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So wehrt sich Mallorca gegen die "Durchfallmasche"

dpa, Patrick Schirmer Sastre

Aktualisiert am 18.09.2017Lesedauer: 3 Min.
Mit der Durchfallmasche sollen britische Touristen mindestens 50 Millionen Euro ergaunert haben.
Mit der Durchfallmasche sollen britische Touristen mindestens 50 Millionen Euro ergaunert haben. (Quelle: Symbolbild; Julian Stratenschulte/dpa)
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Jahrelang haben Urlauber aus Gro├čbritannien auf Mallorca falsche Schadenersatzforderungen wegen angeblicher Lebensmittelvergiftungen gestellt. Das wollen sich die Hotels auf der Insel nicht mehr bieten lassen. Mittlerweile gibt es erste Festnahmen.

So lief die "Durchfallmasche" ab

Das Konzept der Touristen war ebenso simpel wie gerissen. Es funktionierte in etwa so: Einfach w├Ąhrend des Urlaubs auf Mallorca in die Apotheke gehen, ein Durchfallmittel kaufen und den Kassenbon einpacken ÔÇô und dann zur├╝ck in der Heimat behaupten, man habe sich beim Essen im Hotel eine Lebensmittelvergiftung eingefangen. Schon standen die Chancen nicht schlecht, den gesamten Urlaub erstattet zu bekommen.

Mit dieser Masche sollen britische Touristen seit 2013 auf der Baleareninsel mindestens 50 Millionen Euro ergaunert haben. Spanienweit waren es vermutlich um die 60 Millionen Euro.

Reklamationen um 700 Prozent gestiegen

Dass der Betrug erst Anfang dieses Jahres bemerkt wurde, liegt an der drastisch gekletterten Zahl der falschen Beschwerden. "Im vergangenen Jahr sind die Reklamationen um 700 Prozent gestiegen", teilte der mallorquinische Hoteliersverband FEHM mit. Der Betrug habe vor allem in All-Inclusive-Hotels oder Unterk├╝nften mit Halbpension stattgefunden ÔÇô denn diese sind f├╝r eine L├╝cke im britischen Verbraucherschutzgesetz besonders anf├Ąllig.

Demnach d├╝rfen Touristen die Reiseveranstalter bis zu drei Jahre nach dem Urlaub f├╝r Erkrankungen haftbar machen, wenn diese vom Hotel verursacht wurden. Die Reiseveranstalter geben dann die Kosten des Schadenersatzes an die Hoteliers weiter.

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Sechs Verd├Ąchtige wurden festgenommen

Fragt man die Urlauber im besonders bei Briten beliebten K├╝stenort Magaluf, wollen sie nichts von der Masche gewusst haben. "Nein, nein. Nie geh├Ârt", stammelt eine junge Mutter im pinken Tr├Ągertop und mit Mallorca-Strohhut, bevor sie ihre Tochter hastig auf die andere Stra├čenseite zieht. Ein ├Ąlteres britisches Ehepaar, das ├╝ber die ber├╝hmte Partymeile Punta Ballena spaziert, stimmt in den gleichen Tenor ein: "Sorry, da m├╝ssen Sie andere fragen", sagen die beiden und scheinen es pl├Âtzlich sehr eilig zu haben.

Auf die Idee zum Betrug sind die Urlauber allerdings nicht unbedingt selbst gekommen. Anfang September wurden sechs Verd├Ąchtige bei Razzien festgenommen, darunter eine bekannte britische Unternehmerin aus dem mallorquinischen Nachtleben. Ihnen wird vorgeworfen, Strohm├Ąnner vor den Hotels platziert zu haben, die die Touristen zu dem Betrug anstifteten. Das zur├╝ckerstattete Geld wurde dann zwischen den Drahtziehern und den Touristen aufgeteilt. Mehrere Anwaltskanzleien sollen Reiseveranstalter mit Klagen geradezu ├╝berflutet haben.

So wehrt sich Mallorca gegen die "Durchfallmasche"

In einer Seitenstra├če der Punta Ballena arbeitet Alfonso in einer Apotheke. "Wir haben am Anfang des Sommers von dieser Masche geh├Ârt. Seitdem geben wir zwar die Medizin raus, aber nicht mehr die Kassenzettel", sagt er. "Wir werden keinen Betrug unterst├╝tzen." Die Taktik der Betr├╝ger habe diesen Sommer dennoch recht gut funktioniert. "Wenn die Touristen auf den Kassenzettel bestehen, dann haben wir nat├╝rlich keine Wahl." Solche Offenheit ist nicht selbstverst├Ąndlich. In einer anderen Apotheke sagt eine von der Inselsonne gegerbte Verk├Ąuferin, man habe strikte Anweisungen des Chefs, sich nicht zu dem Thema zu ├Ąu├čern.

Mittlerweile zeigt der Druck der Hoteliers erste Erfolge. Die britische Regierung hat angek├╝ndigt, das Verbraucherschutzgesetz zu ├╝berarbeiten. Und auch die Reiseveranstalter wollen bei dem Trick nicht l├Ąnger mitmachen.

In diesem Fall gibt es keine Entsch├Ądigung

So unter anderem Thomas Cook: Der Konzern bringt j├Ąhrlich Hunderttausende Briten auf die Insel. "Unsere Kunden sollen wissen, dass wir an ihrer Seite stehen, wenn sie im Urlaub wirklich krank werden", zitierten Medien auf der Insel Unternehmenschef Peter Fankhauser. "Wir wollen aber auch klarmachen, dass wir keine Entsch├Ądigungen zahlen, wenn Urlauber nicht direkt im Hotel ├╝ber ihre Krankheit informieren."

Der Veranstalter mit Sitz in London ist einer der ersten, der einen Prozess gegen einen Urlauber wegen falscher Schadenersatzforderungen gewonnen hat. Das hat Wirkung gezeigt. Laut Presseberichten soll eine Kanzlei in England mittlerweile eine deftige Sammelklage von 3500 Urlaubern zur├╝ckgezogen haben.

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