerinnsel, kann dieses Blut nicht mehr abfließen. Es kommt zu einer Schwellung und der Hirndruck steigt, was zu Langzeitfolgen oder zum Tod führen kann.
Welche Symptome auf eine Hirnvenenthrombose hindeuten, lesen Sie hier.

Mediziner berichten, wie sie Patientinnen erfolgreich behandelten

An der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) wurden fünf aus verschiedenen Kliniken in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen überwiesene Patientinnen mit Hirnvenenthrombosen behandelt. Offenbar erfolgreich, wie das Klinikum nun meldet. Ein Team um Professor Dr. Andreas Tiede veröffentlichte im englischsprachigen Fachjournal "Blood" seine detaillierten Erfahrungen in Diagnostik, Krankheitsverlauf und Therapie.

Die Patientinnen kamen fünf bis elf Tage nach der ersten Corona-Impfung in die Klinik der MHH. Alle zeigten eine eine VITT.

Professor Dr. Andreas Tiede mit einer computertomographischen Aufnahme: Der weiße Pfeil deutet auf eine Hirnvenenthrombose (hellgrau) hin. (Quelle: Karin Kaiser / MHH)Professor Dr. Andreas Tiede mit einer computertomographischen Aufnahme: Der weiße Pfeil deutet auf eine Hirnvenenthrombose (hellgrau) hin. (Quelle: Karin Kaiser / MHH)

Ursache der Blutgerinnsel im Gehirn größtenteils geklärt

Bereits kurz nach dem Auftreten der ersten Fälle fanden Forscher aus Greifswald eine mögliche Erklärung für die seltene, aber schwere Nebenwirkung der Impfung. Offenbar ist eine fehlgeleitete Reaktion des Immunsystems der Grund für die Hirnvenenthrombosen. Dabei kommt es zur Bildung von Antikörpern gegen ein körpereigenes Eiweiß der Blutplättchen, den Plättchenfaktor 4 (PF4).

"Bei allen betroffenen Patientinnen mit VITT haben wir PF4-Antikörper nachgewiesen", sagt Klinikdirektor Professor Dr. Arnold Ganser in einer Pressemitteilung der Hochschule. Binden die Antikörper an PF4, können die Blutplättchen aktiviert werden, wie es auch bei einer Wundheilung der Fall wäre. Besteht keine Blutung, können sich Gerinnsel im Blut bilden und Thrombosen entstehen.

Auch Thrombosen in Bauch und in Beinen traten auf

Außerdem stellten die behandelnden Ärzte insgesamt eine Abnahme der Blutplättchen (Thrombozytopenie) fest, sowie Gefäßverschlüsse. Diese Thrombosen betrafen jedoch nicht nur die Hirnvenen, sondern auch die Venen der Bauchorgane und die Arterien in Gehirn und Beinen.

Die Patientinnen mussten je nach Schweregrad der Erkrankung unterschiedlich behandelt werden – mit Blutverdünnern zur Verhinderung der Thromboseausbreitung, aber auch mit Kortison und weiteren Medikamenten. Bei allen war die Therapie erfolgreich, drei von ihnen konnten inzwischen die Klinik wieder verlassen.

Bei Thromboseanzeichen schnell handeln

"Die Komplikation VITT ist zum Glück sehr selten", sagt Professor Tiede. Entscheidend für eine Heilung seien eine frühe Diagnose und Behandlung. Kopfschmerzen und leichtes Fieber ein bis zwei Tage nach der Impfung seien jedoch normale Anzeichen einer Immunreaktion und kein Grund zur Sorge. Wer aber nach mehr als vier Tagen noch starke Beschwerden habe, sollte umgehend den Hausarzt aufsuchen. Ein dort angefertigtes Blutbild gebe Aufschluss über mögliche Anzeichen einer VITT.

"In diesem Fall muss der Patient sofort die Notaufnahme eines Krankenhauses aufsuchen", rät der Mediziner. Die jetzt veröffentlichte Publikation gebe den behandelnden Kliniken wiederum genaue Hinweise, welche Behandlung dann sinnvoll sei.

Verwendete Quellen:

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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