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Wahre Klassiker: Diese DDR-Kochbücher sind auch heute noch gefragt

Wahre Klassiker  

Diese DDR-Kochbücher sind auch heute noch gefragt

17.04.2021, 07:30 Uhr | dpa

Wahre Klassiker: Diese DDR-Kochbücher sind auch heute noch gefragt. Kochbuch: Im DDR-Museum in Berlin stehen die Koch- und Backbücher aus sozialistischen Zeiten in der Kücheninstallation. (Quelle: dpa/Bernd Settnik)

Kochbuch: Im DDR-Museum in Berlin stehen die Koch- und Backbücher aus sozialistischen Zeiten in der Kücheninstallation. (Quelle: Bernd Settnik/dpa)

Auch lange nach dem Ende der DDR erfreuen sich zwei Koch- und Backbücher immer noch großer Beliebtheit. Zum Verlagsjubiläum wird es eine überarbeitete Version geben. Doch auch Nostalgiker kommen auf ihre Kosten.

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Wie wird eine ordentliche Rinderroulade zubereitet, wann gelingt das Rotkraut so wie es bei Oma sonntags auf den Tisch kam und ist ein Biskuitboden wirklich nur etwas für sehr geübte Bäcker?

Seit fast sechs Jahrzehnten geben zwei Bücher aus dem Leipziger Buchverlag für die Frau, der in diesem Jahr seinen 75. Geburtstag feiert, darauf Antworten. Per Mundpropaganda erfahren auch aus dem Westen Zugereiste von den beiden Standardwerken aus DDR-Zeiten. Trotz Internet und YouTube wird nach wie vor gern ins Bücherregal zu den beiden Ratgebern gegriffen.

Küchenklassiker "Wir kochen gut" von 1962

1952 erschien in dem Leipziger Verlag für die Frau der Titel "Unser Kochbuch" von Paula Elisabeth Fuchs, der in kurzer Zeit 20 Auflagen erreichte, sagt Verlagssprecherin Susann Jaensch. Der heutige Küchenklassiker "Wir kochen gut" von 1962 basiere zum Teil auf diesem Grundkochbuch. 1967 erschien dann "Das Backbuch". Bis zur Wende wurden beide Titel in mehreren Millionen Exemplaren verkauft. In der DDR Geborene wissen: Wie viele Dinge im Mangelsozialismus waren sie nur schwer im Handel zu finden, sondern eher Bückware – nur durch gute Beziehungen erhältlich.

Die beiden Bücher sind lange nach dem Ende der DDR immer noch die Flaggschiffe des Verlags. "Generationen von DDR-Bürgern sind damit groß geworden", erklärt der Historiker Stefan Wolle (70), wissenschaftlicher Leiter des DDR-Museums in Berlin, die andauernde Beliebtheit und die heute noch wachsende Fangemeinde. Kochbücher über französische oder italienische Küche – die Länder waren zu DDR-Zeiten ja "Klassenfeinde" – waren im DDR-Buchhandel nicht erhältlich. "Es hätte ja auch an den Zutaten gefehlt, an besonderen Gewürzen", sagt er. Kulinarische Reisen seien mit dem Kochlöffel allenfalls in die sozialistischen Bruderländer möglich gewesen.

Wolle denkt auch daran, dass damals der Rückzug ins Private und ins Familienleben wichtig war, um das Politische herauszuhalten. "Da wollte man perfekt sein, etwas Tolles auf den Tisch bringen, an dem man mit der Familie oder Freunden saß", sagt er.

Klassiker wie Ungarischer Gulasch oder Königsberger Klopse

Die Kochbuchklassiker "Wir kochen gut" und "Das Backbuch" standen zu DDR-Zeiten gefühlt in jedem Haushalt. Vor der Wende hießen in den Ausgaben Pasta noch Nudeln, gekocht wurde mit einfachem Öl und nicht mit dem aus Oliven und Mozzarella war ein völlig unbekannter Genuss. Fotos waren anfangs meist schwarzweiß, in späteren Auflagen farbig.

Heute sind in dem Buch "Wir kochen gut" etwa 1.000 Rezepte aufgeführt: Klassiker wie Ungarischer Gulasch, Frikassee oder Königsberger Klopse sind dabei, aber auch gebratene Languste, Fasan oder flambierte Kirschen. Sie seien präzise und anschaulich beschrieben, erläutert Sprecherin Jaensch. Mittlerweile sind beide Titel auch in Reprintausgaben aus den 1970-er Jahren auf dem Markt. "Für alle Nostalgiker und Fans, die die alte Ausstattung der Klassiker lieben", sagt sie.

Zum Verlagsjubiläums wird es im Mai einen Komplett-Relaunch von "Wir kochen gut" und "Das Backbuch" geben: für die neue Generation von Koch- und Backenthusiasten, die sich Grundkenntnisse im Kochen und Backen aneignen wollen. Andere erinnern sich wehmütig an die Gerichte, die sie von früher kennen und die sie nachkochen wollen. "Wir müssen uns neue Zielgruppen erschließen, damit die Klassiker auch in Zukunft weiter leben", sagt Jaensch.

Verlag für Ratgeberliteratur in der DDR

Zu DDR-Zeiten wurden in dem Verlag vor allem Ratgeber herausgegeben: zum Kochen, Backen, Schneidern, aber auch zu Kindererziehung und Ehe. Heute sind im Programm auch Titel wie die Thüringer Küchenbibliothek, in der seit 1993 bereits 14 Bücher erschienen. Weit über eine halbe Million Exemplare wurden verkauft. Eine Miniaturbuchreihe, die seit 35 Jahren besteht, ist heute begehrtes Sammlerobjekt. Fast 370 Bände im Format 6,2 mal 9,5 Zentimeter sind erschienen.

"Nur wenige Verlage, die im Osten kurz nach dem Krieg gegründet wurden, existieren heute noch", sagt Geschäftsführer Lutz Gebhardt, zu dessen Verlagsgruppe "grünes herz" (Ilmenau) seit 2015 der Leipziger Verlag gehört. Kochbücher und alles zu Haus, Garten, Natur und Gesundheit werden weiterhin zu der Kernkompetenz gehören, die noch ausgebaut werden solle. Im Oktober ist ein Buch mit den Lieblingsrezepten der Leser geplant. Gesucht werden nach Verlagsangaben kulinarische Schätze: Rezepte, die von Generation zu Generation weitergegeben werden.

DDR-Kochrezepte sind immer gefragt

Im DDR-Museum in Berlin stehen die Koch- und Backbücher aus sozialistischen Zeiten in der Kücheninstallation. "Die meisten Clicks auf unserer Internetseite haben wir bei Beiträgen zu DDR-Kochrezepten", sagt Wolle. "Die sind immer gefragt."

Sternekoch Jörg Frankenhäuser: Das "Kochbuch" gehört wie das Buch "Wir kochen gut" zu den auch als Reprint immer wieder neu aufgelegten DDR-Kochbüchern. (Quelle: dpa/Bernd Settnik)Sternekoch Jörg Frankenhäuser: Das "Kochbuch" gehört wie das Buch "Wir kochen gut" zu den auch als Reprint immer wieder neu aufgelegten DDR-Kochbüchern. (Quelle: dpa/Bernd Settnik)

Der Patron des Potsdamer Sterne-Restaurants "Kochzimmer", Jörg Frankenhäuser, freut sich, dass er endlich im Besitz des Kochbuches aus dem Leipziger Verlag ist. "Meine Mutter rückt ihr Exemplar nicht raus. Es wird nur vererbt", sagt der 45-Jährige. Das Buch liegt derzeit griffbereit auf dem Schreibtisch im Büro des Restaurants. "Es wurde mit viel Fleisch gekocht. Und dann immer mit einer Mehlschwitze", erinnert er sich an die Kindheit.

Frankenhäuser liebt aber heute die nach DDR-Rezept zubereiteten gefüllten halben kalten Eier. "Die macht meine Mutter am besten. Deshalb fahre ich nach Beelitz", sagt er. Für seine Neue Preußische Küche blättert er ab und zu in dem Buch und sucht Anregungen: "Natürlich modern zubereitet."

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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