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Maskenpflicht: Wann können Sie ein Attest bekommen?

Nicht alle Lungenkranken  

Wer kann von der Maskenpflicht befreit werden?

12.07.2020, 13:09 Uhr
Maskenpflicht: Wann können Sie ein Attest bekommen?. Einkaufen mit Maske: Unter bestimmten Voraussetzungen können Sie von der Maskenpflicht befreit werden.  (Quelle: imago images/Manfred Segerer)

Einkaufen mit Maske: Unter bestimmten Voraussetzungen können Sie von der Maskenpflicht befreit werden. (Quelle: Manfred Segerer/imago images)

Seit Ende April gilt in allen Bundesländern in Deutschland eine Maskenpflicht zum Schutz vor dem Coronavirus. Einige Menschen fragen sich aber, ob und warum sie einen Mund-Nasen-Schutz tragen müssen. 

Nachdem Mecklenburg-Vorpommern überlegt hat, die Maskenpflicht abzuschaffen, weil es in dem Bundesland vergleichsweise wenige Corona-Infektionen gibt, diskutieren noch mehr Menschen als zuvor über die Notwendigkeit des Mund-Nasen-Schutzes. Doch wann können Sie wirklich auf die Gesichtsmaske verzichten?

Welchen Schutz bieten Mund-Nasen-Bedeckungen?

Das Robert Koch-Institut (RKI) erklärt, dass für den Schutz vor dem Coronavirus vor allem Selbstisolierung bei Erkrankung, eine gute Händehygiene, Husten- und Niesetikette sowie das Abstandhalten wichtig sind. Aber auch das Tragen einer Maske könne "dazu beitragen, die Ausbreitung von Covid-19 in der Bevölkerung zu verlangsamen und Risikogruppen vor Infektionen zu schützen". Voraussetzung dafür sei allerdings, dass genügend Menschen eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen und damit richtig umgehen. 

Gleichzeitig betont das Institut, FFP-Masken und mehrlagiger medizinischer Mund-Nasen-Schutz müssen medizinischem Personal vorbehalten bleiben. Zudem filtern FFP-Masken mit Ventil zwar die eingeatmete Luft, sind hingegen aber nicht für den Fremdschutz geeignet. "Solche Masken sind für sehr wenige Anwendungsfelder in der Klinik vorgesehen und sollten nicht in der Bevölkerung getragen werden", heißt es vom RKI. 

Wer darf auf die Mund-Nasen-Bedeckung verzichten?

Das RKI erklärt, dass es "Personen gibt, die aus medizinischen oder anderen triftigen Gründen" keine Maske tragen können. Zusätzlich müssen Kinder je nach Bundesland erst ab einem bestimmten Alter eine Maske tragen. In fast allen Bundesländern müssen Kinder erst ab sechs Jahren Mund und Nase bedecken. Nur Sachsen und Sachsen-Anhalt haben eine andere Regelung beschlossen. In Sachsen müssen alle Kinder eine Maske tragen, sobald sie dazu in der Lage sind. In Sachsen-Anhalt gilt die Maskenpflicht ab zwei Jahren. 

In der Infektionsschutzverordnung für die Hauptstadt heißt es zudem beispielsweise, die Maskenpflicht gelte nicht für Menschen, die wegen einer gesundheitlichen Beeinträchtigung oder Behinderung keine Maske tragen können. Auch gehörlose oder schwerhörige Menschen sowie ihre Begleitpersonen müssen keine Maske tragen. Ausgenommen von der Pflicht sind außerdem Menschen, die andere "Vorrichtungen" wie beispielsweise ein Visier tragen, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. 

Das Land Niedersachsen hat ähnliche Regelungen getroffen. Menschen, bei denen es aufgrund einer Behinderung durch eine Mund-Nasen-Bedeckung zu erheblichen Einschränkungen in der Kommunikation oder der Sinneswahrnehmung kommt (Gehörlose, Blinde, Menschen mit sprachlicher oder geistiger Beeinträchtigung), müssen demnach keine Maske tragen. Das Land zählt bei möglichen medizinischen Gründen zudem auch allergische Reaktionen auf die Maske auf.  

Brauchen Sie ein ärztliches Attest?

In der Regel müssen Sie durch ein ärztliches Attest nachweisen, dass es Ihnen nicht zuzumuten ist, eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen. Dieses Attest sollten Sie am besten immer bei sich tragen, um Probleme bei Kontrollen zu vermeiden. Auch in den Bundesländern, wo der Nachweis wie in Niedersachsen nicht zwingend erforderlich ist, kann ein Attest hilfreich sein, um eventuell nicht sichtbare Krankheiten glaubhaft zu machen. Geschäfte können Sie ansonsten mittels Hausrecht vom Einkauf ausschließen. 

Bei einer Behinderung kann der Nachweis aber beispielsweise auch über den Schwerbehindertenausweis, mit den Merkzeichen GL (Gehörlos), BL (Blindheit) oder TBL (Taubblindheit) erfolgen. Auch diesen sollten Sie zur Sicherheit bei Kontrollen immer bei sich tragen. 

In den meisten Bundesländern droht zudem ein Bußgeld zwischen zehn und 500 Euro bei einem Verstoß gegen die Maskenpflicht – dem können Sie entgehen, wenn Sie einen Nachweis erbringen. 

Wer kann Ihnen ein Attest ausstellen?

Ein Attest, das Sie von der Maskenpflicht befreit, stellen in der Regel Ihre behandelnden Ärzte aus. Um Besuche in Arztpraxen zu vermeiden, können viele Ärzte das Attest auch nach telefonischer oder schriftlicher Bitte ausstellen – besonders dann, wenn Sie bei dem entsprechenden Arzt schon länger wegen der betreffenden Erkrankung in Behandlung sind. Letztlich entscheidet der Arzt im Einzelfall, ob und wie er ein Attest ausstellt. 


Eine offizielle Information darüber, wer wann ein solches Attest bekommt, gibt es nicht, wie ein Facharzt aus Berlin berichtet. Bislang hätten bei ihm in der Praxis zwar wenige nach einem solchen Attest gefragt, ein paar Fälle habe es aber gegeben. Die Gründe seien ganz unterschiedlich: Eine Bäckereiangestellte habe er beispielsweise von der Maskenpflicht entbunden, nachdem Sie am Ofen in ihrer Filiale kollabiert war. Ein anderer Patient klagte über Panikattacken, da seine Symptome aber andere Ursachen hatten, lehnte der Allgemeinmediziner den Wunsch nach einem Attest ab. 

Die Ärztekammer Nordrhein betont beispielsweise, dass es keine "einfache Kausalität" zwischen Lungenerkrankungen und unzumutbarer Belastung durch eine Maske gibt. Ärzte sollten auch darauf achten, eine "unzumutbare psychische Belastung von einer subjektiven Befindlichkeitsstörung" zu unterscheiden. 

Verwendete Quellen:
  • Robert Koch-Institut
  • Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte
  • Infektionsschutzverordnung Berlin; Niedersachsen
  • bussgeldkatalog.org
  • Ärztekammer Nordrhein
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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