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Geburt: Die ersten magischen Stunden von Neugeborenen

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Der Zauber der ersten Stunden  

Die Tricks der Natur: Warum wir Babys lieben

13.08.2018, 15:06 Uhr | Simone Blaß, t-online.de

Geburt: Die ersten magischen Stunden von Neugeborenen. Mutter mit Neugeborenem im Arm: Babys wecken Beschützerinstinkte. (Quelle: Getty Images/kieferpix)

Mutter mit Neugeborenem im Arm: Babys wecken Beschützerinstinkte. (Quelle: kieferpix/Getty Images)

Monatelang hat man das neue Wesen herbeigesehnt, sich gefragt, wie es wohl aussieht, wie sich das Leben verändern wird und was es in die Familie mitbringt. Umso zauberhafter ist der Moment, wenn man sein neugeborenes Baby das erste Mal im Arm hält, wenn man es riechen und ohne Bauchdecke dazwischen auch fühlen kann.

Die Natur hat sich Tricks "ausgedacht", damit beim Kennenlernen von Eltern und Baby möglichst wenig schiefgeht. Einer davon ist die Überflutung einer Gebärenden mit Glückshormonen, ein anderer der Duft. Sie sicherten in grauer Vorzeit, dass man sein Kind nach der Geburt nicht einfach im Gebüsch liegen ließ. Auch heute noch sorgen sie für ganz besondere Momente, und das, obwohl Babys, die frisch geboren sind, keineswegs so süß aussehen wie die in der Werbung. Die meisten sind zerknautscht, manche knallrot, andere voll mit Käseschmiere.

Neugeborene bringen Geheimnisse mit

Hört man sich in der Generation um, in der Väter im Kreißsaal noch unerwünscht waren, dann sind diese meistens froh, dass man ihnen das Baby erst in den Arm gelegt hat, nachdem es frisch gebadet worden war. Wären diese Männer aber, wie die meisten Väter heute, bei der Geburt dabei gewesen, so wäre es ihnen wahrscheinlich anders gegangen. Von einem "Wahnsinnserlebnis", einer "unglaublichen Wucht der Natur" und "einem Wunder" sprechen die Väter heute.

Doch nicht nur die Eltern sind "wie geflasht", auch das Neugeborene ist in seinen ersten Lebensstunden, zumindest wenn die Geburt nicht zu anstrengend war, ziemlich aufmerksam. Mit großen, weiten Augen schauen frisch geborene Säuglinge in die Welt und wirken dabei irgendwie geheimnisvoll. "Diese Blicke vermitteln den Eindruck, als ob die Kinder von einer weiten Reise kämen und ganz viel zu erzählen hätten", beschreibt Hebamme Ingeborg Stadelmann ihren Eindruck.

"Mir ist dabei, als wenn mir dieser kleine Mensch viel berichten möchte und als ob er schon unendlich viel erlebt hätte." Wenn sich Eltern und Kind dann in die Augen sehen, entsteht eine sehr tiefe Liebe. Bonding nennt man das in der Fachsprache.

Geborgenheit und Wärme sind das Wichtigste – und Milch

Doch damit, dass die Neandertalerin ihr Baby nicht sich selbst überließ, war es nicht getan. Zum Überleben gehört Nahrung und es könnte ja sein, dass die Mutter nach der Geburt zu schwach ist, um das Kind zu versorgen. Also versorgt es sich sozusagen erst einmal selbst. Von Natur aus wissen Babys, wo die Nahrungsquelle ist, sie können sie regelrecht riechen und versuchen, zur Brust zu robben. (Wissenschaftler haben herausgefunden, dass die Brustwarze und der Bereich darum meist etwas wärmer ist. So findet das Baby leichter die Milch.) Viele tun das, aber nicht alle – was auch mit dem Geburtsverlauf zusammenhängen kann.

Heutzutage bekommen Frauen ihr Kind immer so schnell wie möglich ganz nah zu sich. Der vertraute Geruch der Mutter, ihre Körperwärme und vor allem ihr Herzschlag, den das Baby schon so gut kennt, beruhigen das Neugeborene. Selbst wenn die Mutter einen Notkaiserschnitt hatte und nicht alles so läuft, wie man es sich vorgestellt hat: Auch der Vater oder eine andere vertraute Person kann dem Baby mit viel Hautkontakt die Nähe geben, die es dringend braucht, um gut ins Leben zu starten.

Rot und Orange sind die Farben des Mutterleibs

In den vergangenen Jahrzehnten hat sich erfreulicherweise viel verändert. Man erinnert sich auch außerhalb von Geburtshäusern wieder an alte Weisheiten und nutzt das Wissen, um eine Umgebung zu schaffen, die für das Kind optimal ist. Kalte, weiße, durchwegs gekachelte Kreißsäle, in denen wie am Fließband entbunden wurde, sind heute nicht mehr üblich.

Stattdessen arbeitet man inzwischen in fast jeder Klinik so wie es in Geburtshäusern schon lange gang und gäbe ist: mit warmen Farben – meist rotgetönt, dem Inneren des Mutterleibes entsprechend –, mit sanftem, gedämpftem Licht und viel, viel Körpernähe. Die Eltern und das Kind brauchen nach der Geburt gemeinsame Zeit in einer friedlichen Umgebung. Um die Bindung zu stärken und sich im wahrsten Sinne des Wortes erst mal richtig zu beschnuppern. Wobei auch hier Mutter Natur tief in die Trickkiste gegriffen hat: Neugeborene riechen nämlich ganz zauberhaft.

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Das Kind sollte bei der Mutter sein

Optimal ist daher das sogenannte Rooming-in, das heute in fast allen Geburtskliniken möglich ist. Dabei wird es Eltern ermöglicht, im selben Zimmer mit ihrem Kind aufgenommen zu werden. Wem besondere Hilfe beim Stillen wichtig ist, der kann sich im Vorfeld ein Krankenhaus mit dem Gütesiegel "Stillfreundliches Krankenhaus" suchen. Hier ist garantiert, dass man sein Baby bei sich hat und die entsprechende Unterstützung bekommt, damit der Lebensstart so natürlich wie möglich klappt.

Früher ging man davon aus, dass die Mutter nach der Geburt erst einmal Ruhe braucht. Dem ist aber nicht so. Stattdessen sind viele Frauen durch die Flut der Hormone wie aufgedreht. Ein weiterer Kniff von Mutter Natur, denn schließlich musste die Neandertalerin ihr Baby so manches Mal trotz Erschöpfung noch eine Weile durch die Steppe tragen, um es in Sicherheit zu bringen.

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