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Forscher behandeln erfolgreich Patienten mit Hirnvenenthrombose

  • Melanie Rannow
Von Melanie Rannow

Aktualisiert am 04.05.2021Lesedauer: 2 Min.
Gehirnscan (Symbolbild): Forschern ist es gelungen, mehr ĂŒber die Ursachen einer Hirnvenenthrombose zu erfahren.
Gehirnscan (Symbolbild): Forschern ist es gelungen, mehr ĂŒber die Ursachen einer Hirnvenenthrombose zu erfahren. (Quelle: gorodenkoff/getty-images-bilder)
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Die FĂ€lle von Hirnvenenthrombosen nach Impfungen mit Astrazeneca haben fĂŒr viel Unsicherheit gesorgt. Nun erklĂ€ren deutsche Mediziner, wie die Therapie solcher Impfreaktionen gelingen kann.

Seit Mitte MĂ€rz 2021 sind in Deutschland und anderen LĂ€ndern nach Corona-Impfungen mit dem Mittel von Astrazeneca mehrere FĂ€lle von Hirnvenenthrombosen (Sinusvenenthrombosen) aufgetreten. Inzwischen steht fest, dass der Vektorvirenimpfstoff der Auslöser fĂŒr die seltene Nebenwirkung sein kann.


Corona-Impfstoffe im Vergleich: Wie wirksam sind sie?

In der EU zugelassen sind bislang vier PrÀparate: die Corona-Impfstoffe von Biontech /Pfizer, Moderna, Astrazeneca und Johnson & Johnson. Doch wie wirksam sind die Mittel im Vergleich?
Astrazeneca: Nach Herstellerangaben schĂŒtzt der Impfstoff zu 76 Prozent vor einer Corona-Infektion mit Symptomen. Gegen schwere Covid-Erkrankungen sei der Impfstoff zu 100 Prozent wirksam, erklĂ€rte das Unternehmen.
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Diese hat zur Folge, dass die Zahl der BlutplÀttchen (Thrombozyten) im Blut der Betroffenen abnimmt und wird daher auch Vakzin-induzierte thrombotische Thrombozytopenie (VITT) genannt.

Was ist eine Hirnvenenthrombose?
Verstopfen Venen im Gehirn, sprechen Mediziner von einer Hirnvenenthrombose oder auch der Sinusvenenthrombose. Vom Gehirn aus transportieren große venöse BlutgefĂ€ĂŸe, die Sinusvenen, sauerstoffarmes Blut in Richtung Herz. Entsteht hier ein Blutgerinnsel, kann dieses Blut nicht mehr abfließen. Es kommt zu einer Schwellung und der Hirndruck steigt, was zu Langzeitfolgen oder zum Tod fĂŒhren kann.
Welche Symptome auf eine Hirnvenenthrombose hindeuten, lesen Sie hier.

Mediziner berichten, wie sie Patientinnen erfolgreich behandelten

An der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) wurden fĂŒnf aus verschiedenen Kliniken in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen ĂŒberwiesene Patientinnen mit Hirnvenenthrombosen behandelt. Offenbar erfolgreich, wie das Klinikum nun meldet. Ein Team um Professor Dr. Andreas Tiede veröffentlichte im englischsprachigen Fachjournal "Blood" seine detaillierten Erfahrungen in Diagnostik, Krankheitsverlauf und Therapie.

Die Patientinnen kamen fĂŒnf bis elf Tage nach der ersten Corona-Impfung in die Klinik der MHH. Alle zeigten eine eine VITT.

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Professor Dr. Andreas Tiede mit einer computertomographischen Aufnahme: Der weiße Pfeil deutet auf eine Hirnvenenthrombose (hellgrau) hin.
Professor Dr. Andreas Tiede mit einer computertomographischen Aufnahme: Der weiße Pfeil deutet auf eine Hirnvenenthrombose (hellgrau) hin. (Quelle: Karin Kaiser / MHH)

Ursache der Blutgerinnsel im Gehirn grĂ¶ĂŸtenteils geklĂ€rt

Bereits kurz nach dem Auftreten der ersten FĂ€lle fanden Forscher aus Greifswald eine mögliche ErklĂ€rung fĂŒr die seltene, aber schwere Nebenwirkung der Impfung. Offenbar ist eine fehlgeleitete Reaktion des Immunsystems der Grund fĂŒr die Hirnvenenthrombosen. Dabei kommt es zur Bildung von Antikörpern gegen ein körpereigenes Eiweiß der BlutplĂ€ttchen, den PlĂ€ttchenfaktor 4 (PF4).

"Bei allen betroffenen Patientinnen mit VITT haben wir PF4-Antikörper nachgewiesen", sagt Klinikdirektor Professor Dr. Arnold Ganser in einer Pressemitteilung der Hochschule. Binden die Antikörper an PF4, können die BlutplÀttchen aktiviert werden, wie es auch bei einer Wundheilung der Fall wÀre. Besteht keine Blutung, können sich Gerinnsel im Blut bilden und Thrombosen entstehen.

Auch Thrombosen in Bauch und in Beinen traten auf

Außerdem stellten die behandelnden Ärzte insgesamt eine Abnahme der BlutplĂ€ttchen (Thrombozytopenie) fest, sowie GefĂ€ĂŸverschlĂŒsse. Diese Thrombosen betrafen jedoch nicht nur die Hirnvenen, sondern auch die Venen der Bauchorgane und die Arterien in Gehirn und Beinen.

Die Patientinnen mussten je nach Schweregrad der Erkrankung unterschiedlich behandelt werden – mit BlutverdĂŒnnern zur Verhinderung der Thromboseausbreitung, aber auch mit Kortison und weiteren Medikamenten. Bei allen war die Therapie erfolgreich, drei von ihnen konnten inzwischen die Klinik wieder verlassen.

Bei Thromboseanzeichen schnell handeln

"Die Komplikation VITT ist zum GlĂŒck sehr selten", sagt Professor Tiede. Entscheidend fĂŒr eine Heilung seien eine frĂŒhe Diagnose und Behandlung. Kopfschmerzen und leichtes Fieber ein bis zwei Tage nach der Impfung seien jedoch normale Anzeichen einer Immunreaktion und kein Grund zur Sorge. Wer aber nach mehr als vier Tagen noch starke Beschwerden habe, sollte umgehend den Hausarzt aufsuchen. Ein dort angefertigtes Blutbild gebe Aufschluss ĂŒber mögliche Anzeichen einer VITT.

"In diesem Fall muss der Patient sofort die Notaufnahme eines Krankenhauses aufsuchen", rÀt der Mediziner. Die jetzt veröffentlichte Publikation gebe den behandelnden Kliniken wiederum genaue Hinweise, welche Behandlung dann sinnvoll sei.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dĂŒrfen nicht verwendet werden, um eigenstĂ€ndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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  • Sandra Simonsen
Von Sandra Simonsen
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