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Wann auch Corona-Geimpfte sich auf Covid testen lassen sollten

Restrisiko bleibt  

Wann auch Geimpfte sich auf Corona testen lassen sollten

Von Christiane Braunsdorf

23.09.2021, 16:22 Uhr
Wann auch Corona-Geimpfte sich auf Covid testen lassen sollten  . Schnelltest: Auch für Geimpfte kann er sinnvoll sein. (Quelle: dpa/picture alliance / ANP)

Schnelltest: Auch für Geimpfte kann er sinnvoll sein. (Quelle: picture alliance / ANP/dpa)

Die Impfstoffe bieten einen guten Schutz vor schweren Krankheitsverläufen, aber schützen weniger gut vor Infektionen. Ein Schnelltest kann in bestimmten Situationen auch für Geimpfte sinnvoll sein.

Mehr als die Hälfte der Deutschen ist vollständig geimpft. Für viele bedeutet dies, zum Beispiel sorgloser reisen zu können. Doch ein Restrisiko einer Corona-Infektion bleibt auch für sie bestehen. 

Knackpunkt "sterile Immunität" 

Die Studien der Impfstoffhersteller belegen klar: Die Impfungen schützen vor einer schweren Erkrankung nach einer Infektion mit dem Coronavirus. Aber sie können nicht ganz verhindern, dass ein Geimpfter das Virus in seinen Körper aufnimmt und damit für andere durchaus ansteckend sein kann. Er bleibt also ein potentieller Virusträger und kann in sehr seltenen Fällen auch schwer erkranken. 

Eine sogenannte "sterile Immunität" wäre hergestellt, wenn das Virus gar nicht mehr in den Körper gelangen könnte. Doch auch nach der vollständigen Impfung kann das Virus etwa in der Nase nachgewiesen werden, bevor das Immunsystem reagiert.

Die sterile Immunität konnte bislang bei den zugelassenen Impfstoffen nicht bestätigt werden. So erklärte das Paul-Ehrlich-Institut, das für die Sicherheit von Impfstoffen zuständig ist, gegenüber "MDR aktuell": "Es muss davon ausgegangen werden, dass Menschen nach Kontakt mit dem Virus trotz Impfung symptomatisch oder asymptomatisch infiziert werden können und dabei das Virus SARS-CoV-2 ausscheiden".

Das bestätigt auch das Robert Koch-Institut: "Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Person trotz vollständiger Impfung PCR-positiv wird, ist bereits niedrig, aber nicht Null. In welchem Maß die Impfung darüber hinaus die Übertragung des Virus weiter reduziert, kann derzeit nicht genau quantifiziert werden."

Und weiter: "Auf Basis der bisher vorliegenden Daten ist davon auszugehen, dass die Viruslast bei Personen, die trotz Impfung mit SARS-CoV-2 infiziert werden, stark reduziert und die Virusausscheidung verkürzt ist. In der Summe ist daher das Risiko einer Virusübertragung stark vermindert.  Es muss jedoch davon ausgegangen werden, dass einige Menschen nach Kontakt mit SARS-CoV-2 trotz Impfung (asymptomatisch) PCR-positiv werden und dabei auch infektiöse Viren ausscheiden."

Corona-Impfung: Restrisiko bleibt

Es bleibt also ein Restrisiko, auch als Geimpfter sich oder andere anzustecken und das besonders bei der derzeit in Deutschland dominierenden Delta-Variante des Virus. Das RKI weiter: "Das Ausmaß, in dem die Virusübertragung reduziert wird, variiert je nach Virusvariante. Bei allen derzeit dominierenden Virusvarianten ist das Risiko einer Virusübertragung stark vermindert, allerdings ist bei der Delta-Variante von einer reduzierten Wirksamkeit gegen SARS-CoV-2-Infektionen auszugehen."

In der Praxis passiert eine solche Virusübertragung von Geimpften jedoch sehr selten. Dies zeigen Studien aus Israel und Großbritannien. In Haifa untersuchten Forscher die Abstriche, die sich nach ihrer Erstimpfung – die noch lange nicht denselben Schutz bietet wie nach der zweiten Dosis – infiziert hatten. Ihre Viruslast war um ein Vierfaches niedriger als bei Ungeimpften, die sich infiziert hatten.

In Großbritannien wurde untersucht, wie hoch das Ansteckungsrisiko in Haushalten ist. Bei einer Betrachtung von mehr als 350.000 Hausgemeinschaften zeigte sich, dass die Virusübertragung durch Geimpfte schon nach der ersten Spritze um fast die Hälfte abnahm. Damit stecken sich Geimpfte offenbar deutlich seltener selbst an und geben das Virus wesentlich seltener weiter.

Kann ein Schnelltest noch mehr Schutz bieten?

Hier sind sich die Wissenschaftler nicht einig. Der Virologe Marco Binder vom Deutschen Krebsforschungsinstitut erklärte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, dass Antigenschnelltests bei vollständig Geimpften bisweilen versagen, da die Viruslast niedriger ausfällt als bei Nichtgeimpften. "Die Wahrscheinlichkeit für ein echt positives Testergebnis ist bei Geimpften also recht niedrig, die Sinnhaftigkeit der Testung damit zumindest etwas zweifelhaft."

Der Epidemiologe Markus Scholz von der Universität Leipzig hält eine Testung auch von Geimpften für sinnvoll: "Die Impfung schützt zu 90 Prozent vor einem schweren Krankheitsverlauf, aber nur zu 60 bis 80 Prozent vor einer Infektion", erklärt er im Gespräch mit t-online. "Damit können Geimpfte auch Virusüberträger sein. Das heißt auch: Je mehr Durchseuchung zugelassen wird, desto mehr werden auch geimpfte Personen und damit Risikogruppen betroffen sein." 

Und auch Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, hält Tests von Geimpften in bestimmten Situationen für angeraten: "Mit der Zahl der Impfungen steigt auch die Zahl der Durchbruchsinfektionen", so Watzl gegenüber dpa.

"Diese ist zwar reduziert, aber je nachdem wie die Impfung bei mir gewirkt hat und je nachdem welche Viruslast mein Gegenüber in sich trägt, kann es schon dazu kommen, dass ich mich als Geimpfter anstecke." Gerade für ältere Menschen und solche mit Vorerkrankungen könne es dann gefährlich werden.

Sein Ratschlag: Wenn sich Geimpfte und Ungeimpfte privat gemeinsam treffen wollen, wie auf einer Gartenparty, sollten sie sich vor so einem Treffen testen lassen. Denn immer, wenn sich Geimpfte und Nichtgeimpfte treffen, steige das Ansteckungsrisiko, auch für die Geimpften. "Da nicht immer klar ist, wer etwa welche Vorerkrankung hat, ist es am einfachsten, wenn sich vorher alle testen lassen."

Dabei seien Bürgerschnelltests etwas sorgfältiger als der Selbsttest für zu Hause, ausreichend seien aber beide.

Verwendete Quellen:

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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