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Verbot von Sonnencreme: Was Urlauber tun können

Gefahr für die Weltmeere  

Badeparadiese verbieten Sonnencreme – Was Urlauber tun können

13.02.2019, 12:28 Uhr | dpa-tmn

Verbot von Sonnencreme: Was Urlauber tun können. Schnorcheln im Meer: Ohne Sonnencreme kann man sich dabei schnell die Haut verbrennen. (Quelle: dpa/tmn/Andrea Warnecke)

Schnorcheln im Meer: Ohne Sonnencreme kann man sich dabei schnell die Haut verbrennen. (Quelle: Andrea Warnecke/dpa/tmn)

Palau und Hawaii verbieten bald bestimmte Sonnencremes. Andere Reiseziele könnten folgen. Welche Alternativen haben Urlauber? Und wie lassen sich der Schutz der Haut vor gefährlicher UV-Strahlung und Umweltschutz vereinbaren?

Der Pazifikstaat Palau wagt eine radikale Maßnahme zum Schutz der Umwelt: Bestimmte Sonnencremes sind auf der tropischen Insel ab Januar 2020 verboten, weil sie die Korallen beschädigen. Auf der Giftliste der Substanzen, die das Gesetz nennt, stehen etwa Oxybenzon und das in vielen hierzulande verkauften Cremes enthaltene Octocrylen. Sonnenschutz mit diesen Inhaltsstoffen soll beschlagnahmt werden, wenn ausländische Besucher ihn mit ins Land bringen. Palau könnte Vorreiter sein.

Tausende Tonnen Sonnencreme gelangen ins Meer

Im US-Bundesstaat Hawaii gilt ab 2021 ein Verbot von Cremes, die Octinoxat oder Oxybenzon enthalten. Laut einem Bericht der "New York Times" wird geschätzt, dass rund 14.000 Tonnen Sonnencreme pro Jahr in die Ozeane gelangen – in Riffen bei Hawaii und in der Karibik hätten sich die deutlichsten Schäden gezeigt.

Tatsächlich stehen die Inhaltsstoffe bestimmter Sonnencremes im Verdacht, Korallen und Fische zu schädigen. Konkret geht es um chemische UV-Filter, vor allem Octinoxat und Oxybenzon. Das wirft Fragen auf: Wie vertragen sich Sonnencremes mit dem Schutz der Meere? Und wie können Urlauber ihre Haut schützen, ohne das empfindliche Ökosystem unter Wasser zu belasten?

Riffökologin Sonia Bejarano kennt die Wirkung von Octinoxat und Oxybenzon auf Korallen. Sie schädigten Zooxanthellen – einzellige Algen, die in Symbiose mit Korallenpolypen leben und ihnen Farbe und Energie verleihen. Dadurch tragen die Stoffe zum Ausbleichen der Steinkorallen bei, was teilweise oder vollständig zu deren Absterben führen kann, wie die Forscherin vom Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung in Bremen erklärt.

So schädlich wirken chemische UV-Filter

Obwohl die Forschungen nicht unumstritten sind, gebe es viele wirkungsvolle Alternativen zu solchen Cremes, sagt Prof. Rolf-Markus Szeimies, Chefarzt der Klinik für Dermatologie und Allergologie im Knappschaftskrankenhaus Recklinghausen.

Octinoxat und Oxybenzon in Sonnenschutzmitteln seien in Europa nicht so verbreitet wie in den USA, wo Zulassungen von UV-Filtern durch die nationale Gesundheitsbehörde restriktiver sind. "In der EU generell gibt es eine Fülle an chemischen UV-Filtern, die für Sonnenschutz zur Verfügung stehen", sagt Szeimies. Zwar enthielten einige Produkte einen der beiden Filter, doch wer diese vermeiden will, kann einfach auf der Verpackungsrückseite nachschauen.

Doch auch ein hierzulande verbreiteter UV-Filter kann nach Ansicht von Forschern Meeresbewohner schädigen: Octocrylen. Diesen Stoff fanden die Experten der Zeitschrift "Öko-Test" im Frühjahr 2018 in mehr als der Hälfte der 27 getesteten Cremes.

Octocrylen verwandelt sich in Fettsäureverbindungen und sammelt sich in Korallengewebe an, wie Riffökologin Bejarano erklärt. "Er führt dazu, dass die Mitochondrien in den Zellen der Korallenpolypen nicht mehr korrekt funktionieren, und er stört den Stoffwechsel von Fettsäuren in der Koralle." Der Stoff soll sich auch in lebenden Organismen wie Muscheln und Austern ansammeln und störe bei Fischen die Entwicklung von Gehirn und Leber.

Alternativen zu Sonnenschutzmitteln

Chemische UV-Filter, die bestimmte UV-Strahlung in andere Energieformen wie Wärme umwandeln, sind nicht alternativlos. Urlauber können auch auf Cremes mit physikalischen Filtern wie Titandioxid oder Zinkoxid setzen, die Sonnenstrahlen reflektieren und sie damit von der Haut fernhalten. Es wird allerdings diskutiert, ob diese Stoffe gesundheitsschädlich sind. Szeimies hält sie für unbedenklich, sofern sie – wie bei Sonnencremes – gebunden auf die Haut aufgetragen werden.

"Öko-Test" rät grundsätzlich zu Produkten mit physikalischen UV-Filtern. Für Sprays gilt diese Empfehlung jedoch nicht, wie Redakteurin Svenja Markert klarstellt. Denn sie können eingeatmet werden – und das könnte problematisch sein.

Dermatologe und Allergologe Szeimies plädiert generell dafür, mehr auf textilen Schutz statt Cremes und Lotionen zu setzen und lieber im Schatten zu bleiben, wenn die Sonne im Sommer mittags und am frühen Nachmittag am höchsten steht. Wichtig sei die Dichte des Gewebes. Je enger und dicker die Maschen der Kleidung sind, desto weniger UV-Licht kommt durch. Wer sein T-Shirt im Wasser trägt, sollte bedenken: Durch nasse Kleidung dringt dem Experten zufolge mitunter mehr UV-Strahlung.

Manche Textilien haben UV-Schutz integriert. Hier kommt es ebenfalls auf die Dichte der Maschen an. "Bei lockerem Stoff helfen eingearbeitete UV-Filter nicht viel, weil die Maschen so breit sind, dass doch UV-Licht durchkommt", sagt Szeimies.

Wie können Urlauber ihre Haut schützen?

Hilft es mit Blick auf die Umwelt vielleicht, sich frühzeitig einzucremen, sodass weniger Creme ins Wasser gelangt? Aus Sicht des Dermatologen ist das zwar wichtig für die Schutzwirkung auf der Haut, bringt für Lebensräume in Meeren jedoch wenig.

Ein Sonnenschutzmittel mit chemischem UV-Filter muss zwar durch die abgestorbene Hornschicht ganz oben auf der Haut dringen, um die lebenden Zellen darunter zu schützen – deshalb gilt die alte Regel, sich eine halbe Stunde vor dem Sonnenbad einzureiben. "Es wird aber wohl nur ein Bruchteil der Creme in die Haut eindringen", so Szeimies. Und der Rest kann ins Wasser gelangen.

Bleibt am Ende nur UV-Schutzkleidung zum Baden? Das allein genüge nicht, betont Markert. Das Gesicht sei der Sonne immer noch ausgesetzt. "Sonnencreme ist wichtig." Denn Fakt ist auch, dass jeder Sonnenbrand das Risiko erhöht, an Hautkrebs zu erkranken.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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