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Alles unter Kontrolle - selbst beim Spielen sind Erwachsene immer dabei

t-online, Annegret Böhme

09.02.2011Lesedauer: 4 Min.
Mutter spielt mit ihrem kleinen Sohn.
Zu viel Kontrolle durch die Eltern schrÀnkt Kinder in ihrer Entfaltung ein. (Bild: imago)
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Wer eine Kostprobe der Interaktion zwischen Eltern und Kindern bekommen will, muss sich zehn Minuten auf einen Spielplatz stellen: „Komm, spring Luca!“, „Du wolltest doch schaukeln, Luise“, „Kuck mal Richard, ein Flugzeug!“ Eltern lassen ihren Kindern keine Ruhe, sie schubsen nicht nur an, sie rutschen auch mit. Erwachsene haben kindlichem Spiel schon immer Grenzen gesetzt. Aber heute ist es selbstverstĂ€ndlich, dass sie es organisieren, Konflikte lösen, sich mit Ideen und Rat einmischen. „Kinder bespaßen“, nennen Eltern das. Die Extremform ist der Kindergeburtstag: Von der Schatzsuche bis zum Kinobesuch ist alles geplant. FĂŒr Impulse der Kinder bleibt selten Raum. Dass sie von selbst spielen, wird kaum noch erwartet.

Kindern Zeit zu schenken sei gut, gemeinsames Tun wichtig, sagt die PĂ€dagogin und Spieltherapeutin Gabriele Pohl. Wer Interesse am Spiel der Kinder zeige, wĂŒrdige ihr Tun. Aber stĂ€ndiges Einmischen sei kontraproduktiv. „Freies Spiel entspringt der eigenen Fantasie“, sagt Pohl, „es lebt davon, dass Kinder ihren Impulsen folgen.“ Sie drĂŒcken damit aus, was sie bewegt, sie sammeln und verarbeiten Erfahrungen. „Dabei erleben sie, dass sie die Welt gestalten und verĂ€ndern können.“ Die Begrenzung des Spiels durch Vorgaben oder Animation, reiße die Kinder nicht nur stĂ€ndig aus ihrer konzentrierten Schaffenslust. Es verunsichere: „Sie verlieren das Vertrauen in ihre eigenen FĂ€higkeiten.“ Der Raum fĂŒr freies Spiel, in dem Kinder nur sich selbst folgen, ist durch verplante Freizeit, Medienkonsum und begrenzte SpielrĂ€ume ohnehin beschnitten.

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Eltern kreisen wie ein Hubschrauber um ihr Kind

„Ein Problem ist außerdem, dass Erwachsene heute immer dabei sind“, sagt Pohl. Sie tadeln, wenn das Kind den Teddy haut. Sie erklĂ€ren die Sterne oder Bilder im Buch bevor das Kind sie selbst entdeckt. Noch vor dreißig Jahren hat deutsche Eltern kaum interessiert, was Kinder spielen, solange sie zu Hause waren, wenn die Laternen angingen. Heute sind Kinder nie unbeobachtet, Eltern wollen wissen, wo sie sind und was sie tun. Das ist kein deutscher Trend. In den USA hat sich der Begriff „helicopter parenting“ etabliert, fĂŒr Eltern, die stĂ€ndig ums Kind kreisen, immer einsatzfĂ€hig und bereit, bis ins College-Alter hinein dessen Probleme zu lösen.

Die Angst, dem Kind könne etwas zustoßen, ist groß. Kind sein gilt inzwischen als gefĂ€hrlich, auch das unbeaufsichtigte Spiel mit anderen. Der britische Soziologe Frank Furedi nennt das Eltern-Paranoia, weil es nichts mit realer Bedrohung oder der Verwundbarkeit des Kindes zu tun habe, sondern damit, dass verunsicherte Eltern, ihre Sorgen aufs Kind projizieren. Die Welt der Erwachsenen sei voller Spannungen: brĂŒchige Beziehungen, vorlĂ€ufige BerufsidentitĂ€ten und keine eindeutige Antwort auf die Frage: Wer bin ich. Doch drĂ€nge eine FĂŒlle widersprĂŒchlicher Expertenmeinungen Eltern in die Rolle von AllmĂ€chtigen: Ihr Einfluss gilt als entscheidend fĂŒr das Schicksal des Kindes. Der Wunsch zu fördern entstehe letztendlich aus Verunsicherung.

Kompetenzen statt Lernspaß

Auch dieser Förderwille macht dem freien Spiel Konkurrenz. Die Angst, der Nachwuchs könnte in seiner Entwicklung, seinem Wissens- und Bildungsstand hinter Gleichaltrigen zurĂŒck fallen, habe sich hierzulande nach der ersten Pisastudie 2000 deutlich verstĂ€rkt, sagt die Spieltherapeutin Gabriele Pohl. Vor allem im BildungsbĂŒrgertum wĂŒrden jetzt Lernspiele angeschafft. Der Markt boomt. FrĂŒher stand auf Spielanleitungen „Ein Riesenspaß fĂŒr die ganze Familie“, heute werden sĂ€mtliche Kompetenzen aufgelistet, die das Spiel trainiert.

„Viele Eltern merken selbst, dass etwas nicht stimmt“, sagt Pohl. Wenn sie einen Wunschzettel in der Hand hielten, auf dem stĂŒnde: „Ich wĂŒnsche mir etwas, wo ich nichts lernen kann.“ Oder wenn „Kinder bespaßen“ frustriert, wie den Vater, der stundenlang eine Legolandschaft aufgebaut hat - und dann hat sein Sohn gar nicht damit gespielt. „Sie wĂŒrden es gern anders machen“, sagt Pohl. Aber es sei schwer, sich einem Trend zu widersetzen.

Bereits in Kitas wenig Raum fĂŒr freies Spiel

Der Druck zu fördern hat lĂ€ngst die KleinkindpĂ€dagogik erreicht. Die aktuellen Orientierungs- oder BildungsplĂ€ne fĂŒr KindertagesstĂ€tten werden es Erziehern erschweren, freies und ungestörtes Spiel einzurĂ€umen. Die PlĂ€ne sollen Bildung in KindergĂ€rten und Krippen verbindlicher machen, denn Jahre lang wurde dem Wissensdurst und der Neugier kleiner Kinder wenig Beachtung geschenkt. Einige lesen sich jedoch, als mache die Entdeckung, dass Kinder von Anfang an lernen, eine Abwertung des Spiels nötig: „Kein Kind will nur spielen“ heißt es gleich lautend im Bayrischen und im Hessischen Bildungsplan, „es will auch mit realem Leben und ernsthaftem Tun beschĂ€ftigt sein.“ Es ist viel von Wissenskonstruktion oder Kompetenzerwerb die Rede, viel vom Lernen, kaum noch vom Spiel. Auf seine Eigenheiten und den wichtigen Aspekt, dass es selbstbestimmt ist, wird nur in Ausnahmen, wie dem Berliner oder dem ThĂŒringer Bildungsplan eingegangen.

Durch Muße entsteht KreativitĂ€t

Der Spielforscher Rainer Buland vom Institut fĂŒr Spielforschung an der UniversitĂ€t Mozarteum in Salzburg kennt noch einen anderen Grund, der das Versinken ins Spiel erschwert. Hohes Tempo bestimme heute den Alltag. „Da ist es schwer zu ertragen, wenn mal zehn Minuten nichts passiert.“ Freies Spiel brauche Muße. Wenn Erwachsene Langeweile zulassen - bei sich und ihren Kindern - entstĂŒnden neue Ideen. Wer der eigenen Sehnsucht nach KreativitĂ€t und Selbstvergessenheit Raum gibt, wer die Eisenbahn raus holt, wenn die Kinder schon im Bett sind, wird das Spiel von Kindern vielleicht eher respektieren und sie in Ruhe lassen, wenn sie darin versinken.

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