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Corona: Booster-Impfung für Risikopatienten schon im Oktober?

Booster in Planung  

Dritte Impfung für Risikogruppen schon im Oktober?

Von Christiane Braunsdorf

29.07.2021, 15:15 Uhr
Corona: Booster-Impfung für Risikopatienten schon im Oktober? . Corona-Impfung: Wer bekommt den dritten Piks? (Quelle: Thinkstock by Getty-Images/Prostock Studio/ iStock / Getty Images Plus)

Corona-Impfung: Wer bekommt den dritten Piks? (Quelle: Prostock Studio/ iStock / Getty Images Plus/Thinkstock by Getty-Images)

Die Frage, wie sinnvoll Auffrischungsimpfungen für Ältere oder Vorerkrankte sind, wird schon länger diskutiert. Nun will Niedersachsens Gesundheitsministerin Daniela Behrens Fakten schaffen. Kommt im Herbst die Boosterimpfung?

Eine vollständige Impfung baut einen Immunschutz gegen das Coronavirus auf. Doch bei manchen Menschen ist die Antwort des Abwehrsystems auf die Impfung weniger gut als bei anderen. Vor allem Ältere und Menschen, die unter einem geschwächten Immunsystem leiden (zum Beispiel bei einer Therapie mit sogenannten Immunsuppressiva), könnten eine schlechte Immunantwort auf die Impfung bilden. 

Neue Impfkampagne in Pflegeheimen

Niedersachsens Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD) erklärte gestern, im Herbst eine neue Impfkampagne in Alten-und Pflegeheimen starten zu wollen. Zur Einschätzung der Notwendigkeit sei das Robert Koch-Institut (RKI) gebeten worden, eine "wissenschaftliche Grundlage und Empfehlung" zu erarbeiten. Die Behörde soll diese in Abstimmung mit dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI), das für die Sicherheit von Impfstoffen zuständig ist, und der Europäischen Arzneimittelagentur (Ema) bis Montag vorlegen.

In einem in dieser Woche veröffentlichten Strategiepapier zur "Vorbereitung auf den Herbst/Winter 2021/22" erklärte das RKI: "Da im Augenblick noch nicht bekannt ist, wie lange der Impfschutz anhält, ist es sinnvoll, zeitnah reagieren zu können. 'Boosterimpfungen' (insbesondere) für Ältere und Risikogruppen sollten jetzt geplant und vorbereitet werden, wie zum Beispiel die ausreichende Bestellung beziehungsweise Bevorratung an Impfstoffen, insbesondere solche, die für die Boosterung besonders geeignet sind."

Und außerdem: "Regelmäßige Boosterimpfungen werden vermutlich in zu bestimmenden Bevölkerungsgruppen und Impfabständen erforderlich sein."

Behörden bleiben skeptisch

Die Europäische Arzneimittelbehörde hatte sich zuletzt skeptisch gegenüber einer Entscheidung für Auffrischungsimpfungen gezeigt. Dazu gebe es noch nicht genug Daten, erklärte sie vor einigen Wochen. Hintergrund war ein Vorstoß des US-Unternehmens Biontech/Pfizer. Der Konzern hatte mitgeteilt, eine dritte Impfung mit seinem Präparat könnte eventuell erforderlich werden. 

"Wie anhand der vom israelischen Gesundheitsministerium erhobenen Daten aus der praktischen Anwendung bereits deutlich wurde, sinkt die Schutzwirkung des Impfstoffs gegenüber Infektionen und symptomatischen Erkrankungen sechs Monate nach der zweiten Impfung", heißt es in der Pressemitteilung. Auf Basis der bisher vorliegenden Daten sei es wahrscheinlich, "dass eine dritte Dosis innerhalb von sechs bis zwölf Monaten nach der vollständigen Impfung erforderlich sein wird".

Die amerikanischen Zulassungsbehörden erteilten dem Vorhaben aber zunächst eine Abfuhr und auch die Europäische Arzneimittelagentur Ema sowie die WHO sahen zunächst keinen Handlungsbedarf. 

Elfmal mehr Antikörper?

Nun legte Biontech/Pfizer in einer neuen Studie nach. Dieser Analyse in Zusammenarbeit mit der Syracuse University in New York zufolge könnte eine dritte Impfung die Antikörper gegen die Delta-Variante um ein Elffaches erhöhen und zwar vor allem in der Altersgruppe zwischen 65 und 85 Jahren. Bei Personen zwischen 15 und 55 Jahren sei der Antikörperspiegel um das Fünffache gestiegen. Die Studie liegt bislang als Preprint vor und wurde noch nicht unabhängig begutachtet. 

Auch Astrazeneca hatte bereits eine mögliche dritte Impfung ins Spiel gebracht. Forscher der Universität Oxford, an der der Impfstoff entwickelt wurde, hatten Ende Juni erklärt, dass eine mit einem Abstand von sechs Monaten verabreichte dritte Dosis zu einem "erheblichen Anstieg" an Antikörpern führe und die Immunreaktion fördere.

Experten fordern bessere Datenlage

Experten beurteilen die Vorstöße der Unternehmen skeptisch. Der Immunologe Dr. Andreas Radbruch, Wissenschaftlicher Direktor des Deutschen Rheuma-Forschungszentrums Berlin lehnt sie sogar deutlich ab: "Es war zu erwarten, dass die Impfstoffhersteller versuchen, häufige Nachimpfungen zu empfehlen. Das ist gut fürs Geschäft", erklärte er t-online. "Diesen Einlassungen der Pharmalobbyisten kann ich nur energisch widersprechen." 

Radbruch empfiehlt, genau zu ermitteln, wer die Drittimpfung wirklich braucht – mit exemplarischen Antikörpermessungen, also etwa Antikörpertests bei Älteren. Von diesen Stichproben könnte dann abgeleitet werden, wer eine Boosterdosis braucht. "Fallen da besondere Gruppen auf, die bislang eine schlechte Immunantwort entwickelt haben, sollten diese Menschen nachgeimpft werden."

Gesundheitsministerium plant für dritte Impfung

Auch der niedersächsische Hausärzteverband hält den Vorstoß der Gesundheitsministerin für verfrüht. Es gebe noch nicht ausreichend wissenschaftliche Daten darüber, ob vollständig Geimpfte schwer erkrankten, sagte Vizechef Jens Wagenknecht. Wenn Todesfälle und schwere Erkrankungen durch die bestehende Immunisierung verhindert werden könnten, könne man möglicherweise auf die Auffrischung verzichten. Zudem müsse man die Empfehlung der Ständigen Impfkommission abwarten.

Dennoch laufen in Deutschland die Vorbereitungen für eine dritte Impfung. Anfang Juli erklärte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), "Richtung Herbst, Winter" genug Impfstoff für mögliche Drittimpfungen zur Verfügung zu stellen. "Wir werden ausreichend Impfstoff haben, um für alle Empfehlungen gewappnet zu sein."

Verwendete Quellen:

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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