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Viele Vorschriften der EnEV 2014 sind gar nicht bekannt

t-online, rw

Aktualisiert am 12.05.2014Lesedauer: 4 Min.
Viele NachrĂŒstpflichten der EnEV 2014 sind den meisten Hausbesitzern offenbar gar nicht bekannt.
Viele NachrĂŒstpflichten der EnEV 2014 sind den meisten Hausbesitzern offenbar gar nicht bekannt. (Quelle: Rainer Weisflog/imago-images-bilder)
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Die Energieeinsparverordnung (EnEV) 2014 verschĂ€rft die energetischen Anforderungen an Neubauten und BestandsgebĂ€ude. Viele Bauherren und Hausbesitzer mĂŒssen nun investieren, damit ihr Haus den neuen Regelungen gerecht wird. Doch ein Großteil der betroffenen Immobilienbesitzer weiß gar nichts von seinen NachrĂŒstpflichten. Dabei drohen bei Nichtbeachtung empfindliche Geldbußen. Diese Vorschriften der EnEV 2014 sollten Bauherren und Hausbesitzer kennen.

Die neue EnEV 2014 ist seit dem 1. Mai in Kraft. Doch offenbar wissen viele Hausbesitzer ĂŒberhaupt nicht, dass sie bis Ende 2015 in eine neue Heizung oder eine verbesserte WĂ€rmedĂ€mmung investieren mĂŒssen.

Viele Hausbesitzer kennen die NachrĂŒstpflichten der EnEV 2014 nicht

Zu diesem Ergebnis kommt die reprĂ€sentative Studie "Marktmonitor Immobilen 2014". Im Auftrag des Immobilienportals Immowelt hat ein Team der Hochschule fĂŒr Wirtschaft und Umwelt NĂŒrtingen-Geislingen um Studienleiter Professor Stephan Kippes unter anderem 466 zufĂ€llig ausgewĂ€hlte Makler, BautrĂ€ger und andere Immobilienspezialisten in ganz Deutschland befragt. Das Ergebnis: 76 Prozent der deutschen Makler gab an, dass ihre Kunden nicht ĂŒber die NachrĂŒstpflichten Bescheid wissen.

EnEV 2014 verbietet den Betrieb vieler alter Heizungen

Zumindest eine der beiden wichtigsten Neuerungen fĂŒr BestandsgebĂ€ude – die Austauschpflicht fĂŒr alte Heizungen und die PrĂ€zisierungen der Pflicht zur WĂ€rmedĂ€mmung der obersten Geschossdecke – dĂŒrfte auch einen Großteil der Unwissenden betreffen. "Standardheizkessel, die mit flĂŒssigen oder gasförmigen Brennstoffen betrieben werden, mĂŒssen kĂŒnftig ausgetauscht werden, wenn sie Ă€lter als 30 Jahre sind", erklĂ€rt die Verbraucherzentrale (VZ) Energieberatung. Stichtag ist der 1. Januar 2015. Heizungen, die vor 1985 eingebaut wurden, mĂŒssen bis dahin ausgetauscht werden.

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FĂŒr Besitzer eines Ein- und Zweifamilienhauses, die auch selbst in diesem wohnen, gilt die Pflicht jedoch nur, wenn das Haus ab 2002 bezogen wurde, erklĂ€rt die VZ. Weitere Ausnahmen von der Austauschpflicht macht die EnEV fĂŒr Niedertemperatur-Heizkessel, Brennwertkessel und Heizkessel, deren Nennleistung unter 4 oder ĂŒber 400 Kilowatt liegen. Solche Anlagen genießen Bestandsschutz und dĂŒrfen weiter betrieben werden.

EnEV 2014 definiert klaren Grenzwert fĂŒr die WĂ€rmedĂ€mmung der obersten Geschossdecke

Zwar verpflichtete schon die EnEV 2009 Hausbesitzer, das Dach oder die oberste Geschossdecke zu dĂ€mmen. Sie ließ aber weitreichende InterpretationsspielrĂ€ume offen, wann ein Dach oder eine Geschossdecke vor dem Gesetz als gedĂ€mmt gilt. Damit ist nun Schluss: Nach dem 31. Dezember 2015 mĂŒssen die oberste Geschossdecke oder das darĂŒber liegende Dach so gedĂ€mmt sein, dass ein WĂ€rmedurchgangskoeffizient (U-Wert) von 0,24 nicht ĂŒberschritten wird.

"An diese Nachpflicht sollten sich EigentĂŒmer halten", mahnt Gerold Happ, Rechtanwalt beim EigentĂŒmerverband "Haus & Grund" auf den Verbandswebseiten. "Denn im Gegensatz zu frĂŒher stellt die Missachtung dieser Vorgaben eine Ordnungswidrigkeit dar, die unmittelbar mit einem Bußgeld in Höhe von bis zu 50.000 Euro geahndet werden kann." Es sind zwar erst einmal keine Kontrollen vorgesehen, aber Mieter könnten beispielsweise wegen zu hoher Energiekosten durch mangelnde DĂ€mmung klagen. Wer unsicher ist, ob Dach oder oberste Geschossdecke die gesetzlichen Anforderungen erfĂŒllen, solle dies von einem Fachmann prĂŒfen lassen. Am besten wenden sich Hausbesitzer dafĂŒr an einen unabhĂ€ngigen Energieberater, den zum Beispiel die Verbraucherzentralen auf Anfrage vermitteln.

Wer von den NachrĂŒstpflichten der EnEV 2014 befreit ist

So wie bislang bleiben Hausbesitzer von Ein- und ZweifamilienhĂ€usern von den NachrĂŒstpflichten befreit, wenn sie mindestens seit dem 1. Februar 2002 – also seit Inkrafttreten der ersten EnEV – selbst in ihrer Immobilie wohnen. Erst wenn der EigentĂŒmer wechselt – sei es durch einen Verkauf oder eine Erbschaft, mĂŒssen diese HĂ€user vom neuen Besitzer innerhalb von zwei Jahren nachgerĂŒstet werden.

Die Pflichten zum nachtrĂ€glichen DĂ€mmen der obersten Geschossdecke wie auch die DĂ€mmpflicht fĂŒr zugĂ€ngliche Heizungs- und Warmwasserleitungen, die schon die EnEV 2009 vorschrieb, stehen darĂŒber hinaus unter Amortisierungsvorbehalt. Sie mĂŒssen nur umgesetzt werden, "soweit die fĂŒr die NachrĂŒstung erforderlichen Aufwendungen durch die eintretenden Einsparungen innerhalb angemessener Frist erwirtschaftet werden können", wie es in der EnEV heißt. Gerichtsurteile zu energetischen Sanierungen halten meist einen Zeitraum von zehn Jahren fĂŒr angemessen.

Die EnEV 2014 soll den Energieausweis aufwerten

Neben den NachrĂŒstpflichten fĂŒr den GebĂ€udebestand sieht die EnEV 2014 auch einige Neuerungen beim Energieausweis vor. "Neu ausgestellte Energieausweise ordnen die Immobilie kĂŒnftig einer Energieeffizienzklasse von A+ bis H zu, wie man sie etwa von KĂŒhlschrĂ€nken kennt", so die VZ Energieberatung. "Diese Angabe muss bereits in der Anzeige fĂŒr Vermietung oder Verkauf einer Immobilie angegeben werden." SpĂ€testens bei einer Wohnungs- oder Hausbesichtigung mĂŒsse der neue Ausweis ohne Aufforderung vorgelegt und spĂ€testens bei Vertragsunterzeichnung dem Mieter oder KĂ€ufer ausgehĂ€ndigt werden, erklĂ€ren die VerbraucherschĂŒtzer.

EnEV 2014 stellt strengere energetische Anforderungen an den Neubau

Auch fĂŒr Neubauten werden die Vorschriften strenger. "Der maximal zulĂ€ssige PrimĂ€renergiebedarf wird gegenĂŒber der EnEV 2009 um 25 Prozent verringert", informiert die VZ Energieberatung. Darunter versteht man die Energiemenge, die zur Deckung des Heizenergiebedarfs eines GebĂ€udes inklusive seiner Warmwasserbereitung benötigt wird. "Ebenfalls verschĂ€rft – um durchschnittlich 20 Prozent – werden die Anforderungen an die WĂ€rmedĂ€mmung der Außenfassade", so die VerbraucherschĂŒtzer.

Verbindlich werden die strengeren Vorschriften erst mit einiger Zeitverzögerung. Von ihnen betroffen sind nur GebĂ€ude, fĂŒr die der Bauherr ab dem 1. Januar 2016 den Bauantrag stellt beziehungsweise Bauanzeige erstattet. "In den knapp zwei Jahren zwischen 2014 und 2016 haben Bauherren die Qual der Wahl", erklĂ€rt Manuela Reibold-Rolinger, VertrauensanwĂ€ltin des Bauherrenschutzbunds.

Bis zum Stichtag dĂŒrfe man zwar noch nach den alten Standards bauen, sie rĂ€t aber zu einem anderen Vorgehen. "Besser ist es, sie legen fĂŒr ihren Neubau bereits die EnEV 2014 zugrunde und bekommen ein modernes Haus, das auch den AnsprĂŒchen der Zukunft entspricht." Bauherren können laut EnEV 2014 schon jetzt verlangen, dass ihr Hausbau nach den neuen Standards amtlich kontrolliert und genehmigt wird.

Bauen und Sanieren nach höheren Standards kann sinnvoll sein

In jedem Fall sollten sich Bauherren oder EigentĂŒmer, die eine Sanierung oder Investition in ihre Haustechnik planen, unabhĂ€ngig beraten lassen, empfiehlt Stefan Materne, Experte der Verbraucherzentrale Energieberatung. In vielen FĂ€llen kann es nĂ€mlich sogar sinnvoll sein, noch ĂŒber die in der EnEV festgeschriebenen Minimalstandards hinauszugehen, um so staatliche Fördermittel zu ergattern.

"Es ist immer ratsam zu prĂŒfen, was die gesetzlichen Anforderungen fĂŒr den individuellen Fall bedeuten und welche Fördermöglichkeiten es fĂŒr Kauf oder Bau einer Immobilie oder die geplante Sanierungsmaßnahme gibt", empfiehlt Materne. Staatliche Fördertöpfe fĂŒr die energetische Sanierung beziehungsweise den Neubau nach bestimmten Effizienzstandards halten vor allem das Bundesamt fĂŒr Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) und die Kreditanstalt fĂŒr Wiederaufbau (KfW) bereit. Energieberater und BausachverstĂ€ndige kennen sich im Förderdschungel aus und können im Einzelfall beraten, ob und wann sich die Umsetzung höherer Energiestandards wirtschaftlich rentiert.

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