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Ja, die Redaktion hat fĂŒr diesen Ratgeberartikel alle relevanten Fakten recherchiert. Eine Beeinflussung durch Dritte findet nicht statt.

Mythen und Fakten rund um die Plazenta

t-online, Simone Blaß

Aktualisiert am 07.06.2022Lesedauer: 5 Min.
Schwangere bei einer Untersuchung: Die Plazenta versorgt das Baby wÀhrend der Schwangerschaft mit wichtigen NÀhrstoffen.
Schwangere bei einer Untersuchung: Die Plazenta versorgt das Baby wÀhrend der Schwangerschaft mit wichtigen NÀhrstoffen. (Quelle: Symbolbild/Zinkevych/Thinkstock by Getty-Images-bilder)
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Welche Aufgabe hat eigentlich die Plazenta? Welche BrÀuche gibt es rund um den Mutterkuchen? Und was ist eigentlich eine Lotusgeburt? Antworten gibt es hier.

Das Wichtigste im Überblick


  • Der Mutterkuchen kann nicht alle Schadstoffe filtern
  • Wie sieht eine Plazenta aus?
  • Die Nachgeburt ist wichtig
  • Plazenta praevia: Eine Fehllage der Plazenta muss gut beobachtet werden

Über die Plazenta wird das Kind im Mutterleib mitversorgt. Sie filtert zudem Giftstoffe und Keime aus dem mĂŒtterlichen Blut. Was Sie sonst noch ĂŒber den Mutterkuchen wissen sollten, lesen Sie hier.

Diese Funktion hat die Plazenta

Die Plazenta bildet sich bei Beginn der Schwangerschaft. Bestehend aus mĂŒtterlichem, aber auch embryonalem Gewebe, ist dieses Organ zehn Monate lang eine Lebensquelle fĂŒr das Baby. Der Mutterkuchen, dessen Form tatsĂ€chlich ein bisschen wie ein Kuchen aussieht, versorgt das Ungeborene ĂŒber die Nabelschnur mit Sauerstoff und Nahrung.

Er dient als natĂŒrliche Schranke zwischen dem mĂŒtterlichen und dem kindlichen Blutkreislauf und verhindert, dass bestimmte Schadstoffe und Krankheitserreger von der Mutter zum Kind gelangen. ZusĂ€tzlich werden durch die Plazenta Stoffwechselprodukte entsorgt und Hormone produziert. Manche Krankheiten, aber auch das Rauchen, können die Funktion der Plazenta stören. Dann wird von Plazentainsuffizienz gesprochen.

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Am Ende der Schwangerschaft ist die Plazenta, auch Nachgeburt genannt, etwa ein halbes Kilo schwer, zwei bis vier Zentimeter dick, schwammig und hat einen Durchmesser von 15 bis 20 Zentimetern.

Der Mutterkuchen kann nicht alle Schadstoffe filtern

Das embryonale Blut ist nur durch eine dĂŒnne Wand vom mĂŒtterlichen Blut getrennt. Was von der Natur durchaus sinnvoll gestaltet ist. Zum Beispiel dann, wenn Mutter und Baby unterschiedliche Blutgruppen haben oder verschiedene Rhesusfaktoren. Durch diese Plazentaschranke werden viele, aber lange nicht alle Gift- und Schadstoffe ausgefiltert, bevor sie zum Baby gelangen können.

Das erklĂ€rt, warum einige wenige Medikamente auch in der Schwangerschaft erlaubt sind, Alkohol aber nicht, da er diese Schranke ungehindert passieren kann. Und auch manche Bakterien und Viren schaffen es, sich durch die Membran zu drĂ€ngen. Rötelnviren zum Beispiel können bei nicht ausreichendem Impfschutz der Mutter ĂŒber die Plazenta zum ungeborenen Kind gelangen. Was schlimme Folgen haben kann.

So ist die Plazenta aufgebaut

Plazenta: In dem intervillösen Raum zwischen Chorionplatte und Basalplatte befinden sich die ZottenbÀume.
Plazenta: In dem intervillösen Raum zwischen Chorionplatte und Basalplatte befinden sich die ZottenbÀume. (Quelle: UIG/imago-images-bilder)

Die Plazenta besteht aus der Chorionplatte, einem intervillösem Raum mit ZottenbĂ€umen und der Basalplatte. Die Chorionplatte ist der Bereich der Plazenta, der aus der Anlage des Embryos entspringt. Die Basalplatte hingegen ist der ĂŒberwiegend mĂŒtterliche Anteil der Plazenta, sie bildet sich aus Zellen der GebĂ€rmutterschleimhaut. Der Raum zwischen den beiden Platten ist mit mĂŒtterlichem Blut gefĂŒllt; in diesen ragen die sogenannten Zotten hinein.

Wie sieht eine Plazenta aus?

Ein Mutterkuchen, bei dem alles in Ordnung ist, erinnert optisch ein wenig an frische Leber. Doch nicht immer sieht die Plazenta so aus, wie sie aussehen soll. Es kann zu Verkalkungen des Gewebes kommen, sie kann Löcher haben oder an sich ungĂŒnstig aufgebaut sein. All dies ist nicht ungefĂ€hrlich fĂŒr das ungeborene Kind. Die Plazenta ist Eigentum der Eltern – und die können damit machen, was sie wollen.

Die Nachgeburt ist wichtig

Ist das Baby erst einmal da, ist fĂŒr die meisten Frauen die Geburt vorbei. Bei ihrem ersten Kind sind sie dann oft ĂŒberrascht, dass auch die Plazenta noch geboren werden muss und auch das durchaus noch mal schmerzhaft sein kann. Bei der Nachgeburt werden der Mutterkuchen, die Reste der durchschnittenen Nabelschnur sowie die EihĂ€ute vom mĂŒtterlichen Körper abgestoßen. Zwei Signale zeigen den Geburtshelfern, dass sich die Lösung der Plazenta ankĂŒndigt: zum einen erneute Wehen und zum anderen der Drang zu pressen.

Der Mutterkuchen löst sich von der GebĂ€rmutterwand und gleitet, wenn alles gut lĂ€uft, durch den Geburtskanal heraus. Wobei die Hebamme hier oft ein wenig nachhilft, zum Beispiel durch Druck auf den Bauch. FĂŒr die Geburtshelfer ist der Zustand des Mutterkuchens sehr aussagekrĂ€ftig, er wird daher grĂŒndlich untersucht. Wird die Plazenta zum Beispiel nicht vollstĂ€ndig ausgeschieden, dann kommt es zu starken, nicht stillbaren Blutungen und es muss eine Ausschabung gemacht werden. Ist der Mutterkuchen angewachsen, wird in der medizinischen Fachsprache von "Placenta accreta" gesprochen.

Was passiert nach der Geburt mit der Plazenta?

Nach der Entbindung in einer Klinik wird die Plazenta dort entsorgt, wenn die frischgebackene Mutter keine AnsprĂŒche daran erhebt. Dass Eltern die Plazenta gerne nach der Geburt mit nach Hause nehmen möchten, um spĂ€ter darauf ein "LebensbĂ€umchen" zu pflanzen, ist in Deutschland nicht ungewöhnlich. Auch in anderen Kulturen gibt es zahlreiche BrĂ€uche rund um den Mutterkuchen.

Völkerkundler wissen lĂ€ngst, dass die Plazenta schon seit Jahrtausenden einen besonderen Stellenwert quer durch die Kulturen hat. Die so genannten "Nachgeburtsbestattungen" waren in Ägypten genauso ĂŒblich wie in Australien, China oder eben in unseren Gefilden. Der Grund fĂŒr diese BrĂ€uche ist die Vermutung, dass in der Plazenta ein StĂŒck der menschlichen Seele verbleibt: ein geistiger Zwilling sozusagen – und man mit diesem achtsam umgehen mĂŒsse.

Plazentophagie: Plazenta essen?

Etwas ungewöhnlich ist ein Brauch, der immer mehr um sich zu greifen scheint: das rituelle Verspeisen der Plazenta, das durchaus auch Vegetarier machen. Rezepte von der Plazenta-Lasagne bis hin zum Mutterkuchen im wahrsten Sinne des Wortes finden sich im Internet reichlich. Das Essen der Plazenta soll viele Vorteile mit sich bringen, die allerdings wissenschaftlich nicht belegt sind. Mehr zu diesem Ritual, das Kritikern zufolge ungesund ist, lesen Sie hier.

Plazenta als Kosmetikprodukt und homöopathisches Mittel

Auch im Bereich der Körperpflege wird der Plazenta eine besondere Kraft zugeschrieben. So waren von den 1960ern bis Anfang der 1980er Jahre Kosmetikprodukte mit Plazentasubstanz "in". Man hoffte auf die verjĂŒngende Wirkung der Wachstumshormone und Cremes mit Namen wie Hormocenta oder noch eindeutiger Placentubex fehlten in kaum einem Spiegelschrank. Mit dem Auftreten von AIDS verschwanden diese Produkte vom Markt.

Und dann gibt es da auch noch Plazentanosoden, aus den Zellen der GebÀrmutter hergestellte homöopathisch aufbereitete Mittel. Meist werden sie in Form von Globuli genutzt, die man sich aus dem eigenen Mutterkuchen machen lassen kann und die spÀter dem Kind homöopathisch beste Dienste leisten sollen oder auch als Mutterfett oder als vielseitig einsetzbares Plazentapulver.

Lotusgeburt: Die Plazenta bleibt mit dem Baby verbunden

Eine Lotusgeburt bezeichnet die Praxis, nach der Entbindung die Nabelschnur mitsamt der Plazenta am Kind zu belassen, bis sie von allein abfĂ€llt. Die natĂŒrliche Abnabelung dauert in der Regel drei bis zehn Tage. AnhĂ€nger dieses Vorgehens sind der Meinung, dass das natĂŒrliche Abfallen der Nabelschnur weniger traumatisch ist als das ĂŒbliche Abklemmen der Schnur.

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Bei einer Lotusgeburt wird die Plazenta von der Hebamme nach der Geburt gewaschen und in ein Tuch gewickelt. Im Anschluss wird sie mehrmals tĂ€glich mit Salz bestreut und mit Ă€therischen Ölen oder KrĂ€utern eingerieben. Dies soll der Konservierung dienen.

Da eine Lotusgeburt eine Infektionsgefahr birgt, sollte sie immer von einer erfahrenen Hebamme begleitet werden. Kliniken bieten diese Art der Entbindung in der Regel nicht an.

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Plazenta praevia: Eine Fehllage der Plazenta muss gut beobachtet werden

Wenn alles so lĂ€uft, wie es soll, dann nistet sich die befruchtete Eizelle und damit auch die daraus entstehende Plazenta im oberen Teil des Uterus ein. Manchmal an der Vorder-, manchmal an der RĂŒckwand. Beides ist völlig normal, hat nur zur Folge, dass man das Kind etwas frĂŒher oder spĂ€ter spĂŒrt. Bei einer von 200 Schwangeren kommt es aber zu einer ungĂŒnstigen Lage. GrĂŒnde dafĂŒr können bereits durchgefĂŒhrte Kaiserschnitte oder Ausschabungen sein, Operationen an der GebĂ€rmutter, aber auch eine rasche Schwangerschaftsfolge oder frĂŒhere Fehlgeburten.

Eine Fehllage des Mutterkuchens nennt man Placenta praevia, wobei die Fachleute hier noch einmal vier Unterteilungen vornehmen, je nach Sitz. Von einer Plazenta praevia spricht man aber erst nach der 24. Schwangerschaftswoche, denn bis dahin ist ein Wachsen nach oben noch durchaus möglich. Passiert das nicht, so kann die Schwangerschaft trotzdem einen relativ problemlosen Verlauf nehmen. Allerdings mit engmaschigerer Überwachung und einem Kaiserschnitt.

StĂŒrzt eine Frau wĂ€hrend der Schwangerschaft oder erleidet sie einen Schlag auf den Bauch, dann kann sich die Plazenta vorzeitig ablösen. Es handelt sich dann um einen lebensgefĂ€hrlichen Notfall.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dĂŒrfen nicht verwendet werden, um eigenstĂ€ndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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Von Melanie Rannow
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