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USA: Warum "Kinder Joy"-Eier erlaubt, ├ť-Eier aber verboten sind

dpa, Hannes Breustedt

Aktualisiert am 18.09.2018Lesedauer: 3 Min.
├ťberraschungseier: In der weltgr├Â├čten Volkswirtschaft USA ist der Exportschlager seit Jahrzehnten illegal.
├ťberraschungseier: In der weltgr├Â├čten Volkswirtschaft USA ist der Exportschlager seit Jahrzehnten illegal. (Quelle: Monika Skolimowska/dpa-bilder)
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├ťberraschungseier sind einer der Exportschlager des S├╝├čwarenriesen Ferrero. In den USA gilt jedoch aufgrund von Sicherheitsvorschriften ein Verbot. Jetzt gibt es zwar endlich ein ├ť-Ei des Herstellers ÔÇô aber nicht das echte.

Die USA sind das Land der unbegrenzten M├Âglichkeiten ÔÇô Schusswaffen sind erlaubt, ├ťberraschungseier verboten. Zumindest letzteres sollte sich angeblich ├Ąndern: "Kinder Eggs" kommen 2018 nach Amerika, berichteten zum Jahresende etliche Medien. Doch was die Herzen der Fans h├Âher schlagen lie├č, war ein Missverst├Ąndnis. Der italienische S├╝├čwarenriese Ferrero brachte nicht die hei├č begehrte "Kinder ├ťberraschung" heraus, sondern "Kinder Joy" ÔÇô ein Plastikei mit Schokof├╝llung in der einen, und Spielzeug in der anderen H├Ąlfte.

Gesetz von 1938 untersagt ├ť-Eier

Das Original bleibt wegen der strikten US-Gesetze tabu. Damit sind die traditionell als marktliberal geltenden USA der einzige gro├če Wirtschaftsraum weltweit, wo Ferrero seinen Exportschlager nicht anbieten darf. Grund ist ein Gesetz von 1938. Es untersagt S├╝├čigkeiten, die nicht essbare Objekte enthalten ÔÇô wegen Verschluckungsgefahr. Dass die USA es ernst meinen, erfuhr 1997 schon Nestl├ę beim "Magic Ball", einer runden Kopie des ├ťberraschungseis.

Auch bei "geschmuggelten" ├ť-Eiern verstehen die Grenzbeamten keinen Spa├č. Das US-Zollamt weist regelm├Ą├čig darauf hin, dass "Kinder Eggs" nicht ins Land d├╝rfen. 2012 teilte die Beh├Ârde sogar mit, dass im Vorjahr ├╝ber 60.000 ├ťberraschungseier beschlagnahmt wurden. "Diese Leckereien m├Âgen niedlich sein, aber sie sind zu gef├Ąhrlich f├╝r Kinder, um legal in die USA importiert zu werden", hie├č es damals in der Warnung. Wer sich erwischen l├Ąsst, riskiert Geldstrafen.

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Kampagne "Free the Egg"

Kultcharakter haben die Schoko-Eier indes auch in den USA. 2011 wurde die Kampagne "Free the Egg" (Befreit das Ei) gestartet, die Unterschriften f├╝r eine Petition zur Legalisierung sammelt. Hinter der Initiative steht Leslie Dannelly aus Florida, die auch ├╝ber ihr Anliegen bloggt. Aktuell erkl├Ąrt sie bei Youtube die Unterschiede zwischen dem verbotenen "Kinder Surprise Egg" und dem legalen "Kinder Joy". Das gibt es au├čerhalb der USA ├╝brigens auch schon seit 2001.

"Kinder Joy" von Ferrero: Das Plastikei mit Schokof├╝llung in der einen, und Spielzeug in der anderen H├Ąlfte ist in den USA genehmigt und absolut legal.
"Kinder Joy" von Ferrero: Das Plastikei mit Schokof├╝llung in der einen, und Spielzeug in der anderen H├Ąlfte ist in den USA genehmigt und absolut legal. (Quelle: Hannes Breustedt/dpa-bilder)

├ť-Ei-Aktivistin Dannelly ist mit der Ersatzl├Âsung immerhin ganz zufrieden. "Ich mag beide Produkte", sagt die 45-J├Ąhrige, die durch ihre franz├Âsische Mutter und Besuche in Deutschland auf den Geschmack gekommen ist. Doch nicht alle k├Ânnen sich damit anfreunden. Deshalb wird bei Twitter mitunter Frustabbau betrieben. "Was zur absoluten H├Âlle ist dies?!?", fragt ein Nutzer. "Das sind aber nicht die echten ├ťberraschungseier, sondern Fake-Schrotteier", schreibt ein anderer.

Ferrero will Mars, Hershey und Mondelez Konkurrenz machen

Ferrero zufolge wurde die Produktneuheit in den USA insgesamt aber gut aufgenommen. Die Italiener leisteten sich auch eine aufwendige Marketingoffensive mit TV-Werbung bei der Oscar-Verleihung. Zahlen liefert das Unternehmen nicht, doch die Neugierde der Amerikaner scheint gro├č. In Brooklyns Stadtteil Park Slope jedenfalls waren die "Kinder Joy"-Eier bei den gro├čen Einzelhandelsketten Rite Aid und CVS an der belebten 5th Avenue im Ostergesch├Ąft rasch vergriffen.

Obwohl Ferrero mit Nutella und Tic Tac schon Achtungserfolge in den USA feiern konnte, ist der Marktanteil bislang gering. Das soll sich nun ├Ąndern. Der Konzern ist dabei, f├╝r 2,3 Milliarden Euro das US-S├╝├čwarengesch├Ąft von Nestl├ę zu ├╝bernehmen. Dann will er den Platzhirschen Mars, Hershey und Mondelez endlich richtig einheizen.

Darum ist das Schokoladenei "Choco Treasure" erlaubt

Warum die US-Gesetze die echten ├ť-Eier eigentlich verbieten, versteht Legalisierungsverfechterin Dannelly nicht. Es gebe zwar einige Todesf├Ąlle durch Verschlucken von Spielzeug aus den Ferrero-Eiern. Die Wahrscheinlichkeit, dadurch zu sterben, sei aber geringer, als t├Âdlich vom Blitz getroffen zu werden, hei├čt es in ihrer Petition.

Als Nestl├ę 1997 seinen "Magic Ball" vom US-Markt nehmen musste, war der Schweizer Konsumg├╝terkonzern einem Bericht der "New York Times" zufolge in einer Lobbyschlacht mit dem US-Rivalen Mars unterlegen. Der M&M's-Hersteller hatte demnach eine Kampagne finanziert, bei der Verbraucherverb├Ąnde und Eltern erfolgreich Druck auf die US-Beh├Ârden aus├╝bten. So etwas k├Ânne Ferrero nicht passieren, versichert das Unternehmen ÔÇô "Kinder Joy" sei genehmigt und absolut legal.

Erstaunlicherweise ist einem US-Hersteller sogar die Zulassung eines Produkts gelungen, das dem echten ├ť-Ei sehr ├Ąhnlich ist. Die Firma Candy Treasure aus New Jersey darf seit 2013 ihr Schokoladenei "Choco Treasure" verkaufen, das ebenfalls eine Plastikkapsel mit Spielzeug enth├Ąlt. Der Unterschied zu Ferreros ├ťberraschungsei besteht eigentlich nur darin, dass die Schokoladenh├Ąlften den Plastikkern nicht komplett umschlie├čen. Durch das von au├čen sichtbare Plastik wird ÔÇô jedenfalls nach Auffassung der US-Regulierer ÔÇô f├╝r Verbraucher sofort erkennbar, dass der Inhalt nicht essbar ist.

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