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Notfall eines Flugzeugs – was dann geschieht

Panne des Merkel-Fliegers  

Notfall über den Wolken – was dann geschieht

Von Markus Abrahamczyk

30.11.2018, 13:27 Uhr
Schaden an Regierungsflugzeug verzögert Merkels G20-Reise (Screenshot: Reuters)
Merkel verpasst G20-Auftakt wegen Flugzeugpanne

Das Regierungsflugzeug "Konrad Adenauer" mit Merkel und Vizekanzler Olaf Scholz an Bord musste am Donnerstag auf dem Flughafen Köln-Bonn landen.

Aufregung um die Bundeskanzlerin: Wegen eines technischen Schadens musste das Regierungsflugzeug "Konrad Adenauer" mit Merkel und Vizekanzler Olaf Scholz an Bord außerplanmäßig auf dem Flughafen Köln-Bonn landen. (Quelle: Reuters)


Luftnotlage beim Kanzler-Jet: Per Satellitentelefon muss der Pilot des Merkel-Airbus eine ungeplante Landung vorbereiten. Was ist so eine Notlage und was genau läuft dann ab?

Es war brenzliger als zunächst angenommen: Der Pilot der "Konrad Adenauer" kann beim Kanzlerflug nach Argentinien nicht mehr per Funk kommunizieren. Er muss deshalb am Satellitentelefon eine ungeplante Landung vorbereiten. Da die Maschine voll betankt ist, besteht erhöhte Brandgefahr. Das ganze Szenario – eine klassische Luftnotlage.

Was ist eine Luftnotlage?

Die Luftnotlage gilt bei einem schweren technischen oder menschlichen Notfall in der Luft. Die Gründe können vielfältig sein: Beispielsweise streikt die Technik wie im Merkel-Airbus, der Sprit geht aus oder es gibt einen medizinischen Notfall an Bord. Auch eine Entführung zählt zu den Luftnotlagen. Ob eine solche Notlage vorliegt, entscheiden die Piloten des Fliegers oder in Ausnahmefällen die Flugsicherung am Boden.

Wie wird die Luftnotlage kommuniziert?

Die Piloten informieren das Personal am Boden über ihre Situation. Wenn möglich, wird dafür der Sprechfunk genutzt, der aber beispielsweise im Merkel-Airbus nicht funktionierte. In diesem Fall stehen außerdem Tastfunk (Morsezeichen), Transponder und Satellitentelefon zur Verfügung. Dem Piloten ist es erlaubt, auf jede ihm mögliche Weise auf Situation und Standort des Flugzeuges aufmerksam zu machen. Dieses Flugzeug hat dann Vorrang vor allen anderen.

Welches Signal verwendet der Pilot?

Funktioniert der Sprechfunk, meldet der Pilot das berühmte Notsignal "Mayday". Es hat oberste Priorität vor dem übrigen Funkverkehr. Der Pilot oder die Flugsicherung kann mit dem Funkspruch "Silence Mayday" eine Funkstille anordnen. Während der Notsituation haben dann alle Unbeteiligten den Funkverkehr einzustellen. Der Funkspruch "Mayday" wurde im Jahr 1923 als Notruf festgelegt. Wahrscheinlich ist er dem französischen Ausdruck "M’aider!" (Mir helfen!) entlehnt.

Wenn der Sprechfunk nicht zur Verfügung steht, kann per Tastfunk "SOS" (drei kurz, drei lang, drei kurz) gefunkt werden. Das Signal wurde im Jahr 1904 von der deutschen Kaiserlichen Marine eingeführt. Ursprünglich diente es nicht direkt als Hilferuf, sondern es war die Aufforderung an alle anderen Beteiligten, ihren Funkverkehr zu unterbrechen. Erst bei Funkstille wurde dann die eigentliche Nachricht übermittelt.

Schließlich kann der Pilot auf einen Transponder-Code, also ein Radiosignal, zurückgreifen. Das ist eine vierstellige Zahl, die vom Flugzeugtransponder ausgesendet und vom Radar der Bodenstation empfangen wird. Es gibt verschiedene Codes, die hierfür festgelegt wurden. Der Code 7600 etwa, den der Pilot des Merkel-Fliegers entsandte, bedeutet "radio failure", also Funkausfall. Auch für den Fall einer Entführung gibt es einen festgelegten Code.

Das Transponder-Signal kann auch von anderen empfangen werden. So wurde die Notlage frühzeitig bekannt – erst später zeigte sich aber, dass es sich dabei um die "Konrad Adenauer" handelte.

Der Pilot des Merkel-Fliegers verständigte sich anschließend per Satellitentelefon mit der Flugsicherung.

Kanzler-Airbus "Konrad Adenauer" in der Nacht in Köln: "Es war eine ernsthafte Störung", sagte Merkel über den technischen Defekt, der ihren Piloten zur ungeplanten Landung zwang. (Quelle: dpa/TeleNewsNetwork)Kanzler-Airbus "Konrad Adenauer" in der Nacht in Köln: "Es war eine ernsthafte Störung", sagte Merkel über den technischen Defekt, der ihren Piloten zur ungeplanten Landung zwang. (Quelle: TeleNewsNetwork/dpa)

Wie geht es nach dem Alarmsignal weiter?

Sobald die Flugsicherung über die Luftnotlage informiert wird, alarmiert sie die Rettungskräfte. Das sind zum einen zivile Stellen (unter anderem Polizei, Feuerwehr, Rotes Kreuz, Technisches Hilfswerk) und zum anderen die Bundeswehr für Aufgaben der Suche und Rettung.

Neben der Luftnotlage gibt es drei weitere Stufen:

  • Ungewissheitsstufe: wenn die Ankunft eines Flugzeugs oder seine Meldung für 30 Minuten ausbleibt
  • Bereitschaftsstufe: wenn zum Beispiel der Verdacht einer Entführung besteht oder das Flugzeug nicht innerhalb von fünf Minuten nach der Erlaubnis landet
  • Notstufe: wenn dem Flugzeug das Kerosin ausgeht, eine Notlandung sicher ist beziehungsweise befürchtet wird oder wenn die Unklarheit der Bereitschaftsstufe weiterhin besteht

Was ist der Grund für die Merkel-Panne?

Der Ausfall einer elektronischen Verteilerbox hat die Panne des Regierungs-Airbus ausgelöst. "Die Verteilerbox war die Ursache", sagt ein Sprecher der Luftwaffe. An der Box hingen mehrere Systeme, darunter die Funkanlage und die Anlage, über die Sprit abgelassen werden könne.

War das die erste Panne dieser Art?

Nein. In den vergangenen Monaten hatte es mehrere Zwischenfälle mit der Flotte der Regierungsflugzeuge gegeben. Betroffen waren etwa Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Finanzminister Scholz, der bei einer IWF-Tagung in Indonesien strandete, weil ebenfalls die "Konrad Adenauer" ausfiel. Darauf angesprochen, hatte Merkel in der Nacht nur gesagt: "Ein einzelner Vorfall sollte uns nicht dazu bringen, das System zu verändern."

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagenturen dpa, Reuters
  • welt.de
  • Eigene Recherche
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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