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Ungl├╝ckliche Superkids: Eltern d├╝rfen ihre Kinder nicht verbiegen wie Marshmallows

t-online, Simone Bla├č

Aktualisiert am 31.03.2016Lesedauer: 5 Min.
Michael Schulte-Markwort
Michael Schulte-Markwort (Quelle: Nina Gr├╝tzmacher)
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Nie waren Kinder so umsorgt, so selbstbewusst und so reflektiert wie heute. Gleichzeitig klagen sowohl Kinder als auch Eltern ├╝ber die Anforderungen, die heute an sie gestellt werden. Professor Michael Schulte-Markwort, ├Ąrztlicher Direktor der Klinik f├╝r Kinder- und Jugendpsychiatrie im Universit├Ątsklinikum Hamburg-Eppendorf, erkl├Ąrt, wie wir uns aus der Optimierungsfalle befreien k├Ânnen.

Der zweifache Vater Schulte-Markwort spricht in seinem neuen Buch von "Superkids", die allerdings darunter leiden, dass sie immer perfekt und erfolgreich sein sollen.

t-online.de: Der Untertitel ihres Buches hei├čt "Warum der Erziehungsehrgeiz unsere Familien ungl├╝cklich macht". Ist es nicht positiv, wenn Eltern sich bem├╝hen, ihrem Kind das Beste zu erm├Âglichen?

Michael Schulte-Markwort: Nat├╝rlich ist das positiv und ich freue mich auch sehr dar├╝ber, dass ich heute Eltern eher bremsen muss. Sie kommen viel eher. Fr├╝her mussten wir den Eltern immer wieder sagen: F├╝hlt Euch ein in Eure Kinder, seid n├Ąher dran. Insofern ist das eine gute Entwicklung. Aber ich glaube, dass Erziehung ebenfalls unter dem Zwang der Optimierung steht. Eltern sind ratlos, weil sie angesichts der unglaublich vielen Angebote nicht mehr herausfinden, was gut ist f├╝r ihr eigenes Kind. Sie trauen sich nicht mehr, sich auf ihre Intuition zu verlassen.

Immer wieder h├Ârt man, Eltern h├Ątten ihre Intuition verloren, w├╝rden mehr auf Ratgeber denn auf ihre innere Stimme h├Âren.

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Grunds├Ątzlich sehe ich heute schon viel mehr Einf├╝hlungsverm├Âgen. Aber die Eltern sind verwirrt. Bei der Erziehung geht es nicht um richtig oder falsch, es geht um angemessen. Und man muss sich trauen, Grenzen zu setzen. Einzig die Eltern sind die wahren Experten f├╝r ihr Kind. Ich frage dann immer: Was w├╝rde Sie sagen, was ist der n├Ąchste richtige Schritt? Wenn ich Eltern ermuntere, sich darauf zu besinnen, trauen sie sich oft auch mehr.

Welche Gefahr birgt es, Superkids zu erziehen?

Noch nie waren Kinder so gut begleitet. Aber ich beobachte auch, dass Eltern heute die Trainer ihrer Kinder sind und sich mit anderen Trainern dar├╝ber austauschen, welche Trainingsmethode die erfolgreichste ist. Es scheint, als m├╝sste man beweisen, dass man sich um eine optimale F├Ârderung gek├╝mmert hat. Doch dieser Wunsch ist Chance und Fluch zugleich.

Schwierig wird es, wenn die elterlichen F├Ârderimpulse und die kindlichen M├Âglichkeiten nicht zusammenpassen. Dann werden die Kinder und Jugendlichen zu hyperangepassten Leistungstr├Ągern. Sie lassen sich wie Marshmallows eindellen und verbiegen, um m├Âglichst leicht und rosa zu wirken. Und sind dabei ungl├╝cklich.

Aber auch das Gegenteil ÔÇô "Bullerb├╝", die ideale Kinderwelt ÔÇô kommt in Ihrem Buch nicht gut weg. Warum?

Viele glauben, man m├╝sste nur die Bedingungen von damals wieder herstellen und dann ist alles gut. Die Kinder sind drau├čen an der frischen Luft, regeln ihre Konflikte untereinander und kommen abends gl├╝cklich und m├╝de nach Hause. Unter modernen Aspekten w├Ąre "Bullerb├╝" aber eine Form der Vernachl├Ąssigung. Kindheit ist heute verh├Ąuslicht. Das kann man beklagen, man kann es aber auch positiv sehen.

Frei nach dem Motto: Kinder bereiten sich im Spiel auf ihr sp├Ąteres Leben vor? Und das ist heute nun mal anders als zu "Bullerb├╝"-Zeiten?

Auf jeden Fall. Kinder sind wissbegierig, und dabei gehen sie auch mit den Medien viel entspannter um als wir es tun. Sie sind damit aufgewachsen und werden diese F├Ąhigkeiten sp├Ąter auch brauchen. Aber nat├╝rlich wollen sie sich auch bewegen, brauchen frische Luft. Brauchen R├Ąume, in denen sie unbeobachtet sind. Es ist wie bei der Ern├Ąhrung: Die Mischung macht es.

Man muss Kinder auch einmal laufenlassen und dabei nicht mit einer App verfolgen. Kontrolle ist gut, aber Vertrauen ist besser. Sonst entstehen keine Beziehungen, kein Selbstbewusstsein. Es gen├╝gt, wenn ein Kind einen freundlich liebevollen Blick in seinem R├╝cken wei├č.

In vielen Familien scheint alles nach Plan zu verlaufen: Musikunterricht, Sport, Schulwahl, Harmonie bis ins Erwachsenenalter hinein. Es scheint, als br├Ąuchten diese Superkids gar keine Abnabelungsphase mehr.

Pubert├Ąt hat sich tats├Ąchlich gewandelt. Die Spannkraft, die sie vor zwanzig Jahren noch hatte, gibt es in dieser Form nicht mehr. Viele Jugendliche f├╝hlen sich ausreichend geliebt und verstanden, ihre Eltern warten vergebens darauf, dass es zu Protest und Provokation kommt.

Nat├╝rlich entstehen Autonomie und Identit├Ąt dadurch, dass man sich von den Eltern abl├Âst. Das ist nach wie vor eine schwere Aufgabe, aber man muss es nicht mit einem Knall machen. Das ist auch pers├Ânlichkeitsabh├Ąngig. Zu uns kommen aber auch h├Ąufig Jugendliche, die sich fremdgesteuert f├╝hlen und erst sehr sp├Ąt in ihrer Pubert├Ąt, die ja bis zum 25. Lebensjahr dauern kann, dagegen protestieren.

Wenn wir alle Superkids haben, warum machen es sich Eltern gegenseitig so schwer?

Das ist ein Ph├Ąnomen, das mit dem Optimierungsdruck zu tun hat. Das hat es tendenziell schon immer gegeben, nur die Themen waren andere. Viele Eltern leiden darunter, k├Ânnen es aber nur schwer abstellen. Wer kann sich schon dem Leistungsdruck entziehen und sagen: Mein Kind braucht nicht gut zu sein. Denn "gut" hei├čt immer Lebenserfolg und der wiederum ist vielfach gleichgesetzt mit dem Schulabschluss und der Leistungsf├Ąhigkeit.

Die W├Ąhrung, mit der unsere Kinder unsere Bem├╝hungen "bezahlen", ist also ihr Erfolg?

Im Prinzip ja. Eltern, deren Kinder diesen Erfolg nicht haben, brauchen oft Trost. Wir versuchen dann mit ihnen herauszufinden, was das individuelle Profil ihres Kindes ist, was es gut kann, was m├Âglich ist. Schlie├člich m├╝ssen es nicht immer Abitur und Studium sein. Man kann auch mit einem Lehrberuf erfolgreich und zufrieden sein.

Wann ist der richtige Moment, ein Kind loszulassen?

Wahrscheinlich viel sp├Ąter als man bisher dachte. Je genauer man an den jungen Menschen dranbleibt, desto mehr Zeit brauchen sie. Aus der Praxis kann ich sagen, dass gerade die jungen Erwachsenen bisher unversorgt waren. F├╝r die Kinderstation waren sie zu gro├č, f├╝r die Erwachsenenstation zu jung. Es ist also eine wichtige klinische Erfahrung, dass wir uns dieser Phase mehr zuwenden m├╝ssen, im Sinne von "f├╝rsorglich hinschauen".

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Es ist also nicht mehr zeitgem├Ą├č, die Kinder mit 18 in ihr eigenes Leben zu entlassen? Ist also der Begriff "Hotel Mama" viel zu negativ besetzt?

Es ist doch nicht schlecht, wenn sich ein junger Mensch zu Hause wohlf├╝hlt, seine Zeit braucht, einen verst├Ąndnisvollen, unterst├╝tzenden Raum, um zu reifen und seine Pers├Ânlichkeit zu entwickeln. Wir leben in einer Zeit, in der wir viele Fragen stellen. Da sollten wir uns auch die Frage stellen, wie unsere Kinder aufwachsen sollen, welche Werte wir ihnen vermitteln wollen.

Viele beklagen, die Kinder von heute w├╝rden immer ernsthafter. Stimmt das denn?

Die Kinder heute sind anders als fr├╝her, viel reflektierter. Ich bin immer wieder erstaunt, welche Gedanken sie sich machen, welche Fragen sie stellen. Begegnet man ihnen voller Respekt auf Augenh├Âhe, dann entstehen Entwicklungsr├Ąume. Aber es stimmt, die Kinder werden ernster.

Unsere Welt hat sich ver├Ąndert und Ernsthaftigkeit kann ja auch Spa├č machen. Mit Kindern ernsthaft in Kontakt sein ist eine eigene Form von Lebensfreude. Das darf man nicht verwechseln mit Traurigkeit. Wichtig ist, sich auf die Ebene einzulassen, auf der das Kind sich gerade befindet: das eigene Vokabular anpassen ohne kindisch zu werden, das Kind ernst nehmen, auf es eingehen und sich interessieren f├╝r das, was es tut.

Und so findet man die Balance zwischen F├Ârdern und Fordern?

Das Geheimnis ist Beziehung statt Erziehung. Das ist bei Erwachsenen nicht anders, da fragt man sich doch auch, was tr├Ągt uns gemeinsam, was w├╝nsche ich mir von Dir, was kannst Du von mir erwarten. Daf├╝r gibt es keine Patentrezepte. Kinder sind keine Arbeitsabl├Ąufe, die man "effektiver" machen kann. Sie sind dynamische Wesen, die nur in der liebevollen Beziehung zu uns so wachsen k├Ânnen, dass sie eine gute Entwicklung nehmen.

Buchtipp: Michael Schulte-Markwort, "Superkids", Verlag Droemer Knaur, ISBN: 978-3-629-13077-8

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