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Umstrittene Corona-Studie: Lockdown in Europa hat kaum Leben gerettet?


Erster Corona-Lockdown hat kaum Leben gerettet?

  • Melanie Rannow
Von Melanie Rannow

Aktualisiert am 03.02.2022Lesedauer: 2 Min.
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Covid-Station (Symbolbild): Forscher haben ermittelt, durch welche Maßnahmen die Anzahl der Corona-Toten verringert werden konnte.
Covid-Station (Symbolbild): Forscher haben ermittelt, durch welche Maßnahmen die Anzahl der Corona-Toten verringert werden konnte. (Quelle: UIG/imago-images-bilder)
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Forscher aus den USA haben herausgefunden, dass die Zahl der Covid-Toten durch einen harten Lockdown nur geringfügig zurückgegangen ist. Experten bewerten die Studie mittlerweile als kritisch.

Der harte Lockdown während der ersten Corona-Welle hat in den USA und Europa so gut wie keine Leben gerettet. Das haben Wissenschaftler der Johns-Hopkins-Universität in einer Meta-Studie herausgefunden. Sie hatten mehr als 18.000 weltweite Studien zu den Folgen der Pandemie ausgewertet und nur die herausgefiltert, die sich mit der Übersterblichkeit beschäftigen.


Omikron-Variante: Was wir bisher wissen

Seit November 2021 ist die Omikron-Virus-Variante bekannt. Erstmals nachgewiesen wurde sie in Südafrika. Mittlerweile dominiert Omikron das Pandemiegeschehen weltweit.
Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat Omikron als "besorgniserregend" eingestuft. Diese Klassifizierung ist ein Signal, dass eine Variante ansteckender ist oder zu schwereren Krankheitsverläufen führt. Außerdem besteht bei "besorgniserregenden Varianten" die Gefahr, dass herkömmliche Impfungen oder Medikamente weniger wirksam sind.
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Der Analyse zufolge hatten die Abriegelungsmaßnahmen in den USA und in Europa nur geringe oder gar keine Auswirkungen auf die Zahl der Todesfälle durch Covid-19. Der harte Lockdown mit Ausgangsbeschränkungen verringerte während der frühen Phase der Pandemie im Jahr 2020 die Covid-19-Sterblichkeit um etwa 0,2 Prozent, so das Ergebnis der umfassenden Überprüfung.

"Wir finden keine Beweise dafür, dass Abriegelungen, Schulschließungen, Grenzschließungen und die Einschränkung von Versammlungen einen spürbaren Einfluss auf die Covid-19-Sterblichkeit hatten", schreiben die Forscher in ihrem Bericht.

Deutlich effektiver: Masken und Restaurantschließungen

Einen deutlichen Effekt hatten demnach aber Masken für Mitarbeiter in Betrieben oder Geschäften. Sie haben die Zahl der Toten um knapp 24 Prozent reduziert. Auch durch das Schließen von Bars und Restaurants starben 15 Prozent weniger Menschen.

Die Kontaktbeschränkungen, derentwegen sich nur wenige Menschen treffen durften, haben gerade einmal drei Prozent gerettet. Kaum effektiv waren zudem die geschlossenen Schulen mit 0,1 Prozent weniger Toten sowie die geschlossenen Grenzen. Hier konnten die drei Ökonomen überhaupt keine Auswirkungen messen.

Das Fazit der Forscher lautet: Die Wirkung von Lockdowns sei gering bis nicht vorhanden. "Abriegelungsmaßnahmen sind unbegründet und sollten als pandemiepolitisches Instrument abgeschafft werden." Lockdowns hätten dazu beigetragen, "die Wirtschaftstätigkeit zu verringern, die Arbeitslosigkeit zu erhöhen, die Schulbildung zu verringern, politische Unruhen zu verursachen, zu häuslicher Gewalt beizutragen und die liberale Demokratie zu untergraben", zählen die Autoren auf.

Lockdown-Studie von Ökonomen stößt bei Experten auf Skepsis

Der Virologe Klaus Stöhr äußerte sich bei Twitter zur Studie und machte darauf aufmerksam, dass allgemeingültige Schlussfolgerungen bei Meta-Analysen schwierig seien.

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Auch aus Sicht des Leiters des Instituts für Versorgungsforschung und Klinische Epidemiologie an der Universität Marburg, Max Geraedts, ist die Kernaussage, Lockdowns verhinderten keine oder kaum Todesfälle, "so nicht haltbar".

Ihr Papier bezeichnen die Autoren Jonas Herby, Lars Jonung und Steve H. Hanke als sogenannte Meta-Studie, die als eine Art Überblick die Daten von rund 30 Einzelstudien und Arbeitspapieren zusammenfasse. Es gebe eine Fülle wissenschaftlich qualitativ wesentlich hochwertiger Studien, "die aber auf der Basis der von den Autoren gewählten Auswahlkriterien nicht berücksichtigt wurden", teilte Geraedts mit.

Der Ökonom Andreas Backhaus von der Ludwig-Maximilians-Universität München analysiert, dass einige der untersuchten Einzelstudien "nicht übermäßig überzeugend" seien. Sie erhielten "in der Meta-Analyse jedoch ein sehr hohes Gewicht, treiben also das Gesamtergebnis", twitterte er über das US-Papier.

Die Studie ist zudem nicht in einem begutachteten Fachjournal erschienen, sondern auf einer Institutsplattform von einem der Autoren. "Dadurch umgehen die Autoren die Begutachtung durch Fachleute (Peer Review), eine der wichtigsten Maßnahmen zur Qualitätssicherung in der Wissenschaft", teilte der Virologe Friedemann Weber von der Universität Gießen mit.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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Verwendete Quellen
  • Johns-Hopkins-Universität: "A literature review and meta-analysis of the effects of lockdowns on Covid-19-mortality"
  • Eigene Recherche
  • Nachrichtenagentur dpa
  • Twitterprofil Klaus Stöhr
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Von Laura Stresing, Cem Özer, Sandra Simonsen
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