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FĂŒr diesen Beitrag haben wir alle relevanten Fakten sorgfĂ€ltig recherchiert. Eine Beeinflussung durch Dritte findet nicht statt.

Gibt es den optimalen Altersabstand zwischen Geschwistern?

t-online, Simone Blaß

Aktualisiert am 30.06.2019Lesedauer: 5 Min.
Geschwister: Es kommt besonders hĂ€ufig zu Konflikten zwischen Geschwistern, wenn sie altersmĂ€ĂŸig sehr nah beieinander sind.
Geschwister: Es kommt besonders hĂ€ufig zu Konflikten zwischen Geschwistern, wenn sie altersmĂ€ĂŸig sehr nah beieinander sind. (Quelle: FluxFactory/getty-images-bilder)
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Viele Entwicklungspsychologen sind der Ansicht, der perfekte Altersabstand zwischen Geschwistern liege bei drei Jahren. Daran halten sich die Deutschen auch. Im Durchschnitt kommt das zweite Kind 3,3 Jahre nach dem ersten. Doch beruflich und gesellschaftlich bedingt werden immer öfter andere AltersabstÀnde geplant.

Bei ihrem ersten Kind sind MĂŒtter heute durchschnittlich Anfang dreißig. Der Anteil der ĂŒber VierzigjĂ€hrigen steigt dabei seit vier Jahrzehnten kontinuierlich an. Kein Wunder, dass eine Frau in Deutschland durchschnittlich lediglich 1,59 Kinder (im Jahr 2018) bekommt. Wer ĂŒber vierzig zwei oder mehr Kinder möchte, der muss sich nĂ€mlich beeilen. HĂ€ufig klappt es dann nicht mehr und das hat Folgen fĂŒr die Institution Familie.

Kollektiver Verlust von Geschwistern

Der Berliner Psychoanalytiker Horst Petri kritisiert diese Entwicklung. In seinem Buch "Geschwister – Liebe und RivalitĂ€t" beklagt er, dass dieser "kollektive Verlust von Geschwistern das Ende einer Kultur" einlĂ€ute. In erster Linie einer Streitkultur. Denn Streit und Eifersucht lassen sich in keiner Alterskonstellation vermeiden.

Dabei erfĂŒllen sie einen wichtigen Sinn. Die lĂ€stige Zankerei hilft dabei, wichtige soziale FĂ€higkeiten einzuĂŒben und ein GefĂŒhl fĂŒr Gerechtigkeit zu entwickeln. Je nĂ€her die Kinder beieinander sind, desto mehr wird ihrerseits darauf geachtet, dass sie auch ja nicht zu kurz kommen. Und desto grĂ¶ĂŸer ist auch die Aufgabe der Eltern, beiden Kindern im wahrsten Sinne des Wortes gerecht zu werden.

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Es spricht viel fĂŒr einen geringen Altersabstand

Die GeburtenabstÀnde werden in Deutschland erst seit 2009 wirklich nachgewiesen. Trends lassen sich also noch nicht ausmachen, aber Tendenzen. Wie die zu einem geringen Altersabstand. Zwar werden nur 0,6 Prozent aller Kinder vor dem ersten Geburtstag des Kronprinzen beziehungsweise der Kronprinzessin geboren. Aber immerhin 17,7 Prozent bis zu deren zweiten Geburtstag.

"Meine Kinder wachsen gemeinsam auf"

Michaelas Kinder sind vier und fĂŒnf Jahre alt. FĂŒr sie liegen die Vorteile auf der Hand: "Meine Kinder wachsen gemeinsam auf, haben Ă€hnliche Entwicklungsschritte und altersentsprechend auch gleiche Interessen. Sie spielen viel miteinander", meint die gelernte Bankkauffrau. "Wenn ich da andere Familien sehe, wie die immer wieder versuchen, alles unter einen Hut zu bekommen, weil die Älteren dies wollen oder nicht mehr wollen und die Kleinen das brauchen – diese Probleme haben wir nicht. Ich stelle es mir auch spĂ€ter einfacher vor, zum Beispiel in der PubertĂ€t."

Doch es könnte sein, dass sie zu optimistisch ist, warnt der Geschwisterforscher Hartmut Kasten. Es kommt besonders hĂ€ufig zu Konflikten zwischen Geschwistern, wenn sie altersmĂ€ĂŸig sehr nah beieinander sind: Sie stehen in starker Konkurrenz zueinander und streiten oft um die Aufmerksamkeit und Zuwendung ihrer Eltern – und um Freiraum. Denn viele unter ihnen leiden in ihrer Jugendzeit unter der entstandenen Symbiose. Vor allem, wenn sie gleichgeschlechtlich sind.

Altersabstand beeinflusst laut Studie jĂŒngere Geschwister

Laut einer britischen Studie von 2017 beeinflusst der Altersabstand von Geschwistern vor allem die Persönlichkeit der zweitgeborenen Kinder. Demnach wirkt sich der Einfluss umso negativer aus, je mehr Jahre zwischen der Geburt zweier Kinder liegen. Im Erwachsenenalter zeigten die Zweitgeborenen höhere Werte bei den Eigenschaften "Neurotizismus" und "desorganisiertes Verhalten", heißt es in der Zeitschrift "Psychologie Heute" (Ausgabe September 2017). Außerdem waren die Befragten umso introvertierter, je grĂ¶ĂŸer der Abstand zum Ă€lteren Geschwisterkind war.

Bei etwas geringeren AltersabstĂ€nden von zwei bis vier Jahren fiel den Forschern auf, dass die JĂŒngeren ein geringeres SelbstwertgefĂŒhl hatten und sich hĂ€ufiger antisozial verhielten. Diese Unterschiede wirkten sich aber nicht auf den Bildungserfolg oder die berufliche Laufbahn der JĂŒngeren aus.

Die Forscher nutzten fĂŒr die Studie Daten aus einer britischen Studie, fĂŒr die 17.000 Kinder mehrfach befragt wurden, die alle im April 1970 geboren worden sind. Um die Auswirkungen des Altersabstandes zu untersuchen, wĂ€hlten die Forscher 4.114 jĂŒngere Geschwister aus Familien mit zwei Kindern aus.

Nach einem Kaiserschnitt sollte man sich etwas Zeit lassen

Aber geringe AbstĂ€nde zwischen Geschwistern haben auch ihre negativen Seiten. Laut einem amerikanischen Vergleich von rund 70 Studien zum Thema gibt es Hinweise darauf, dass bei zu kurzem Abstand die FrĂŒhgeburtenrate erhöht und das Kindsgewicht verringert sein könnte. "Das kann ich so nicht bestĂ€tigen", sagt Mutter Michaela und schmunzelt. "Ich habe meine Kinder im Abstand von 14 Monaten bekommen. Als ich den frischgeborenen Leo im Arm hielt, habe ich gedacht, er sieht aus wie Nils mit sechs Wochen. Ich glaube, mein Bauchgewebe war einfach schon mal perfekt vorgedehnt, hat richtig Platz zum Wachsen geboten."

Wissenschaftler des amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention (CDC) haben in einer Studie herausgefunden, dass eine schnelle zweite Schwangerschaft das Risiko fĂŒr Autismus bei Neugeborenen erhöht. Demnach sei dies um 50 Prozent erhöht, wenn die zweite Schwangerschaft schneller als 18 Monate nach der ersten folgt. Ein zu großer Abstand ist der Untersuchung zufolge aber auch nicht gut: Auch eine zweite Schwangerschaft, die mehr als vier Jahre spĂ€ter erfolgt, bringe diesen Effekt mit sich.

Eine Nachfrage bei der Deutschen Gesellschaft fĂŒr GynĂ€kologie und Geburtshilfe hat ergeben, dass hierzulande FrauenĂ€rzte einen Mindest-Altersabstand von zwölf Monaten empfehlen, denn nur so könnten auch die NĂ€hrstoffspeicher wieder komplett aufgefĂŒllt werden. Trotzdem lĂ€sst man durchklingen, dass der Körper, sobald er wieder schwanger werden kann, auch in der Lage ist, das Kind auszutragen. Aus medizinischen GrĂŒnden spricht also hierzulande nichts dagegen, Kinder mit geringem Altersabstand zu bekommen.

Die NesthÀkchen sind auf dem Vormarsch

Eine ganz besondere und heute aufgrund der wachsenden Zahl von Patchworkfamilien immer hĂ€ufigere Konstellation sind NachzĂŒgler. "FĂŒr unsere Tochter war ihr acht Jahre jĂŒngerer Bruder wie eine lebendige Puppe. Sie hat ihn dauernd herumgeschleppt. Sie hat sehr verantwortungsvoll geholfen bei der SĂ€uglingspflege", erinnert sich JĂŒrgen.

Die fĂŒr die Eltern hier am schwierigsten zu meisternde Aufgabe ist es, die sehr unterschiedlichen BedĂŒrfnisse unter einen Hut zu bekommen. Das betrifft den Alltag, zum Beispiel dann, wenn das Ă€ltere Kind nachmittags Hilfe bei den Hausaufgaben braucht und das Kleine lautstark Aufmerksamkeit einfordert. Das betrifft aber auch die Wochenend- und Ferienplanung. Denn was fĂŒr das kleinere Geschwister genau das richtige wĂ€re, langweilt die Großen, und andersherum.

Die Autorin Susann Sitzler hat die Erkenntnisse der Geschwisterforschung in ihrem Buch "Geschwister – die lĂ€ngste Beziehung der Welt" zusammengefasst und kommt zu dem Schluss: "Erst wenn der Abstand zwischen zwei nacheinander folgenden Kindern mindestens fĂŒnf Jahre betrĂ€gt, sinkt der Druck, sich stĂ€ndig aneinander messen zu mĂŒssen. Gleichzeitig ist die Beziehung dann auch weniger eng."

Ein großer Altersabstand hat auch seine Vorteile

Andererseits kann man gerade bei Kindern mit großem Altersabstand hĂ€ufig etwas ganz Besonderes beobachten. So wie bei dem 14-jĂ€hrigen Leo und seiner dreijĂ€hrigen Schwester Luzy. "Manchmal denke ich, er lebt mit Luzy noch mal etwas aus, was ihm sonst seine Coolness verbieten wĂŒrde. FĂŒr Luzy ist er der Tollste. Wenn er sie mal aus dem Kindergarten abholt, dann strahlt sie vor Stolz. Bei ihm fĂŒhlt sie sich sicher und geborgen. Von ihm kann sie spannende Dinge lernen, die es sonst hier nicht gĂ€be", sagt Mutter Astrid. Den grĂ¶ĂŸten Vorteil am NachzĂŒgler sieht sie darin, dass man entspannter ist: "Luzy ist unser aller Genießerkind. Bei ihr sehen wir alles viel lockerer als bei ihren großen BrĂŒdern damals."

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Die Geschwisterbeziehung wird von vielen Faktoren bestimmt

Letztendlich ist es egal, welchen Altersabstand man selbst oder das Leben fĂŒr einen wĂ€hlt, die optimale Konstellation gibt es nicht. Dazu ist die Geschwisterbeziehung zu sehr abhĂ€ngig von anderen Faktoren, so Psychoanalytiker Horst Petri. "Es ist die Einheit biologischer, seelischer und sozialer Zusammengehörigkeit, die sich von jeder anderen Beziehung unterscheidet". Und sie dadurch zu etwas Besonderem macht.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dĂŒrfen nicht verwendet werden, um eigenstĂ€ndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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Von Dorothee Menhart
Von Wiebke Posmyk
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