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Coronavirus: Können diese Reinigungsmittel effektiv desinfizieren?

Virenfrei  

Können diese Reinigungsmittel Coronaviren entfernen?

26.06.2020, 08:03 Uhr
Coronavirus: Können diese Reinigungsmittel effektiv desinfizieren?. Reinigung: Wechseln Sie nach dem Putzen Schwämme und Lappen, um so eine Ausbreitung des Virus zu verringern. (Quelle: Getty Images/Alexander Medvedev)

Reinigung: Wechseln Sie nach dem Putzen Schwämme und Lappen, um so eine Ausbreitung des Virus zu verringern. (Quelle: Alexander Medvedev/Getty Images)

Desinfektionsmittel, die eine viruzide Wirkung haben, sind derzeit sehr gefragt. Es gibt jedoch noch andere Möglichkeiten, das Coronavirus von Oberflächen zu entfernen. 

Nicht nur in der Öffentlichkeit, auch in den eigenen vier Wänden wollen viele die Ansteckungsgefahr durch das Coronavirus reduzieren und desinfizieren hierzu sämtliche Oberflächen. Geeignete Mittel zur Oberflächenreinigung sind in Supermärkten oder Drogerien während der Corona-Krise phasenweise schwer erhältlich. Doch es gibt noch andere Substanzen, die das Coronavirus entfernen – viele von ihnen sind in einigen Reinigungsmitteln sogar bereits enthalten. 

Info
Desinfektionsmittel können Reinigungsmittel nicht ersetzen. Sie beseitigen zwar das Coronavirus, jedoch nicht den Schmutz.

Spülmittel gegen Coronaviren?

Das Coronavirus ist ein behülltes Virus. Es besteht unter anderem aus Eiweiß und Erbinformationen, die von einer Fettschicht (Lipiden) umhüllt sind. Wird diese Hülle zerstört, kann auch das Virus nicht überleben. Tensidhaltige Reiniger enthalten Substanzen, die genau diesen Effekt auch auf das Coronavirus haben. Das ist ein Grund, weshalb Handseife und ein intensives Händewaschen das Ansteckungsrisiko für Covid-19 reduzieren. Besonders Spülmittel hat eine hohe fettlösende Eigenschaft. Daher eignet sich das Reinigungsmittel besonders gut gegen Coronaviren, erklärt Virologin Prof. Dr. Ulrike Protzer im Interview mit Bayern 1.

So lange überlebt Covid-19 auf
• Kunststoff: bis zu 72 Stunden*,
• Edelstahl: bis zu 48 Stunden*,
​​• Pappe und Papier: bis zu 24 Stunden*,
• Kupfer: bis zu vier Stunden*.
*Innerhalb dieses Zeitraums waren auf der Oberfläche lebensfähige Viren nachweisbar. Quelle: RKI

Alkoholreiniger zerstört die Virushülle

Wie auch die tensidhaltigen Reiniger zerstört Alkohol (Ethanol, Isopropylalkohol) die fetthaltige Virushülle. Wichtig ist, dass der Alkoholanteil im Putzmittel bei mindestens 60 bis 70 Prozent liegt. Allerdings können Sie nicht jeden Gegenstand mit Alkoholreiniger desinfizieren. Einige Materialien vertragen das Mittel nicht – sie gehen kaputt oder verändern ihre Oberflächenstruktur. Testen Sie daher vorab an einer kleinen Stelle, ob Sie den Gegenstand mit dem alkoholhaltigen Mittel reinigen können. 

Mit Bleichmittel gegen Viren

Ob die Toilette im Bad oder die Arbeitsplatte in der Küche: Mit Wasserstoffperoxid werden diese Oberflächen frei von Bakterien und Viren. Die Flüssigkeit ist eine Verbindung aus Sauerstoff und Wasserstoff. 

Wasserstoffperoxid wird jedoch nicht nur als Desinfektionsmittel gegen Viren, Bakterien und Salmonellen eingesetzt. Auch als Bleichmittel – beispielsweise für Haare oder Zähne – oder in Mitteln zur Schimmelentfernung findet sich der Wirkstoff. Hochkonzentriert kann es der Gesundheit jedoch schaden: Durchfall, Erbrechen, Verätzungen auf der Haut und Kreislaufprobleme sind nur einige der Symptome. Bei der Verwendung des Mittels sollten Sie daher unbedingt einen Hautkontakt vermeiden und es zudem stets verdünnt anwenden.

Laut einer Studie von Prof. Dr. Günter Kampf vom Institut für Hygiene und Umweltmedizin der Universität Greifswald reicht bereits eine 0,5-prozentige Lösung aus, um das Ansteckungsrisiko mit Coronaviren deutlich zu senken. Für den Hausgebrauch wird häufig eine 3-prozentige Lösung verwendet.

Wundheilmittel aus der Zahnmedizin

In vielen Haushaltsreinigern, die eine bleichende und desinfizierende Wirkung haben, ist Natriumhypochlorit enthalten. Zusätzlich wird es zum Entfernen von Schimmel eingesetzt.

Doch auch nach einer Wurzelkanalbehandlung können Patienten eine Natriumhypochlorit-Lösung benutzen, erklärt die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) in einer gemeinsamen Stellungnahme mit der Deutschen Gesellschaft für Zahnerhaltung (DGZ). Sie kann die Wundheilung fördern. Doch der pharmazeutische Wirkstoff aus der Zahnmedizin hilft laut der Studie auch gegen Coronaviren. Hier reiche bereits eine 0,1-prozentige Lösung zur Oberflächendesinfektion aus.

Einwirkzeit beachten

Studienleiter Kampf erklärt, dass vor allem drei Wirkstoffe nachweislich gegen das Coronavirus helfen: Ethanol, Natriumhypochlorit und Wasserstoffperoxid. Diese Mittel wirken gegen behüllte Viren, zu denen auch SARS-CoV-2 zählt. Bereits Mittel, die "begrenzt viruzid" sind, könnten somit das Coronavirus von Oberflächen teilweise entfernen, auch wenn dies von den Herstellern nicht ausdrücklich ausgewiesen sei. Wichtig ist die Einwirkzeit von mindestens einer Minute. 

Achtung
Bei der Verwendung der Reinigungsmittel sollten Sie immer Handschuhe tragen. Zudem sollten Sie anschließend ausgiebig lüften und die Oberflächen nach der entsprechenden Einwirkzeit mit klarem Wasser abspülen.

Wie wird Wäsche virenfrei?

Ist ein Infizierter bei Ihnen im Haushalt oder waren Sie selbst mit dem Coronavirus infiziert, sollten Sie die Wohnung sowie Wäsche und Kleidung regelmäßig gründlich reinigen. Laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) sollten Sie beim Saubermachen jedoch nicht zu den antibakteriellen Reinigern und Putztüchern aus dem Supermarkt oder der Drogerie greifen. Diese Mittel haben häufig nur eine antibakterielle und keine viruzide Wirkung.

Sinnvoller ist es, Wäsche und andere Textilien bei mindestens 60 Grad in der Maschine zu waschen. Ein Hygienespüler ist nicht notwendig. Ein bleichmittelhaltiges Vollwaschmittel reicht aus, so das BZgA. 

Wenn nur eine Person im Haushalt erkrankt ist, sollten Sie Ihre Wäsche separat aufbewahren und waschen. Der britische Gesundheitsdienst National Health Service (NHS) rät zudem dazu, die schmutzige Wäsche vor dem Waschen auszuschütteln – idealerweise an der frischen Luft, damit sich die Viren nicht weiter im Raum ausbreiten können. 

Tipp
Waschen Sie Ihre Hände, nachdem Sie die Textilien und Gegenstände anfassen, die der Infizierte benutzt oder angefasst hat. 

Regelmäßiges Lüften

Neben einer umfangreichen Reinigung aller Oberflächen und Textilien gibt es noch eine weitere Maßnahme gegen das Coronavirus: Richtiges Lüften kann das Ansteckungsrisiko reduzieren. 

Info
Viruspartikel bleiben etwa drei Stunden in der Luft aktiv.

Unabhängig davon, ob sich eine erkrankte Person in Ihrem Haushalt befindet oder nicht, sollten Sie Zimmer regelmäßig lüften. Das rät auch das Robert Koch-Institut. Durch den intensiven Luftaustausch beim Stoßlüften verändert sich die Zusammensetzung der Raumluft und kann die Verweildauer der aktiven Viren in der Luft verringern. Das bedeutet: mehr Sauerstoff und eine bessere Luftzirkulation. Letzteres ist vor allem für die teilweise durch die Heizungsluft ausgetrockneten Schleimhäute sinnvoll.


Info
Eine Studie des Health Effects Laboratory der Universität in West Virginia, USA zeigte, dass eine hohe Luftfeuchtigkeit zumindest die Infektiosität von Grippeviren reduzieren kann. Ob dies auch auf Coronaviren zutrifft, wird zurzeit noch erforscht. Das Virus hält sich allerdings gut in einer feuchten Umgebung.  

Verwendete Quellen:

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