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Haben wirklich alle Babys blaue Augen?

dpa, Nicola Wilbrand-Donzelli

Aktualisiert am 20.04.2021Lesedauer: 3 Min.
Baby mit Schnuller: Gemessen an der Weltbevölkerung haben weniger als zehn Prozent der Erdbewohner blaue Augen – und Babys immer?
Baby mit Schnuller: Gemessen an der Weltbevölkerung haben weniger als zehn Prozent der Erdbewohner blaue Augen – und Babys immer? (Quelle: blickwinkel/imago-images-bilder)
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Neugeborene haben immer blaue Augen – stimmt der Mythos? Wir erklären, wie die Augenfarbe des Kindes entsteht.

Oft freuen sich Eltern ĂĽber die strahlend blauen Augen ihres Nachwuchses und wundern sich dann, wenn die einst so hellen Augen im Laufe der ersten Lebensjahre immer dunkler werden. Deshalb kursiert der Mythos, alle Babys wĂĽrden mit blauen Augen geboren.

Babyblaue Augen sind aber eigentlich nur ein Zeichen dafür, dass das Auge noch kein Melanin gebildet hat. Besonders bei Babys ist dieser Pigmentfarbstoff noch nicht entwickelt. Melanin sorgt dafür, dass die Regenbogenhaut dunkel aussieht. Bei blauen Augen sieht man nur das Bindegewebe der Iris in seiner hellen Farbe. Im Laufe der Zeit entwickelt sich bei Babys dann die genetisch angelegte Augenfarbe, indem sie nachpigmentiert. Der Farbstoff wird nach und nach – meist während des ersten Lebensjahres – gebildet und in der Iris eingelagert.

Augenfarbe entwickelt sich erst später

Manchmal dauert der Vorgang auch länger. So verändert sich die Augenfarbe allmählich, bis die Schattierung erreicht ist, die ein ganzes Leben lang bleibt. Dieser Prozess hängt von der Menge des Pigments ab, die im genetischen Programm jedes Menschen festgelegt ist. Davon werden beispielsweise auch der Teint und die Haarfarbe bestimmt.

Je mehr Melanin durch die biologische Software schon von vorne herein vorhanden ist, desto brauner werden auch die Augen. So haben Kinder mit dunklerem Teint etwa aus Südamerika, Afrika oder Teilen Asiens fast immer schon von Geburt an auch eine dunklere Iris, die sich im Laufe der Kindheit oft noch in ihrer Tönung intensiviert. Bei den meisten hellhäutigen Säuglingen, die von Natur aus eine geringere Pigmentkonzentration besitzen, ist hingegen Blau die erste Augenfarbe.

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Wie bei jedem Prinzip gibt es aber auch hier Ausnahmen. So können beispielsweise auch Kinder aus Mitteleuropa oder Skandinavien mit blasserer Haut und helleren Haaren dunkle Augen haben – und das bereits von Geburt an. Es gibt keine zwingende Verbindung zwischen Haut- und Augenfarbe, stattdessen ist beides sehr individuell von den Erbanlagen abhängig.

Augenfarbe als Phänomen der Lichtbrechung

Blaue Babyaugen haben nicht nur etwas mit der Melanin-Konzentration zu tun. Denn genau genommen sind Augen de facto gar nicht blau, grün oder braun. Tatsächlich ist die Farbgebung ein Lichtbrechungsphänomen auf der menschlichen Iris. In diesem wenige Millimeter dicken Bereichs des Auges, der auch Regenbogenhaut genannt wird, regulieren die Pigmente den Einfall des Lichts und filtern das Streulicht.

Weil das Auge aber einen hohen Anteil kurzwelligen Lichts reflektiert – ähnlich wie es am Himmel passiert – sieht es blau aus. Sind die Farbstoff-Einlagerungen schließlich zahlreicher und dichter, verliert sich die Farbe Blau und die Augen erscheinen grau, grün, oder in unterschiedlichen Braunschattierungen.

Bei bestimmten Iris-Defekten oder Krankheiten wie Albinismus kann es auch vorkommen, dass gar keine Farbpigmente entwickelt werden. Dann erscheinen die Augen nicht einmal mehr in einem hellen Blauton. Stattdessen ist der durchblutete Augenhintergrund zu sehen. Diese Anomalie ist allerdings sehr selten.

Blauäugige Menschen werden immer seltener

Gemessen an der Weltbevölkerung haben weniger als zehn Prozent der Erdbewohner blaue Augen. Die Minderheit der blauäugigen Menschen wird voraussichtlich noch weiter schrumpfen, prophezeien Wissenschaftler. Denn das genetische Merkmal einer blauen Iris beziehungsweise einer geringen Melanin-Ansammlung wird - so hat es jeder im Biologieunterricht gelernt - rezessiv vererbt, während das einer braunen Pigmentierung sich dominant verhält.

Hinzu kommt, dass heute weitaus mehr Menschen einen Fortpflanzungspartner mit einer anderen ethnischen Herkunft wählen, als das noch vor hundert Jahren der Fall war. Gleichzeitig gehen Experten allerdings auch davon aus, dass blaue Augen erst vor etwa 6.000 bis 10.000 Jahren entstanden sind – durch eine zufällige Genmutation.

Mehrere Gene entscheiden ĂĽber Vererbung der Augenfarbe

Für die Weitergabe der Augenfarbe sind mehrere Gene zuständig. Deshalb kann es durchaus sein, dass Menschen mit braunen Augen auch Anlagen für blaue Augen in sich tragen und diese an die eigenen Kinder weitervererbt werden. Daher lässt sich nur sehr schwer vorhersagen, welche Augenfarbe ein Kind bekommt. Es kann sogar passieren, dass sich die Augenfarbe bei einem Erwachsenen noch einmal verändert. Geht diese Veränderung langsam vonstatten, ist sie völlig unbedenklich. Treten Beschwerden wie Augenflimmern auf, sollte jedoch ein Arzt besucht werden.

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