Schlagzeilen
AlleAlle anzeigen

Diese heimischen Raupen sind gefĂ€hrlich fĂŒr Menschen

Von dpa
Aktualisiert am 26.06.2019Lesedauer: 4 Min.
Schwammspinnerraupe: Die Insekten sind laut Experten fĂŒr den Menschen lĂ€stig und vermehren sich derzeit stark.
Schwammspinnerraupe: Die Insekten sind laut Experten fĂŒr den Menschen lĂ€stig und vermehren sich derzeit stark. (Quelle: Steffen Schellhorn/imago-images-bilder)
Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo

Das warme Wetter bietet ideale Bedingungen fĂŒr die Insekten. Die Raupen sind nicht nur lĂ€stig – sondern zum Teil auch giftig fĂŒr Menschen. Vor welchen Arten Sie sich in Acht nehmen mĂŒssen.

Sie sind nur einige Zentimeter lang, treten aber in großen SchwĂ€rmen auf – und werden fĂŒr manche Menschen in Deutschland zur großen Belastung. Raupen von Schwammspinnern und Eichenprozessionsspinnern fressen derzeit WĂ€lder und GĂ€rten kahl.

In Teilen ThĂŒringens, in Franken und um Leipzig tummeln sich derzeit Millionen der schwarzbraunen Schwarmspinnerraupen. Sie knabbern nicht nur massenweise Eichen und andere Pflanzen ab, sondern kriechen auch in GĂ€rten und an HĂ€userwĂ€nden entlang – und manchmal an Beinen der Menschen hoch. Andere BundeslĂ€nder haben zwar keine derart drastischen FĂ€lle, melden aber auch steigende Zahlen, etwa die Umweltministerien von Hessen und Rheinland-Pfalz.

Was macht die Raupen gefÀhrlich?

Zur Plage hat sich vielerorts auch der Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea) entwickelt. Anders als beim Schwammspinner (Lymantria dispar) können diese Raupen Menschen gefĂ€hrlich werden – wegen ihrer feinen GifthĂ€rchen. Nach Angaben des Julius-KĂŒhn-Instituts (JKI) in Braunschweig tritt der werdende Schmetterling seit Mitte der 1990er Jahre verstĂ€rkt in Deutschland auf, allerdings sei der Befall regional unterschiedlich.

Doch woher kommt die teils explosionsartige Vermehrung der Raupen? "Sicherlich ist das ein Indiz fĂŒr den Klimawandel", sagt der Insektenforscher Ronald Bellstedt aus dem thĂŒringischen Gotha. "Die Insekten brauchen WĂ€rme, Licht und Sonne, dann klappt das mit der Vermehrung besser. Wie beim Wetter werden die Extreme durch den Klimawandel immer grĂ¶ĂŸer."

ANZEIGEN
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Meistgelesen
Die Schlinge zieht sich zu
Wladimir Putin: Russlands PrĂ€sident muss im Angriffskrieg gegen die Ukraine immer mehr RĂŒckschlĂ€ge hinnehmen


"Da es durch den Klimawandel zukĂŒnftig verstĂ€rkt sommerwarme, sommertrockene Perioden geben wird, wird der Schwammspinner-Befall zunehmen", bestĂ€tigt eine Sprecherin des ThĂŒringer Landwirtschaftsministeriums. Der Schwammspinner ist ein wĂ€rmeliebender Nachtfalter, der als Raupe bevorzugt EichenblĂ€tter frisst. Seit dem heißen und trockenen Jahr 2015 steige seine Population, schreibt die Bayerische Landesanstalt fĂŒr Wald und Forstwirtschaft (LWF).

Wie gefÀhrlich sind die lÀstigen Schwammspinnerraupen?

Seine Raupen seien fĂŒr den Menschen zwar lĂ€stig, aber in der Regel nicht gesundheitsgefĂ€hrdend, betont Konrad Nickschick, Fachdienstleiter Umwelt im ostthĂŒringischen Gera. Dort fĂ€rben Schwammspinnerraupen gerade einen ganzen Ortsteil dunkel ein. "Wenn man dort lebt, kann man sich nicht in den GĂ€rten aufhalten", sagt Nickschick. "Es ist eine echte psychische Belastung fĂŒr die Menschen – und ein wirtschaftlicher Schaden, da die Raupen die Laubgehölze in den GĂ€rten abfressen."

Der Schwammspinner sei ein altbekannter ForstschĂ€dling, erlĂ€utert ein Sprecher des ThĂŒnen-Instituts, Bundesforschungsinstitut fĂŒr LĂ€ndliche RĂ€ume, Wald und Fischerei in Braunschweig. Die Tiere kĂ€men zwar nicht hĂ€ufig vor, aber wenn, dann sehr massiv. Eine lĂ€nderĂŒbergreifende Ausbreitung in Europa gab es nach Informationen der Bayerischen LWF zwischen 1992 und 1995. Ohne Gegenmaßnahmen dauern Massenvermehrungen demnach etwa vier bis fĂŒnf Jahre.

Warum keine Insektizide eingesetzt werden

Momentan verzichtet man in ThĂŒringen und Sachsen auf eine BekĂ€mpfung mit Insektiziden, weil dadurch auch NĂŒtzlinge vernichtet wĂŒrden. Im kommenden FrĂŒhjahr könnten biologische SchĂ€dlingsbekĂ€mpfungsmittel wie etwa der Mikroorganismus Bacillus thuringiensis gegen junge Raupen eingesetzt werden, sagt Nickschick. Jetzt seien die Raupen dafĂŒr schon zu weit entwickelt.

In Teilen Unter- und Mittelfrankens wurden im April und Mai rund 1.000 Hektar Forst mit einem fĂŒr Schwammspinner giftigen Insektizid besprĂŒht. Im bayerischen Gunzenhausen, wo die Schwammspinner unter anderem ein nahe gelegenes 117 Hektar großes WaldgelĂ€nde kahlgefressen haben, verzichtete man auf die chemische BekĂ€mpfung des Insekts.

Sobald sich die Raupen verpuppen, sei das Problem erst einmal erledigt, sagt Nickschick. Dem Gothaer Experten Bellstedt zufolge entwickeln gesunde Eichen beim sogenannten Johannistrieb, einem zweiten Blattaustrieb Ende Juni, neues Laub. Die Raupen verpuppen sich gewöhnlich bis spĂ€testens Anfang Juli. Die Weibchen legen laut LWF im Sommer bis zu 1.000 Eier an BaumstĂ€mmen oder dicken Ästen ab. Der deutsche Name der Tiere rĂŒhrt daher, dass die Gelege mit gelbbrauner Afterwolle bedeckt werden und schwammartig aussehen.

Die BekÀmpfung

Die Stadt Gera erwĂ€gt, im Herbst bei massenhaftem Auftreten die Eier manuell einzusammeln, bevor daraus im nĂ€chsten FrĂŒhjahr neue Raupen schlĂŒpfen.

Problematisch kann es fĂŒr die BĂ€ume werden, wenn sie von weiteren Schadinsekten heimgesucht werden – etwa dem Eichenprozessionsspinner. Da dessen Raupen auch EinzelbĂ€ume in Parks, GĂ€rten oder in FreibĂ€dern befallen, können sie außerdem zum Problem fĂŒr Menschen und Tiere werden. Denn die feinen GifthĂ€rchen der Raupen können bei Kontakt zu Hautjucken, Atemnot oder einem allergischen Schock fĂŒhren.

Was bei Nestern der Raupen zu tun ist

Derzeit warnt etwa der Landkreis Celle vor dem BerĂŒhren der Nester. Vor wenigen Tagen bekamen neun Schulkinder im nordrhein-westfĂ€lischen MĂŒlheim an der Ruhr Gesundheitsprobleme, die wahrscheinlich durch Eichenprozessionsspinner ausgelöst wurden. Laut Bericht der Feuerwehr bekam ein Kind bei einem Sportfest Kreislaufbeschwerden, dann klagten mehrere SchĂŒler ĂŒber Luftnot und Hautreizungen.

Wegen der Raupen des Eichenprozessionsspinners wurden auch schon Straßen und Parks gesperrt. Als Gegenmaßnahme im öffentlichen GrĂŒn nennt das Julius-KĂŒhn-Institut das Absaugen der Nester durch Spezialisten. Und im niedersĂ€chsischen Landkreis Gifhorn wurden Eichenprozessionsspinner in diesem Jahr sogar mit Hubschraubern aus der Luft bekĂ€mpft: Sie besprĂŒhten die Tiere mit dem Mikroorganismus Bacillus thuringiensis.

Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...

ShoppingANZEIGEN

Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Neueste Artikel
BraunschweigDeutschlandFrankenGeraGotha

t-online - Nachrichten fĂŒr Deutschland
t-online folgen
FacebookTwitterInstagram

Das Unternehmen
Ströer Digital PublishingJobs & KarrierePresseWerbenKontaktImpressumDatenschutzhinweiseDatenschutzhinweise (PUR)Jugendschutz



Telekom
Telekom Produkte & Services
KundencenterFreemailSicherheitspaketVertragsverlÀngerung FestnetzVertragsverlÀngerung MobilfunkHilfeFrag Magenta


TelekomCo2 Neutrale Website