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So undurchsichtig sind die aktuellen Corona-Daten

  • Sandra Simonsen
Von Sandra Simonsen

Aktualisiert am 15.07.2022Lesedauer: 4 Min.
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach: In einem Interview erklärte er, die Dunkelziffer der Corona-Zahlen sei etwa doppelt so hoch wie die offiziellen Zahlen.
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach: In einem Interview erklärte er, die Dunkelziffer der Corona-Zahlen sei etwa doppelt so hoch wie die offiziellen Zahlen. (Quelle: Political-Moments/imago-images-bilder)
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Offiziell liegt die Inzidenz in Deutschland bei rund 700. Der Gesundheitsminister spricht von einer Dunkelziffer von 1.400. Wie kommen die Zahlen zustande?

Das Wichtigste im Überblick


  • Die Corona-Inzidenz: Wie sicher ist der Wert?
  • PCR-Tests und Selbsttests: Wer zählt überhaupt noch für die Statistik?
  • Die Impfquote: Wie viele Menschen sind wirklich geimpft?
  • Die Zahlen aus den Krankenhäusern: Wie "mild" verläuft das Virus tatsächlich?

"Eine Durchseuchung gibt es nicht", erklärte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach am Donnerstag im Interview mit dem "Spiegel". Aber es gebe eine hohe Dunkelziffer und vermutlich rund 1.400 oder 1.500 Corona-Fälle pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche – offiziell gemeldet werden derzeit nur etwas mehr als 700.


Corona: Auf diese Impfreaktionen sollten Sie sich einstellen

Wie bei jeder anderen Impfung auch kann es nach der Verabreichung der Corona-Impfstoffe zu Impfreaktionen und anderen Nebenwirkungen kommen. Von diesen Beschwerden berichten Betroffene am häufigsten.
Die häufigste Impfreaktion sind Schmerzen und Rötungen an der Einstichstelle – auch als "Covid-Arm" bekannt.
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Doch wie entstehen diese Zahlen, wie viele Menschen lassen sich überhaupt noch offiziell testen? Und wie steht es um die Impfquoten?

Die Corona-Inzidenz: Wie sicher ist der Wert?

Aktuell stagnieren die Corona-Infektionszahlen in Deutschland seit rund zwei Wochen – die Sommerwelle scheint kleiner auszufallen als befürchtet. Zurzeit (Stand: 15. Juli 2022) liegt die Sieben-Tage-Inzidenz in Deutschland bei 719,2 Infizierten pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche.

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Es zeigt sich allerdings: Basierend auf den Daten im ambulanten Bereich bleibt die Zahl der Arztbesuche wegen akuter Atemwegserkrankungen auch in Kalenderwoche 27 mit 1,2 Millionen (rund 1.500 Arztbesuche pro 100.000 Einwohner) auf einem für die Jahreszeit deutlich erhöhten Niveau.

Von diesen Arztbesuchen erhalten etwa 28 Prozent die Diagnose Covid-19, was etwa 360.000 Patienten entspricht. Das stimmt laut RKI gut mit den SARS-CoV-2 Proben in der virologischen Stichproben-Erhebung überein. In diesem Bereich sind etwa 26 Prozent der Proben positiv. Daraus ergibt sich eine Gesamtinzidenz von etwa 1.000 bis 1.600 Erkrankten pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche und damit eine Zahl von rund 800.000 bis 1,3 Millionen derzeit mit SARS-CoV-2 Infizierten mit Symptomen.

Das sind deutlich mehr, als nur über die Meldesysteme für die Inzidenz von rund 700 gezählt werden. Die Dunkelziffer scheint also weiterhin hoch zu sein, was auch die Aussage Lauterbachs unterstreicht.

PCR-Tests und Selbsttests: Wer zählt überhaupt noch für die Statistik?

Mittlerweile sind Corona-Tests nicht mehr für jeden kostenlos, und auch der Zugang zu ihnen wurde durch die Schließung zahlreicher Testzentren erschwert. So steigt voraussichtlich auch die Zahl derer, die zwar Symptome und einen positiven Selbsttest haben, dies aber nicht per PCR bestätigen lassen.

Diese Infizierten tauchen schließlich in keiner offiziellen Statistik mehr auf. Gleiches gilt natürlich für jene, die ohne Symptome infiziert sind und sich ohnehin nicht testen lassen.

Allerdings ist auch die Zahl der Testungen in der vergangenen Woche weiter gestiegen. Gab es in der Kalenderwoche 24 noch rund 709.000 Corona-Testungen, sind es in der aktuellen Kalenderwoche 27 bereits fast 915.000. Positiv getestet wurden davon zudem mehr als die Hälfte (53,7 Prozent) mit rund 491.000.

Der Positivanteil der Testungen lag lange Zeit deutlich unter diesem Wert: vor einem Monat etwa noch bei rund 45 Prozent. In den Wochen davor war sogar nur etwa ein Drittel der Tests positiv. Vom RKI wird zudem betont: "Die Erfassung (der Testzahlen) liefert Hinweise zur aktuellen Situation in den Laboren, erlaubt aber keine detaillierten Auswertungen oder direkten Vergleiche mit den gemeldeten Fallzahlen."

Ein positiver Schnelltest sollte daher in jedem Fall immer durch einen PCR-Test bestätigt werden, um die Zahlen nicht weiter zu verfälschen. Doch auch die Hürden zum PCR-Test wurden deutlich erhöht, sodass nicht zu erwarten ist, dass sich die Verlässlichkeit der Zahlen in diesem Bereich verbessert.

Die Impfquote: Wie viele Menschen sind wirklich geimpft?

Offiziell sind mittlerweile mehr als 64,7 Millionen Menschen in Deutschland mindestens einmal gegen das Coronavirus geimpft worden. Das entspricht rund 78 Prozent der Gesamtbevölkerung. 63,4 Millionen Menschen (76,2 Prozent) sind grundimmunisiert und 51,4 Millionen Menschen (61,8 Prozent) haben eine dritte Impfung bekommen.

Zusätzlich wurden bereits 6,2 Millionen Menschen (7,5 Prozent) zum vierten Mal geimpft. Trotzdem gibt es noch mehr als 18 Millionen Menschen in Deutschland, die ungeimpft sind. Vier Millionen von ihnen sind Kinder unter fünf Jahren, für die es noch keinen zugelassenen Impfstoff gibt.

Gemäß der Impfverordnung sind alle Impfdaten täglich dem Robert Koch-Institut zu melden. Dafür gibt es unterschiedliche Meldeportale, die die Leistungserbringer, also Impfärzte, Impfteams und Impfzentren, nutzen können. Dabei gibt es natürlich eine menschliche Fehlerquelle, wenn einzelne Ärzte oder Impfteams oder Zentren beispielsweise Impfungen nicht dokumentieren oder nicht melden.

Auch regional gibt es Verschiebungen, wenn bei einer Impfung der Ort der impfenden Stelle registriert wird, nicht aber der Wohnort der geimpften Person. Es kann somit vor allem in Grenzgebieten zwischen Bundesländern zu einer falschen Zuordnung kommen.

Ein weiteres Problem ist durch die Impfungen mit dem Impfstoff von Johnson & Johnson entstanden: Alle bis zum 26. Januar 2022 von den Vertragsärzten gemeldeten sogenannten Janssen-Impfungen wurden ausschließlich als Zwei-t beziehungsweise erste Auffrischimpfungen gemeldet. Es ist unklar, wie viele tatsächliche Erst- oder Zweitimpfungen darunter waren. So wird die Impfquote der Grundimmunisierten systematisch zu hoch ausgewiesen.

Die Zahlen aus den Krankenhäusern: Wie "mild" verläuft das Virus tatsächlich?

Die Hospitalisierungsinzidenz steigt derzeit anders als die generelle Inzidenz wieder stärker an: Am 15. Juli liegt sie bei 6,73 hospitalisierten Covid-Patienten pro 100.000 Einwohner. Vor zwei Wochen, am 1. Juli, lag sie noch bei 5,54.

Ähnlich sieht es auf den Intensivstationen aus: Für den 14. Juli 2022 wurden von rund 1.300 Krankenhäusern mehr als 1.200 Corona-Intensivpatienten gemeldet. Vor rund einem Monat waren es nur etwa 630, seitdem steigen die Zahlen kontinuierlich an.

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Noch ist die Lage allerdings weit von den Höhepunkten der Corona-Pandemie im Dezember 2020 sowie 2021 entfernt, als mehr als 5.000 Menschen mit Covid-19 auf den Intensivstationen behandelt werden mussten. Trotzdem kommt es in einigen Bundesländern schon jetzt zu Versorgungsengpässen.

Allerdings: Auch bei der Hospitalisierungsinzidenz sowie den Zahlen aus den Intensivstationen gibt es Ungenauigkeiten. Das liegt unter anderem daran, dass Covid-Patienten häufig erst einige Tage nach dem Meldedatum ihrer Erkrankung auch ins Krankenhaus aufgenommen werden müssen.

Zudem werden die Fälle händisch gemeldet. In einigen Fällen ist nicht eindeutig, ob der Patient wegen Covid-19 behandelt werden muss oder wegen einer Vorerkrankung, die sich durch Covid-19 verschlechtert. Und: Auch regional kommt es zu Verschiebungen, weil ein Fall beispielsweise in Niedersachsen als Corona-Fall gezählt wird, allerdings in Bremen im Krankenhaus als hospitalisiert registriert wird.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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Von Christiane Braunsdorf
  • Sandra Simonsen
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